Politik der Kernenergie

von Dr. Helmut Böttiger, Wiesbaden

Der Parteitag der SPD 1956 in München forderte die rasche Entwicklung der friedlichen Nutzung der Kernenergie als objektive Voraussetzung für die wirksame Überwindung von Not und Elend insbesondere in den unterentwickelten Ländern. Kaum 20 Jahre später sollte das nicht mehr wahr sein. Heute fordert die gleiche Partei den Ausstieg aus der Kernenergie und die Rückkehr zu sogeannten alternativen Energiequellen: Sonne Wind und Biomasse. Hatte man sich 1956 geirrt oder ist die Überwindung der weltweiten materieller Not nicht mehr das Ziel der Partei?

Der Hintergrund

Molekulare Bindungskräfte

Fossile Energiequellen und Boden

Herrschaft und Boden

Kernenergie macht unabhängig.

Kernenergie und Radioaktivität

Spezielle "Probleme" der Kernenergienutzung

Lösungansatz

Alternative Energien?

Fortschritt und menschliche Zivilisation

Die Beherrschung der Kernbindungskräfte dürfte für den Menschen ähnlich wie die Beherrschung der molekularen Bindungsenergie (Feuer) einen tiefgreifenden kulturellen Entwicklungssprung bringen. Damals mußte der Mensch seine tiefe animalische Angst vor dem Feuer überwinden, um erst Mensch zu werden und eine menschliche Zivilisation aufzubauen. Dies gelang am Anfang gewiß nicht ohne Reibung. Man kann sich leicht vorstellen, daß die damaligen Führer, um ihre Führungsposition zu sichern, die animalischen Ängste bei den zurückgebliebensten menschlichen Wesen angeheizt haben, um sie gegen die ersten Menschen zu hetzen, denen es gelang, mit ihrer Angst auch das Feuer zubezähmen. Handeln die Rot-Grünen nicht entsprechend, wenn sie Ängste schüren, um den Ausstieg aus der Kernenergie zu erreichen und damit die materielle Grundlage der Herrschaft, die Knappheit festzuschreiben, ?

Auch der heutige Übergang zur friedlichen Nutzung der Kernenergie trifft auf tief im Menschen sitzende Ängste. Sie sind anderer Natur als die animalischen Ängste vor dem Feuer. Sie betreffen den durch die modernen Herrschaftsmittel gefährdeten Kern des Menschseins, nämlich das, was den einzelnen in der Gesellschaft zum Individuum macht. Verlöre nicht die heute angebotene Form der sogenannten 'Selbstverwirklichung' des Einzelnen ihre Grundlage, wenn infolge überreichlicher Versorgung die Güter des Lebens ihren Preis verlören und nur noch ihren Gebrauchswert hätten? Wer könnte sich mit einem Superwagen und dergleichen hervortun, wenn jeder sich das gleiche leisten könnte. Wie ließe sich 'Leistung' anders steuern (menschliche Lebenszeit beherrschen), als durch unterschiedlich zugewiesene Grade von Knappheit und Mangel?

Man sagt, die Menschen würden, wenn sie nicht durch Not und Mangel angetrieben werden, faul und untätig werden. Man befürchtet in einem nicht mehr durch Knappheit differenzierten kommunisitischen Einheitsbrei würden alle persönlichen Unterschiede dahinschmelzen, so daß sich niemand mehr zu einer besonderen Leistung aufraffen würde. Unter stellt diese Furcht nicht, daß Herrschaft und Zwang die prinzipielle Grundlage aller menschlichen Aktivität sei - also prinzipiell gefordert wird?

Das Befürtete mag für einige zutreffen und es mag bei einer zu plötzlichen und unverdienten Befreiung von Not so eintreten. Stoßen wir aber nicht auch auf Menschen, die selbst große Not nicht abgehalten konnte, das zu tun, was ihnen persönlich zwar keinen Vorteil brachte, was sie aber für richtig hielten, weil es ihren Mitmenschen Freude, Schönheit, ein "besseres" Leben oder mehr Wahrheit und Erkenntnisse bringen konnte? Und ist es nicht gerade eine solche Arbeitsweise, die wir als 'menschlich' bewundern. Die großen Anstengungen großer Menschen, welche die Menschheit in ihrer Entwicklung einen Schritt vorangebracht haben, haben ohne Herrschaft ohne Zwang und sogar gegen diese gehandelt und dabei oft große Nachteile in Kauf nehmen müssen. Hält denn - um ein banaleres Beispiel zu wählen - ein Marathonläufer seine Strapaze nur deshalb durch, weil man ihm eine große Belohnung verspricht oder die gröhlend applaudierenden Menge ihm einen Moment lang Anerkennung zollt? Oder bewegt ihn vielleicht der Wunsch, eine von ihm selbst nicht anerkannte, innere Trägheit zu überwinden, sich als jemand zu entwerfen, der er noch nicht ist aber sein will?

Fragen wir anders. Wie ist Macht auszuüben oder ein entsprechend hoher Preis zu erzielen, wenn der materielle Mangel überwunden ist und auch nicht virtuell als Angst vor Mangel aufrechterhalten werden kann? Was unterscheidet die Machthaber dann noch von den Beherrschten, und womit könnten sie diese zu Handlungen nötigen, zu denen sie aus eigenen Stücken und eigener Überzeugung nicht bereit sind, und die zu überzeugen die Machthaber wegen der eigenen Verkommenheit nicht mehr fähig sind?

Wie dem auch sei, die Not und vor allem die unnötig verlängerte und sinnlos beibehaltene Not lenkt uns von uns selbst ab und von der Herausforderung in uns, das zu werden und zu schaffen, was wir selbst sein und schaffen können und wollen. Wir selbst aber werden wir erst durch den ureigenen Beitrag, den wir und nur wir zur Besserung der Lebensumstände unserer Mitmenschen beitragen können und wollen, ohne dabei auf Verdienst und Anerkennung durch andere angewiesen zu sein.

Man sagt, Technik habe mit Moral nichts zu tun, es käme darauf an, was der Mensch mit seinen technischen Möglichkeiten tut. Das mag stimmen, trifft aber nicht zu auf die Ablehnung oder gar Verhinderung technischer Möglichkeiten, welche die Menschen von materiellem Mangel und Not befreien könnten, durch deren Verhinderung anderen eine menschenwürdigere Existenz verweigert wird oder der sogenannten 'Überbevölkerung' sogar die nackte Existenz. Eine solche Ablehnung ist eine Frage der Moral. Ist es doch kaum verwerflicher einen Menschen zu erschlagen, als ihn durch aufgezwungene Lebensumstände verhungern zu lassen - wie es heute als Folge der Auflagen zum Beispiel des Internationalen Währungsfonds millionenfach geschieht.

Es wird ohne die Nutzung der Kerntechnik in Zukunft weder eine Industriegeselschaft noch eine menschenwürdige Zivilisation geben. Die Frage der Kernenergie - nicht nur der Kernspaltung, von der hier die Rede war sondern mehr noch der Kernfusion - ist eine Schicksalsfrage der Menschheit und sie ist neben all den wissenschaftlichen und technischen Fragen, die im Zusammenhang mit ihr zu lösen sind, eine Frage der Moral.

Die SPD des Parteitags von 1956 durfte sich damals mit Recht 'progressiv' nennen, nicht aber ihre ausstiegsorientierten Nachfolger von heute. Sie sind, ob sie sich dessen bewußt sind oder nicht, das Gegenteil davon, nämlich reaktionäre Menschheitsfeinde, die um der Machterhaltung derer, die die Preise hochhalten wollen und können, selbst davor nicht zurückstrecken, andere durch ihre Antikultur in Angst und in einem dementsprechend "induzierten Irresein" zu halten, wie es vor ihnen schon andere mit allerlei Gespenstern, Höllen und Teufelsängsten, der Angst vor dem Klimagift CO2 und allerlei hochgespielten Ängsten vor angeblichen und behaupteten Lebenmittel- und Umweltvergiftungen (natürlich gibt und gab es soetwas auch in der Realtiät - dann gilt es technische Mittel zu ihrer Überwindung zu finden) versucht haben. Denn wie sonst als durch 'induziertes Irresein' ließe sich der Ausstieg aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie erzielen.

[Zitatnachweis auf Anfrage bei Dr. Helmut Böttiger]

Empfehlungen zum Thema: Bürger für Technik,  Energie-Fakten.de und Kernenergie.htm


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