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Seite 2: Gebäudeschäden durch Insekten und Pilze Teil I ARCONIS 2/01 S. 28-31 - Peter Rauch -

Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau

Generell sollte auf chemischen Holzschutz so weit wie möglich verzichtet werden. Im Innenbereich, der als Wohn- und Aufenthaltraum genutzt wird, hat er generell nichts zu suchen.

Es gibt jahrhundertealte Methoden, die sich im jeweiligen Anwendungsbereich bewährten. So gibt es im oberösterreichischen Brixental über 600 Jahre alte

Holzhäuser ohne jegliche Fäulnisbildung. Die Holzteile werden nur regelmäßig mit Soda- oder Pottaschelauge behandelt. Der Nutzeffekt soll darin liegen, dass dem Holz Inhaltsstoffe entzogen werden, die Pilzen als Nahrung dienen könnten. (Peter Weissenferld). Sodalauge wird zum Beispiel auch in der Gährungsindustrie zur Säuberung der Bioreaktoren verwendet.

Thermisch behandeltes Holz ist das Beste für Tür- und Fensterrahmen, weil es sich bei Feuchtigkeit nicht verwirft und sehr schnell trocknet. Auch der Hausschwamm muss sich verabschieden. (Rytke)

Aussteifende und tragende Bauteile aus Holz, die nicht der Gefährdungsklasse 0 zu zuordnen sind, bedürfen einen Schutz vor holzzerstörende Insekten und Pilzen. Für Holzschutzmittel gibt es eine europaweit anerkannte Definition. Danach sind Holzschutzmittel Wirkstoffe oder wirkstoffhaltige Zubereitungen, die dazu bestimmt sind, einen Befall von Holz oder Holzwerkstotten durch holzzerstörende oder holzverfärbende Organismen zu verhindern oder einen solchen Befall zu bekämpfen.

Holzschutzmittel enthalten Biozide die Pilze beziehungsweise Insekten abtöten oder am Wachstum hindern. Sind diese Wirkstoffe nicht enthalten, so handelt es sich nicht um Holzschutzmittel, sondern nur um einen Holzanstrichstoff. Auch sollte man sich nicht von biologischen Holzschutzmitteln täuschen lassen. Was das so richtig ist, wissen nur die Anbieter.

Bei nicht sach- und fachgerechter Verarbeitung von Holzschutzmitteln können gesundheitliche und umweltbezogene Gefährdungen entstehen. Es sollten daher nur solche mit der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung vom Deutschen Instiut für Bautechnik (DIBt) oder die mit dem RAL-Gütezeichen versehenen Mittel für den jeweiligen Anwendungsbereich verwendet werden. Diese erfüllen nach entsprechender Bewertung die gesundheitlichen und umweltbezogenen Anforderungen. Bei allen anderen liegt keine vergleichbare Qualitätskontrolle vor.

Gerade in der jüngsten Zeit sind Entwicklungsansätze für eine rein biologische Abwehr biotischer Angriffe auf Holz durch Pilze und Insekten erkennbar. Im Wesentlichen ist man aber auf den Einsatz von Chemikalien angewiesen. Nach heutigem Erkenntnisstand stellen die Holzschutzmittel auf Borbasis die geringste Gefährdung dar. Neuere Entwicklungen wie Schlupfverhinderungsmittel oder Chitinsyntesehemmer zur Bekämpfung holzzerstörender Insekten zielen auf den Stoffwechsel der Schadorganismen. Es werden so wesentlich geringere Konzentrationen benötigt und die Gefährdung der Nichtzielorganismen wird minimiert.

Bekanntlich wurden in den klassischen Bundesländern bis etwa 1989 vielfach pentachlorphenolhaltige Holzschutzmittel angewendet, in den neuen Bundesländern bis 1977 beziehungsweise bis 1987 im Außenbereich. In der BRD wurde der Einsatz von DDT schon 1972 untersagt, wohingegen eine Anwendung in der ehemaligen DDR bis 1989 zugelassen war.

Die genannten Wirkstoffe und Lindan können vom Menschen aufgenommen werden, was gesundheitliche Schäden bewirkt.

Entsprechende Sanierungsmaßnahmen werden in der PCP-Richtlinie 1996 vorgeschlagen. Regelrecht deprimierend war die Antwort von 40 angeschriebenen Hausverwaltungen in Leipzig zur möglichen PCP-Belastung der Dachstühle. Lediglich 4 bis 5 Firmeninhaber haben dieses Problem verstanden. Andere Antworten warten: "Die Sanierung macht unser Hausmeister..." oder "... so etwas gibt es bei uns gar nicht". Sicherlich kennt jeder Hausmeister die Anforderungen der PCP-Richtlinie, auch die alternative Handhabung des EX-Schadstoffvernichters oder andere Beschichtungssysteme. Dabei konnte bei den zahlreichen untersuchten Gebäuden kaum ein Dachstuhl vorgefunden werden, wo nicht in früheren Jahren halogenhaltige Holzschutzmittel eingebracht wurden. Dabei sind auch sehr hohe Konzentrationen festzustellen (Abb. 3 und 4). Durch starke Mazeration werden die Holzquerschnitte um mehre Millimeter verringert.

Bei dem Wirkungsgrad der verschiedenen Holzschutzmittel auf die einzelnen Pilzarten gibt es erhebliche Unterschiede, die von der Abtötung bis zur Nichtschädigung reichen. Ebenso können hochwirksame Pilzgifte in zu geringen Konzentrationen wachstumsstimulierend wirken (G. Langendorf).

Bild Kiefernkernholz

Abb. 2: Sparren aus Kiefernkernholz aus einem Gebäude, gebaut um 1800; deutlich L9t der Befall durch den Hausbock nur im Splintholz zu sehen

Je Einbringverfahren und -menge lässt sich die Resistenz ableiten, was bei den meisten im Handel angebotenen gegrünten Hölzern nicht der Fall sein muss. Einige grüne Holzlatten waren bereits kurze Zeit nach dem Einbau durch den Echten Hausschwamm überwachsen (Anschauungsmaterial zu Tagungen in Quedlinburg, Rafalski).

Grundsätzlich lässt sich ein aktiver Pilzbefall im Holz nicht bekämpfen, DIN 68800 Teil 4. Auf Sonderverfahren soll hier nicht weiter eingegangen werden.

Allein die bereits genannte starke Einschränkung der Tragfähigkeit schon bei 2,5 Prozent Masseverlust sollte Anlass zum Nachdenken über den weiteren Verbleib von pilzbefallenem Holz in der Konstruktion geben, auch wenn es den Anschein erweckt, dass keine Gefährdung vorliegt. Ob der zum Beispiel in einem älteren Objekt nur noch aus braunem Würfelbruch bestehende Deckenbalken mit Laschen und intensiv mit habgenhaltigem Holzschutzmittel getränkt, als erfolgreiche Bekämpfung zu werten ist, kann jeder selbst beurteilen. Besonders, wenn in den angrenzenden Räumen der Echte Hausschwamm unter den Dieben intensiv weiter wächst.

Diese und ähnliche erfolglose Bekämptungsmaßnahmen wurden bei verschiedenen Objekten festgestellt. Sie waren stets Ausgangspunkt eines Neubefalls.

Lediglich bei Mauerwerk können Schwammbekämpfungsmittel mit dem Kennzeichen M im Flut-, Beschäumungs- oder Bohrlochverfahren eingesetzt werden. Man spricht hier von Wirkstoffsperre anleegen. Selbst als das Schwammbekämpfungsmittel in frischen Mauermörtel gegeben wurde, wuchs das Myzel 1-2 cm hinein, ehe es zum Wachstumsstillstand kam.

Eine vollständige Beseitigung kann man durch den Abbruch des Mauerwerks erreichen, was - je nach Möglichkeit - einer chemischen Behandlung vorzuziehen und von den Kosten (abhängig vom Bauteil) etwa gleich ist.

Ergänzend soll noch das Heißluftverfahren genannt werden. Als Bekämpfungsmethode 1965 entwickelt, eignet es sich sehr gut für die Insektenabtötung und es bietet sich für die Schwammbekämpfung fallweise als ergänzende Maßnahme an. In den skandinavischen Ländern ist diese Bekämpfungsmaßnahme zugelassen. Ein vorbeugender Schutz wird jedoch nicht erreicht.

Chemische Korrosion an Holzlatte

Abb. 3: Hier wird die chemische Korrosion an einer Dachlatte gezeiggt

Seitens des Umweltschutzes sind Überlegungen anzustellen, was eine geringere Belastung darstellt. Für die Heißluftbehandlung eines Dachstuhls werden 200 bis 400 Liter Heizöl verbraucht und es entstehen große Abgasmengen. Bei einem Massivbefall ist das sicherlich zweckmäßig. Bei lokalem Befall einzelner Sparten oder Pfetten dürfte das Beschäumungsverfahren oder ein anderes geeignetes Verfahren zweckmäßiger sein.

Weitere Bekämptungsmöglichkeiten sind die UV-Bestahlung, die Gammabestrahlung, Mikrowellen, das Begasungsverfahren (zum Beispiel mit Sulfurylfluorid) oder die thermische Behandlung nach dem SELAREX-Vertahren.

Holzschutzmaßnahmen sind lukrative Geschäfte, wenn nach der Menge abgerechnet wird. So wird oft bekämpft, was gar nicht vorhanden ist. Die Kosten sind entsprechend hoch. Neben fachlich kompetenten Firmen kann sich jeder für das Gewerk Holz- und Bautenschutz bei der Handwerkskammer eintragen lassen.

Einerseits ist für den Standsicherheitsnachweis eines Gebäudes ein Statiker erforderlich und andererseits ist nicht einmal ein Facharbeiterabschluss erforderlich, um die Tragfähigkeit eines geschädigten Deckenbalkens einzuschätzen. Ganz davon abgesehen, dass hier die Anforderungen des Chemikaliengesetzes und der Gefahrstoffverordnung eingehalten sowie verantwortungsvolle Entscheidungen auch auf dem Gebiet des Umweltschutzes getroffen werden müssen.

Bild Dachgeschoss Deckenbalken
Abb. 4: Dachgeschossausbau in einem Mehrfamilienhaus - alle tragenden Holzteile unterliegen einer chemischen Korrosion; die fehlende oder mangelhafte Ausführung der Dampfbremse wird zu Schäden an der Holzkonstruktion führen

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