Ratgeber für den Bauherrn
Ingenieurbüro Peter Rauch
Kapitel:  Bauphysik | Feuchteschutz | Holzbau | Konstruktion | Bauchemie | Baustoffe | Baubiologie | Wohnklima
Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen, 2001 - Peter Rauch PhD -

5.5. Schadensschwerpunkte




Aus der Vielzahl von Schäden durch holzzerstörende Pilze kann eigentlich kein Gebäudeteil ausgeschlossen werden. Es waren Schäden durch den Echten Hausschwamm vorhanden, die bis zu ihrer Freilegung wegen anderen Sanierungsmaßnahmen vollständig unbemerkt waren. Die Altschäden zeigten zum Teil auch frisches Myzel. Dazu gehörten Deckenbereiche mitten im Wohnzimmer, Treppenpodeste und Dachböden. Die Ursachen könnten offen gelassene Fenster bei starken Niederschlag, zu gründliches Wischen der Treppe, Wasserleitungsschäden, und Schäden an der vorhergehenden Dachhaut sein. Also Ursachen, die bereits bis zu 20 Jahre zurückliegen.
Als Orientierung sollten hier solche Bereiche genannt werden, wo Feuchtigkeit anfällt. Das sind Bereiche, wo sich Wasser- und Abflussleitungen befinden, und innenliegende Räume bzw. Abstellkammern, die wenig gelüftet werden.

Bei Mehrfamilienhäusern befindet sich in Fußbodenhöhe der I. Etage das Gesimsband. Hier liegt in der Regel eine erhöhte äußere Feuchtebelastung der Balkenköpfe vor. Ebenso sind in diesem Bereich oft auch Stahlträger über Treppenhauseingänge oder Ladengeschäfte eingesetzt. Diese bilden eine Wärmebrücke.

Im Erdgeschoß hat man im unteren Bereich meist eine höher Wandfeuchtigkeit. Ebenso dringt die Feuchtigkeit aus dem Keller über die Kappe nach oben. Die Dielung hat Fugen, wo die Feuchtigkeit ablüften kann. Bei sanierten Gebäuden sollte dieser Fußbodenaufbau durch einen mineralischen ersetzt worden sein. Durch die heute üblichen dichtschließenden Beläge kommt es zu einem Feuchtestau. Sind die Dielen und die Lagerhölzer verblieben, sollte dies durchaus als Mangel eingestuft werden. Nur in wenigen Fällen kann man den Verbleib akzeptieren.

Im Dachboden sind die Bereiche gefährdet, wo undichte Stellen möglich sind. Das sind Dachlukenfenster, Kehlbleche und Wand- sowie Schornsteinanschlussbleche. Früher gehörten besonders die Antennenfüße noch dazu.

Ebenso gefährdet sind Wandflächen, wo eine erhöhte Schlagregenbeanspruchung vorliegt. Dazu gehören auch Erkerbereiche, wo die Streichbalken und die Deckenbalken neben den Stahlträgern (Wärmebrücke) gefährdet sind.

Bei Wasserleitungsschäden läuft das Wasser in den Fehlböden entlang, in der Regel sind ein bis zwei Balkenfelder betroffen, und an einer anderen Stelle durch. In der Erdgeschoßwohnung sammelt sich das Wasser über der Kappe, so dass hier die größten Schäden vorliegen, wenn nicht schnell genug eine Trocknung erfolgt.

Das größte Problem ist ein sanierter Altbau. Hier ist alles verkleidet und der ursprüngliche Zustand ist nicht erkennbar. Günstig ist es, wenn in der Nähe noch ein unsaniertes bewohntes Gebäude steht. Oft haben die Gebäude etwa das gleiche Baujahr und den gleichen Baustiel.

Bei der Bewertung eines sanierten Gebäudes sollte ein Holzschutzgutachten, welches vor der Sanierung erstellt wurde, vorliegen. Viele Bauherren oder Bauträger haben eine solche Maßnahme nicht veranlasst. Die meisten Schäden im kleineren Umfang wurden von dem Handwerker übersehen oder gar nicht erst saniert. Selbst Bauleiter haben diese Schäden als unwichtig eingeordnet, wobei dies in Einzelfällen gleich ganze Etagen betrifft. Nur wenige Bauleute haben den Schäden, verursacht durch holzzerstörende Insekten und Pilze, genügend Aufmerksamkeit gewidmet.

Holzzerstörende Insekten haben eigentlich zu fast allen Bereichen Zugang. Liegen optimale Bedingungen vor, so werden in den kleinen Rissen Eier abgelegt und die Larven können sich entwickeln. Dabei bleibt der Schadensbefall auf den Bereich, wo die günstigen Bedingungen vorliegen, begrenzt. Z. B. typisch sind die Deckenbalkenköpfe. Der Befall befindet sich meist auf den oberen Teil der im Mauerwerk befindlichen Deckenbalkenenden. Ebenso ist die bei Streichbalken zu erkennen. Es ist hauptsächlich die Seite an der Wand befallen.

Analog verhält es sich bei holzzerstörenden Pilzen. Sporen kommen ausreichend in der Luft vor. Liegen für den Pilz optimale Bedingungen vor, so entwickelt sich aus der Spore eine Hyphe, Myzel und dann ein Strang oder bzw. Fruchtkörper. In der Regel erfolgt nur ein Wachstum in diesem Bereich, wo günstige Bedingungen vorliegen. Das trifft auch für den Hausschwamm zu. Nimmt die Feuchtigkeit ab und die vorhandene Nährsubstanz (Holz) wird aufgebraucht, so wird das Wachstum eingestellt. Liegen auch nach Jahren wieder günstige Bedingungen vor, so kann ein erneutes Wachstum erfolgen. Der Hausschwamm unterliegt den gleichen Bedingungen. Bei ihm ist lediglich der Unterschied, dass ab eine bestimmte Größe auch eine Ausbreitung über mineralische Substanzen (Mauerwerk) erfolgen kann, auf der Suche nach neuer Nahrung und Feuchtigkeit. In den meisten Fällen reicht sein Zellaufbau nicht aus. Hat er es aber geschafft, so kann über das Strangmyzel zusätzlich Feuchtigkeit transportiert werden. Es ist dem Pilz auch möglich Holz mit einer Holzfeuchtigkeit unter 20 % abzubauen. Ich habe auch schon Myzel an der Unterseite der Dielung gefunden, welches eine Holzfeuchtigkeit von 12 % aufwies.

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