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2.8. Substrat- und Umwelteinflüsse auf das Wachstum vom Echten Hausschwamm

Die Rolle der Feuchtigkeit und Temperatur bezogen auf die Wachstumsbedingung wurde in den oben genannten Abschnitten dargelegt. Zusätzlich wirken in der Praxis noch andere Einflussfaktoren.

Wie bereits genannt spielt bei der Enzymaktivität der pH-Wert eine wichtige Rolle. Baustoffe, wie Ziegel oder Sand werden durch die Pilze bevorzugt. Die haben einen pH-Wert von 5-6. Hingegen wirken alkalische Baustoffe wie Kalk, Kalkstein, Zement, Beton und Holzwolleleichtbauplatten eher hemmend. (Weißenfels) An mindestens 3 Schadensfällen kann dies bestätigt werden. In einer ca. 60-70 Jahre alten Villa waren die Betonhohldiele vollständig durchwachsen. Die alkalische Wirkung als Wachstumsbremse ist sicherlich hier stark herabgesetzt. Im Normalzustand des Betons durch Ca(OH)2 -Lösung beträgt der pH-Wert 12,6. Bei porösem Beton, wo Ca(OH)2 durch C02 karbonatisiert ist, liegt der pH-Wert bei 8-10. Ebenso verringert sich der pH-Wert von Beton und Zementputze, da diese über längere Zeit CO2 ausgasen, bei Kalkputze wird die Bindekraft auch gemindert. Im WTA-Merkblatt wird darauf verwiesen, dass alkalische Materialien wie oben genannt durch den Echten Hausschwamm benötigt werden, um die von ihm produzierte Oxalsäure zu neutralisieren. (WTA-Merkblatt S. 4). Diese dürfte vom Oxalacetat ein Produkt beziehungsweise Zwischenprodukt im Citrat-Zyklus der Aufspaltung der Kohlenstoffmolekülketten sein. Der Weiße Porenschwamm (Antrodia vaillantii) neutralisiert zum Beispiel chemisch geschütztes Holz, in den Kupferverbindungen vorliegen. Durch die erhöhte Produktion von Oxalsäure entsteht Kupferoxalat. Diese Salz ausfällt aus. Andere Bestandteile wie Chrom- und Arsenverbindungen verlieren ihre Fixierung und werden wasserlöslich. (Holzschutz-Tagung 2000) Es wurden mehrere ältere relativ kleinere aktive Befallsherde (zirka 1 - 2 m2) vor Jahren durch einen Mieter bei der selbst durchgeführten Wohnungssanierung mit neuem Kalkputz verputzt. Es kam zum Wachstumsstillstand. Der Mörtel der Mauerfugen zeigte Myzel und der Putz nichts. Analog kann man dies beobachten, wenn im Mauerwerk Mauersteine aus verschiedenen Materialien verarbeitet wurden. Hier liegt ein sehr kleiner Grenzbereich im Verlauf zum anderen Baumaterial vor. In der Praxis kann dies eine nachträglich gemauerte Ziegelwand sein. Kalksandsteine werden ebenso vom Mycel überzogen, wie Ziegel. Jedoch ist der Ziegelstein poröser und in diese Fugen wächst das Mycel. Bei leichtem Befall von Mauerwerk aus Lehmsteine wächst das Mycel lediglich in den Fugenmörtel aus Lehm. Liegt ein starker Befall vor, so findet man das Mycel auch im Lehmstein selbst. Bei Stampflehmwände wird vor allem das Stroh abgebaut. So kann sich der Befallsbereich auch bis in vollständig trockene Mauerabschnitte ausbreiten.

Mycel vom Echten Hausschwamm in einer LehmstampfwandMycel vom Echten Hausschwamm in einer Lehmstampfwand

 

Ein um mehrere Jahre zurückliegender geringer Wasserschaden verursachte langsam aber kontinuierlich eine Schädigung durch den Echten Hausschwamm. Das geringe frische Mycel unter den Dielen wuchs bei einer Holzfeuchtigkeit von unter 12 %. Die frühere Feuchtigkeitsquelle, eine Wasserleitung, war seit vielen Jahren abgestellt. Analoges Beispiel ist ein Treppenpodest, wo das recht kräftige Mycel von der Mitte in Richtung der Außenwände und AWCs wuchs. Die Ursache war offensichtlich das Wischwasser von der regelmäßigen Treppenreinigung, die aber mindestens vor einem halben bis anderthalb Jahren eingestellt wurde. Festgestellt wurde dies bei Treppenhausarbeiten beim Spachteln der Decke, da der Putzträger aus Stroh den Putz nicht mehr hielt. Die Holzfeuchtigkeit der Dielung lag im Bereich um 12%. Bei der Mehrheit ähnlicher ältere Schadensbereiche hörte das Wachstum irgendwann von allein auf. Die Laboruntersuchungen zu Abbauleistungen verschiedener Stämme lagen zwischen 4 bis 35% Trockenverlust nach 16 Wochen Inkubationszeit, bei 20-21°C und 20-40% Holzfeuchte. Die verschiedenen Hölzer zeigen ein sehr uneinheitliches Abbaumuster [Abou Heilah 1977]. Durch Walchli 1973 werden Trockenholzgewichtsverluste nach 18 Wochen und 21°C bei Lärchen- und Kiefernsplintholz von 60% und an Kiefernkernholz 31,5% sowie an Eichenkernholz 1,8% angegeben. Die erhöhte Eigenresistenz zu Kiefernkernholz konnte bei einem stark geschädigten Objekt festgestellt werden. Der Splintanteil der gut 170 Jahre alten Deckenbalken aus Kiefer war vollkommen zerstört und der Kernholzanteil fast unbeschädigt. Beim Abschnitt der Deckenbalken roch das Holz richtig nach Harz. Nicht nur im Labor, sondern in den praktischen Schadensfällen dürften verschiedene Stämme bei unterschiedlichen Wachstumsbedingungen die zum Teil andersartigen Schäden verursachen. Eine genaue Quelle und Begründung, warum 1,00 m über den sichtbaren Schadensbereich hinaus der Holzbalken abzuschneiden und 1,50 m der Putz als Sicherheitszone zu entfernen ist, kann nicht gegeben werden.


Der Hauswamm befällt praktisch alle Kohlenstoffquellen, auch Briketts

Frühere Untersuchungen in Eberswalde ergaben, dass ein Wachstum bis 40 cm über den sichtbaren Bereich eines Holzbalkens möglich ist. Damit kann die untere Grenze der Ausnahmeregelung in der DIN 68800 und im Beuth-Kommentar zur DIN mit 50 cm als eine plausible Größe angesehen werden.

Für die Sanierung eines Schadensfalls spielen damit mehrere zum Teil recht unterschiedliche Faktoren eine Rolle.

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