Ratgeber für den Bauherrn
Ingenieurbüro Peter Rauch
Kapitel:  Bauphysik | Feuchteschutz | Holzbau | Konstruktion | Bauchemie | Baustoffe | Baubiologie | Wohnklima
Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen, 2001 - Peter Rauch PhD -

Anlage 3: Beispiele

Beispiel 1: Villa in Machern Baujahr um 1930, 2 Etagen und teilweise ausgebautes Dach,

Villa stand zur Versteigerung mit ca. 230.000 DM, unsaniert entsprechend Verkehrswertgutachten von der Bank
Kurzbesichtigung zu Bauschäden und holzzerstörende Schäden

  • Keller Echter Hausschwamm in den Mauerfugen und im Kellerregal mehre m², keine Fruchtkörper;
  • EG Dielung und Parkett Holzfeuchtigkeit um 20% und in den Eckbereichen bis 25%, lange Zeit Leerstand wenig gelüftet;
  • I.OG bewohnt keine Schäden;
  • DG Süd- und Ostseite Hausbockbefall, zum Teil stärkere Querschnittsschädigung
  • Geschätzte Schadensbeseitigung ca. 20-25 TDM.

    Im Gutachten war eine Schädigung der Sparren zwar benannt aber nur eine geringe Bedeutung eingeräumt.
    Der Kaufinteressent hat daher nur 210.000 DM geboten. Nach 1 Woche wurde dem zugestimmt. Nach dem Erwerb wurde das Gebäude noch einmal gründlich angesehen. Der Hausbockbefall wurde durch eine mangelhafte Dampfbremse verursacht. Teile des Dachraumes wurden mit Mineraldämmung isoliert und mit einer einfachen Folie von innen abgedeckt. Der Schaden war im Wesentlichen nur auf diesen Bereich begrenzt. Die anderen älteren Dachzimmer mit Putz und HWL-Platten waren weitestgehend schadensfrei. (Dies konnte erst bei der gründlichen Untersuchung festgestellt werden.)
    Der Echte Hausschwamm in diesem Kellerbereich gibt von der Sache keine Gefährdung für das Gebäude. Vorausgesetzt das Myzel wird entfernt und kein Holz oder andere organische Stoffe mehr gelagert.

    Beispiel 2: Einfamilienhaus in Gambsheim, 2 Etagen, Dachboden

    Schädigung der Dachkonstruktion durch Insekten sowie Fraßgeräusche in der Nacht Angebot zur Sanierung des Hausbockbefalls von ansässiger Bautenschutzfirma für 50.000 ff Maßnahme: 1 Sparren, 1 Mittelpfette und 1 Stiel abgebeilt mit borhaltigen Holzschutzmittel beschichtet und die anderen Holzteile vorbeugend geschützt. Balken mit der Abmessung von 20x20 cm waren einseitig bis 2 cm meist an einer Kante geschädigt. Die Querschnittsminderung ist gering.
    Kosten für Material und Ausführungsleistung ca. 4500 ff
    Ursache: Die warme Luft im Treppenhaus konnte zwischen der Wange der Bodentreppe und der Wand bzw. des Treppenhausfensters in den Dachraum strömen. Zwischen die Sparren waren Styroporplatten eingeschoben. Die haben Nut und Feder und waren nach Aussage des Eigentümers für Dachräume gedacht. Der Schaden war vorwiegend im Bereich der Treppe. Hier verursachte die warme Luft an der kühleren Balkenoberfläche im Dachboden Kondensat bzw. diese waren feuchter als die anderen Holzteile. Damit wurden günstigere Bedingungen für die holzzerstörenden Insekten geschaffen.

    Beispiel 3: EfH in Holzhausen, EG und ausgebautes Dachgeschoß mit Einliegerwohnung, Baujahr 1994

    Bemängelt wurden der hohe Heizenergiebedarf (2000 l Heizöl/a als Energiesparhaus) und die verschimmelten Koffer im Spitzboden.
    Ursache: Die Dampfbremse wurde weder an die Fußpfette noch an der Wand fugendicht angebracht. Im Deckenbereich fehlte sie teilweise. Die Mineralwolle war zum Teil völlig durchnässt. Ebenso konnte die warme Luft aus dem Treppenhaus durch die Luke der Klapptreppe in den Spitzboden gelangen. Die Klappe war nicht fugendicht ausgeführt. Sanierung: Eine vollständige Sanierung bedeutet einen kompletten Rückbau des Trockenbaus in der Dachgeschoßwohnung. Es wurde ein Kompromiss gewählt. In den Drempel (Abseitwand) wurden kleinere Montageöffnungen geschnitten, durch die die Handwerker die Dampfbremse/Windsperre an den Fußpfette fugendicht anbringen konnten. Der obere Bereich sollte vom Spitzboden her "fugendicht" nachgebessert werden. Ebenso sollten zwischen die Sparren Plastrohre geschoben werden, da durch das aufbauschen der Mineralwolle eine Hinterlüftung nicht möglich war.

    Beispiel 4: EfH in Eicha ,EG und ausgebautes Dachgeschoß mit Einliegewohnung, Baujahr 1996

    Die Sparren waren verschimmelt. Eine ansässige Bautenschutzfirma/Zimmerei wollte bereits nach einem Jahr den Dachstuhl austauschen, weil die Sparren nass mit geringer Schimmelbildung.
    Weiterhin war Schimmelpilz entlang der Decke/Außenwand im Schlafzimmer sowie in einem senkrechten Streifen neben der Außenwandecke.
    Ursache: Die warme Luft aus dem Treppenhaus strömte durch die Klappe der Bodentreppe nach oben in den Spitzboden. Die Unterspanbahn war im First nicht offen. Damit konnte die feuchte Luft nicht entweichen. Zusätzlich muss die Lücke fugendicht abgedichtet werden. Der Schimmelpilz an der Decke im Schlafzimmer wurde durch die Wärmebrücke, Decke aus Beton, und den Ringbalken verursacht, da im Auflagebereich keine Außendämmung angebracht (U-Schale) wurde. Die Fotoaufnahmen durch den Bauherren bestätigt dies. Die senkrechte Wärmebrücke wurde durch den Leitungsschacht im Eckbereich verursacht. Zusätzlich wirkten hier das kleine Raumvolumen des projektierten Schlafzimmers sowie der ungünstige Standort der Heizung. Ebenso Stand ein großer Schrank an der Außenwand ohne Füße, so dass keine richtige Hinterlüftung erfolgen konnte. Ebenso wird auch noch die Baufeuchte gewirkt haben (Fertigstellung und Bezug).
    Sanierung: Da sich die Betonplatte incl. Ringbalken in der Traufhöhe befinden, sollte an den Giebelseiten eine Außendämmung angebracht werden, die über die Wärmebrücke reicht. Öffnen der Unterspanbahn im First.

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