Ratgeber für den Bauherrn
Ingenieurbüro Peter Rauch
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Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen, 2001 - Peter Rauch PhD -

8.2. Lüftungsaustausch




Eine intensive Lüftung der Räume ist erforderlich, um die verbrauchte Atemluft (höherer CO2-Gehalt) auszutauschen, die Luftfeuchtigkeit, Schadstoff- und Staubkonzentration und die Radioaktivität zu verringern. In Schweden wurde in stark wärmegedämmten Wohnungen eine Erhöhung von der Dosis 110 mrem bis auf 380 mrem festgestellt. (Jede radioaktive Strahlung - ob natürlich oder künstlich- ist lebensfeindlich. Prof. Fritz-Niggli) Empfehlenswert ist daher ein Luftwechsel von 2 bis 3. Neben diesem Fakt ist die Reduzierung der Luftfeuchtigkeit ein wichtiger Aspekt der Lüftung.

Unser Körper gibt ständig Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Ebenso entsteht Feuchtigkeit beim Kochen, Duschen und durch Zimmerpflanzen. Die relative Luftfeuchtigkeit steigt an, wenn diese feuchtere Luft nicht von Zeit zu Zeit ausgetauscht wird. Erfolgt dies nicht ausreichend, so kann es unter Umständen an kühleren Bauteilen zur Kondensatbildung, wie früher an den einfachen Fensterscheiben, kommen oder in diesem Bereich ist die angrenzende Luftfeuchtigkeit höher. Das liegt daran, dass kühlere Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann. Die Schimmelpilzbildung allein einer falschen Lüftung zuzuordnen ist grundsätzlich abzulehnen. Es sind hierfür meist mehrere Ursachen, wie auch konstruktiver und materialspezifischer Art, verantwortlich (vgl. Luftfeuchtigkeit).

Durch das Fraunhofer Institut wurde die Luftwechselzahl untersucht. In einer Tabelle werden die Werte aufgeführt.

Tabelle 3: Lüftungsart [19, 152]

Lüftungsart Luftwechselrate pro Stunde Dauer der Lüftung für einen Luftaustausch
geschl. Fenster und Türen 0,0 bis 0,5 mindestens 2 Std. (je dichter
die Fenster, so geht der Wert gegen Unendlich)
Fenster gekippt 0,5 bis 2,0 0,5 Std. bis 2 Std
halb geöffnetes Fenster 5 bis 10 6 bis 12 Min
völlig offenes Fenster 9 bis 15 4 bis 7 Min.
Querlüftung 40 1,5 Min.

Sehr dichte Fenster sind ungünstig. Die Argumente, täglich 3 bis 4-mal kräftig lüften, erfordern immer die Anwesenheit eines "Lüfters", ganz zu schweigen von der Gewohnheit und der Einstellung. Auch bei Abwesenheit erhöht sich die Luftfeuchtigkeit z.B. durch die Zimmerpflanzen. Die Lüftung ist die wichtigste Maßnahme, um die Luftfeuchtigkeit in den Räumen zu senken.

In Schweden wurde daher eine zusätzliche Zwangsbe- und Entlüftung eingeführt. Es gibt einfache Systeme, die nur aus dem Schlafzimmer, der Küche und dem Badezimmer die Luft absaugen und durch regelbare Lüfterdosen in den Wänden der Wohnräume Luft nachstömen lassen. Neuerdings werden in Deutschland hochgedämmte dichte Fenster mit undichten Lippendichtungen eingebaut. Nach der energetischen Sanierung eingebaute und ständig laufende Abluftventilatoren in der Wohnung (Bad oder WC) sollen eine Zwangslüftung bewirken. Ein Abschalten ist natürlich untersagt. Es werden auch die Argumente der "atmenden Wände" genannt. Hier wird sicherlich die sorptionsoffene Wandbeschichtung und das Diffusionsgefälle nach außen gemeint. Ersteres reguliert den Feuchtehaushalt in der Wohnung, z.B. beim Kochen wird der Wasserdampf kurzzeitig von der Wandfläche aufgenommen und das Kondenswasser schlägt sich nicht bzw. nur wenig auf Wandfliesen nieder. Zweiteres wird durch die äußere Wandbeschichtung, Kunstharzbeschichtung oder das Wärmedämmverbundsystem, weitestgehend unterbunden. Im Extremfall kann sich in dieser Grenzschicht Feuchtigkeit ansammeln. Insgesamt wird durch die Diffusion verhältnismäßig wenig Feuchtigkeit nach außen abgegeben. Aber, und das wird bei der Lüftungsargumentation vergessen, nur über die ungehinderte Diffusion kann die Wandkonstruktion trocken bleiben. Ist die Wand feucht, so erhöht sich die Wärmeleitfähigkeit je Baustoff extrem und die Folge sind höhere Heizenergieverbräuche. In einem extremen Fall in Zwickau (2001) veränderte sich der u-Wert einer Innenwand aus Beton zu einem ungeheizten Treppenhaus von ca. 1,9 W/m²K auf über 4 W/m²K.

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