Ratgeber für den Bauherrn
Ingenieurbüro Peter Rauch
Kapitel:  Bauphysik | Feuchteschutz | Holzbau | Konstruktion | Bauchemie | Baustoffe | Baubiologie | Wohnklima
Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen, 2001 - Peter Rauch PhD -

8.Bauphysikalische Gesichtspunkte, die für die biologische Schädigung mit verantwortlich sind
8.1. Luftfeuchtigkeit

Die Wohn- und Arbeitsräume umschließt eine Bauhülle. Für ein Verständnis der gesamten Problematik muss auch diese in die Betrachtung einbezogen werden.

8.1.1. Baumaterial und Feuchtigkeit

Das Sprichwort "Steter Tropfen höhlt den Stein" weist darauf hin, das Wasser auf alles Feste auflösende Wirkung hat und dass schon geringe Mengen an der falschen Stelle große Folgen haben können. [23] In allen kapillar-porösen Bauwerksteilen wird Feuchtigkeit gespeichert. Die Speicherung verläuft dynamisch und innerhalb desselben Bauteils oft sehr ungleichmäßig. Bei kapillar-porösen Bauwerksteilen stellt sich ein durchschnittlicher Dauerfeuchtigkeitsgehalt ein. Holz wird durch eine Gleichgewichtsfeuchtigkeit gekennzeichnet, ist jedoch auch hygroskopisch kann also aus der Luft Feuchtigkeit binden. Man unterscheidet

Wasserdampfdiffusion:  Der Transport von Wasserdampf durch den Baustoff
Kapillare Leitfähigkeit: Der Transport von Flüssigkeit (Wasser) durch den Baustoff
Hygroskopisch:             Die Fähigkeit eines Baustoffes, Wasser aufzunehmen und zu binden.

Bild 1: Feuchteverhalten verschiedener Baustoffe

Gut ausgebildetes Kapillarsystem mit Kapillaren unterschiedlichen Durchmessers:
Großes Wasseraufnahmevermögen, großes Feuchteabgabevermögen z.B. Ziegel, Gips


Geschlossenzellige Struktur mit wenigen Kapillaren zwischen den Zellen:
Großes Wasseraufnahmevermögen, geringes Feuchteabgabevermögen, z.B. Gasbeton



Struktur mit kleinen, abgeschlossenen Poren und Kapillaren:
Geringes Wasseraufnahmevermögen, geringes Feuchteabgabevermögen, z.B. Schwerbeton, Blähton-Beton
Bild Feuchteverhalten verschiedener Baustoffe

Ziegel, Lehm und Holz haben besonders günstige physikalische Eigenschaften und sind deshalb als raumumschliessende Baustoffe zu empfehlen. Ihr wesentlicher Vorteil ist, dass sie kurzzeitige Feuchtigkeitsspitzen abbauen können, wie sie z.B. beim Duschen auftreten. Dämmstoffe müssen vor direkter Durchfeuchtung geschützt werden, da ihre Wirkung auf viele Hohlräumen mit Luft beruht. Füllen sich diese mit Wasser, so verringert sich die Isolierwirkung auf fast 50%. Daher sind diese Dämmstoffe mit einer sorgfältig angebrachten Dampfsperren zu schützen, wenn eine Innendämmung vorliegt. Bei Dämmstoffen mit höherer Gleichgewichtsfeuchte, wie Kokos, Stroh, Kork oder Zellulose, kann unter Umständen auf die Dampfsperre verzichtet werden. [16] Die Quantifizierung des Feuchtehaushaltes von Umfassungskonstruktionen hat bisher noch keinen befriedigenden Stand erreicht. Der Nachweis der inneren Kondensatbildung z.B. erfolgt immer noch nach dem Glaserschen Diffusionsschema, dass aber weder die hygroskopische Auf- und Entladung noch die kapillare Entspannung des Tauwassers wird berücksichtigt. [17]

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