ib-rauch.de verwendet Cookies von Google, Facebook oder Amazon Weitere Informationen.
ib-rauch.de

Altbausanierung  Bauphysik | Feuchteschutz | Konstruktion | BlogMauerwerk - Bücher | Impressum

3. Die Herstellung eines Mauerwerkes

1. Der Mauerwerksbau - Mauerwerk aus Natursteinen

2. Das Ziegelmauerwerk - Übersicht und internationale Beispiele
4. Formate der Ziegelsteine
5. Übersicht der Mauerwerksverbände
6. Zum Maurerwerkzeug
7. Zur Wärmedämmung
8. Horizontale Mauerwerksabdichtung
9. Normen für den Mauerwerksbau

Ganz wichtig ist, dass der Mauermörtel immer etwas weicher ist als die Steine. So ist zum Beispiel der auf dem Baumarktmarkt angebotene Mauer- und Putzmörtel geeignet zum Vermauern von Kalksandsteinen und Ziegelsteinen. Ein besserer Mörtel ist der Trasskalk oder für eine höhere Festigkeit ein hochhydraulischer Trasskalk. Dieser ist etwas teurer aber nicht überall erhältlich.
Die deutschen Mörtelhersteller geben zusätzlich zu den Angaben nach europäischer Norm (CE-Zeichen), zum Beispiel Mörtelgruppe IIa oder Leichtmörtel LM 21, auf den Lieferschein an. Grundlage neben der europäischen Norm ist die DIN V 18580.
Porenbetonsteine können auch mit dem üblichen Mauermörtel vermauert werden. Es ist aber nicht ratsam, da es zu Problemen kommen kann. Ebenso ist die Verarbeitung nicht so einfach. Viel besser ist die Verwendung des entsprechenden Klebemörtels, die auf das Steinmaterial abgestimmt sind. Werden Porensteine zum Beispiel bei einer sonnigen Außenwand vermauert, so führen harter Mörtel sowie Putze zu großen thermischen Spannungen und die Steine werden vollkommen durchgerissen. An den Wandecken entstehen so durchgängige zum Teil breite Risse. Daher sind für die verschiedenen Mauersteine auch die entsprechenden Mörtel zu verwenden, die vom Hersteller angeboten bzw. empfohlen werden.

Ebenso ist bei einem Leichtziegel ein spezieller Leichtmörtel (z. B. Leichtmörtel LM 21) einzusetzen. Bei einem normalen Mauermörtel würde in diesem Fall die Fuge zu einer Wärmebrücke werden. Welcher Mörtel für die jeweilige Steinart verwendet wird, steht meist in den Produktbeschreibungen. Vielfach wird Zement oder Zementmörtel gekauft. Für tragende Bauteile, wie Säulen oder im Gewölbe ist die Mörtelgruppe III erforderlich. (Dies gilt auch für deren Reparatur!)
Aber auch bei Mauerwerk, welches direkt durch Feuchtigkeit belastet wird, wie zum Beispiel ein Kanalschacht, ist ein spezieller Zementmörtel zu verwenden. Dieser muss zusätzlich auch eine hohe chemische Beständigkeit besitzen. Für Sichtmauerwerk (meist Klinker), welches durch äußere Niederschläge stark beansprucht wird, sind spezielle Vormauermörtel (P IIa [hochhydraulischer Kalkmörtel, Mörtel mit Putz- und Mauerbinder]) sehr empfehlenswert. Da die Steine stark saugen, "brennt" der Kalk bei Normalmörtel sehr schnell aus. Dieser spezielle Mörtel verhindert das starke Saugen. Neben der optimalen Verarbeitung und der Fugenausbildung ist die Arbeitszeit wesentlich geringer.
Die Fugen werden vollfugig in einer Stärke von 12 mm, bei Mittelbettmörtel 6 mm und bei Dünnbettmörtel 1 bis 3 mm hergestellt. Werden Hochlochziegel vermauert, so ist die Lagefuge durchgängig auszuführen. Mit dem durchgängigen Mörtelverband wird der Luftaustausch zwischen den Hohlkammern der Steinschichten verhindert. Dies dient zur Vermeidung einer ungewollten Luftkonvektion und Schallübertragung. Ein sorgsam ausgeführtes Mauerwerk lässt sich später leichter verputzen. Es sollte so grade wie möglich sein und keine Löcher in den Fugen aufweisen.

Im nachfolgenden Beispiel werden die Natursteine mit einem hochwertigen Portlandzement (Normfestigkeit 50 N/mm2) verfugt. Die Haltbarkeit wird von den Maurern etwa 10 Jahre angegeben. Diese Strandmauer befindet sich etwa 50 m vom Mittelmeer auf der Insel Djerba entfernt. Portlandzement hat gegenüber der salzhaltigen Luft nur eine geringe chemische Beständigkeit. Ein Hochofenzement ist da wesentlich geeigneter. Dieser hochwertige Zementmörtel (Mischung 1:3) ist für die Natursteine viel zu fest. Hier ist ein weicherer Mörtel erforderlich. In diesem Fall könnte ein Trasszementmörtel gehen. (Dies müsste jedoch noch genauer geprüft werden.)

Verfugen von Natursteinen

Die üblichen Schichten bei einem Mauerwerk sind die Läuferschicht (die Steine liegen hintereinander) und die Binderschicht (Steine liegen nebeneinander). Sind höhere Drücke aufzunehmen, so findet die Rollschicht für Mauer-, Brüstungs- und Gesimsanschlüsse Anwendung. Die Steine werden hochkant seitlich aneinander vermauert. Durch die großen Stoßfugen vergrößert sich die Haftfestigkeit der Steine untereinander. Ebenso ist die Druckverteilung besser als bei flachliegenden Steinen.
Weniger oft kommen die Stromschicht, das ist eine Binderschicht, die etwas verdreht ist, und die Schräkschicht, Steine stehen auf der hohen Kante, schräg und leicht versetzt, vor.

Beispiel für ein Läufermauerwerk, hier Betonsteine mit Säulen
Läufermauerwerk mit Betonsteinen

Beispiel für ein Läufermauerwerk mit Langlochziegel (Tunesien). Die Stabilität der Wände wird durch die Knicke erreicht. Die Knicke ersetzten die Säulen.

4. Formate der Ziegelsteine

In den nachfolgenden Bildern wird das Normalformat 24 cm x 11,5 cm x 7,1 cm dargestellt. Auf die anderen Formate soll hier nicht weiter eingegangen werden. Die Verarbeitung entspricht analog auch für diese Formate. Die Fugenbreite des Mauermörtels beträgt 1 cm. Damit ergibt sich bei diesem Steinformat eine Wandstärke 11,5 - 24 - 36,5 - 49 - 61,5 - 74 - 99 cm. Als Lagerfuge wird die horizontale Fuge und als Stoßfuge die vertikale Fuge bezeichnet. Es gibt Plansteine und Steine, die im Dünnbettverfahren verlegt werden, hier gelten andere Maße für die Mörtelfuge.
Für die Backsteinformate nach 1872 galten die Maße,
für das Reichsformat 25,0 cm x 12,0 cm x 6,5 cm,
für das Klosterformat 28,5 cm x 13,5 cm x 8,5 cm und
für das Oldenburger Format 22,0 cm x 10,5 cm x 5,0 cm.

Formate in der Ukraine und Russland[1]
Кирпич

Ziegel vor einem Baumarkt in Kiew
Ziegel am Baumarkt in Kiew

Langlochziegel in Tunesien. Die wichtigste Funktion dieser Langlochziegelsteine 250 x 200 x 150 cm ist der sommerliche Wärmeschutz. Hier wird eine optimale Auskühlzahl unter Berücksichtigung der Baukosten erreicht.
Langlochziegel in Tunesien

5. Übersicht der Mauerwerksverbände

Durch die Verbände in den Schichten wird die erforderliche Haltbarkeit erreicht. Es können so die auftretenden Druck- und Zugspannungen abgeführt werden.
Wichtig hierbei ist auch die richtige Anbindung der Wände miteinander (Verzahnung) und die Einhaltung der Schlankheitsgrade zu beachten. Auch wenn anschließend ein deckender Putz aufgebracht wird, sollte der Verband ordentlich erstellt werden.

Seitenansicht der Mauerverbände:

Kreuzverband
Beim Kreuzverband wird jede zweite   
Läuferschicht um einen halben
Stein versetzt.
Blockverband
Blockverband
Märkischer Ziegelverband
Märkischer Ziegelverband
Gotischer Ziegelverband
Gotischer Ziegelverband
Holländischer Ziegelverband
Holländischer Ziegelverband
 

Draufsicht der Mauerverbände:

Mauerecke Verband 24er-Wand Mauerecke Verband 36,5er-Wand
Die Schichten laufen abwechselnd durch.
Mauerstoß 36,5er und 36,5er Wand Mauerstoß Mauerstoß 36,5er und 48er Wand

Analog sind alle anderen Mauerquerschnitte, Eckenausbildungen und Anbindungen zu gestalten. Werden großformatige Steine vermauert, so erfolgt der Wandaufbau wie bei einer 11,5er Wand. Hier im Beispiel eine Außenwand aus Bimssteine.
Mauerwerk aus Bimsstein

6. Zum Maurerwerkzeug

Mit geeignetem Maurerwerkzeug macht die Arbeit viel mehr Spaß und es kann auch ordentlich und schnell gearbeitet werden. Dazu gehört einmal eine Maurerkelle. Eine Dreieckkelle ist etwas günstiger, da sie etwas breiter ist und günstiger in der Hand liegt. Wird jedoch der Mörtel aus einem Eimer entnommen, so ist eine viereckige Kelle eindeutig besser. Aber auch beim Aufmauern eines Schornsteins oder beim Setzen der oberen Lagen unter der Decke ist diese Kellenform von Vorteil. Viel wichtiger ist es, wie man damit zurechtkommt. Ein Maurerhammer hat eine solche Form, dass er optimal für die Bearbeitung von Mauersteinen geeignet ist. Ein Schlosserhammer biete hier keinen Ersatz. Die Wasserwaage sollte mindestens 80 cm lang sein. Eine Setzlatte dient zur Prüfung des horizontalen Verlaufs der Steinlage. Mit einer 2 m langen Wasserwaage kann man dies aber auch überprüfen. (Mit einer Laserwasserwaage kann man wesentlich genauer über größere Entfernungen die Höhe bestimmen. Ebenso kann die vertikale Ausrichtung kontrolliert werden.) Mit der 2 m Wasserwaage kann aber auch das Lot geprüft werden. Ein Lot wird dann verwendet, wenn das Mauerwerk an einer bestimmten Stelle die Decke, zum Beispiel Träger, erreichen soll oder Rahmen ausgefacht werden. Mithilfe des Lotes kann dann der Fußboden markiert werden, wo die erste Steinlage gesetzt wird. Die Fluchtschnur (Maurerschnur) wird an den beiden Seiten der zu errichtende Mauer in Flucht und in der Höhe der zusetzenden Lage gespannt. Dazu sind die beiden Enden der Mauer zuerst mit 2 bis 3 Lagen aufzumauern (siehe Bild). Diese Lagen werden sorgfältig mit der Wasserwaage ausgerichtet. Nach dieser Schnur richtet man sich beim Setzen der Steine dazwischen und muss nicht die einzelnen Steine mit der Wasserwaage ausrichten. Ist der Zwischenraum ausgefüllt, so wird die Schnur eine Lage höher gesetzt und gespannt. Hierzu werden Nägel in die Fugen gesteckt und die Mauerschnur herumgeführt und gespannt.

Schichtaufbau eines neuen Mauerwerkes

7. Zur Wärmedämmung

Gegenwärtig werden auf dem Markt neue Generationen an Baustoffen für den Mauerwerksbau angeboten. Die MZ8 sind für Einfamilienhäuser und die MZ10 für Mehrfamilienhäuser entwickelt worden. Die Wärmeleitfähigkeit liegt zwischen 0,08 bis 0,10 W/m2K und es können so je nach Wandstärken laut Hersteller ein theoretischer U-Wert von 0,15 bis 0,35 W/m2K erreicht werden. Je nach Fabrikat sind die Hohlkammern mit mineralischem Dämmstoff oder Mineralgranulat gefüllt. Damit verbessern sich der Wärmeleitwert und auch der Schalldämmwert. Die Vermauerung erfolgt im Dünnbettverfahren. Siehe auch unter
www.wienerberger.de,www.meinziegelhaus.de, www.unipor.de, www.ziegel-zentrum.de.

Bei Reparaturarbeiten am Mauerwerk sind möglichst die gleichen Baustoffe zu verwenden, wie sie am angrenzenden Mauerwerk vorhanden sind. Bei einem Mauerwerk aus Vollziegel sind auch Vollsteine zu verwenden, damit das homogene Feuchte- und Wärmeverhalten nicht verändert wird. Dies gilt auch für den Mauermörtel. Zum Beispiel: Grundsätzlich Leichtmörtel bei der Verwendung von Mauersteinen mit kleiner Wärmeleitfähigkeit.

8. Horizontale Mauerwerksabdichtung

Salzausblühung im Eingangsbereich wegen fehlender SperrschichtBei nachträglichen Anbauten, wie Windfang vor der Haustür, kleine Wintergärten, Schuppen aber auch bei Garagen wurde vielfach die Horizontaldichtung im Mauerwerk vergessen bzw. nicht vollständig ausgeführt. Die Folge ist, dass bei den unteren Steinlagen der Putz abfällt und auch eine Salzausblühung vorliegt. Vielfach wurde die Dachpappe in Höhe von ca. 30 cm in die Fuge eingelegt (oberhalb des Spritzbereichs) aber vergessen, dass die unteren Steine auch nass werden und dann die unschönen Streifen über dem Fußboden entstehen. In dem nachfolgenden Bild (links) wird eine sinnvolle Anordnung dargestellt. Das Bild rechts dient als Ergänzung. Beim Neubau sollte dieser Aufbau unbedingt berücksichtigt werden. Gerade im Sommer besteht die Gefahr der Tauwasserbildung auf der Fußbodenoberfläche (Beispiele sind ein Teil der gefliesten Hauseigangsbereiche), so ist unbedingt auch eine Wärmedämmung in den Fußbodenaufbau einzubinden. Durch die Tauwasserbildung kommt es langzeitlich ebenfalls zur Durchfeuchtung des angrenzenden Mauerwerkes trotz ordnungsgemäßer Ausführung der Feuchtesperre.
Zur ausführlichen Darstellung zum vertikalen und horizontalen Feuchteschutz.

Anordnung horizontale Feuchtesperre Anordnung horizontale Feuchtesperre

9. Normen für den Mauerwerksbau

Die Produktnormen für den Mauerwerksbau sind in der europäische Produktnorm DIN EN 771-4 (seit dem 1. April 2006) geregelt. Für Produkte in Deutschland sind die Regelungen der sogenannten Anwendungsnorm DIN V 20000-404 zu beachten. Produkteigenschaften, die bislang in der nationalen Produktnorm enthalten waren, jedoch nicht durch die europäische Norm abgedeckt sind, werden in der (Rest)Norm DIN V 4165-100 beschrieben.

Quelle:
[1] Кнажны люди  Кирпич материал Дизайн Конструкции, Аивар Аалто 2008 л. 200


 ©  Altbausanierung:: Konstruktion  |Baulexikon | Bauideen | Impressum  1/2013  Logo

111