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Der Mauerwerksbau aus Natursteinmauerwerk in Deutschland, Ukraine und Tunesien

2. Das Ziegelmauerwerk - Übersicht und internationale Beispiele
3. Die Herstellung eines Mauerwerkes
4. Formate der Ziegelsteine
5. Übersicht der Mauerwerksverbände
6. Zum Maurerwerkzeug
7. Zur Wärmedämmung
8. Horizontale Mauerwerksabdichtung
9. Normen für den Mauerwerksbau

Historisch und auch heute noch sind Steine eine der wichtigsten Baustoffe für die Errichtung von Bauwerken. Sie zeichnen sich durch eine Reihe von Vorteilen aus. Die wichtigsten Eigenschaften sind die lokale Verfügbarkeit, sie können wieder verwendet werden und haben eine sehr lange Haltbarkeit und können viele Tausende Jahre überstehen. Sie bieten eine natürliche Umgebung für Insekten, Reptilien und Vögel und sind so ökologisch. Weltweit findet man Bauwerke aus Stein längst vergangener Kulturen, wie zum Beispiel die Pyramiden in Ägypten oder Reste der Prunkbauten aus der Antike. Es gibt noch viele historische Wohngebäude in Mitteleuropa aus Natursteinen. Natursteine haben ein sehr großes Wärmespeichervermögen und damit einen kleinen Wärmeeindringkoeffizient b. Es bildet sich bei ungünstiger Nutzung aber auch bei ungeeigneter Konstruktion schnell Tauwasser an der Oberfläche. Eine Ursache, weshalb diese Mauerwerk oft feucht ist. Nur in einigen Fällen und bei porösem Steinmaterial kann eine aufsteigende Feuchte vorliegen. Abhilfe schafft eine korrekte Lüftung und Temperierung der Wandoberflächen. Eine besondere Rolle spielt das Fugenmaterial, welches durch Salze gesättigt sein kann. Diese Salze sind hygroskopisch und ziehen Feuchtigkeit an.
Aber auch in den heutigen Zeiten werden noch viele Bauwerke aus dem Baustoff Stein errichtet. Mehrheitlich sind das Umzäunungen, Schutzwände oder Wandverkleidungen außen und innen, Fensterbänke, Bodenplatten, Dacheindeckung, Treppen usw. Bevorzugt werden die Natursteine Schiefer, Granit, Marmor, Sandstein oder Muschelkalksandstein.
Für die Verarbeitung von tragendem Mauerwerk aus Natursteinen sind die entsprechenden Standards und Regelwerke zu beachten. Die Steine sollen rechtwinklig zum Kraftangriff und entsprechend ihrer natürlichen Schichtung liegen. Da in Mitteleuropa Frostabplatzungen auftreten, ist die Konstruktion so auszuführen, dass möglichst keine Feuchte durch Niederschlag eindringen kann. [1]
Für alle Mauerwerke gilt, der Mauermörtel und auch das Fugenmaterial muss etwas weicher als der Mauersteinstein sein. Auf keinem Fall darf er fester sein. Dieser Fehler wird oft begangen.

Nachfolgend ausgewählte Beispiele für den Bau von Bauwerken aus Natursteinen.

Kirche im nördlichen Teil des Bundesland Brandenburg
Kirchen in Brandenburg

Der Eingangsbereich des Doms in Strasbourg
Dom in Strasbourg

Etwa vor 100 Jahren wurden bei dem Kirchturm in Oschatz die Steine durch den modernen Baustoff Beton ersetzt. Die Haltbarkeit war aber nicht so gut, sodass vor einigen Jahren die Betonteile wieder durch Steine ersetzt wurden.

Im Hintergrund einer der Kirchtürme in Oschatz
Marktplatz in Oschatz

Einer der bekanntesten Denkmäler ist das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, welches vor 100 Jahren (1913) zum Gedenken an die blutige Schlacht von 1813 zwischen den verbündeten Truppen gegen Napoleon errichtet wurde.

Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.
Vökerschlachtdenkmal in Leipzig

Das Schloss in Merseburg
Schloss in Merseburg

Bruchsteinmauerwerk im Schlosspark in Merseburg
Steinmauer am Schloss in Merseburg

Ein unregelmäßiges Schichtmauerwerk bei der Festung Königstein
Festung Königstein

Ein Bruchsteinmauerwerk in Berehove (Ukraine)
steinmauer in der Altstadt von Berehove Ukraine

Die Festungsmauer der Burg in Mukatschewe (Ukraine)
Mauerwerk der Burg in Mukatschewe (Ukraine)

Im Theater von Ephesos (Türkei), ein Bauwerk aus der Antike
Im Theater von Ephesos

Teile der antiken Stadt Ephesos (Türkei)
Teile der antiken Stadt Ephesos (Türkei)

Besonders beeindruckend sind die historischen Steingewölbe und die Spitzbögen in Tunesien. Eine hervorrage Baukunst. Die Bruchsteine der Bögen sind in einem Mörtel verlegt. Bei dem Wohnhaus in Midoun wurde ein Kalkmörtel verwendet. Die Bruchsteine in den Wänden sind dagegen nicht satt in Mörtel verlegt. Diese Bruchsteine sind auch nicht mit möglichst engen Fugen verlegt, wie es bei Trockenmauerwerk üblich ist. Die vielen unterschiedlich großen Hohlräume dienen zur Wärmeisolierung und sicherlich auch zur Verbesserung des Feuchtetransportes. In diesen aneinander stehenden Häusern (Räumen) haben jeweils eine Familie gewohnt. Bei der Nutzung wurde genügend Feuchte produziert, die so etwas besser durch das Mauerwerk aufgenommen werden konnte. Was hier im Bild nicht so deutlich erkennbar ist, die größere Anzahl der Hohlräume befindet sich in der Mitte des Mauerquerschnittes.

Historische Wohnhäuser in Ksar Jemaa am Rande der Sahara (Tunesien).
historischen Wohngebäude in Ksar Jemaa

Bei dem älteren kaputten Wohnhaus in Midoun (Tunesien) lässt sich gut der Wand- und Gewölbeaufbau erkennen. Diese Gebäude werden auch noch heute bewohnt. Die Gebäude müssen regelmäßig gelüftet werden. Die Raumluft hat sonst den Charakter eines Kellers. Wenn die Verständigung in Ordnung war, so ist das Raumklima in diesen Gebäuden in der Sommerhitze angenehmer als bei den neuen Ziegelgebäuden, welche eine Klimaanlage benötigen.

Älteres Wohnhaus aus Bruchsteinen in Midoun (Tunesien).
Älteres Wohnhaus aus Bruchsteinen in Midoun (Tunesien)

Wohngebäude aus Bruchsteinen in einem Fischerdorf (Djerba Tunesien)
Älteres Wohnhaus aus Bruchsteinen in einem Fischerdorf (Djerba)

Spitzbögen bei einer historischen Töpferei bei Gallea (Tunesien). Diese wenig bearbeiteten Bruchsteine im Verband sind satt im Mörtel verlegt. Diese Bögen tragen eine schwere Holzdecke.

Spitzbogen in einer Töpferei
Spitzbogen in einer Töpferei
Spitzbögen bei einer frei stehenden Außenwand (historische Töpferei) bei Gallea
Spitzbogen in einer Töpferei

Quelle:
[1] Härig, Siegfried; Technolgie der Baustoffe, 14. Aufl. 2003, C.F.Müller Verlag, S. 18
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