Altbausanierung und Energiepolitik

Archiv für Mai, 2014

Altbausanierung und Denkmalschutz

Erstellt von Peter Rauch am 24. Mai 2014

Weltweit gibt es viele historische Gebäude und Bauten, welche an die vergangene Baukunst erinnern. Fast jede Region hat einen bestimmen Baustil hervorgebracht. Die Baukunst zeugt nicht nur das historische technische Können der Handwerker der Regionen, sondern zeigt auch den wirtschaftlichen Reichtum der Bevölkerung vergangener Zeiten. Siehe zum Beispiel die Hansestädte in Norddeutschland, Hamburg, Bremen, Greifswald, Danzig oder die Stadt Venedig an der Adria. Ruinen und teilweise noch erhaltenen antiken Bauwerke im Mittelmeerraum, welche bis zum Bundesland Nordrhein Westfalen reichen, zeigen, welche hohe Ingenieurkunst bereits in dem imperialen Staat Rom vorhanden war. Nur zaghaft lässt sich der Reichtum aber auch das einfache Leben aus diesen Bauwerken vergangener Zeiten ableiten.

Die Baukunst mit Ziegelsteinen reicht etwa 10.000 Jahre zurück. Viele Bauwerke im alten Rom wurden mit römischem Beton errichtet. Die Erhaltung historischer Gebäude, wie Wohngebäude, Kirchen oder Burgen ist die Wahrung der Geschichte der Regionen und der Völker, welche dort wohnten bzw. jetzt dort siedeln. http://www.denkmalschutz.de/ ist zum Beispiel ein Portal, welches sich mit dem Erhalt der historischen Gebäude in Deutschland befasst. Es geht nicht darum, nur schöne Kirchen zu erhalten, sondern auch das historische Stadtbild oder die Struktur der Dörfer.

Saniertes Fachwerkhaus in Bad Düben
Fachwerkhaus am Markt in Bad Düben

Die Stadt Quedlinburg im Harz war eine sehr schöne Stadt mit vielen Fachwerkbauten. Sie ist aber in den letzten Jahren, dank viele Fördermittel und das Arrangement vieler Beteiligter noch viel schöner geworden und gehört somit zum Weltkulturerbe. Die einzelnen Fassaden der Bürgerhäuser dokumentieren den Wohlstand der Erbauer dieser wunderschönen Gebäude. Aber auch in Sachsen gibt es schöne sanierte Fachwerkhäuser.

In Sachsen sind die Dreiseitenhöfe in den Dörfern typisch, Wohnhaus, Stallung und Scheune. Die Größe dieser Höfe ist auch ein Kennzeichen der Fruchtbarkeit der Böden der angrenzenden Felder. Gerade im Kohrener Land, südlich von Leipzig, kann man dies deutlich erkennen. Immer mehr verschwinden diese charakteristischen Gebäude aus dem Dorfbild.

Drei Seitenhof in Sachsen
Dreiseitenhof, links Stallung und rechts Wohnhaus

Große Wirtschaftsgebäude aus Ziegelsteinen wurden umfunktioniert in Wohngebäude. Gerade hier werden hohe Anforderungen an die architektonische Gestaltung und an die Sanierungsfirmen gestellt. Das äußere Gesamtbild soll möglichst erhalten bleiben aber auch gleichzeitig die heutigen Wohnanforderungen erfüllen. Besonders gelungen ist der Umbau vieler ehemaliger Industriegebäude im Leipziger Westen am Karl-Heine-Kanal. In dem historischen Industriegebiet ist so gleichzeitig ein interessantes Naherholungsgebiet entstanden. Der Wohnwert dieses Stadtgebietes wurde durch diese umfangreiche Altbausanierung aufgewertet.

Sanierte Industriegebäude zu Wohngebäude in Leipzig
Weiße Elster in Leipzig, die alten Industriegebäude wurden zu attraktiven Wohnungen umgebaut.

Gründerzeitgebäude, welche unter den Gesichtspunkten des Denkmalschutzes saniert wurden, bestehen aus dem bewährten Baustoff Ziegelsteinen. Leider werden viele dieser historischen Gebäudefassaden als Folgen der Energiepolitik mit Dämmstoffen verunstaltet und die abwechslungsreiche gewachsene Gebäudestruktur durch optische Einheitsbauten ersetzt. Mit verantwortlich sind aber nicht nur die Gebäudeeigentümer und Planer, sondern Verantwortliche in den Gemeinden und Stadtverwaltungen, welche die Stadthäuser in historischen Stadtgebieten genehmigen bzw. sogar den Bau dieser für Deutschland untypischen Gebäudeformen vorschreiben.

Die Erhaltung der historischen Gebäude setzt ein hohes fachliches und handwerkliches Können voraus. Werder an den Hochschulen noch in der beruflichen Ausbildung wurden das Fach „Altbausanierung“ gelehrt. Viele Kniffe der zum Teil vergessenen handwerklichen Ausführungen müssen neu erlernt werden. Gerade kleinere Firmen können sich auf dem Gebiet des Denkmalschutzes, wie das Bauunternehmen Agena [1] in Norddeutschland, spezialisieren. Hier gibt es sehr viele erhaltungswürdige Gebäude mit den schönen Backsteinfassaden. Auf Einladung des Architekten Joachim Schmidt aus Neumünster hatte ich vor 8 Jahren das schöne Schloss Bredeneck angesehen, welche wegen Holzschäden abgerissen werden sollte. Was nach meiner damaligen Einschätzung ein vollkommener Unsinn war. Man muss die Bausubstanz nur richtig Beurteilen und entsprechende Maßnahmen festlegen. Für die Altbausanierung gelten die Regeln der Baukunst und die Vorschriften zum Zeitpunkt der Errichtung. Veränderungen der Konstruktion und vor allem der Einsatz von anderen Baustoffen, welche nicht zur Errichtung des Bauwerkes verwendet wurden, können das feuchtetechnische Verhalten des Gebäudes verändern. Das kann sowohl positiv aber auch negativ sein. In vielen Fällen trifft der letztere Fall zu.

Es ist auch sehr sinnvoll, wenn der erfahrene Handwerker den Bauherrn fachlich berät, unabhängig von möglichen Kostenvorteilen und den gegenwärtigen gesetzlichen Vorschriften. In diesem Fall muss aber auch dann der Bauherr so fair sein, wenn eine bessere Lösung angeboten wird, den Handwerker zu dieser speziellen Lösung von der Haftung frei zu sprechen. Eine bautechnische Lösung, die sich historisch bewährt hat aber nicht den aktuellen Bauvorschriften entspricht. In diesem Zusammenhang möchte ich zum Schluss auf die DIN verweisen, die nicht unbedingt den Regeln der Baukunst entsprechen muss.

Quelle:
[1] Bauunternehmen Agena auf http://www.bauunternehmen-agena.de

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Außenwände aus Ziegelsteinen

Erstellt von Peter Rauch am 17. Mai 2014

Der Ziegelbau hat eine circa 10.000 jährige Geschichte. Besonders die Länder im Raum von Persien oder Ägypten haben viel Erfahrungen in der Ziegelbauweise und bei der Herstellung von Ziegelsteinen. Aber auch in den östlichen Nachbarländern, wie Polen und Ukraine findet man viele historische Ziegelbauten.

Es liegt daher eine umfangreiche Erfahrung beim Bau mit diesen bewährten Bauweisen vor. Bei den älteren Wohngebäuden aus Ziegelsteinen in New York treten Probleme bei der Standfestigkeit auf. Besonders betroffen ist der Fugenmörtel, welcher aussandet und so nur noch ungenügend zur Standfestigkeit diese Wohngebäude beiträgt. Dieser Kalkmörtel verliert im Verlauf der Zeit seine Festigkeit.

Bei den Wohngebäuden aus der Gründerzeit in Mitteldeutschland tritt dieser Festigkeitsverlust teilweise auch auf. Mehrheitlich sind jedoch die Mörtelfugen in Ordnung.
Gerade während des Zweiten Weltkrieges, waren viele Mehrfamilienhäuser in den Städten zum Teil starken Erschütterungen ausgesetzt waren. Es ist dann auch klar, dass viele Risse im Putz und im Mauerwerk entstanden sind.

Bei kleineren Gebäuden kann es schon vorkommen, dass sich wirklich nur noch Sand zwischen den Fugen befindet. Dies liegt aber nicht an der Bauweise, sondern an der falschen Mischung des Mauermörtels. Es musste kostensparend gebaut werden und es wurde zu wenig Bindemittel, wie Kalk, zugemischt. An diese Gebäude können dann keine hohen Anforderungen gestellt werden. Kommen Mauersalze im Kellermauerwerk vor, so wird auch hier stärker der Mörtel zwischen den Mauerfugen zerstört und die Tragfähigkeit herabgesetzt.
Heute werden die Ziegelsteine in den westlichen Ländern vorwiegend als architektonisches Gestaltungselement der Fassaden und für kleinere Gebäude als tragende Wände verwendet. In der Ukraine dagegen werden auch heute noch hohe Wohngebäude aus Ziegel errichtet, wie hier in den Bildern in Vinnitsa. Die Wandstärke liegt bei knappt über 50 cm.

Baustelle eines neuen Wohngebäudes aus Ziegelsteinen Bau eines neuen Wohnhochhauses aus Ziegelsteinen in Vinnitsa

In Kiew und auch in anderen Städten der Ukraine werden die Vollziegel als Ausfachungsmaterial bei der Stahlbetonskelettbauweise eingesetzt.

Ziegel und Stahlbetonskelettbau in KiewZiegelmaterial zur Ausfachung von Stahlbetonskelettbau in Kiew

Gegenüber dem mitteleuropäischen Land, wo vorwiegend für die Außenwand Vollziegel verwendet werden, werden auf Djerba in Tunesien Langlochziegel mit 8 Kammern als Ausfachungsmaterial eingesetzt. Je nach den finanziellen Möglichkeiten werden die Außenwände in einer Stärke von 25, 30 oder 50 cm ausgeführt.
Ziegel zur Ausfachung bei Wohngebäuden auf Djerba

Weitere Ausführungen zum Ziegelmauerwerk von Gebäuden.

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