Klimawandel - wer ist schuld? ... CO2?

Leserbrief  im  ew Jg.104 (2005), Heft 5, S. 12f)  zum  Aufsatz »Klimawandel - Tatsache oder Fiktion« (ew 1-2/2005, S. 26 ff.) von Herrn Prof. Dr. Christian-D. Schönwiese

Die Darstellung von Herrn Prof. Dr. Schönwiese in unserem Fachorgan kann nicht unwidersprochen bleiben. Bereits im zweiten Eingangsstatement beantwortet Herr Prof. Dr. Schönwiese die im Titel selbst gestellte Frage abschließend: »Die Menschheit ist mehr und mehr dazu übergegangen, das Klima auch selbst zu beeinflussen ...« Genau dies sollte ja Resultat seiner Analyse sein und nicht vorangestelltes Postulat als Zirkelschluss.

Zum Beweis seiner Hypothese bietet er zwei Temperaturverlaufsdiagramme für den Zeitbereich von 1860 bis 2000 an, die seine Diagnose im Sinne unserer

Bild 1. Temperaturentwicklung von 900 n. Chr. bis heute in unterschiedlichen Zeitintervallen

(Quelle:  ew Jg.104 (2005), Heft 5 S,. 13)

derzeitigen politischen »Correctness« mit den aufgeführten Konsequenzen dem ersten Anschein nach schlüssig rechtfertigen. »Der wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung 'Globale Umweltveränderungen'

(WBGU, 2003) hält nur noch eine globale Erwärmung um 1,4 °C für tolerierbar und fordert folglich bis 2050 eine Reduzierung der CO2-Emission global um 45 bis 65 % gegenüber 1990.« In diesem Sinne kann der Ausschuss auch verkünden, dass er den schrecklichen Tsunami in Südasien für nicht tolerierbar hält. Die von unserem verehrten Herrn Bundespräsidenten Horst Köhler angemahnte Demut vor den Naturgewalten beinhaltet auch, die relativ geringe Eingriffsmöglichkeit der Menschen zu ertragen nach der Devise: Herr gib mir die Kraft, zu ändern, was zu ändern ist, zu ertragen, was nicht zu ändern ist, - und - Klugheit, um beides zu unterscheiden.

Ein ganz anderes Bild würde sich ergeben, wenn die Zeitskala auf ein erdgeschichtlich angemessenes Zeitintervall bis hin zu unserer Gegenwart ausgedehnt wird. Hier sei z. B. die Darstellung von Herrn Dr. Berner vom BGR in Hannover für den Zeitbereich von 900 bis heute in Erinnerung gerufen: Die von Herrn Prof. Schönwiese in dem Globaltemperatur-Diagramm des IPCC aus dem Jahr 2001 in ew 1-2/ 2005, S. 27, hier Bild 1, ergänzte Trendanalyse hat die gleiche Aussagekraft wie eben solche der Analysten an der Wertpapierbörse in Frankfurt. Wenn man Glück hat, treffen sie zu, falls nicht, hatte man Pech, daher stehen Stier und Bär gleichgewichtig vor der Börse. Bei falscher Diagnose kann die daraus abgeleitete Therapie nicht zielführend sein, insbesondere wenn sie an anderen Stellen erhebliche volkswirtschaftliche Schäden verursacht. Dies ist bei der nahezu ausschließlichen Schuldzuweisung zu Lasten der CO2-Emissionen leider in hohem Maße der Fall. Daher ist zumindest eine daraus resultierende, ideologiefreie Gesetzgebung mit wirtschaftlichem Augenmaß und ausgewogener Verantwortlichkeit bezüglich aller Energieerzeugungsoptionen geboten. Weiter sei auf die Temperatur-Messergebnisse des meteorologischen Observatoriums Hohenpeißenberg hingewiesen (Bild 2 und 3), aus denen sich im Zeitintervall von 1780 bis heute - wenn überhaupt - auf eine mittlere Temperaturerhöhung von 0,2 ºC in 100 Jahren schließen lässt, wobei die jährlichen Anomalien von wesentlich höherer Bedeutung sind: Beachtenswert in diesem Zusammenhang ist auch der jüngst erschienene Beitrag von Herrn Prof. Dr. Horst-Joachim Lüdecke (Dipl.-Physiker), HTW Saarbrücken "Klimawandel und CO2". Er kommt als unvoreingenommener Beobachter nach dem Studium der in erheblichem Umfang verfügbaren Daten und Veröffentlichungen zu dem Thema zu folgendem Fazit:

- Ob anthropogenes CO2 für die heute beobachtete, im erdhistorischen Kontext nicht einmal außergewöhnliche, globale Erwärmung hauptverantwortlich ist oder nicht, kann zurzeit weder positiv noch negativ entschieden werden.

Bild 2. (links) Temperaturmittel im Sommer (Juni bis August)Am Hohenpeißenberg seit 1781
   Bild 3. (rechts) Trendabschätzung der Temperaturmessreihen vom Hohenpeißenberg

(Quelle:ew Jg.104 (2005), Heft 5 S. 15)

- Ob Klimawandel in Richtung Erwärmung für die Menschheit günstig oder ungünstig ist, kann ebenfalls zurzeit nicht entschieden werden. Da die prognostizierten, schädlichen Phänomene, wie starke Anstiege von Meeresspiegeln, bislang ausbleiben, ist hier indes eher ein »günstiger« zu vermuten.

- Das Kyoto-Protokoll in seiner heutigen Form (5 % Reduktion der CO2-Emissionen) ist faktisch nutzlos. Dramatisch höhere CO2-Redutionen - 50 % und mehr werden vorgeschlagen - wirken nur dann, falls antropogenes CO2 tatsächlich maßgebend an der globalen Erwärmung mitwirkt.

- Die Sonneneinstrahlung wird sich fast mit Gewissheit (rd. 99 % Wahrscheinlichkeit) in wenigen Jahren oder Jahrzehnten abschwächen. Sollte diese Abschwächung so stark ausfallen, dass als Folge eine neue »kleine Eiszeit« ähnlich der des 17. Jahrhunderts entstünde (die Stärke der Abschwächung kann niemand vorhersagen und sollte die IPCC-Hypothese vom Einfluss des anthropogenen CO2 zutreffen, träte der paradoxe Fall ein, dass u. U. sogar höhere CO2-Emissionen als heute nötig wären, um die Erde vor den schädlichen Auswirkungen einer solchen Zwischeneiszeit zu schützen. Das IPCC betreibt Politik und ist nachweislich gegenüber abweichender Auffassungen meinungsresistent. Die Wissenschaft aber hat die Erkenntnisse nach bestem Wissen und Gewissen darzulegen, auch frei von eigenen institutionellen Bestandsüberlegungen hinsichtlich willkommener und auch notwendiger Forschungsmittel. Wenn nach heutigem Erkenntnisstand aus den Modellrechnungen die Gewichtigkeit der Konkurrenz einer großen Vielfalt natürlicher Ursachen für Klimaänderungen - zu der möglicherweise auch anthropogene beitragen - keine verlässliche Antwort herauszuarbeiten ist, dann ist eben dieses der Politik und der Öffentlichkeit mitzuteilen, nicht mehr und nicht weniger ist zu fordern. Albert Einstein ist auch die beabsichtigte Findung einer allumfassenden Weltformel nicht gelungen, ohne dass dies seiner außerordentlichen Entdeckungsleistung den geringsten Abbruch tun könnte. Alles ist relativ, Raum, Zeit, Klimawandel, Haushaltsdefizit, Stabilitätskriterien u. v. a. m.

Wie schon A. Einstein betont hatte, sind unsere Theorien freie Schöpfungen des menschlichen Geistes und wir können nie sicher sein, dass sie die wirklichen Verhältnisse zutreffend darstellen.

Prof. Dr. Helmut Alt, Aachen


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