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Vor- und Nachteile der feuchteadaptiven Dampfbremse

Anfrage vom 12.04.2012

Frage:
In ihrem Artikel zur Klimamembran (www.ib-rauch.de/fragen/klimamembran070806.html) empfehlen Sie eine feuchteadaptive Dampfbremse statt der diffusionsoffenen Folie von Isover. Der Artikel hat nun aber schon einige Jahre am Buckel, die Erfahrung bzw. das Wissen hat sich vielleicht inzwischen verändert. Stehen Sie der Funktionsweise von Klimamembranen nach wie vor skeptisch gegenüber?

Antwort:
Jede wasserdampfbremsende Schicht in der Gebäudehülle ist von Nachteil und führt lokal zur Durchfeuchtung einer Bauteilschicht oder der Oberfläche. Wenn es möglich ist, sollte daher auf sperrende Schichten verzichtet werden. Allerdings ist dies nicht in jedem Fall möglich, wie zum Beispiel, wenn dieWärmedämmung des Bauteils zu klein ist und keine Außendämmung angebracht werden kann. In diesem Fall ist dann auf die feuchtetechnische ungünstigere Variante der Innendämmung auszuweichen. Die Zwischensparrendämmung ist in seiner bauphysikalischen Bewertung eine Innendämmung. Nach den immer höheren Forderungen der Wärmeschutzverordnung sind Dämmstoffstärken erforderlich, die nicht mehr in den Zwischenraum der Sparren passen. Daher ist eine Vollsparrendämmung erforderlich, wenn der Bauherr die Forderungen erfüllen möchte. Die Praxis zeigt jedoch, dass die Dampfbremse, welche zugleich auch die Funktion der Windsperre erfüllen muss, sich nicht 100%ig fugendicht verlegen lässt. Es treten aber auch Flankenübertragungen auf. Der Diffusionsstrom umgeht die fugendichten Anschlüsse am Mauerwerk oder bei anderen porösen Baustoffen. Je komplizierter der Dachaufbau ist, so größer ist die Gefahr der Feuchteansammlung (Kondenswasserbildung) innerhalb des Querschnitts in der Dämmung und Sparren. Grundsätzlich ist daher eine Hinterlüftung besser, da durch den Windsog relativ schnell die Feuchte abtransportiert werden kann. Kann Holz nicht abtrocknen, so kommt es zum Pilzbefall. Die feuchteadaptive Dampfbremse ist für eine Vollsparrendämmung entwickelt worden. Der Feuchtetransport erfolgt vorwiegend über die Diffusion.

Bei einer Vollsparrendämmung ist diefeuchteadaptive Dampfbremse die bessere Variante. Da wenigsten ein Teil der Feuchte in der Dämmung durch Diffusion wieder in den Raum gelangt.
Nicht nachvollziehbar ist, wie und warum die Molekularstruktur sich bei annähernd gleicher Temperatur im Winter und Sommer anderes verhalten soll. Im Winter wird der Raum beheizt, hat also eine Raumtemperatur um 20 °C und bis auf die wenigen heißen Sommertage liegt die Raumtemperatur auch in diesem Bereich. Hinzu kommt, dass im Sommer die absolute Luftfeuchte in den Räumen höher ist als im Winter. Ein Fakt, warum poröse Wandkonstruktionen im Winter trocknen und im Sommer feucht werden. Aus meiner Sicht betrachte ich diese feuchteadaptive Dampfbremse als Notlösung der Industrie, welche Dämmstoff verkaufen möchte und die Auflagen der Politik erfüllen muss.

Antwort von
Faching., Dipl.-Ing.oec., Dipl.-Betrw.(FH), Ing. Peter Rauch Ph.D.
Peter Rauch Ph.D.
Dipl.-Ing.oec.,Ing.oec., Ing.

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