Skeptische Fragen vom UBA mit Antworten vom SEPP
Häufig vorgebrachte Argumente gegen den anthropogenen Klimawandel

Das Science & Environmental Policy Project (SEPP) hat Antworten auf eine Reihe von Fragen zum Klimawandel zusammengestellt, die vom Umweltbundesamt (UBA) als Fragen der "Klimaskeptiker" formuliert wurden.
SEPP's Antworten hierzu fallen völlig anders aus als die des UBA im Jahr 2002.
Jetzt argumentiert das UBA mit der pdf-Datei: Antworten zu skeptischen Fragestellern (Was sind Skeptiker, alle, die es genauer wissen wollen oder alle, die einfach nicht alles unbedacht glauben?)


1. Was ist eigentlich Klima? (Eine Frage, die meist nicht gestellt wird, aber gestellt werden sollte)

Antwort: Im Gegensatz zu "Wetter" bezieht sich der Begriff "Klima" auf einen längeren zeitlichen Mittelwert von Temperatur, Niederschlag oder anderen meßbaren Parametern, deren zeitliche Veränderung leicht verfolgt werden kann.


2. Was sind die Ursachen für Klimaänderungen?

Antwort: Es gibt sowohl interne als auch externe Ursachen, deren relativer Beitrag vom betrachteten Zeitraum abhängt. Zu den internen Ursachen zählen Oszillationen - meist irregulärer Natur - die von der Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre abhängen. Beispiele hierfür sind ENSO (El Nino Southern Oscillation), die Nord-Atlantische Oszillation NAO, die Arktische Oszillation AO und die Pacific Decadel Oscillation PDO, die Zeitskalen von Jahren bis zu Jahrzehnten aufweisen. Zu den externen Ursachen zählen episodenhaft Vulkanausbrüche und solare Schwankungen auf Zeitskalen, die vom 11-jährigen Sonnenfleckenzyklus bis zu Jahrhunderten und wahrscheinlich länger reichen. In Zeiträumen von Jahrtausenden treten Klimaeffekte wie die Vereisungszyklen der letzten zwei Millionen Jahre auf, die von zyklischen Veränderungen in den Umlaufbahn der Erde um die Sonne verursacht werden. In längeren Zeiträumen von Millionen von Jahren spielt die Verschiebung der Kontinente auf der Erde eine Rolle oder sogar indirekte Effekte, die durch die Bewegung unseres Sonnensystems durch die Milchstraße verursacht werden.
Der mögliche menschliche Einfluss auf das auf das regionale und globale Klima kommt durch die Zunahme der Treibhausgase, wie Kohlendioxid, Methan, Ozon und verschiedene Aerosole in der Atmosphäre zustande. Zudem sind Veränderungen in der Bodennutzung sowie lokale Einflüsse durch städtische Wärmeinseln von Bedeutung.


3. Wie stark sind die externen Einflüsse auf das Klima?

Antwort: Soweit wir aus Beobachtungen herleiten können, sind die natürlichen Einflüsse dominant, während der menschliche Einfluss gegenwärtig noch zu gering ist, um mit Sicherheit nachgewiesen werden zu können.


4. Wie funktioniert eigentlich der Treibhauseffekt?

Antwort: Treibhausgase absorbieren die Infrarot- (Wärme) strahlung und behindern dadurch das Entweichen der Wärme von der Erdoberfläche. Eine Zunahme von Treibhausgasen in der Atmosphäre würde zu einer Zunahme des Treibhauseffektes führen - unter der Annahme, dass alle anderen Faktoren ( zB Wolken und Wasserdampf) unverändert blieben. [1]


5. Ist nicht Wasserdampf statt CO2 das eigentlich wichtigste Treibhausgas?

Antwort: Wasserdampf ist in der Tat ein bedeutenderes Treibhausgas als CO2.Bereits geringe Konzentrations- und Verteilungsänderungen (besonders mit der Höhe in der Atmosphäre) können die CO2 - Änderungen entweder verstärken oder abmildern.


6. Ist nicht der menschliche Beitrag zum Treibhauseffekt gegenüber den natürlichen klein und daher unbedeutend?

Antwort: Diese wichtige Frage kann nicht allein auf theoretischer Grundlage beantwortet werden, da es eine Reihe von Rückkopplungen (mit Wolken und Wasserdampf) gibt , deren Größe und teilweise Vorzeichen unbekannt ist. Sie kann nur durch detaillierte Analyse von Beobachtungsdaten aus der Atmosphäre beantwortet werden. Diese Daten weisen überwiegend darauf hin, dass natürliche Schwankungen gegenwärtig überwiegen.


7. Ist nicht die Sonnenaktivität der wesentliche Faktor, der die Klimaänderungen bewirkt, der menschliche Einfluss somit gering?

Antwort: Wir glauben, dass dies heute der Fall ist - falls allerdings die Treibhausgase weiter zunehmen, wird der menschliche Einfluss schließlich nachzuweisen sein.


8. Wird nicht die Sonnenaktivität durch Wolkeneffekte in ihrer Klimawirkung wesentlich verstärkt?

Antwort: Dies stellt eine plausible Hypothese dar, die aber noch nicht voll abgesichert ist. Sie kann einen nennenswerten Klimaeinfluss durch geringfügige Schwankungen im Energieausstoß der Sonne erklären. [2]


9. Beweisen nicht die Klimaänderungen der geologischen Vergangenheit, dass CO2 gar nicht das Klima kontrolliert?

Antwort: Aus den Eisbohrkernen lässt sich eine Korrelation zwischen dem CO2-Gehalt und der Temperatur 400.000 Jahre in die Vergangenheit zurückverfolgen. Allerdings eilen die Temperaturänderungen den CO2-Änderungen meist voraus - ein Hinweis darauf, dass das Klima den CO2 Gehalt steuert; am wahrscheinlichsten durch CO2 Ausgasung aus den Ozeanen wenn dieses sich erwärmen.


10. Übersehen die Klimatologen die vulkanischen Einflüsse auf das Klima? Ist der vulkanische CO2 Ausstoß nicht bedeutender als der anthropogene?

Antwort: Auch wenn es so wäre, ist diese Frage weitgehend irrelevant. Die Konstanz des CO2 Gehaltes der Atmosphäre in Zeiträumen von Jahrzehnten deutet darauf hin, daß die Freisetzung aus natürlichen Quellen mit der Einbindung in natürliche Senken im Gleichgewicht steht. Vulkane beeinflussen das Klima für ein oder zwei Jahre durch die Bildung von stratosphärischem Aerosol.


11. Ist nicht der anthropogene CO2 Ausstoß im Rahmen des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs sehr gering und daher unbedeutend?

Antwort: Da ein natürliches Gleichgewicht besteht, ist die Größenordnung des Kohlenstoffkreislaufs für diese Diskussion ohne Bedeutung.


12. Wird nicht der anthropogene CO2 Ausstoß durch ein erhöhtes und im übrigen erwünschtes Pflanzenwachstum (negative Rückkopplung) wieder ausgeglichen?

Antwort: Dies ist zutreffend, aber nur in begrenztem Ausmaß. Der beobachtete Anstieg der CO2-Konzentration kann nur durch einen menschlichen Beitrag erklärt werden.


13. Wie groß ist der weltweite Temparaturanstieg tatsächlich? Einige sagen 0,3 °C, andere 0,6°C, wieder andere 1,0°C. Ist da nicht Willkür im Spiel?

Antwort: Diese Frage kann nur durch die Definition eines relevanten Zeitintervalls und einer relevanten geografischen Region beantwortet werden. Wenn man den Temperaturverlauf seit etwa 1860 betrachtet (ungefähr dem Ende der kleinen Eiszeit), scheint der Anstieg der globalen Mitteltemperatur ca. 0,6 °C zu betragen, wobei der größte Anstieg vor 1940 auftrat. Zwischen 1940 und 1975 kühlte sich das globale Klima geringfügig ab, was damals Befürchtungen um eine neue Eiszeit auslöste. In den letzten 25 Jahren sind die globalen Temperaturen der Erdoberfläche gestiegen, während Satelliten und unabhängig davon gewonnene Wetterballondaten seit 1979 keine nennenswerte Erwärmung der Troposphäre zeigen [3].


14. Wenn es große regionale Unterschiede gibt, wie sieht dann die Klimaänderung in Deutschland aus?

Antwort: Satellitendaten zeigen, dass die mittleren Breiten der Nordhemisphäre sich seit 1979 erwärmt haben, während die Tropen und die Südhemisphäre etwas kälter geworden sind [3].


15. Ist die globale Erwärmung nicht durch Messungen in den Städten und die dortige "Wärmeinsel" nur vorgetäuscht? Und wie kommt man überhaupt zu globalen Mittelwerten?

Antwort: Es steht außer Frage, daß ein Teil der beobachteten Erwärmung der Erdoberfläche ein rein lokaler Effekt ist, der durch den städtischen Wärmeinseleffekt und durch Änderungen in der Landnutzung verursacht wurde [4].


16. Ist es nicht so, dass Satellitenmessungen der These von der globalen Erwärmung widersprechen?

Antwort: Ja. Die unerwartete Diskrepanz zwischen dem Temperaturtrend an der Erdoberfläche und in der freien Troposphäre widerspricht der Treibhaustheorie und hat eine intensive wissenschaftliche Debatte ausgelöst [5].


17. Lassen sich zur Aussage der Klimamodellrechnungen, die globale Erwärmung sei überwiegend anthropogen, auch Beobachtungsindizien finden, die dies bestätigen?

Antwort: Unserer Auffassung nach gibt es zur Zeit keine belastbaren Indizien für die Existenz einer nennenswerten vom Menschen verursachten Erwärmung.


18. Kann man das Klima überhaupt vorhersagen?

Antwort: Zur Diskussion steht hier die Frage, ob ein vom Menschen verursachter Anstieg der Treibhausgas -Konzentration in der Atmosphäre zu einem wärmeren Klima führt.


19. Kippt der Golfstrom und kommt daher statt einer Erwärmung eine neue Eiszeit auf uns zu?

Im unwahrscheinlichen Fall einer Abschwächung oder eines Zusammenbruchs des Golfstromes wird es sicherlich zu einer Abkühlung Europas kommen. Jedoch ist zweifelhaft, ob sich der Golfstrom in einem wärmeren Klima abschwächt; da dies im viel wärmeren Holozän nicht eingetreten ist.


20. Wird das Klima extremer? Sind die sich häufenden Überschwemmungen ein Indiz dafür?

Antwort: Im Gegenteil. Klimaforscher sind sich weitgehend einig, dass eine treibhausbedingte Erwärmung die Temperaturdifferenz zwischen dem Äquator und den Polarregionen verringern würde und deswegen auch extreme Wetterereignisse [1].


21. Sind künftige anthropogene Klimaänderungen nicht schon deswegen sehr unwahrscheinlich, weil die CO2 Absorptionsbanden weitgehend gesättigt sind?

Antwort: Nein. Moderne Klimamodelle tragen diesem Effekt Rechnung.


22. War es nicht zur Zeit der Wikinger in Grönland wärmer?

Antwort: Umfassende Auswertungen von Temperaturdaten (auf Basis vieler so genannter Proxy-Daten und historischer Beobachtungen) geben Grund zu der Annahme, dass diese Aussage richtig ist [6]. Auch wenn sie zutrifft, hat sie jedoch wenig Relevanz zur eigentlichen Frage, nämlich, wie hoch ist die Klimaempfindlichkeit, d. h. um wie viel steigt die Temperatur bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration?


23. Übertreiben Wissenschaftler die Gefahren des Klimawandels, um mehr Forschungsmittel zu bekommen?

Antwort: Wir würden uns wünschen, dass dies nicht der Fall ist. Allerdings konnten wir beobachten, daß es einfacher ist, Forschungsgelder zu bekommen, wenn das wahrscheinliche Ergebnis der Forschungsarbeiten die "Klimakatastrophenthese" untermauert.


24. Ist nicht das Kyoto Protokoll viel zu teuer, zumal es für das Klima ohnehin wenig bringt?

Antwort: Das Kyoto Protokoll fällt bei jeglicher Kosten - Nutzen Analyse durch. Nicht nur, dass es praktisch keine Auswirkungen auf das globale Klima hat, seine Umsetzung ist darüber hinaus - nahezu allen wirtschaftswissenschaftlichen Analysen zufolge - extrem teuer. In der Praxis bedeutet es Energierationierung, die zu einer Erhöhung der Energiepreise führt und dadurch zu einer immensen wirtschaftlichen Belastung vor allem für untere Einkommensgruppen. Zudem vertreten die meisten Wirtschaftswissenschaftler die Auffassung, daß ein moderater Temperaturanstieg und ein höherer CO2 Gehalt in der Atmosphäre positive wirtschaftliche Auswirkungen nach sich zieht, dies insbesondere im Bereich der Land- und Forstwirtschaft [7].

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Die Fragen wurden bearbeitet von:

S. Fred Singer, Professor emeritus (Environmental Sciences, University of Virginia) und früherer Direktor des US Wettersatellitenprogramms (now NOAA-NESDIS). Direktor des Science & Environmental Policy Project www.sepp.org

freundlicherweise übersetzt von G-R Weber

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Literaturhinweise
1. Houghton J.T. et al., 2001. Climate Change 2001: The Scientific Basis. Cambridge University Press, 892 pp.
2. Marsh N.D. and H. Svensmark, 2000. Low Cloud Properties Influenced by Cosmic Rays. Physical Review Letters 85:5004-5007.
3. Christy, J.R., Spencer, R.W., Norris, W.B., Braswell, W.D. and Parker, D.E., 2003. Error estimates of version 5.0 of MSU-AMSU bulk atmospheric temperatures. Journal of Atmospheric and Oceanic Technology 20: 613-629.
4. Kalnay, E. and Cai, M., 2003. Impact of urbanization and land-use change on climate. Nature 423:528-531.
5. Hegerl, G.C. and Wallace, J.M., 2002. Influence of patterns of climate variability on the difference between satellite and surface temperature trends. Journal of Climate 15: 2412-2428.
6. Soon, W, Baliunas, S., Idso, C., Idso, S. and Legates, D.R. 2003. Reconstructing climatic and environmental changes of the past 1000 years: A reappraisal. Energy & Environment 14: 233-296.
7. Mendelsohn R. and J.E. Neumann (Herausgeber) The Impact Of Climate Change on the US Economy. (Cambridge University Press 1999)

Allgemeine Hinweise:
Für die Sichtweise des UN-IPCC empfehlen wir die Lektüre des ”Summary for Policymakers” anstatt des eigentlichen IPCC Berichtes. Intergovernmental Panel on Climate Change- Third Assessment Report. Climate Change 2001: The Scientific Basis. (Houghton J.T. et al, Herausgeber) (Cambridge University Press, 2001)
Für eine völlig andere Interpretation der gleichen Daten empfehlen wir: Hot Talk, Cold Science: Global Warming’s Unfinished Debate. S. Fred Singer (Independent Institute, Oakland, California, 1999)
Für einen Überblick über die Klimageschichte in geologischen Zeiträumen empfehlen wir: Klimafakten: Der Rückblick –Ein Schlüssel fuer die Zukunft. U. Berner and H. Streif (Herausgeber) (Schweizerbart, Stuttgart 2001).

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