Ratgeber für den Bauherrn
Ingenieurbüro Peter Rauch
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Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen, 2001 - Peter Rauch PhD -

In der folgenden Tabelle wird die aus dem Raum abgeführte Feuchtigkeit durch Diffusion und Lüften in Abhängigkeit von der Außenlufttemperatur gegenübergestellt.

Tabelle 4: Gegenüberstellung Wassertransport über die Außenwand und durch das Lüften

Temperatur der Außenluft [ºC] Diffusion durch die Außenwand [g/h] (Abhängig von der Größe und dem Wandaufbau/Materialien) durch einfachen Luftwechsel (Abhängig vom Raumvolumen, der Innentemperatur und Feuchtigkeit und der Feuchtigkeit der Außenluft.
- 20 5,5 436
-10 4,8 378
0 3,2 242
+10 0,4 15

Allerdings steht die notwendige Lüftung im Widerspruch zur WSchVO 95 und der neuen EnEV 2000.




In Busse wird auf eine Mindestanforderung an Luftaustausch in Wohnungen von 0,8-1 gefordert, wonach keine Schimmelpilzbildung erfolgt. Dieselbe Lüftungsrate bzw. etwas mehr wurde von mir bereits 1994 in einem Vortrag in Leipzig gefordert.
Herr Prof. Dr. Hausladen vertrat 1997 die Meinung, dass bei ständiger Einhaltung von Luftwechselzahlen von 0,2 bis 0,3h-1 keine Schimmelbildung erfolgt. Das Dichtmachen der Gebäude ist der richtige Weg, um die Witterungseinflüsse auszuschalten. Für die geringere Lüftung wurde verschiedene Argumente dargelegt, wie dass die Grenzwerte der Geruchsabgabe (Maßeinheit olf) kaum erreicht werden und für ca. 50% der Menschen eine Luftmenge von 5 m³/h ausreicht. Die VDI sieht 30 m³/h vor. Frau Prof. Dr. Eicker betrachtete einen Luftwechsel von 0,3 bis 0,4h-1 plus einer angenommenen unkontrollierten Lüftung, das sind 0,5h-1, als ausreichend. (Im Punkt 8.1.4., Tab. 2 werden die Lüftungsraten gegenübergestellt und es wird deutlich, dass diese nicht ausreichen.) Hier wird mit den hohen Lüftungswärmeverlusten argumentiert, die mit der Dichtheitsprüfung Blowerdoor; zu überprüfen ist. Bei dem geringeren Luftwechsel liegen die Lüftungswärmeverluste fast 40% niedriger als die in der WSchVO 95 als Rechenwert angesetzt werden. (Anmerkung: Unkontrollierte Lüftung durch Ständerbauwände verursachen Tauwasserschäden infolge von Dampf-Konvektion an der Holzkonstruktion und zuzüglich beträchtliche Wärmeverluste und sollte in diesem Fall auch vermieden werden.) Herr Prof. Dr. Hauser legte 1999 dar, dass bei einer Erhöhung der Luftwechselrate um 0,1 der Energieverbrauch sich jeweils um 7 kW/m²a erhöht. Bei dem vorgesehen hygienisch notwendigen Lüftungsraten von 0,8h-1 entspricht dies 56 kW/m²a. Ein Ultraniedrigenergiehaus wird nur 30 kW/m²a benötigen und ein Null-Heizenergiehaus kommt mit 16 kWh/m²a aus. Hier vergisst man aber einiges, dass man jedoch bei der Dokumentation eines Projektes zu Niedrigenergiehäuser (BINE v. 1.5.98) in einer Grafik sehr deutlich sieht. (Leider widersprechen sich die Balkendiagramme mit den Absolutwerten, so dass gemittelt werden musste) Bei den 9 Häusern liegt im Schnitt der Wärmeverlust durch Lüftung bei 60% und das entspricht 70 kW/m²a. Im Ergebnis wird von einem Luftwechsel von 0,8 bis 1,3h-1 gesprochen. Damit wird der bereits genannte Wert bestätigt. Die Transmissionswärmeverluste liegen bei 46 kW/m²a bei einem(k) u-Wert = 0,36-0,4 W/m²K. Unabhängig davon, dass energetische Lösungen gesucht werden müssen, stört das Problem Lüftung, weil damit alle schön gerechneten Ergebnisse nicht aufgehen. Daher soll die Lüftungsrat so klein wie nur möglich sein. Dann stimmen die Verhältnisse wieder. In der o.g. Versuchsreihe kam keine Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Mit dieser Technik kann ein großer Teil des Lüftungswärmeverlustes reduziert werden. Die Effektivität ist abhängig von der Funktionsweise.

Es geht eigentlich um etwas ganz anderes. Mit wissenschaftlich nicht begründbaren Argumenten, wie die Klimakatastrophe, Treibhauseffekt, Erderwärmung samt Abschmelzung der Polkappen, baldigen Rohstoffmangel usw. soll das wirtschaftlich unsinnige Superdämmgeschäft begründet werden. Das Verhältnis von Transmissionswärmeverluste zur Dämmung ist keine Gerade sondern eine Hyperpel und findet ihre Wirtschaftlichkeit im Bereich bei einem (k)u-Wert bei 0,5 bis 0,4 W/m²K. Das wird mit ausreichend dicken speicherfähigen Massivwänden oder einer Dämmung von wenigen Zentimeter (5,5 -12 cm Optimum bei 8 cm) erreicht. Wobei mit 5,5 cm Dämmung die gleiche wirtschaftliche Wirkung erzielt, wie mit einer 12 cm dicken Dämmung. Warum soll unnötig viel Dämmung verarbeitet werden? Eine Superdämmung bringt keine nennenswerte Energieeinsparung. In den o.g. wirtschaftlichen Bereich liegen die Transmissionswärmeverluste etwa mit dem Lüftungswärmeverluste gleich. Werden 20 oder 40 cm Dämmung an die Außenwand angebracht, so würden die Lüftungswärmeverluste ca. 80 % der benötigten Heizenergie betragen. Das Mehrkostennutzenverhältnis ist dann ohnehin nicht gegeben.
Diese verordnete Sanierungsmaßnahme hat natürlich der Hauseigentümer bzw. Mieter zu bezahlen. Leider blasen auch die Greenpeace in das gleiche Horn und werden so zu Agitatoren der Dämmstoffindustrie. (Altbau ist nun einmal nicht gleich Altbau.)

Schimmelpilz entsteht aber nicht nur an der kalten sondern auch an den warmen Wandoberflächen, wenn ausreichend Feuchtigkeit in der Raumluft vorhanden ist.

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