Ratgeber für den Bauherrn
Ingenieurbüro Peter Rauch
Kapitel:  Bauphysik | Feuchteschutz | Holzbau | Konstruktion | Bauchemie | Baustoffe | Baubiologie | Wohnklima
Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen, 2001 - Peter Rauch PhD -

5.2. Holzzerstörende Insekten und Pilze
5.2.1. Allgemein

Der Baustoff Holz befindet sich in einem natürlichen Stoffkreislauf. Die durch die Photosynthese gewonnene Energie wird von anderen Organismen, wie Pilze, Bakterien und Insekten, für ihren Stoffwechelsprozeß benötigt. Dabei sind bestimmte äußere Bedingungen, wie Witterungs- und Temperaturänderungen und lange Feuchtigkeit, notwendig. Bei Nässe und Wärme wird das Holz durch die Organismen in seine Grundbestandteile zersetzt. Der biologische Kreislauf wird damit geschlossen.
Der Holzschutz ( DIN 68800) beinhaltet Maßnahmen, die physikalisch, chemische und biologische Einflüsse auf das Holz verhindern oder vermindern soll.

5.2.2. Holzschädigende Organismen
5.2.2.1. Holzverfärbende Pilze - Schlauchpilze (Ascomycetes)

Hier gibt es weit über 100 verschiedene Arten. Die wichtigsten sind die Bläuepilze und Sandbräunepilze. Sie verändern die natürliche Farbe de Holzes, beeinträchtigen die Tränkungsmöglichkeit mit Holzschutzmittel und begünstigen die Anfälligkeit gegenüber holzzerstörende Pilze.
Bis auf die optische Schädigung haben sie keine weitere Bedeutung. In der Regel werden diese Hölzer dann als minderwertig betrachtet.
Die Pilze wachsen ab ca. 5ºC und einer Holzfeuchtigkeit zwischen 13,5 bis 30 %.

5.2.2.2. Holzzerstörende Pilze - Ständerpilze (Basidiomycetes)

Diese bauen die Zellwände des Holzes ab, zerstören sie und bewirken Fäule, die sich in Braun-, Weiß- und Weißlochfäule äußert. Die Wachstumsbedingungen liegen bei einer Temperatur zwischen 0 bis 40$ordm;C und einer Holzfeuchtigkeit von (20) bis 100%. Je nach Art der Pilze werden nur bestimmte Holzarten oder vorwiegend der Splint- bzw. Kernholzanteil angegriffen.

5.2.2.2.1. Braunfäule (Destruktionsfäule)

Diese Pilze verwenden für ihren Stoffwechselprozeß vorwiegend die Zellulose. Im verbleibenden Gerüst ist Lignin, welches die braune Färbung verursacht. Die Holzzellen bzw. die chemischen Verbindungen der Zellulose sind sehr stabil und können von den Hyphen der Pilze nicht allein zerstört werden. An den Hyphenspitzen werden Katalysatoren (Enzyme) freigesetzt, die die Makromoleküle aufspalten.
Die Braunfäule ist an der Verwölbung von Brettern, zum Beispiel Sockelverkleidung im Hauseingangsbereich, Türzargen und durch einen Würfelbruch erkennbar.

Typische Vertreter sind:

Echter Hausschwamm (Serpula lacrimans)vorwiegend nach Wasserschaden im verdeckten Bereich (Holzbalkendecke), der nicht schnell ausgetrocknet wurde, bzw. dort wo immer etwas Feuchtigkeit entsteht, zum Beispiel bei einem undichten Dach
Wilder Hausschwammim Freien, selten in Gebäuden
Sklerotien Hausschwammmeist im Freien
Kleiner Hausschwammim Gebäude, auch im Freien
Weißer Porenschwamm (Antrodia vaillantii)ab HF 40%, das Myzel sieht wie eine Eisblume aus
Brauner Kellerschwamm (Coniophora puteana)ab HF 40%, im Bergwerk, in den Bauteilen wo lange Zeit ständig hohe Nässe vorhanden ist, Wasserleitungsschaden falsche Konstruktion bei Fachwerkbauten mit Innendämmung, das Myzel sieht wie ein Haarnetz aus
MuschelkremplingHF 40-80%
Sägeblättlingvorwiegend im Kernholz von Nadelhölzer ( von außen sieht das Holz in Ordnung aus)
Tannenblättlinger kommt meist dort vor, wo eine hohe lokale Feuchtigkeit vorliegt, z.B. unter den Toilettenbecken, die undicht sind.
Eichenwirrlingist ein Kernholzzerstörer und kommt in der Schwelle (meist Eiche) vom Fachwerk vor. Äußerlich ist der Schaden kaum erkennbar.

5.2.2.2.2. Weißfäule (Korrosionsfäule)

Diese Pilze haben sich auf den Abbau des Lignins spezialisiert, so dass die verbleibende Zellulose die Weißfärbung verursacht. Das Holz ist zerfasert. In der Regel benötigen diese Pilze mehr Feuchtigkeit als die Braunfäulepilze.

Zu den typischen Vertretern gehören:

Ausgebreiteter Hausporlingsein Auftreten hat sich in den letzten Jahren erhöht, vor allem kommt er dort vor, wo eine sehr hohe Durchfeuchtung auftritt. Zum Beispiel am Ende eines Dachsparren/Deckenbalken unterhalb einer kaputten Dacheindeckung, unter nicht abgedichteten Duschkabinen u. a. Die vorgefundenen Schäden sind zum Teil wesentlich größer als die von dem daneben wachsenden Hausschwamm
Zimtbrauner Porenschwammin Dachböden
Großer Rindenpilzim Freien oder auch im Dachböden
Schmetterlingsporlingim Freien

5.2.2.2.3. Weißlochfäule

Hier wird Lignin und Zellulose gleichzeitig abgebaut. Es kommt zu Fehlstellen in den Jahresringen. Zu den Stammfäulepilzen gehört der Wurzelschwamm (Fichte) und Kieferbaumschwamm. Im verbauten Zustand ist der Pilz tot. Es ist jedoch zu beachten, dass vorgeschädigtes Holz schneller durch andere holzzerstörende Pilze und Insekten befallen werden kann.

5.2.2.2.4. Moderfäule

Die Moderfäule wird durch die Verfärbung (Vergrauung) und Verlust an Gewicht sowie Festigkeit von bis 98% gekennzeichnet. Sie kommt meist an Holz vor, dass ständig einer großen Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Dadurch wird die Abbautätigkeit anderer Pilze verhindert. Das Holz wird weich und kann z.B. mit dem Fingernagel eingedrückt werden. Diese Holzzerstörung geht in der Regel von Holzoberfläche aus und ist in der Regel bis zu 1 mm tief. Es kommt zur Dunkel- bis Schwarzfärbung. Beim Trocknen entstehen Risse quer zur Faser. Mikroskopisch gesehen, werden durch die Hypen die Zellwände abgebaut. Es entstehen Kavernen bis zum vollständigen Abbau. Es sind eine Reihe von Ascomyceten und Fungi imperfecti, welche die Moderfäule hervorrufen, wie z.B. Chaetomium globosum und Ch.-Arten, fernerhin Stachybotris atra, Rhizoctonia-Arten usw. beteiligt.

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