Altbausanierung und Energiepolitik

Archiv für September, 2012

Fassadenbegrünung

Erstellt von Peter Rauch am 28. September 2012

Dieser Artikel wurde über 15 Jahren im Leipziger Bauführer 1994 Seite 104 veröffentlicht. Er ist auch heute noch aktuell.

Vor vielen Jahren konnte man in unseren Straßen öfter noch grüne Fassaden sehen. Zwischenzeitlich wurden es aber immer weniger. Heute hat die Begrünung der Fassaden und der Dachflächen eine neue Bedeutung erlangt.

Wände, mit Ausnahme der Nordwände, werden im jahreszeitlichen Besonnungsrhythmus bestrahlt und erwärmt. Sie bieten eine ideale Bewuchsfläche und wirken sich günstig auf das Klima der Hausumgebung aus. Sie verbessern Eigenschaften wie Wärmedämmung, Wind- und Regenschutz, Kühlung, Luftverbesserung und Schallabsorption. Fassadenbegrünung ist eine Möglichkeit, ohne größeren Flächenbedarf die Vegetation zu vermehren.

Fassaden können direkt oder über ein Rankengerüst bewachsen werden. Es bildet sich ein Luftpolster zwischen Blattwerk und Hauswand, das den Wärmetransport von der Wand zur Außenluft verringert. Eine Luftschicht von 5cm entspricht z.B. in ihrer Wärmedämmung etwa einer Doppelglasscheibe mit K=2,9W/m2K und führt bei den hier üblichen K-Werten der Hauswände zu einer Verringerung des Heizenergiebedarfes von etwa 1/3.

Durch verschiedene Anordnungen, wie Unterteilung in Kammern, kann eine bestimmte Schutzwirkung erreicht werden, wie Windschutz oder Schutz vor Schlagregen. R. Doernach führt Beispiele an, wo nachweislich über 70 Jahre der Putz durch Bewuchs nicht geschädigt sondern geschützt wurde. Vor der Begrünung sollte die gewünschte Nutzung, Lage, Orientierung sowie die Wirkung von Wind, Regen und Sonnenstrahlung berücksichtigt werden.

Ebenso ist die Berankungsart, die Unterkonstruktion, Befestigung und Fassadenoberfläche sorgfältig auszuwählen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Bepflanzung, wie selbständige Wurzelkletterer, Gerüstranker, Spalierbewuchs, Heckenwände und hängender Bewuchs.

Da die meisten Blattwerfer sind, sollte auf eine dichte Verflechtung der Triebe geachtet werden, um auch im Winter ausreichenden Klimaschutz zu erhalten. Das Holz der Spalierwand sollte mit natürlichen Holzschutzmitteln (Holzteer, Holzöl oder Soda) imprägniert werden. Zu beachten ist noch, daß für jede Wandseite eine bestimmte Bewuchsart auszuwählen ist.

Südseite:
Blattwerfender Bewuchs, um die Gebäudeerwärmung durch die Wintersonne zu ermöglichen.
Westseite:
Immergrüner, selbstkletternder Bewuchs als dichter Teppich, mit Abstand vor der Fassade zur Durchlüftung, gut verflechtend, um auch im Winterhalbjahr einen dichten Schutz zu erhalten.
Ostseite:
Bei geschützter und auch im Winter verschattungsfreier Lage eine ähnliche Nutzbepflanzung wie an der Südwand;
Nordseite:
immergrüne, selbstkletternde Arten mit dichter Gerüstberankung sowie tiefe Heckenwände, um ein gutes Wind- und Wärmeschutzpolster zu erhalten.

Fassadenpflanzen

Hinter einer begrünten Fassade bleiben die Zimmer im Sommer angenehm kühl Kletterpflanzen halten Regen ab und schützen die Fassade vor Witterungseinflüssen Pflanzen an der Wand verringern im Winter die Abkühlung des Gebäudes

Es gibt weit über 50 verschiedene Pflanzen, wie Zierpflanzen, Nutzpflanzen und einjährige Kulturen (siehe Literatur ökologisches Bauen).

Durch begrünte Dächer könnte nahezu flächengleich die verbaute Vegetationsfläche ersetzt werden. Die Vorteile liegen in der Klimaverbesserung, Wasserspeicherung, Luftverbesserung, Schallabsorption, erhöhtem Biotopwert und Erholungswert. Gegenüber einem nackten Dach erhöht sich der Dachschutz, der Wärmeverlust wird bis zu 10% verringert. Es kann das Regenwasser zurückgehalten und so der Wasserhaushalt verbessert sowie die Luftverschmutzung bis zu 20% bei gleichzeitiger Sauerstoffabgabe gesenkt werden.

Für eine Dachbegrünung eignen sich am besten Flachdächer aber auch geneigte Dächer lassen sich ohne Problem bepflanzen. Anspruchslosere, niedere Vegetationen erfüllen gesamt ökologisch den gleichen Zweck und bedürfen keiner weiteren aufwendigen Baumaßnahmen. Natürlich muß die Dachhaut völlig dicht

Kletterpflanzen halten Regen ab und schützen die Fassade vor Witterungseinflüssensein und vor eindringenden Wurzeln geschützt sein. Im Rahmen der statischen Möglichkeiten lassen sich durchaus dünne Erdschichten oder Grasboden von ca. 5cm auf bestehende Dächer aufbringen. Dort wo eine Kiesschicht aufgebracht wurde, muß diese lediglich etwas abgetragen und durch eine entsprechende Erdschicht ersetzt werden. Ob nun Natur-, Moos-, Heide-, Steppen-, Wiesen- oder Sumpfdächer gestaltet werden, liegt an den örtlichen Gegebenheiten, den konstruktiven Voraussetzungen und den Wünschen. Neben dem Einfachaufbau und dem Mehrschichtenaufbau gibt es die Begrünung „umgekehrter“ Dächer. Auch die nachträgliche Begrünung ist möglich, bedarf aber einer konstruktiven und statischen Beurteilung, da die Dachlast nur um max. 30% bei Flachdächern nur ca. 10% erhöht wird, können die Dachsparren durch Schäden in i hrer Festigkeit eingeschränkt sein.

Die Dachbegrünung hat gerade im Gewerbebau eine wichtige Rolle und muß Bestandteil der ganzheitlichen Planungsaufgabe werden. Gerade in geplanten Gewerbegebieten wird sich das spürbar auf das Mikroklima auswirken. Hier sind z.B. die Grundwasserveränderung durch die versiegelten Flächen zu verzeichnen. Die erhöhte Abstrahlung der Wandflächen führt zu einer Temperaturerhöhung der Umgebung u.a.

Auch lassen sich Bauelemente für die Nutzung alternativer Energien optisch in ein umweltverträgliches Bauobjekt integrieren. Sowohl für den privaten Bauherren aber vor allem für den Unternehmer bedeutet ein umweltverträgliches Bauobjekt eine Wertsteigerung. Es wird immer einen Mittelweg zwischen Nutzung – Energie – Umfeld Wohlbefinden geben.

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Schwitzwasser durch richtige Heizung vermeiden

Erstellt von Peter Rauch am 28. September 2012

Gerade bei sehr starken Wandkonstruktionen und Natursteinwänden mit einem großen Wärmespeichervermögen besteht eine hohe Tauwassergefährdung. Technisch lässt sich dies nur über eine ausreichende Temperierung der Wandoberflächen mit Hilfe von Strahlungsheizung verhindern. Erfolgte früher die Heizung der Räume mit einem Ofen, welcher überwiegende Strahlungswärme abgibt, so sind jetzt viele Konvektionsheizungen im Einsatz. Im nachfolgenden Schema wird der wesentliche Unterschied dargestellt. Erfolgt die Wärmeübertragung bei einer Konvektionsheizung über eine Luftwalze, so erfolgt diese bei einer Strahlungsheizung über die Wärmestrahlung. Bei gleicher Behaglichkeit liegt die Raumtemperatur bei einer Strahlungsheizung niedriger.

Konvektions- und Strahlungsheizung

Es gibt aber noch weitere positive Aspekte bei einer Strahlungsheizung. Auf diese soll hier eingegangen werden. Durch die gleichmäßige Ausbreitung der Wärmestrahlung haben alle Bauteiloberflächen eine annähernd gleiche Oberflächentemperatur, abhängig vom Strahlungswinkel und der Zugänglichkeit, z. B. Möbel verhindern die gleichmäßige Verteilung der Strahlung. Daher ist der Standort der Strahlungsheizung sehr wichtig. Das Gleiche gilt aber auch für eine Konvektionsheizung.
In einem verwinkelten Zimmer und der falschen Anordnung der Heizkörper werden einige Wandoberflächen nicht ausreichend temperiert und es kommt zu Tauwasseranfall.

Schimmel in Zimmer wegen falscher Heizkörperanordnung

Die einfachste Möglichkeit zur Vermeidung von Tauwasseranfall oder einer Durchfeuchtung gerade des unteren Außenmauerwerkes ist die Temperierung mit einer Strahlungsheizung in Form einer Randleistenheizung. Mit dieser Heizung wird die Temperatur der unteren kühleren Luftschicht angehoben und die relative Luftfeuchte sinkt. Durch das Feuchtegleichgewicht zwischen Luft und Mauerwerk kommt es zur Entfeuchtung des Mauerwerkes. Die Schimmelpilzgefährdung sinkt. Ebenso steigt die Temperatur des angrenzenden Wandabschnittes und somit auch am Balkenkopf bei älteren Wohngebäuden. Die Gefahr möglicher Feuchteschäden an der Holzkonstruktion wird reduziert.

Ein sehr effektives Heizungssystem ist die Fußbodenheizung. Durch die große Strahlungsfläche können auch große Räume energetisch optimal beheizt werden. Bei diesem System treten kaum Temperaturunterschiede an der Konstruktion auf. Eine Tauwasserbildung wird vermieden. Bei älteren Bauerhäusern, wo aufgrund der Wandkonstruktion früher viel Feuchte im unteren Wandabschnitt vorlag, erfolgt eine recht gute Abtrocknung und es kann ein behagliches Raumklima erreicht werden. Neben der elektrischen Fußbodenheizung, es wird eine Heizfolie in den Fußbodenaufbau eingelegt, gibt es die Warmwasserheizungen. Es werden Wasserschläuche in Schlaufenform im Estrichboden verlegt. Es gibt hier auch superflache Fußboden-Heizsysteme mit einer Schichthöhe von gerade 10 mm, die für die Altbausanierung und den Neubau entwickelt wurden und eine kurze Aufheizzeit haben.

Unabhängig vom Heizsystem ist die richtige Regulierung der gleichmäßigen Raumtemperatur durch die entsprechenden Regeleinrichtungen von Bedeutung. So kann effektiv Wärmeenergie gespart, die gleichmäßige Behaglichkeit und Tauwasserbildung mit einer unangenehmen Schimmelbildung vermieden werden. Bei Räumen, wie Bäder ist es sehr angenehm, wenn zu bestimmten Zeiten die Raumtemperatur automatisch etwas angehoben wird. Aber auch viele der älteren Heizanlagen erfüllen die heutigen Ansprüche bei entsprechender Nachrüstung und Modernisierung der Heizanlage.

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