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Die Ursachen für ein feuchtes Mauerwerk und Beispiele

Funktionsfähige Mauerwerke, wo Feuchtetransportprozesse günstig beurteilt werden, könnten trotzdem langfristig einer vollständigen Durchfeuchtung unterliegen. In den nachfolgenden praktischen Beispielen sollen ausgewählte Ursachen aufgeführt werden, die durch eine falsche Planung, äußere Einflüsse und mangelhafte Bauausführung entstehen.

Feuchte Wand hinter dem Heizkörper

Im Bild 1 wird ein Beispiel dargestellt, wo sich hinter dem Heizkörper massiv Schimmelpilz gebildet hat. Unabhängig vom schlechten Lüftungsverhalten des Mieters in dieser Erdgeschosswohnung sowie das Trocknen der Wäsche, liegt im Mauerwerk eine sehr hohe Feuchtigkeit vor. Hinzu kommt auch noch eine hohe Salzbelastung des Mauerwerkes.

Bild 1: Starke Durchfeuchtung der Außenwand im Erdgeschoss.

 

Hofpflaster mit negativen Gefälle

Im folgenden Bild 2 wird die Ursache der hohen Feuchtigkeit hinter dem Heizkörper gezeigt. Das neue Hofpflaster wurde mit einem Gefälle in Richtung Kellermauerwerk hergestellt. Das Niederschlagswasser läuft zur Hauswand und gelangt zwischen die Noppenbahn und Kellerwand. Genau in diesem Bereich zeigt das Kellermauerwerk bis in die Kappe eine ungewöhnlich hohe Feuchtigkeit und eine starke Salzausblühung.

Bild 2: Ein negatives Gefälle leitet das Niederschlagswasser zur Außenwand und verursacht so die Durchfeuchtung des Mauerwerkes.

Das folgendes Beispiel zeigt ein Mangel bei der Planung zur Sanierung eines Wohnhauses in Blockbauweise (Q 3 A oder Q 6). Die Außenwände bestehen aus Leichzuschlag-Beton Ziegelsplitt. Nach EICHLER wird für λ ~0,85 W/mK bei einer Rohdichte 1700 kg/m3 bzw. für die Außenwand mit 32 cm Wandstärke R = 0,54 m2K/W für den gemessenen Wert und 0,44 m2K/W nach TGL 35424/02 angegeben. Bei der energetischen Sanierung wurde ein Wärmeverbundsystem mit λ = 0,04 W/mK angebracht, alle Kastenfenster wurden durch Isolierverglasung mit λ = 1,6 W/mK oder kleiner ausgetauscht. Der U-Werte vor der Sanierung lagen bei der Außenwand zwischen 1,8 bis 2,3 W/m2K und die der Kastenfenster bei circa 2,6 W/m2K. Nach der Sanierung hat die Außenwand einen U-Wert von circa 0,4 W/m2K. Durch diese nachträgliche Wärmedämmung kam es zur Durchfeuchtung (Tauwasserbildung) einer Innenwand mit einer umfangreichen Schimmelpilzbildung. Die Durchfeuchtung der Innenwand war so groß, dass man bereits nach einen Leitungswasserschaden suchte. Durch diese Wärmedämmung auf der Außenwand wurde die Verteilung der Oberflächentemperatur an den einzelnen Wandoberflächen verändert. Im folgenden Schema wird das Problem beschrieben. Im Bild 3 wird der klimatische Zustand vor der Sanierung dargestellt. Bisher hatte das Fenster die niedrigste Oberflächentemperatur. Alle Wandoberflächen hatten annähern die gleiche Temperatur, sodass überall auch eine gleiche Feuchte vorlag. Diese große Wandoberfläche wirkte durch die Adsorption und Desorption feuchteregulierend. Nach der Wärmedämmung (Bild 4) kondensierte die Feuchte nicht mehr an der Fensterscheibe, die bisher den niedrigsten U-Wert hatte, sondern hinter den Küchenschränken an der Innenwand zum unbeheizten Treppenhaus. Diese Wandfläche hatte nun die niedrigste Oberflächentemperatur, da alle anderen Oberflächentemperaturen etwas angehoben wurden. Damit hat sich aber auch der Oberflächenanteil verringert, wo die Feuchte durch Adsorption und Desorption reguliert wurde.

Bild 3: Verteilung der Oberflächentemperatur in der Küche, Verbund- oder Kastenfenster. Bild 4: Verlagerung der Oberflächentemperatur nach einer Sanierung mit Isolierverglasung und Wärmedämmung.
Oberflächentemperatur vor der Wärmedämmung Oberflächentemperatur nach der Wärmedämmung

Der U-Wert der Innenwand zu dem unbeheizten Treppenhaus erhöhte sich infolge der Durchfeuchtung auf etwa 4 W/m2K. Dies lässt sich aus der rasterförmigen Messung der Oberflächentemperatur eines Gutachtens ableiten. Der Sachverständige hatte zwar richtig gemessen und gerechnet aber die im Schema dargestellten Zusammenhänge nicht richtig beurteilt. Die Wandfläche wurde durch die ständige Tauwasserbildung an der Oberfläche immer mehr durchnässt. Hätte man bei der Planung eine Beheizung zur Temperierung des Treppenhauses vorgesehen, wie es bei Sanierungen der gleichen Wohngebäude in Leipzig erfolgte, so währe dieser Schaden nicht aufgetreten.

Schimmel zum kalten Hausflur

Im nachfolgenden Objekt in Erfurt wurden neue Konvektionsheizkörper und eine Isolierverglasung eingebaut. Eine Außendämmung erfolgte nicht. Diese Schimmelpilzbildung (Bild 5) erfolgt an einer Innenwand zum Treppenhaus im Erdgeschoss. Die Haustüren blieben auch im Winter längere Zeit offen, sodass es zu einer verstärkten Abkühlung der gesamten Innenwand kam. Die gemessene Temperatur im Treppenflur betrug 6°C und die der Außenluft 3°C. Damit hatte diese Innenwand die niedrigste Oberflächentemperatur.

Bild 5: Starke Schimmelbildung an der Innenwand zum kalten Treppenhaus rechts im Zimmer im Eckbereich zur Außenwand.

Nicht nur früher wurden große Zimmer wie ein Erker gebaut, sodass praktisch 3 Außenwände entstanden. Werden bei der Sanierung lediglich die Fenster mit Isolierverglasung ausgetauscht, ohne dass eine äußere Wärmedämmung angebraucht wird, ist die Durchfeuchtung der Außenwandflächen vorprogrammiert. Aber auch heute werden ähnliche missglückte Raumgeometrien entworfen. So haben innen liegende Einraumwohnungen in neuen Mehrfamilienhäusern mehr als 50 % Außenwände, aber nur, weil das Wohnzimmer als übergroßer Erker ausgebildet wurde. Auch hier sind so gut wie keine Stellflächen für die Möbel gegeben.

Zum Schluss soll noch auf eine Feuchtebelastung des Mauerwerkes und der übrigen Konstruktion hingewiesen werden, die durch Löschwasser nach einer Brandbekämpfung, einer Überschwemmung oder bei einem Leitungswasserschaden (siehe Punkt 6) auftreten. Bei einer Überschwemmung kommen zusätzlich eine Reihe nicht kalkulierbare Ereignisse hinzu, die zu einer Schadenserweiterung führen. Dies sind zum Beispiel Ölteppiche, kontaminierter Schlamm und anderes. Eine Ölschicht oder ein organisch belasteter Schlamm bietet mit der Feuchtigkeit eine gute Nahrungsgrundlage für Mikroorganismen und Holz zerstörende Pilze. Eine möglichst schnelle Abtrocknung und Säuberung ist hier dringend erforderlich.

Hochwasser führt zur Durchfeuchtung der Wände

Dringt Wasser in das Gebäude ein, so füllen sich alle Hohl- und Zwischenräume innerhalb einer kurzen Zeit mit Wasser (Bild 6). Das betrifft nicht nur die vorgesetzte Gipskartonwand mit Dämmung, sondern auch das massive Mauerwerk aus Mauersteinen mit Hohlkammern. Fließt das Wasser wieder ab bzw. es wird abgepumpt, so befindet sich in diesen Hohlkammern der Steine immer noch über eine lange Zeit flüssiges Wasser.

Bild 6: Schema einer Wassereinwirkung bei einem Hochwasser.

Massive Baustoffe, wie Vollziegel oder Beton, werden ebenso durchfeuchtet, aber die Poren nehmen wesentlich weniger Wasser auf, welches dann über die technische oder natürliche Trocknung entzogen werden muss. An Standorten, wo Stauwasser anliegt oder eine mögliche Gefährdung durch hohes Grundwasser oder Überschwemmung besteht, sollten im Gründungsbereich Baustoffe zu Anwendung kommen, die keine Hohlkammern und möglichst auch günstige Sorptionsisotherme haben. Die Baustoffe Bimsstein und Gasbeton können eine hohe Gleichgewichtsfeuchte annehmen und sind daher im feuchtegefährdeten Bereich nicht zu empfehlen. Dies betrifft nicht nur die Außenwände der Keller. So wurde in einem Musterhaus in Leipzig Glesin im Keller an der Außenwand Vorsatzwände mit Mineralwolle und Gipskartonbauplatten erstellt. Nach einem starken Regen stand im Keller das Regenwasser 1 m hoch. Statt "nur" einer Trocknung war ein kompletter Rückbau aller Leichtbauwände erforderlich.

Nachfolgend werden einige Fehler aus der Praxis zusammengefasst, wo es zur Feuchteerhöhung im Gebäude oder an den Wandflächen gekommen war.




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