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Die Ursachen einer feuchten Kellerwohnung mit Schimmmelpilze

Der Keller hatte bisher die Funktion einer Lager- und Abstellfläche für Lebensmittel, wie zum Beispiel Kartoffeln, Äpfel und Anderes. Die benötigen für die bessere Haltbarkeit immer etwas Feuchtigkeit und eine niedrige Temperatur. Zum Teil wurde der Keller auch als Wirtschaftsfläche, zum Beispiel als Waschhaus, Heizungskeller, Fahrradkeller oder als kleine Werkstatt genutzt. Erfolgt eine Umnutzung als Kellerwohnung, so ist erst einmal das Mauerwerk zu trocknen und bestimmte Regeln beim Lüften und Heizen sind zu beachten.

In der Zeit, wo die Städte schnell Expandierden, gab es auch preiswerter Wohnraum im Keller, meist für die Armen der Armen. Dass diese Menschen nicht immer den besten Gesundheitszustand hatten, auch eine Folge des Raumklimas, dürfte noch dunkel in Erinnerung sein.

Heute dagegen spricht man von wirtschaftlicher Verwertung. Abstellflächen werden "nicht benötigt", dafür aber Wohnraum oder Büros. Wer die Dunkelheit und Feuchtigkeit liebt, der zieht in die preiswerten Untergeschosse. Damit man das auch macht, werden viele Argumente herbeigezaubert und auch in einigen Planungsunterlagen ausgewiesen. Für einen Hobbyraum und eine kurzzeitige Nutzung, zum Beispiel als Gästezimmer oder für den Hometrainer, ist ein schön ausgebauter Kellerraum sicherlich sinnvoll und auch vertretbar.

Langfristig lassen sich aber Hausarbeiten, wie Wäsche bügeln oder längere Büroarbeiten in einem Raum, wo man die äußere Umgebung (Bäume, Sonne, Regen, Vögel usw.) visuell wahrnehmen kann, mit wesentlich mehr Freude verrichten. Neben diesen wichtigen psychologischen Faktoren spielt aber die Bauphysik eine ganz entscheidende Rolle. Und die lässt sich auch mit dem schönsten Hochglanzprospekt nicht überlisten.

Bei einem ständig genutzten Raum fällt kontinuierlich "Feuchtigkeit an, welche hinausgelüftet werden muss. Bei einem Mauerwerk gegen das Erdreich kommt es zum Wärmeenergieaustausch Raumluft Mauerwerk und Erdreich. Da der Erdboden auch im Sommer weniger warm ist, liegt immer ein Temperaturgefälle von innen nach außen vor. Vollständig anders bei einer Außenwand oberhalb der Geländeoberfläche, hier erfolgt eine Erwärmung durch die direkte und indirekte Sonneneinstrahlung. Auch im Sommer hat man an der Kellerwand über dem Fußboden eine Oberflächentemperatur von ca. 10 bis 13 ºC, die in ein Meter Höhe bereits 3 bis 4 K höher ist aber doch erheblich unter der Raumlufttemperatur liegt und so ohne Probleme eine Temperaturdifferenz von 6 bis 10 K auftreten kann.
In der wärmeren Jahreszeit liegt die relative Luftfeuchte über eine längere Zeit meist bei 60 bis 70 %. Damit kann nur an wenigen Tagen ein günstiger Luftaustausch bezüglich der Reduzierung der Luftfeuchte erfolgen. Die überwiegende Zeit ist aber eine Trocknung nicht möglich, es tritt eher das Gegenteil ein.

Bauphysikalische Zusammenhänge bei einer Kellerwohnung

Die relative Luftfeuchte in der Kellerwohnung wird also bei einer optimalen Nutzung bei circa 60 % liegen. Das ist auch der Wert, der in einer normal genutzten Wohnung während der wärmen Jahreszeit vorliegt. Liest man in der Grafik Luftfeuchte/Temperatur, bei einer relative Luftfeuchte von 60 % und 20 ºC ab und verringert die Temperatur, zum Beispiel auf eine Wandtemperatur von 14 ºC, so beträgt die relative Luftfeuchte ca. 85 %. Über dem Fußboden bei 12 ºC sind das bereits ca. 95 %. In beiden Fällen kommt es zur Erhöhung der Sporenanzahl, zum Beispiel von Schimmelpilzen in der Raumluft. Ist auch noch eine wachstumsfördernde Wandbeschichtung vorhanden, so bildet sich auch noch Schimmelpilzmyzel an der Oberfläche. Eine äußere Wärmedämmung erhöht die Oberflächentemperatur. Bei einem älteren feuchten Gründungsmauerwerk wird aber auch durch die Dämmung das Problem nicht vollständig beseitigt.

Feuchte und salzbelastete Ecken in einem Keller

Weiterhin stehen die Baustoffe im Feuchtegleichgewicht mit der angrenzenden Raumluft. Der Baustoff nimmt immer mehr Feuchte aus der Luft auf und es kommt langsam zur vollständigen Durchfeuchtung des Wandquerschnitts (von innen beginnend), wie es im Bild im unteren Wandabschnitt gezeigt wird. Erst zur kälteren Jahreszeit kann der Baustoff wieder Feuchte an die trocknere Raumluft abgeben, die durch eine Lüftung erzielt wird. Um dieses Problem zu lösen, ist eine ganzjährige Beheizung der Kellerwohnung erforderlich, um die fehlende Solareinstrahlung zu kompensieren. Zweckmäßig ist hier der Einsatz einer Strahlenheizung in Form einer Leistenheizung über dem Fußboden. Auch in der oberirdischen Wohnung nimmt in der wärmeren Jahreszeit langsam die Feuchte im Mauerwerk zu, nur hier ist die Wandoberflächentemperatur höher und damit auch die Temperaturdifferenz zur Raumluft niedriger.

Feuchteverlauf an einer Kellerwand

Noch kritischer ist der nachträgliche Ausbau eines älteren Kellers für Wohnzwecke oder Ähnlichen. Das Mauerwerk wurde über die Jahrzehnte durch äußere Feuchte und oder Kondensat durchfeuchtet. Auch wenn eine Vertikalabdichtung (siehe Bild oben) und eventuell noch eine Horizontalabdichtung angebracht wird, kann die Feuchtigkeit nur nach innen entweichen. Bei sehr dicken Gründungsmauerwerk kann dies unter Umständen sehr lange dauern. Die Raumluft muss diese Feuchte aufnehmen. Dies erfolgt durch einen gezielten Lüftungsaustausch bei gleichzeitiger optimaler Heizung. (Weitere Ausführungen zur Trocknung von feuchtem Mauerwerk.) Konnten sich im Mauerwerk auch noch im oberflächennahen Bereich Mauersalze ablagern, so wirkt auch noch die hygroskopische Wirkung der Salze und eine dauerhaft zufriedenstellende Lösung ist nur mit einem sehr hohen Kostenaufwand zu erreichen.


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