Ratgeber für den Bauherrn
Ingenieurbüro Peter Rauch
Kapitel:  Bauphysik | Feuchteschutz | Holzbau | Konstruktion | Bauchemie | Baustoffe | Baubiologie | Wohnklima
Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen, 2001 - Peter Rauch PhD -

8.1.2. Luftfeuchtigkeit im Wohnraum




(Hier spielen die absolute und relative Luftfeuchte, die Sättigungstemperatur und der Wasserdampfdruck eine Rolle.) Die Feuchtigkeit der Luft wird als Wasserdampf bezeichnet, welchen man nicht sehen, hören und riechen kann. Ständig erhöhte Feuchtigkeit in Wohnräumen führt zu gesundheitlichen Risiken, wie chronische Hustenanfälle und asthmatische Erkrankungen, im Extremfall besteht die Gefahr der Schwindsucht. In den überwiegenden Fällen sind Feuchtigkeitsursachen vielschichtig und können sich gegenseitig begünstigen.

8.1.2.1. Feuchtigkeit in Wohnungen

1. Entstehung durch Nutzung (Wasserdampfproduktion)
   Wannenbad 1 l pro Person
   Zimmerpflanze 0,5 bis 1 l pro Tag
   Atmung 1 Person ca. 0,1 l pro Stunde
   Schlafphase ca. 1 l pro Person
   Trocknen von Wäsche 4,5 kg 1-1,5 l
2. Entstehung durch Beschaffenheit des Gebäudes
2.1. Konstruktiv vorhanden
   Schwachstellen der Konstruktion , z.B. an Bauteiloberflächen (Wärmebrücke) ungünstige Raumgeometrie
2.2. Innere Einwirkungen
   Defekte an Wasserleitungen, Spritzwasser im Bad
2.3. Äußere Einwirkungen
   Dachbereich, undichte Fenster, Türen, Wände durch Niederschlag
   Aufsteigende Feuchtigkeit durch defekte Sperrung im Fundament- und Erdgeschoßbereich
2.4. Im Neubau
   Die baustoffbedingte Beimischung von Wasser für den Mörtel (Gips, Kalk, Beton), früher hatte man die neuen Gebäude "ausgewintert", heute muss dies durch erhöhte Heizung und Lüftung austrocknen [18]

Eine zu große Feuchtigkeit in den Wohnräumen, die Behaglichkeit liegt bei etwa 65 % relative Luftfeuchtigkeit, führt einerseits zur Schädigung des Baukörpers und andererseits hat dies gesundheitliche Auswirkungen und im Extremfall kann sich Schimmelpilz bilden. In der nachstehenden Grafik wird die Abhängigkeit der relativen Luftfeuchtigkeit von der Temperatur aufgezeigt. Die absolute Luftfeuchtigkeit ist unverändert.

Bild 2: Kritischer Bereich der Kondensatbildung für Schimmelbefall [19, S. 121]

Es wird deutlich, dass bei einer Absenkung der Lufttemperatur die relative Luftfeuchtigkeit ansteigt.

Tabelle 1: Veränderung der rel. Luftfeuchtigkeit bei gleich bleibender absoluter Feuchte und einer Temperaturänderung

Temperatur rel. Luftfeuchte Variante 1
bei 11g Wasser/m3Luft
rel. Luftfeuchte Variante 2
bei 8,3g Wasser/m3Luft
z.B. Raumluft 20ºC 65% 50%
z.B. an Wandoberfläche 18ºC 72% 55%
z.B. an Wandoberfläche 16ºC 81% 63%
z.B. an Wandoberfläche 14ºC 93% 71%
z.B. an Wandoberfläche 12ºC 100% 82%

Weisen einige Bauteile auf Grund ihrer Baustoffzusammensetzung oder durch geometrische Formen an ihrer Oberfläche eine niedrigere Temperatur als ihre Umgebung auf, so ist an dieser Fläche eine höhere relative Luftfeuchtigkeit vorhanden. Diese Beobachtung kann man an den Fensterscheiben älterer Bauart feststellen (Feuchtigkeitsfallen). Bezogen auf das o.g. Beispiel würde bei einer relativen Luftfeuchte von 65% bei einer 36 Ziegelwand im Winter bei -10C eine relative Luftfeuchtigkeit an der Wandoberfläche von ca. 90% vorliegen. Jetzt ist es aber nicht jeden Tag -10C und in einer massiven Außenwand liegen instationäre Verhältnisse vor, eine Folge des Wechsels der Temperatur am Tag und in der Nacht sowie der Einfluss des Sonnenscheins. In der Regel liegt im Winter die relative Luftfeuchtigkeit bei normaler Nutzung bei 50% oder weniger. Damit ergeben sich die Werte aus der Variante 2 (Tab. 1). Wird nur die o.g. Außenwand betrachtet, so kann sich bei dem Extremfall eine relative Luftfeuchte von 71% einstellen. Damit kommt es auch nicht zur Schimmelpilzbildung. Treten feuchte Wände oder Wandflächen auf, so sollte neben einer Erhöhung der Lüftungsrate die Raumtemperatur erhöht werden. Allerdings kostet eine Temperaturerhöhung im Zimmer von 1 K (1ºC) ca. 6% mehr Wärmeenergie (dies ist abhängig von der Raumgröße und dem Wärmedurchgangskoeffizienten.) Auf eine Nachtabsenkung, um Energie zu sparen, sollte verzichtet werden, wenn kritische Bauteile vorhanden sind. Werden Strahlungsheizungen verwendet, so liegt die Temperatur der Wandoberfläche höher und es bildet sich kein Kondensat an der Wandoberfläche. Das ist unter anderem auch ein Nachteil der modernen Zentralheizung, die vorwiegend nach der Konvektion funktioniert.

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