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Dachgeschossausbau fehlende Dampfbremse

Anfrage vom 13.08.2012

Frage:
Ich habe mir bereits vor einigen Monaten Ihre Lektüre zum Dachgeschossausbau gekauft und muss sagen, dass ich sehr froh bin, das Geld dafür investiert zu haben. Ich gehöre leider auch zu denjenigen, die einige, der von Ihnen benannten Fehlerquellen aus Unwissenheit gemacht haben und jetzt das Ganze wieder ausbaden. Mein vor 10 Jahren als Schlafzimmer ausgebauter Spitzboden war aufgrund weitestgehend fehlender Anbindung der Dampfbremse (PE-Folie) und damit zu starker Durchfeuchtung der Mineralwolle auf Dauer nicht tragbar. Daher habe ich alles zurückgebaut und bin gerade am Wiederaufbau. Die Dämmkeile mit stärkeren Schimmelspuren wurden getauscht, alle anderen wieder verwendet. Der geplante Aufbau von außen nach innen wie folgt (der Außenaufbau ist Bestand, an dem nichts mehr geändert werden kann): Tonziegel, Traglattung, Konterlattung, diffusionsoffene USB (Förch Aqua-Protect), 120 mm 035 Mineralwolle als Vollsparrendämmung, Isover KM duplex UV (sd=0.3 bis 5 m), Innenbekleidung teilweise Gipskarton bzw. Profilholz. Ich hoffe, soweit wird der Aufbau funktionieren?

Jetzt stehe ich vor dem Problem, dass der Bereich der Gaubenwangen im Spitzboden von innen mit gedämmt werden muss. Zum besseren Verständnis habe ich einige Fotos beigefügt - ungedämmt und mit Dämmung. Wandaufbau der Gaubenwangen im Bereich des Spitzbodens (Fläche weniger als 1 qm), von außen: Schiefer, Unterspannbahn, Holzschalung, Luft (Dachlattung, angebracht zur Aufnahme der Schalung), geputzte 12er vermutlich Vollziegelwand. Anhand der Bilder können Sie erkennen, dass bis zum Kehlbalken eine 24er Wand gesetzt wurde, die auf die Dachsparren gemauert wurde, und im Bereich des Spitzbodens (ab dem Kehlbalken) nur noch mit einer 12er Wand gearbeitet wurde, die ich hier zu dämmen habe. Auf Höhe des Kehlbalkens und oben am Sparren der Gaube ist demzufolge ein Versatz von 12er auf 24er Wand vorhanden. Aktuell habe ich also unter den oberen Mauervorsprung von 12 cm Breite einen 6-7 cm dicken Dämmstreifen vorgelegt und dann die darunterliegende Wandfläche mit einem 12 cm Klemmfilz gedämmt (siehe Foto), wie zwischen den Sparren auch. Ist das so in Ordnung oder muss ich das noch mal ändern, damit es später nicht wieder Probleme gibt, noch kann ich ja problemlos etwas verändern.

Ist hier die vorgenannte Klimamembran auch geeignet oder lieber eine mit höherem sd-Wert. Ich möchte in jedem Fall vermeiden, dass evtl. auftretende Feuchtigkeit hier eingeschlossen wird und dann auch nach innen nicht rücktrocknen kann, zumal der fugendichte Anschluss der Folie im vorderen Bereich der Gaube sehr schwierig wird, da sehr unzugänglich. Die Klimamembran werde ich dann, wie im gesamten Spitzbodenbereich, an der Pfette anschließen und bei der Gaube auf dem an der Gaubenwange mitlaufenden Kehlbalken weiterführen usw. Für ein kurzes Statement Ihrerseits wäre ich sehr dankbar. Jeder den ich bis jetzt gefragt habe hat mir was anderes erzählt, mal soll es funktionieren und mal nicht, wobei mir die meisten Antworten auch nicht wirklich fachlich versiert vorkamen. Leider. Ich kann hier keine Experimente wagen und dann in ein paar Jahren wieder anfangen und dann womöglich mit ordentlichen Schäden am Dachstuhl. Im übrigen Teil des Bodens muss ich die Folie beim Anschluss an die Pfette bei jedem der unzähligen darauf aufliegenden Kehlbalken herum ausscheiden und dann mittels Kompri-Band und Anpresslatte versuchen dicht anzuschließen. Ein mega Aufwand, aber ohne Alternative, leider. Als alternative Dampfbremse wäre mir die proclima intello db noch lieber, da hier der sperrende sd-Wert bei 10 liegt und der untere Wert ähnlich, wie bei Isover liegt. Allerdings gibt es von proclima kein vorkomprimiertes Dichtband. Bei der Oberflächenbeschaffenheit der Mittelpfette brauch ich gar nicht erst mit den Klebebändern probieren. Dicht wird das sicher nicht und halten wird es sicher keine Jahrzehnte lang. Ich möchte diese Anschlüsse in jedem Fall alle mit Kompri-Band und Anpresslatte herstellen, damit es dicht wird und auch bleibt. Evtl. könnte ich das Band z. B. von Isomer nehmen. Das Band selbst ist doch sicher neutral und greift auch die Folie von proclima nicht an, zumal das Band ja auf die Pfette aufgeklebt wird und damit der Kleber nicht mit der Folie in Kontakt kommt. Was meinen Sie dazu? Ich hoffe auf ein kurzes Statement von Ihnen zu meinen Fragen. Das wäre wirklich sehr nett von Ihnen. Vielen Dank dafür im Voraus!

Antwort:
Mit Ihrer Beschreibung kann ich mir nicht vollständig die Konstruktion vorstellen. Es kann daher sein, dass ich etwas übersehe. Vom Ansatz sind Ihre Überlegungen richtig. Einige Bemerkungen.

Das Fugendichtband kommt in der Regel von illomod. Sie können aber auch jedes andere geeignete Fugendichtband verwenden. Im Baumarkt gibt es auch die für den Fenstereinbau. Die sind nur etwas kleiner, kosten dafür aber weniger. Wichtig ist die zusätzliche mechanische Sicherung der Anschlüsse der Dampfbremse mit den Fugendichtbändern. Das wollen Sie ja auch machen.

Das eigentliche Problem ist, man kommt nachträglich nicht an alle Ecken heran. Da kann man nur so gut wie möglich arbeiten.

Bei dem Übergang vom 24 zu 12 cm Mauerwerk und der nachträglichen Innendämmung muss eine ordnungsgemäße Fugendichtheit hergestellt werden.

Eine Innendämmung, ob 4 oder 12 cm benötigt immer eine Dampfbremse. Je dicker, um so wichtiger ist die korrekte Anbindung und so höher ist der sd-Wert zu wählen.

Wenn Feuchte immer nach außen entweichen kann, mineralische Konstruktion (wie Ziegel und Kalkputz) ist die Gefahr einer vollständigen Durchfeuchtung kleiner. Allerdings ist diese so groß, dass organische Bestandteile, wie Deckenbalkenköpfe, Mauerlatten usw. durch Holz zerstörende Pilze gefährdet werden können.

Wichtigste Grundlage ist, dass nirgendwo die Luft durch Fugen von innen nach außen strömen kann. Ein Mauerwerk mit einer Putzschicht ist in der Regel luftdicht.

Zweite wichtige Bedingung ist, es sollte an allen Flächen eine annähernd gleiche Oberflächentemperatur vorliegen. Bei einer Dämmung von 4-6 cm ist die Differenz zu einer Dämmung mit 6-8 cm nicht sehr groß. Bei einer Gaube ist meistens nicht genügend Platz, sodass hier oft nur eine 2 cm Dämmschicht eingebaut werden kann. Das ist eher ein Problem der Tauwasserbildung mit Schimmelbildung. Hier müssen dann andere Maßnahmen helfen. Die Flächen in der Gaube temperieren (siehe Bilder im Dachbuch Kapitel Fenster) und Silikatfarbe statt Dispersionsfarbe.

Antwort von
Faching., Dipl.-Ing.oec., Dipl.-Betrw.(FH), Ing. Peter Rauch Ph.D.
Peter Rauch Ph.D.
Dipl.-Ing.oec.,Ing.oec., Ing.

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