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Hausschwamm - wächst er weiter?

Anfrage vom 12.05.2005

Frage: Vor 21 Jahren kauften meine Frau und ich ein halbwegs intaktes Mehrfamilienhaus, Baujahr 1872. Damals waren noch 4 Wohnungen vermietet.
Im EG zwei, unsere Wohnung und eine vermietete im 1. OG sowie im 2. OG eine weitere Mietswohnung.
Im Jahr 1989 entdeckte der Mieter im EG unter der Holz-Dielung eines kleineren Zimmers den Hausschwamm. Stehendes Wasser im Vorfeld, so seine Aussage, könnte die Entwicklung des Schwammes eingeleitet haben. Als Vermieter veranlasste ich sofort die vollständige Räumung der Dielung aus diesem Zimmer, Unterbeton war vorhanden. Dieser wurde mit Folie ausgelegt, Styropur-Dämmplatten darauf und neuer Beton-Estrich wurde verlegt.
Drei Jahre später, 1992 wurde der Schwamm dann auch in der angrenzenden Wohn- und Schlafstube unter der Dielung festgestellt. Die Mieter zogen aus, die Wohnung wurde vollständig geräumt, Dielung komplett raus, nicht tragende Wände raus, Fenster und Türen raus. Auch der erst drei Jahre alte Beton wurde wieder rausgehackt. Unter diesem waren bereits wieder umfangreiche Schwamm-Geflechte auszumachen. Diese hatten sich auch ohne Holz-Nahrung unter der gesamten Folie des neuen Betons ausgebreitet.
In einem langfristigen Prozeß bis 1995 wurde diese Wohnung langsam wieder hergerichtet. Ständige und gute Durchlüftung war währenddessen gewährleistet. Neue Wände wurden gesetzt, neuer Beton-Fußboden mit Dämmung, E-Kabel und Heizungsrohre wurden im Fußboden mit eingebracht, neue Kunststofffenster und zuletzt auch neue Türen. Der Baumeister untersuchte damals die Wände auf Hausschwammbefall und kam zu dem Schluß, dass auf Grund des langen Leerstandes und keinerlei Holz in diesen Räumen der Hausschwamm ausgetrocknet sei. Seit 1995 ist diese Wohnung nun wieder bewohnt und bis jetzt in einem tadellosen Zustand.
Auf der anderen Seite des EG, nur durch den gefliesten Hausflur getrennt erfolgte die komplette Sanierung 1998/99. Trotz vollständiger Räumung, Holz-Dielung raus, Fenster und Türen raus, Beton-Fußboden bzw. Fliesen neu, waren in diesem Teil des Hauses keine Spuren von Hausschwamm auszumachen.
Nun bin ich in diesen Tagen im Begriff die Außenfassade zu erneuern, habe zu diesem Zweck den Sockel des Hauses bereits abgeschlagen. In einem Lüftungs-Hohlraum an der Außenseite des Hauses bemerkte ich dabei Spuren von diesem Schwamm-Sporen. Ein Bekannter machte mich darauf aufmerksam, dass die Schwamm-Sporen auch durch die Fugen im Gemäuer nach oben gehen können bis sie neue Nahrung finden. Er selbst arbeitet als Klempner und hat selbst schon in Häusern gearbeitet wo im 1. OG ja sogar im 2. OG Hausschwammbefall nachzuweisen war, nach dem Motto: „Einmal Schwamm immer Schwamm“. Nachdem ich mich nun auch mit Ihren Internet-Seiten befasst habe (vielen Dank für diese Informationen) bin ich natürlich total beunruhigt und möchte im Vorfeld der Fassadensanierung natürlich Klarheit über dieses Problem haben. Waren meine entdeckten Spuren nur Feuchtigkeits-Flusen oder könnte sich mein Hausschwamm tatsächlich über 10 und mehr Jahre vorerst unbemerkt fortpflanzen und wie kann man das überprüfen?
Vielleicht könnten Sie mir hier mit ein paar Tips und Hinweisen weiterhelfen. Für einen Kontakt Ihrerseits wäre ich Ihnen wirklich sehr dankbar aber die Zeit eilt.

Antwort:Die Aussagen von Ihrem Bekannten sind richtig, aber die Zusammenhänge sind falsch.
(Siehe Wachstumsbedingungen.) Der Hausschwamm wächst im verdeckten Bereich, also unter der Dielung und damit nicht sichtbar. Die beiden anderen Räume waren bereits befallen, ohne dass dies sichtbar war. Ich nehme hier auch an, dass keine Schwammbekämpfung entsprechend der DIN 68800 erfolgte. Ausnahmeregelungen lassen es zu, dass eine Bekämpfung entfallen kann, wenn die Ursache und der Schadensherd sowie das Holz beseitigt werden. Da jedoch die Nachbarräume ohne sichtbaren Schaden befallen waren, erfolgte ein Wachstum zurück in den sanierten Raum. Möglich ist auch, dass sich hier noch Myzel im verbliebenen Fußboden befand.
Aus meinen Erfahrungen bleibt der Hausschwamm auch in dieser Fußbodenhöhe und wächst von hier nur ganz langsam nach oben. Wenn keine Nahrungsgrundlage mehr vorhanden ist, ist auch dies nicht mehr möglich. Im Ersten Fall bezog er seine Nahrung über das Strangsystem von der Dielung im Nachbarraum. Auch bei sehr intensivem Befall waren das sehr selten 2 m am Stiel unter der Laibung der Innentür. Diese wurden ja ausgebaut. Dieser Pilz wächst nur über eine Etage, wenn die Nahrungsgrundlage aufgebraucht ist und er eine bestimmte Größe hat. In Ihrem Fall befindet sich noch etwas Myzel im Mauerwerk. Wenn das Mauerwerk trocken ist, kommt es auch zu keinem weitern Wachstum bzw. dieser ist unbedeutend.
Das Myzel war natürlich durch das Mauerwerk gewachsen, daher haben Sie auch etwas Myzel in den Fugen auf der Außenseite. Der Sicherheitsbereich ist 1,5 m über den letzten sichtbaren Befall. Hier sind die Fugen auszukratzen, abzuflammen und mit Schwammbekämpfungsmittel zu fluten zum Beispiel Adolit M (von Remmers) (entsprechend den Verarbeitungsvorschriften), DIN 68800 Teil 4 Pkt. 4 sowie WTA- Merkblatt Echter Hausschwamm. Ist das Myzel sehr stark, so sollte eine Tiefentränkung durch Bohrlochinjektage erfolgen, wenn es bei der Sanierung von der Innenseite nicht durchgeführt wurde. Fachfirma für die paar m² beauftragen. Ein Bewuchs über mehre Etagen erfolgt eigentlich nur, wenn das Dach undicht ist und sich die Feuchtigkeit im Putz nach unten ausbreitet. Dann folgt das Myzel der Feuchtigkeit.
Eine Ausbreitung von unten nach oben ist mir unter diesen Umständen nicht bekannt. Mögliche Schäden in den anderen Etagen, nach dieser langen Standzeit haben viele der Deckenbalkenköpfe bereits eine Schädigung (meist Insektenbefall), stehen nicht mit dem Schaden im EG in Zusammenhang.

Bücher von Peter Rauch

Antwort von
Faching., Dipl.-Ing.oec., Dipl.-Betrw.(FH), Ing. Peter Rauch Ph.D.
Peter Rauch Ph.D.
Dipl.-Ing.oec.,Ing.oec., Ing.

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