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Nachträgliche Wärmedämmung im Dach und Dampfbremse

Anfrage vom 08.03.2005

Frage: Sicher erinnern Sie sich noch an unsere Kontakte bei der Unterstützung der Flutopfer im Herbst 2002?
Da ich gegenwärtig über eine Sanierung meines eigenen Hauses (Baujahr 1937) nachdenke, wäre ich froh, wenn Sie mir für ein spezielles Problem im Dachbereich einen Rat geben könnten. Ich habe als eine mögliche Variante die komplette Dacherneuerung „im Auge“ und möchte dabei für die bereits ausgebauten Bereiche ( 2 Schlafkammern und Treppenhaus) Bild Dampfbremse/Daemmung auch die Wärmedämmung verbessern. Vom Dachdecker, der mir dazu ein Angebot unterbreitet hat, erhielt ich das beigefügte Bild. Unterspannbahn Aufbau von innen nach außen wäre dann:
Silikatfarbe, ca. 1 cm Putz, 20 oder 25 mm „Sauerkrautplatte“ (vermutlich zementgebunden) – bis hier sind die Schichten vorhanden.
Neu dazu kämen nach dem Vorschlag des Dachdeckers (von außen eingebaut):
Dampfsperrfolie 0,2 mm nur im Bereich zwischen den Sparren (auf Sparrenaußenseite bündig abgeschnitten), 140 mm Faserdämmstoff, Unterspannbahn, Konterlattung, Dachlatten, Dachziegel.
Beide Kammern werden als Schlafräume genutzt und nur im Winter zeitweilig (abends) schwach beheizt (max. 15ºC). Einen analogen Bereich gibt es noch im unbeheizten Treppenhaus, wo aber innen „Feuchtequellen“ nur „sporadisch“ auftreten (nach dem Wischen und beim Öffnen der Wohnungstüren). Das Treppenhaus besitzt als „Sollkondensationsstelle“ noch ein einfach verglastes Gaubenfenster, was jetzt beispielsweise zeitweilig „vereist“. Anfallendes Kondensat kann man dort einfach wegwischen.
Falls man später den Dachausbau mal ändern sollte, wäre es dann ja möglich, eine richtig dichte Dampfsperre über der gesamten Innenfläche anzubringen. Ob und wann es einen „Neuausbau“ geben wird, ist allerdings unklar und man sollte jetzt nichts einbauen, was „Ärger“ machen könnte. Eine verbesserte Wärmedämmung in diesen Bereichen wäre aber schon wünschenswert, insbesondere wegen der sommerlichen Hitze. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei dieser Lösung eine Schädigung der Tragkonstruktion des Daches auftritt?? Gibt es – ohne Eingriff in den bestehenden Ausbau – vielleicht eine bessere konstruktive Lösung??

Antwort: Das ist nicht eine kleine, sondern eine sehr kompliziert und "große" Frage. Unter www.ib-rauch.de/Beratung/dachge.html habe ich solche Probleme benannt. Der Feuchttransport erfolgt durch den Temperaturunterschied und damit verbundenen Druckunterschied. Unterschiedliche absolute Wassermenge. Der Transport der Raumluftfeuchte erfolgt über Fugen oder durch die Fläche (Diffusion). Daher ist bei einer Innendämmung (Sparrendämmung = Innendämmung) immer eine Windsperre erforderlich.
Bei dem Vorschlag vom Dachdecker erfolgt der Feuchteaustausch nicht mehr über die gesamte Fläche sondern über die Fugen an den Sparren. Die werden so an einzelnen Stellen feucht und können so geschädigt werden. Nur durch eine fugendichte Anbindung wird der Luftaustausch verhindert. Hier wirk das gleiche Prinzip wie bei einem schlecht schießenden Fenster. Die Dampfbremse muss durch vorkomprimiertes Fugenband einschließlich mechanische Sicherung an der Innenseite der Sparren befestigt werden. Dazu kommen noch die fugendichte Anbindung an die Pfetten. Der laufende Meter des Fugenbandes kostet ca. 1,5 Euro x beidseitig die Länge der Sparren und die Lohnkosten. Die Kosten für diese Ausführungen sind sehr hoch. Diese Lösung finde ich für sehr ungünstig. Dann lieber eine gleichmäßige Durchfeuchtung der Fläche, so wie sie bisher war, ohne Folie. Die Feuchte muss nur immer abgelüftet werden können. Also eine funktionstüchtige Hinterlüftung. Ebenso kann die Feuchte im Sommer auch wieder nach innen entweichen. 120 mm Dämmung ist ausreichend, wenn dadurch eine gute Hinterlüftung erhalten bleibt. Dämmung (Klemmfilz) muss fugendicht eingelegt sein.
Die spätere Lösung kann dann so aussehen, dass die Dampfbremse an der Innenputzseite aufgelegt und fugendicht an den Wänden angebunden wird. Je nach Sparrenabstand wird dann eine Gipskartonplatte (GKF) angeschraubt. Günstig ist hier eine Unterkonstruktion aus Dachlattung mit einem Abstand von 50 cm. Dann können auch die Unebenheiten ausgeglichen werden. Die Dachlatten werden mit 70 -90 mm Schnellbauschrauben an die Sparren angeschraubt. Auf diese kommt dann die Gipskartonbauplatte. Der Putz und die HWL-Platten bringen etwas Masse und regulieren so die Temperaturamplitude (verringert etwas das "Barackenklima").

Ich hoffe Sie können noch schnell reagieren.

Frage: Ich danke Ihnen ganz herzlich für die schnelle und ausführliche Antwort. Ich kann natürlich noch reagieren, da ich gerade anfange über alles nachzudenken.
Ihr Vorschlag, die Dampfsperre zunächst ganz wegzulassen scheint mir insofern optimal, weil dann die Feuchteabfuhr auch über die Innenseite noch funktioniert und „Wassernester“ bestimmt nicht auftreten werden.
Antwort: Wassernester entstehen nur an Innenwandflächen, wenn die Feuchtigkeit nach außen nicht entweichen kann. Tauwasserbildung. Wenn es keine Fugen gibt, eventuell an den Wandanschlüssen des Innenputzes mit Acryl ausfüllen, gibt es "nur" eine gleichmäßige Durchfeuchtung aller Bauteile. Das ist in der Regel November/Dezember (hohe Luftfeuchte). Bisher ging es ja auch so und an den Nutzungsbedingungen wird sich nichts ändern. Ich hoffe, dass der Faserdämmstoff als "Feuchtepuffer" insofern geeignet ist, dass er bei den Feuchtewechseln nicht "zusammensackt". Gibt es dazu Erfahrungen? Ich kenne es von frei verlegten Fernwärmeleitungen mit undichtem Blechmantel, dass die Konstruktion "eiförmig" wurde.
Eine "eigene Teststelle" - ca. 2 cm Spalt zwischen einem freistehenden Schornstein und einer Gewächshauswand -, die ich 1980 mit Mineralwolle ausgestopft hatte, sieht nach nun fast 25 Jahren immer noch so aus wie am ersten Tag. Dort treten erhebliche "Feuchtelasten" auf; allerdings hat die Schwerkraft in diesem senkrechten Spalt keine Bedeutung gegenüber den Reibungskräften. Welche der handelsüblichen Unterspannbahnen ist aus Ihrer Erfahrung die mit den besten Gebrauchseigenschaften (hohe Lebensdauererwartung und maximale Dampfdurchlässigkeit)?
Antwort: Es gibt verschieden, auf jedem Fall eine von einem Systemanbieter (System = meist kompletter Trockenbauangebot und Dämmung von GuH (isover), Rookwool, URSA ..) Produkte von Osten (Polen usw. sind unbekannt.) Ein paar Links www.eweleit.de/, www.gefinex.de/, www.isover.de/, www.maco-dach.de/, www.rockwool.de/

Frage: für die Dampfbremse fand ich heute per Zufall noch eine interessante Neuerung bei ISOVER: www.isover.de
Antwort: Habe ich nicht gefunden. Produkte von ISOVER sind in Ordnung. Sie könnten Vario KM Klimamembran gefunden haben. Das ist feuchteadaptive Dampfbremse.
Wenn es richtig ist, was dazu geschrieben wird, könnte man annehmen, dass damit Feuchteschäden auch bei "von außen eingebrachten" Zwischensparrendämmungen nie wieder auftreten können, weil sich der Diffusionswiderstand feuchteabhängig einstellt und so die Dampfdurchlässigkeit "bedarfsgerecht" wechselt.
Hier ein Auszug aus meinem Buch Dachgeschossausbau
Funktionsschema feuchteadaptive DampfbremseWie bereits oben genannt, verhindert die Dampfbremse eine beidseitige Abtrocknung durchfeuchteter Baustoffe. Um dieses Problem zu lösen, hatte man eine feuchteadaptive Dampfbremse entwickelt (Bild 4.3.4.3.). Bild 4.3.4.3.: Wirkungsschema einer feuchteadaptiven Dampfbremse mit variablem Diffusionswiderstand sd-Wert, sie ist sorptiv, d. h. es nimmt Wasser auf. Man geht davon aus, dass dem unbedenklichen winterlichen Tauwasserausfall im Dach ein großes sommerliches Austrocknungspotential gegenübersteht. Im Vergleich zur herkömmlichen Dampfbremse mit gleicher Sperrwirkung im Winter ist die sommerliche Austrocknung bei Einsatz der feuchteadaptiven Dampfbremse mindestens zehnmal größer. (/25/ S.79) Austrocknung der Dämmung bei der Anwendung von feuchteadaptiver Dampfbremse
Bild 4.3.4.4. : Grafische Darstellung einer Untersuchung des Verlaufes der Gesamtfeuchte im Dach und unten der Verlauf der Holzfeuchte der Schalungsbretter über einen Zeitraum von 10 Jahren. Mit der herkömmlichen Dampfbremse steigt unter jahreszeitlicher Schwankung die Holzfeuchte rasch an. Mit der feuchteadaptiven Dampfbremse fallen die Werte stets unter 20M.-%. /26/
Wer eine Dachkonstruktion eines älteren Hauses kennt, weiß auch, welcher feine Staub sich niederschlägt. In wieweit die volle Funktionsfähigkeit der feuchteadaptiven Dampfbremse dann nach 20 Jahren und später noch vorliegt ist ungewiss.
Auch bei nur einer geringen Überschreitung der Holzfeuchtigkeit von 20 % über mehre Monate (Winter), ist das zu viel. Holzzerstörende Insekten benötigen ca. eine Holzfeuchte ab 10 % und holzzerstörende Pilze finden unter bestimmten Bedingungen auch unter 20 % ihren Lebensraum (siehe Punkt 8.3.6.). Also eine Hinterlüftung ist ganz wichtig. Ebenso sollte möglichst wenig punktuelle Feuchte von innen in die Konstruktion eindringen.

Kennen Sie dieses Produkt und seinen Preis? Gibt es vielleicht schon erste praktische Erkenntnisse? Dass der Krämer seine Ware lobt, ist ja klar!
Als Thermodynamiker weiß ich aber, dass es keine perfekte "Reversibilität" (Umkehrbarkeit von Prozessen) gibt und so ist schon zu befürchten, dass der Bereich des Diffusionswiderstandes im Lauf der Zeit kleiner wird. Sicher wird niemand wissen, wie sich diese "Haupteigenschaft des neuen Materialverbundes" verändert – wohin der Widerstand tendiert: zu dichter oder offener, und wie lange das dauert.
Welche Garantien gibt der Hersteller??

Frage: Ich danke Ihnen ganz herzlich für die doch recht ausführlichen Erläuterungen. Besonders interessant waren für mich die Diagramme, mit den Feuchteverläufen. Die feuchteadaptive Dampfbremse verhindert demnach tatsächlich eine "Feuchteanreicherung" infolge nicht ausgeglichener "Jahresbilanz". Ich werde nun mal recherchieren, wie teuer eine solche Folie wäre. Ansonsten ist wohl die Lösung "vorerst die innere Dampfbremse weglassen und beim eventuellen späteren Neuausbau von innen richtig dicht machen" auch ein tauglicher Kompromiss. Nochmals danke für Ihre Mühe!

Bücher von Peter Rauch

Antwort von
Faching., Dipl.-Ing.oec., Dipl.-Betrw.(FH), Ing. Peter Rauch Ph.D.
Peter Rauch Ph.D.
Dipl.-Ing.oec.,Ing.oec., Ing.

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