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Nachträgliche Wärmedämmung

Anfrage vom 08.12.2005

Frage: Ich habe Ihre Internetseiten entdeckt und möchte mich für diese vielen Informationen erst einmal bedanken.
Z. T. habe ich die Seiten durchgearbeitet, bin aber in meinem Problem nicht viel weiter gekommen, daher noch einige Fragen. Ich habe im sog. Vorgebirge in der Nähe von Bonn einen kleinen, ehemaligen Gärtnerhof (300 qm), bestehend aus Wohngebäude, Anbau und Scheune, umgeben von anderen bebauten Grundstücken.
Das Wohngebäude ist ein Ziegelmauerwerkhaus von 1938, 24 und 36er Mauerwerk. Fensterseite Nordosten, Giebel Nordwesten,
Seite Innenhof (auf dem Foto nach hinten) Südwesten (hier verputztes Ziegelmauerwerk), 4. Seite Südosten (angebautes Nachbarhaus).
Der Regen kommt von Westen.
Ausgelöst dadurch, dass meine Heizung die vorgeschriebenen Abgaswerte nicht mehr erfüllte und ich eine neue Heizung einbauen muss, liess ich - um das gesamte Haus einmal durchchecken zu lassen, von einem Ingenieur/Bauphysiker (Dt. Energieberater-Netzwerk e.V.) ein Energiegutachten machen (der Herr bezeichnet sich als Sanierer). Im Haus, bes. im EG ist es im Winter, vor allem, wenn ich an meinen Schreibtisch an der Außenwand sitze, von den Füßen und von außen her auch tatsächlich kalt, so dass ich da auch schon krank geworden bin. Insgesamt will ich es wärmer haben, ich will mich wohler fühlen. So will ich das Haus nächstes Jahr rundum sanieren (die Fenster sind bereits erneuert worden).
Dabei will ich neben der Dämmung der Beton-Kellerdecke von unten und der Dämmung des Hauses von oben auch die Fassade dämmen.
Der Ingenieur/Bauphysiker empfahl mir für die 3 Außenwände ein WVS mit 12 cm Polystyrol (Styropor) mit mineralischem Putz.
Ein befreundeter Bauingenieur, der mehr baubiologisch ausgerichtet ist, meint, dass Styropor die Sonnenlichtdurchstrahlung verhindern würde, Schimmelbildung machen würde, das Immunsystem schwächen würde und dass die Heizperiode, weil man im Frühjahr länger heizen muss, sich verlängern würde. Er empfiehlt mir Holzfaserdämmplatten (10 cm Pavatex-Diffutherm).
Ein in meiner Straße wohnender Architekt empfahl mir eine hinterlüftete Fassade.
Daneben gibt es ja auch noch andere Systeme auf dem Markt.
Da ich nun schon einige Zeit dabei bin, mich auf diesem Gebiet schlau zu machen, mich aber da schwer tue, wende ich mich an Sie: Können Sie mir etwas empfehlen, womit ich mich dann im Haus wohler fühlen kann? Was würden Sie da tun? Mir geht es nicht um Ideologien, Theorien, sondern um das praktische Ergebnis, wie es sich hinterher wirklich anfühlt, dass ich mich in dem Haus - besonders im Winter - wohler fühle. In diesem Zusammenhang verstehe ich auch den Schluss ihres Artikels "Sanierung, Wärmeisolierung und Wärmebrücken" nicht so ganz: Beziehen sich die dort angesprochenen Feuchtigkeitsprobleme nur auf die kunstharzbeschichteten Dämmplatten oder auf alle Polystyrol-Hartschaumplatten, das heißt, also auch auf Beschichtungen mit mineralischem Putz?
Nach Aussage meines Ingenieurs/Bauphysikers gibt es - wenn man es richtig macht - mit dem WVS mit Polystyrol keine Probleme.

Antwort: Folgende Bemerkung zu Ihren Fragen.
Zur Heizung
Eine Strahlenheizung ist wirkungsvoller und spart Energie, da die Raumtemperatur bei gleichem Wohlfühlen etwas niedriger ist. Ebenso verändert sich das Temperaturgefälle im Raum, sodass es auch über dem Fußboden etwas höhere Temperaturen vorliegen. Beispiele sind hier Fußbodenheizung, vielleicht in Kombination mit einem Konvektionsheizkörper, da die Fußbodenheizung eine träge Heizung ist. In der Übergangszeit möchte man aber auch schnell mal die Raumtemperatur etwas erhöhen. Eine Strahlenbandheizung ist auch empfehlenswert. Ein einschaliges Mauerwerk ist immer besser als 2 oder 3 verschiedene Schichten. Wenn schon eine Dämmung auf der Nordseite, dann ist eine hinterlüftete die bessere Lösung. Es gibt auch die Kombination mineralische Dämmung mit Putzträger und mineralischem Putz, zum Beispiel von der Firma quick mix. Dem Vorschlag eine organische Dämmung, auch wenn die gepressten Holzspäne eine hohe Wärmespeicherung haben, möchte ich mich nicht anschließen. Alle organischen Baustoffe sind Bestandteil des natürlichen Stoffkreislaufes und können bei Feuchtigkeit, und auf der Nordseite hat man einfach auch eine höhere Feuchte (Tauwasser auf der Oberfläche), diese Baustoffe zerstört werden. (Es geht hierbei um die Standzeit, was ist in 30 bis 50 Jahren? Dazu liegen sicherlich noch keine Erfahrungen vor.) Um eine biologische Zerstörung zu verhindern, werden Borsalze oder anderes zugegeben. Könnte eventuell später ein Problem bei der Entsorgung werden. Reine mineralische Baustoffe sind weitestgehend von "Schadstoff" frei.
Anmerkung: Holz ist trocken zu halten und muss kontrollfähig sein. Unter einem Putz ist dies nicht möglich. Langzeitobjekte 20-30 Jahre vorzeigen lassen.
Von der Dämmstoffstärke reichen 6-8 cm. Es gibt mehrere Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, die sind sehr umfangreich und können hier nicht angehandelt werden. Zum Beispiel müsste so an der Giebelwand das Dach nicht verändert werden. Begründung für (normale) Dämmstoffstärken bitte bei Prof. Claus Meier nachsehen. (Komplette Anschrift unter www.ib-rauch.de/bauphysik/energiebeschr.html) Hier ist auch die Kurve des Transmissionswärmeverlustes in einer Grafik dargestellt. Sie können sich aber auch noch den Beitrag Bringt eine Wärmedämmung allein eine Energieeinsparung? ansehen.

Zum Styropor
Vielleicht finden Sie Veröffentlichung von Prof. Oswald von der Uni Achen. Er beschäftigt sich mit Bauschäden. Er hat sehr schöne Bilder von misslungenen Sanierungen der Sanierungen älterer WVS. Beispiele sind auch in der Literatur von Jürgen Blaich, Bauschäden Analyse und Vermeidung IRB Verlag 1999 isbn 3-8167-4709-4. WVS halten nicht ewig. Einige müssen bereits nach 20 Jahren erneuert werden. Die 36,5 Wandstärke ist nicht all so gut. Bei der 24er (sicherlich im I.OG) könnte man auch über eine vorgesetzte Leichtziegelwand (oder Gasbeton) auf der Innenseite nachdenken. Dürfte Kosten sparen, da nur im I.OG und keine Fassadenarbeiten erforderlich sind. Eventuell nur Giebelseite mit Außendämmung und die Straßenseite mit dem Innenmauerwerk. Sie können auch auf die Seiten von Matthias Bumann, Konrad Fischer oder Paul Bossert schauen und sich Ratschläge einholen. Die einzelnen Baustoffeigenschaften (oder unter Chemiesuche) sind bei mir auch auf Webseite ausführlich beschrieben.

Bücher von Peter Rauch

Antwort von
Faching., Dipl.-Ing.oec., Dipl.-Betrw.(FH), Ing. Peter Rauch Ph.D.
Peter Rauch Ph.D.
Dipl.-Ing.oec.,Ing.oec., Ing.

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