Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen, 2001 - Peter Rauch PhD -
6.4. Schimmelpilze in Innenräume
Die Verbreitung kleiner Partikel in Innenräume wird durch die Bewegung der Luft bestimmt. Bereit ohne zusätzliche Lüftung reicht die thermische Konvektion aus, eine Zirkulation der Luft in einem Raum zu bewirken. Dies führt zu einer gleichmäßigen Verteilung der Pilzsporen, auch zwischen verschiedenen Räumen und Stockwerken. So kann ein Gramm Hausstaub bis zu 3,2 Millionen lebende Pilzsporen enthalten. So dominieren in der Außenluft Cladosporium-Arten und als typische "Raumpilze" kommen die Arten der Gattung Aspergillus und Penicillium vor, die auf Lebensmittel, feuchtem Leder, Papier, Baumwolle und Wolle wachsen. Daneben sind auch Alternaria, Aureobasidium, Fusarium und Wallemia sebi nachweisbar.
- Küchen: In Kühlschränken, an Brotschneidemaschinen, auf verschimmelten Brot sowie über Mülleimer ist Penicillium roqueforti zu finden.
- Toiletten und Bäder: Bei Temperaturen über 24ºC können in der Raumluft über den Vorlegern vor Toilettenschüsseln Aspergillus flavus und A. parasiticus auftreten.
- Wohnzimmer: Das Klopfen der Bodenbeläge führt zu einer starken Erhöhung der Keimzahlen. So wurden in Belgien in 130 Wohnzimmer überwiegend Aspergillus vericolor und Cladosporium sphaerospermum gefunden.
- Schlafzimmer: Der Matratzenstaub enthält ziemlich einheitlich zusammengesetzte xerophile (Trockenheit liebend) Schimmelpilzflora: es überwiegen Eurotium (Aspergillus repens und A. penicilloides). In der Schlafzimmerluft tritt die höchste Keimzahl im November und Dezember bedingt durch die Heizung auf. Der Matratzenstaub erreicht sein Maximum im Juli. Dies beruht auf die erhöhte relative Luftfeuchtigkeit (70-80%). Ebenso führen das Bettenmachen stets zu einem deutlichen Anstieg der Sporenzahl in der Luft.
- Schwimmbäder und Saunen: Die Schimmelpilze sind gleichmäßig auf Umkleidekabinen, Schwimmbereich, Dusche und WC`s verteilt. Die Fußböden sind am stärksten befallen. Im Marburg wurden besonders häufig die Vertreter der Dematiceae (Fungi imperfecti mit dunklen Sporen und/oder Hyphen) festgestellt.
- Schulräume: Studien an US-amerikanischen Schulen ergaben Luftkeimgehalte im Bereich 100-15.000 Sporen/m³. Dabei waren am häufigsten die Vertreter der Gattung Cladosporium anwesend.
- Krankenhäuser: Sporen der Außenluft gelangen regelmäßig in Krankenhäuser und können dort zu einem ausgeprägten Schimmelwachstum führen. (So fand man in einem Behandlungsraum in den USA thermotolerante Penicillien.)
Biotonnen sind Innenräume besonderer Art, die vor den keimhemmenden UV-Strahlen geschützt sind. Beim Umgang mit Biomüll gelangen zwangsläufig Schimmelsporen in die umgebende Luft und von dort aus durch Einatmen auch in den menschlichen Körper. So kann A. fumigatus für Menschen mit verminderter Immunabwehr als Folge einer chronischen Grunderkrankung sehr gefährlich werden und zu tödlich verlaufenden invasive Aspergillose führen. Daher sollten abwehrgeschwächte Personen den Umgang und den Kontakt mit Bioabfall meiden. Kleine portionsweise Verpackung in Zeitungspapier sowie eine Reinigung der Tonne mit Essigwasser und das Aufstellen in einem schattigen Ort verringern deutlich den Sporenanteil. Die Leerung sollte 1 Woche nicht überschreiten.[6]
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