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Aufgestocktes Lehmhaus, die Wände sollen eine Innendämmung erhalten

Anfrage vom 17.1.2014

Frage:
Ich hatte angedeutet, dass ich Sie fragen wollte zu Sachen bei der Renovierung meines Hauses. Dazu hatte ich Ihr Buch bestellt, das ich jetzt ziemlich komplett gelesen habe.

Konkret zu meinem Haus habe ich ein paar Fragen gestellt und Einiges über Einzelheiten des Hauses und in der anhängenden doc-Datei verfasst.

Nun bin ich, nach dem "Studium" Ihres Buches, in der Lage Ihnen ein paar spezifische Fragen bzgl. meines Bauvorhabens zu stellen.
Ihr Buch bringt eine fantastische Fülle an Information - ich wünsche, ich hätte genug Zeit mich mit allen Details zu beschäftigen! Es hat aber bezüglich Dampfsperre und damit verbundenen Fehlinstallationen die Angst in mir hochkommen lassen. Auch schon begangene Fehler bei früheren Baumaßnahmen sind mir (zu spät) klar geworden.

Ich wohne mit Familie in Nordwestspanien und bin dabei, ein kleines, altes Adobehaus für meine Tochter und Familie zu renovieren/"sanieren"/modernisieren/... Obwohl ich Erfahrung mit Bauen habe, Bauphysik verstehe, habe ich vor Ort kaum eine Möglichkeit, jemanden zu konsultieren - geschweige denn verstehen! Fachkenntnisse sind vorhanden aber Begriffe nicht immer!

Das Haus ist 2-stöckig und ist insgesamt ca. 70 m2 groß. Bisher besaß es keine Zentralheizung, ein luftiges, niedriges Dach, alte, undichte Fenster und Türen, etc. Siehe Bild (2) Nun ist das Dach begradigt, angehoben und isoliert (8cm Extr-Polystyrol "Sandwich"-Paneele) und neu bekachelt worden. Zwischen Sandwich (oben wasserfeste Spanplatte) und Dachpfannen liegen ungeklebte, wasserdichte Folienbahnen. Neue Climalit-Fenster sind installiert worden. Andere Modernisierungsmaßnahmen sollen folgen.

An 3 Seiten sind die Wände etwa 50 cm dick - aus massiven Adobeziegeln bzw. Mauerziegeln. Die unsichtbare Nordwand war ursprünglich nur 1 Stockwerk hoch und ca. 25 cm dick, jetzt erhöht mit 25 cm Mauerziegeln aber einfach und damit ohne Zwischenraum.

Durch die Dacherneuerung ist die obere Hälfte der restlichen Adobewände entfernt und durch Mauersteine ersetzt worden. Damit hat der obere Stock einen doppelten Mauerstein (je 20cm) mauer mit Extr-Poly-styrolpaneelen (4cm) in einer etwa 7-8 cm Spalt Konstruktion.
Der obere Stock hat Wände die - Hausform - bedingt - zwischen 2,50 und 4,50 m hoch messen.

Die neuen Fenster sind (bisher) nur durch Schaum befestigt, und haben Umfassungen, bei denen der abgeschlagene Adobeputz die Witterung nicht mehr fernhält.

Klima: 900 m Höhenlage, Kontinentalklima - Temperaturen etwa wie in Deutschland im Winter - in letzter Zeit (zu)viel Regen und hohe Luftfeuchtigkeit - tagsüber 8-15 und nachts 3 bis -3, aber selten Schnee. Im Sommer 30 bis 35/37 Grad nachts 10-20, oft über 2-3 Wochen - mit Luftfeuchtigkeit meist um 50% herum (und keine Wolke in Sicht!).

Haben Sie Dank, dass Sie bis hierher diese lange Einleitung zu meinen Fragen gelesen haben.

Meine Fragen drehen sich um Isolierung/Dampfsperre für die Innenwände und die Fensteröffnungen.

  1. Mein Heiungsingineur empfiehlt 6-8 cm Mineralwolle, danach Gipsplatten 13mm für die 1-schalige Ziegelwand.
  2. Ich plane, die doppelschaligen Wände mit Gipsplatten 13 mm (ohne weitere Isolierung) zu versehen.

Sagt Ihr Buch, dass eine Dampfsperre hinter dem Gips bzw. der Isolierung ein fataler Fehler wäre?

Aufgstocktes altes Wohnhaus

Antwort:
Das Gebäude ist sehr kompliziert. Es wäre besser gewesen, man hätte das Gebäude neu gebaut. Nun es steht einmal. Das Problem sind die feuchten Lehmsteine im Erdgeschoss. Dies ist sehr deutlich auf dem Bild zu erkennen. Ich wohne selbst in einem Lehmhaus. Es hat Vor- und Nachteile. Ich müsste jetzt viele Seiten schreiben. In meinem Buch zur Mauerfeuchte werden die Probleme genau beschrieben und auch die Lösungen zur Trocknung.

Ich versuche es mit wenigen Worten zusammen zufassen.

Die aktuelle deutsche Bauausführung wird durch die Dämmstoffindustrie bestimmt. Richtig ist die historische Bauausführung aus Wärmespeicherung und Dämmung. Diese Bedingung erfüllt ein 48er oder dickeres Mauerwerk. Leichtbauten sind gut in Nordeuropa. Ihr Lehmhaus ist klimatisch in Spanien optimal. In Tunesien werde ich noch weitere Untersuchungen vornehmen. Dort baut man aus Kostengründen die Wände aus Langlochziegel. Die haben 6 Kammern und sind viel schwerer als die Ziegel bei Ihrem Haus. Die Bewohner sagten mir, die schweren massiven Häuser sind besser aber teurer. Die brauchten keine Klimaanlage.

Die Lehmwände im Erdgeschoss sind grundsätzlich nicht mit einer Gipsplatte zu verkleiden und erst recht nicht mit einer Mineraldämmung. Hier gehört ein Lehmputz oder alternativ ein leichter Kalkputz hin. Im Sockel kommt eine Randleistenheizung. Das ist eine Strahlenheizung. Sie solle so groß sein, dass sie gleich den Raum vollständig beheizen kann. Notfalls hängt man als Reserve noch einen Heizkörper in den Raum, wenn es sehr kalt wird. Der Außenputz ist noch einmal zu kontrollieren. Ich denke hier befindet sich ein harter Zementputz. Der untere Wandabschnitt bis zum Fenster ist vollkommen feucht. Besser ein mineralischer Außenputz, welcher die Feuchte gut durchlässt. Mal mit einem hydraulischen Kalkputz versuchen.

Durch die Sockelheizung wird die feuchte Lehmwand langsam getrocknet. Das dauert sicherlich 2 bis 3 Jahre.

Dämmung und Gipsplatten gehören nicht in dieses Haus! Ebenso keine Sperrschichten.

Wenn etwas Heizenergie gespart werden soll, dann kann das mit einer Strahlungsheizung erfolgen.

Antwort von
Faching., Dipl.-Ing.oec., Dipl.-Betrw.(FH), Ing. Peter Rauch Ph.D.
Peter Rauch Ph.D.
Dipl.-Ing.oec.,Ing.oec., Ing.

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