Ingenieurbüro Peter Rauch
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Beeinträchtigt die Feuchtigkeit im Mauerwerk die Standfestigkeit.

Anfrage vom 06.09.2011

Frage:
Ich bin zwar selbst Bauingenieurin, aber von feuchten bzw. nassen Kellerwänden habe ich nicht allzu viel Ahnung bzw. einfach nichts damit im Alltag zu tun.

Die Eltern meines Freundes sind im Begriff ein Haus zu kaufen, das in den 60-ern gebaut worden ist. Bei der ersten Besichtigung fiel auf, dass das Mauerwerk im Keller ziemlich feucht, fast schon nass, ist.

Im Internet kann man viel zum Thema "feuchte Kellerwände" nachlesen, aber wirklich kompetente Aussagen zu konkreten Fällen sucht man eher vergebens - deshalb wende ich mich direkt an Sie.

Inwiefern beeinträchtigt die Feuchtigkeit im Mauerwerk die Standfestigkeit - wenn das Mauerwerk schon mehrere Jahre durchfeuchtet ist? Und was hat das mit den lösbaren Salzen im Untergrund auf sich, die eventuell Schäden am Gemäuer verursachen? Kann man grundsätzlich sagen, dass jeder Keller wieder trocken zu bekommen ist? Oder gibt es unter Umständen Fälle, bei denen nicht mehr zu helfen ist? Macht unter Umständen eine Abdichtung von innen Sinn oder ist hier dann die Gefahr von Schimmelpilz zwischen Mauerwerk und Abdichtung zu groß?

feuchtes Kellermauerwerk

Antwort:
Wichtig ist die Ursache zu kennen, wo die Feuchte herkommt. Bei Ihnen könnte dies von außen sein, da Sie von Salzen sprechen. Bei uns in den neuen Bundesländern hatte man zu dieser Zeit außen auf das Kellermauerwerk eine Vertikaldichtung, 2 Kaltanstriche und einen Heißanstrich, angebracht und eine Horizontaldichtung (Bitumenpappe) in der 2. oder 3. Steinlage oberhalb des Kellerfußbodens angelegt. Wie die Ausführung in Ihrem Bundesland erfolgte, kann ich nicht sagen. Die Feuchtesperren müssten aber ähnlich ausgeführt worden sein, wenn die DIN eingehalten wurde. Die Vertikalabdichtung hält etwa 40 Jahre, müsste also noch etwas funktionieren. Wenn jedoch drückendes Wasser vorhanden ist, da hält dieser Schichtaufbau nicht.

Wenn Salze im Mauerwerk vorhanden sind, dann ist das Mauerwerk hygroskopisch. Es wird immer wieder Feuchte aus der Raumluft aufgenommen. Salze bekommt man nur sehr schwer aus dem Mauerwerk.
Variante: Vertialabdichtung kontrollieren bzw. erneuern, Kellerräume temperieren und feuchte Luft austauschen, sodass die relative Luftfeuchte sinkt. Dann ist der Keller nicht trocken, aber man kann damit leben (kein Wohnraum).

Zur Standsicherheit: Das Gebäude ist nicht sehr alt, damit dürfte es keine Probleme geben. Eventuell, sind lose Mörtelfugen (Kalkmörtel) zu erneuern. Kalkmörtel II sind nicht so feuchtebeständig, wenn sie immer sehr nass sind. Eine weitere Zerstörung des Mörtels erfolgt durch die Salze, welche aus dem Mörtel selbst herausgelöst oder von außen mit dem Wasser hereintransportiert werden. In dem Fugenmörtel befinden sich die meisten Mauersalze. Damit wird auch gleichzeitig die Salzkonzentration reduziert.

Auf keinen Fall eine Innendichtung anbringen, dann steigt die Feuchte nach oben bis in das Erdgeschoss. Die Feuchte im Mauerwerk muss irgendwo durch Diffusion entweichen können. Im Keller ist es besser als im unteren Mauerwerk des Erdgeschosses.

 ©  Altbausanierung | Literatur/Verlag | Baulexikon | Blog  06.09.2011  

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