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Seite 2: Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an deren Bauteile
Grundstücksmarkt und Grundstückswert Heft 1 2001, S. 28-33 - Peter Rauch -

3. Holzzerstörende Pilze, Insekten und Holschutzmittel

Ascomyceten und Deuteromyceten (Schimmelpilz) sowie Basidiomyceten (Ständerpilze) greifen Holz durch den Zelluloseabbau an. Bereits geringe Masseverluste mindern die mechanische Festigkeit entscheidend. Schimmelpilze aus den Gruppen Ascomyceten und der Deuteromyceten bauen Cellulose über Cellobiose zu Glucose und Hemicellulose zu Pentosen, Hexosen und Uronsäuren ab. Durch abgegebene Stoffwechselprodukte kommt es zu Verfärbungen. Holzverfärbende Pilze stellen selbst kaum eine Gefährdung für die Festigkeit dar, da sie nie tiefer als 1 mm in das Holz wachsen, bilden jedoch eine gute Grundlage für den möglichen Befall durch höhere holzzerstörende Pilze, auch Ständerpilze genannt (Basidiomycetes), wie der Echter Hausschwamm, der Tannenblättling, der Ausgebreiteter Hausporling u.a. Diese verursachen Braun- bzw. Weißfäule. Die Braunfäule ist durch einen Würfelbruch gekennzeichnet. Bei einem Masseverlust tritt ein Festigkeitsverlust (Schlagfestigkeit) auf, so entspricht etwa

Masse-verlust [%] Festigkeits-verlust [%]
2,5
48
3,5
56
11,0
83

Die Moderfäule, verursacht durch Schlauchpilze, wird durch kleinen Würfelbruch gekennzeichnet. Diese tritt bei hoher Feuchtigkeit über der Fasersättigung auf. Hier führt ein Masseverlust von 5% zu einem 50%igen Festigkeitsverlust. Sowohl der Echte Hausschwamm (Serpula lacrimans [Wulf.: Fr.]), Sklerotien Hausschwamm (Leucogyrophana pinastri [ Fr.: Fr.] Ginns et Weresub), Kleiner Hausschwamm (Leucogyrophana pulverulenta [Sow.: Fr. Ginns]), Weißer Porenschwamm (Antrodia vaillantii [DC.: Fr. Ryv.]), Brauner Kellerschwamm (Coniophora puteana [Schum.: Fr.]) o. a. verursachen Bauschäden an Holzbauteilen die zum Teil erheblich sind. Der E. Hausschwamm ist als besonders gefährlicher Gebäudeschädling bekannt, weil er sich an verschiedene Lebensbedingungen gut anpassen kann und das ist in der Regel genau der Mikrobereich, den sich der Mensch in seinen Gebäude schafft. Dieser Pilz benötigt nur zu Beginn seines Wachstums ein hinreichend hohes Maß an Holzfeuchtigkeit und kann dann auch trockenes Holz befallen, wenn entsprechende Bedingungen vorhanden sind. Selbst in staubtrockene Lehmwände wird das Stroh befallen. In den meisten Bundesländern ist er entsprechend den Bauordnungen meldepflichtig. Auf Grund seiner relativ kostenaufwendigen Sanierung ist seine eindeutige Bestimmung notwendig. Alle anderen holzzerstörenden Pilze bewirken den selben Schaden, es dauert nur etwas länger. Hier sind die Sanierungsaufwände jedoch geringer, wobei grundsätzlich immer die Ursachen beseitigt werden müssen. Neben den Braunfäuleerregern treten in den Gebäuden auch Weißfäulepilze auf, wie z. B. der Ausgebreitete Hausporling (Donkioporia expansa [Desm.]) auf, deren Schäden nicht zu unterschätzen sind. Nicht jeder Pilzbefall ist erkennbar. So zerstören zum Beispiel die Blättlinge in der Regel anfänglich die Holzoberfläche nicht, während das Innere des Holzes schon weitgehend zerstört ist.

Bei einigen Pilzen stirbt das Myzel bei der Abtrocknung des Holzes sowie der Umgebung ab. Andere vermögen in der Trockenstarre einen bestimmten Zeitraum zu überdauern, um bei günstigen Bedingungen weiter zuwachsen (Dabei kann der Weiße Porenschwamm ca. 7 Jahre überdauern). Ebenso gibt es eine Kälte- und Wärmestarre. Bei zu großer Kälte oder Wärme sterben allerdings alle Pilze ab. Oft befindet sich in der Nähe des alten Befallsherdes versteckt unter dem Putz ein Holzdübel, eine Mauerlatte oder ein Stiel, der bei der Sanierung nicht freigelegt und so übersehen wurde. Unter günstigen Bedingungen können übersehene Bereiche auch nach vielen Jahren schnell wieder zum Ausgangspunkt eines neuen Befallsherdes werden. Daher sind die vorgesehen Sicherheitszonen einzuhalten (DIN 68800 Teil 4). Lediglich im Mauerwerk können Schwammbekämpfungsmittel mit dem Kennzeichen M im Flut-, Beschäumungs- oder Bohrlochverfahren zum Einsatz gebracht werden. Man spricht hier von einer Wirkstoffsperre anlegen. Selbst in den Mauermörtel, in den das Schwammbekämfungsmittel gegeben wurde, wächst das Myzel 1-2 cm bis es zum Wachstumsstillstand kommt. Eine vollständige Beseitigung kann man durch den Abbruch des Mauerwerkes erreichen, was je nach Möglichkeit einer chemischen Behandlung vorzuziehen ist. Alle Pilze erzeugen bei der Atmung Wasser, Zellulose und Sauerstoff werden in Wasser und Kohlendioxid zerlegt. Sie schaffen sich so einen Teil der benötigten Feuchtigkeit selbst. Bei einer guten Lüftung kann dieses Wasser abgeführt werden. Auch der Echte Hausschwamm, der selbst trockenes Holz befällt, muß an einer anderen Stelle die nötige Feuchtigkeit erhalten und wenn es die mehrere Meter entfernte defekte Dachentwässerung ist. Der Transport der notwendigen Feuchtigkeit erfolgt dann durch das Strangmyzel. Daher ist bei einer sinnvollen Bekämpfung grundsätzlich die Ursache und mögliche Feuchtigkeitsquellen zu beseitigen. Der pH-Wert von 5-6 der Baustoffe, wie Ziegel oder Sand werden durch die Pilze bevorzugt. Hingegen wirken alkalische Baustoffe wie Kalk, Kalkstein, Zement, Beton und Holzwolleleichbauplatten eher hemmend. Eine gute Abtrocknung, wie z.B. Luftumspühlung der Balkenköpfe verringert erheblich die Gefahr eines Befalls. Auch direktes Sonnenlicht verringern die Wachstumsgeschwindigkeit. Die genannten Tatsachen begründen, warum man bei Nässeschäden die Holzkonstruktion, z.B. Holzbalkendecke, möglichst schnell abtrocknen sollte, um weitere Schädigungen vorzubeugen. In der Praxis wird leider genau das Gegenteil durchgeführt. Bei einem defekten Dach werden auf die Dielung des Dachraums große Plastplanen ausgelegt und so kann die Feuchtigkeit nicht mehr entweichen. Jahrthunderte alte Fachwerkbauten zerfallen bereits wenige Jahre nach der Sanierung und so könnten zahlreiche Beispiele folgen. Die einzelnen Holzarten zeigen durch ihre Anatomie unterschiedliche Eigenschaften, die sich z.B. auch in die verschiedenen Resistenzklassen gegenüber holzzerstörenden Pilze und Insekten einteilen läßt. Dabei zeigen die Robinie und Eiche eine hohe und Fichte/Tanne sowie Buche eine ungünstige Resistenz. Für den Befall des Holzes spielt die Feuchtigkeit, Salze und Eiweiße eine Rolle, die z.B. im Splint- und Kernholzanteil unterschiedlich vorhanden sind. Ebenso verringert sich der Anteil dieser wichtigen Nährstoffe im Laufe der Jahre, so daß die Wahrscheinlichkeit eines Neubefalls z.B. durch den Hausbock abnimmt und ab ca. 60 Jahren unter normaler Nutzung gering ist und es kann auf einen chem. Holzschutz verzichtet werden.

Feuchtholzinsekten im frischen Holz vermehren sich im verbauten Holz in der Regel nicht und brauchen bei geringen Befall nicht bekämpft werden. Eine endgültige Entscheidung kann jedoch nur an der jeweiligen örtlichen Konstruktion und Gegebenheit getroffen werden. Generell ist auf einen chemischen Holzschutz so weit wie möglich zu verzichten und im Innenbereich, der als Wohn- und Auftenhaltraum genutzt wird, hat er generell nichts zu suchen. Das ist durch die richtige Holzauswahl und durch bestimmte konstruktive Ausführungen möglich. Hier sind die Gefährdungs- und die Resistenzklassen richtig zu zuordnen. Eventuell ist auch ein Verzicht auf Holz in bestimmten Gefährdungsbereichen sinnvoll.

Auch sollte man sich nicht von biologischen Holzschutzmittel täuschen lassen. Was das so richtig ist, wissen nur die Anbieter. Es gibt Jahrhunderte alte Methoden, die sich im jeweiligen Anwendungsbereich bewährten. So gibt es im oberösterreichischen Brixental über 600 Jahre alte Holzhäuser ohne jegliche Fäulnisbildung. Die als einzige Holzbehandlung nur regelmäßig mit Soda- bzw. Pottaschelauge abgelaugt werden. Der Nutzeffekt soll darin liegen, daß dem Holz Inhaltstoffe entzogen werden, die Pilzen als Nahrung dienen könnte. (Peter Weissenfeld). Holzschutzmittel enthalten Biozide die Pilze bzw. Insekten abtöten oder am Wachstum hindern. Bei nicht sach- und fachgerechtem Umgang können gesundheitliche und umweltbezogene Gefährdungen entstehen. Es sollten daher, wenn Holzschutzmittel zur Anwendung kommen, nur solche mit dem amtlichen Prüfzeichen des DIBt- oder RAL-Gütezeichen für den jeweiligen Anwendungsbereich verwendet werden. Nach dem heutigen Erkenntnisstand stellen die Holzschutzmittel mit dem Wirkstoff auf Borbasis die geringste Gefährdung dar. Bekanntlich sind in den klassischen Bundesländern bis vor wenigen Jahren vielfach pentachlorphenolhaltige Holzschutzmittel zur Anwendung gekommen. Es kann davon ausgegangen werden bis 1989 und in den neuen Bundesländern bis 1977 bzw. 1987 im Außenbereich. In der alten BRD wurde der Einsatz von DDT 1972 untersagt, wohingegen eine Anwendung in der ehemaligen DDR bis 1989 erfolgte. Die genannten Wirkstoffe sowie Lindan können vom Menschen aufgenommen werden und gesundheitliche Schäden bewirken. Z.B. bei PCP kommt es zu eine Anreicherung von Hexachlorbenzol im Fettgewebe.

Bei dem Wirkungsgrad der verschiedenen Holzschutzmittel auf die einzelnen Pilzarten gibt es erhebliche Unterschiede, die von der Abtötung bis zur Nichtschädigung reichen. Ebenso können hochwirksame Pilzgifte in zu geringen Konzentrationen wachstumsstimulierend wirken (G. Langendorf). Je Einbringungsverfahren und -menge läßt sich die Resistenz ableiten, was bei den meisten im Handel angebotenen gegrünten Hölzern nicht der Fall sein muß. Einige Holzlatten waren bereits kurze Zeit nach dem Einbau durch den E. Hausschwamm überwachsen (Anschauungsmaterial zur Tagungen in Quedlinburg, Rafalski).

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