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Das Ziegelmauerwerk - Übersicht und internationale Beispiele (Deutschland, Ukraine und Tuniesen)

1. Der Mauerwerksbau - Mauerwerk aus Natursteinen
3. Die Herstellung eines Mauerwerkes
4. Formate der Ziegelsteine
5. Übersicht der Mauerwerksverbände
6. Zum Maurerwerkzeug
7. Zur Wärmedämmung
8. Horizontale Mauerwerksabdichtung
9. Normen für den Mauerwerksbau

In diesem Beitrag werden nur auszugsweise einige Hinweise zum Mauerwerksbau aufgeführt. Für die Erstellung eines Mauerwerkbaus ist eine entsprechende handwerkliche Erfahrung erforderlich. Zum Schluß werden einige Grundlagen vermittel, sodass man selbst erfolgreich kleinere Reparaturarbeiten ausführen kann.

Klinkerfassade in der Georg-Schumann-Strasse in Leipzig
Klinkerfassade in Leipzig Georg-Schumann-Strasse

Gerade in der Schweiz wurden Forschungen und Versuche beim Mauerwerksbau auf dem Gebiet des Hochhausbaues (bis 16 Stockwerke) durchgeführt. Hier sind eine Reihe von hohen Anforderungen zu erfüllen, die bis zu Festlegung des Verbandes in Schichtpläne reicht. Auch ist eine ausreichende Mörtelfuge erforderlich, sonst werden je nach der Unebenheit der Lagerflächen die Gesamtlasten nur über mehr oder weniger verteilte Punkte übertragen. Die damit ausgelösten Zugspannungen lassen die Steine schneller aufreißen. [1] Diese hohen Anforderungen werden zwar an die Reparaturarbeiten und für die neue Zwischenwand nicht gestellt, aber trotzdem sollte man sorgsam und ordentlich das Mauerwerk ausführen.

Ein Ziegelgebäude im nördlichen Bundesland Brandenburg, typisch für die Häuser in Norddeutschland.
Ein Gebäude aus Ziegel im Land Brandenburg

Massives Außenmauern sorgt für ein angenehmes Wohnklima. Dabei spielt die Auskühlzeit eine wichtige Rolle.
Durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) in Deutschland werden an die neuen Gebäude höchste Ansprüche gestellt. Mit dem kerngefüllten Ziegel MZ8 wird eine Wärmeleitfähigkeit von 0,08 W/(mK) erreicht. Damit möchte die deutsche Ziegelindustrie die monolithische Bauweise weiterhin ermöglichen.

In Vinnitsa oder Kiew (Ukraine) wurden in den 50iger Jahren wie auch in der ehemaligen DDR Mehrfamilienhäuser aus Ziegelsteinen errichtet. Das Außenmauerwerk ist circa 50 cm stark. Das besondere hier ist der fehlende Außenputz. Damit wird eine Grenzschicht auf der Außenhaut vermieden, was sich günstig auf das Feuchteverhalten der Außenwandkonstruktion auswirkt. Die Fugen sind nicht wie in Deutschland glatt, sondern haben Rillen. Ein Kollege sagte mir, das hier möglicherweise Trassmörtel verwendet wurde. Die Oberflächen der Mörtelfugen sind in einem guten Zustand. Es wird vollfugig gemauert und gleich anschließend die Fugen verstrichen. Dies hat den Vorteil, dass nicht wie beim nachträglichen Verfugen die Feuchtigkeit aus dem Mauermörtel gezogen wird und der Abbindeprozess (Karbonatisierung) nicht vollständig erfolgen kann. In Deutschland erfolgt in der Regeln ein nachträgliches Verfugen. Hierzu wurden spezielle Fugenmörtel (VOR Mauermörtel) entwickelt. Für diese Arbeiten sind aber auch Außengerüste erforderlich. In Vinnitsa, hier in der Straße (Vul. Sodschich) werden die Wohngebäude mit 9 Etagen aus Ziegelsteinen hergestellt. Außen besteht die Außenwand aus einer Schicht Kalksandsteinen und innen aus 3-Lochziegelsteinen, die mit einander verzahnt sind. Dieser Aufbau entspricht etwa auch den Empfehlungen meines schweizer Kollegen Paul Bossert. Er empfiehlt bei seinen energieeffizienten Verbundmauerwerk außen einen Ziegelstein mit einer Rohdichte von 1600 bis 1800 kg/m3 und innen einen Ziegelstein mit 800 bis 900 kg/m3.

Diese kalkverputzte Variante ist nur bis 18 m Höhe anwendbar. Wird das Gebäude höher, ist das Ziegelmauerwerk mit Natursteinplatten zu verkleiden - je nach Farbe und der damit verbundenen Aufnahme von Solarenergie ist eine Stärke von 1,5 bis 3 cm vorzusehen. (Kalk, Travertin, Sandstein und so weiter mit einer Kleber-Mischung aus Zement und hydraulischem Kalk inklusiv Zuschlagstoffe).

In der russischen Fachliteratur [2] werden ähnliche Konstruktion vorgestellt. Diese weisen recht gute wärmetechnische Eigenschaften auf. Bild links R=2,9 m2K/W und Bild rechts R= 3,17 m2K/W.
Ziegelwand  Ziegelwand

Keramikplatten als Wetterschutz an den Wohnhochhäusern in der Ukraine
Älteres Mehrfamilienhaus in Vinnitsa (Ukraine)

Die etwas älteren Wohngebäude in Vinnitsa und in anderen Städten erhielten außen eine Verkleidung aus Keramikplatten als Wetterschutz. An einem anderen Gebäude lösten sich einige dieser Platten im unteren Wandabschnitt. Offensichtlich stellt das Verkleiden der Außenwände auch ein klimatisches Problem dar, da im Winter eine niedrigere Durschnittstemperatur vorliegt, als in Deutschland. Mir war auch aufgefallen, dass gerade bei den Neubauten im unteren Wandabschnitt die Platten der Wandverkleidung an einigen Stellen abfallen. Dass hier Verarbeitungsfehler vorliegen, ist nicht anzuzweifeln. Aber es wird auch deutlich, dass die Verarbeitung hohe Qualitätsansprüche stellt.

Dampfsperrende Wirkung von Keramikplatten auf der Außenseite einer Wand
Dampfsperrende Wirkung von Keramikplatten auf der Außenseite

Bauphysikalisch sind jedoch solche Keramikbeschichtungen ungünstig. Feuchtetransporte von innen stauen sich an dieser Sperrschicht. Aus diesen Überlegungen heraus erfolgt daher heute der äußere Wandaufbau bei den höheren Gebäuden aus Kalksandsteinen und Hartbrandsteinen und innen mit Ziegelsteinen (Wandstärke 50 cm). Welche guten wärmetechnischen Eigenschaften diese Mauerwerke haben, kann im Tool U-Wert-Berechnung überprüft werden. Kalksandsteine sind feuchtetechnisch nicht die günstigste Lösung. Sie sind aber unter den gegebenen konstruktiven Ausführungen sicherlich die optimalste Variante. Unter der äußeren Feuchtebelastung (Schlagregen) bei den Gebäuden mit 9 bis 10 Etagen lässt sich ein Sichtmauerwerk wie bei den älteren Gebäuden mit wenigen Etagen aus normalen Ziegelsteinen nicht erstellen. Vorteile bei dieser Technologie ist auch, dass kein Außengerüst benötigt wird, da mit dem Vermauern der Ziegelsteine auch ein Verstrich der Fugen erfolgt. Im Vergleich zu einer verputzen Außenfassade fallen laufende Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten in einem wesentlich späteren Zeitabschnitt an.

Ältere Mehrfamilienhäuser aus Ziegelsteinen (Вул. Пирогова  in Вiнниця) und in Kiew in der Щербакова
Älteres Mehrfamilienhaus aus Ziegelsteinen    Älteres Mehrfamilienhaus aus Ziegelsteinen in Kiew

Ältere Wohnhäuser aus Ziegel (Вул. Софийская  in Киев)
Wohnhäuser aus Ziegel in Kiew

Baustelle eines neuen Wohngebäudes aus Ziegelsteinen in der oben beschriebenen Verbandbauweise (Вул. Зодчих  in Вiнниця)
Baustelle eines neuen Wohngebäudes aus Ziegelsteinen Bau eines Wohngebäudes aus Ziegelsteinen Bau eines neuen Wohnhochhauses aus Ziegelsteinen in Vinnitsa

Bei den älteren Wohngebäuden in Вiнниця, die etwa 50 Jahre alt sein dürften, habe ich an der Ziegelsteinfassade so gut wie keine Schäden festgestellt. Selbst bei ungünstigsten Wandabschnitten über dem Sockel, wie im Bild links, zeigen die Ziegelsteine so gut wie keine Salzausblühungen. Auch das fehlende Fallrohr (was sicherlich nicht erst seit gestern fehlt) verursacht so gut wie keine Schäden.

Fehlendes Fallrohr bei der Zieglsteinfassade eines Wohngebäudes in Vinnitsa
Ziegelfassade  Fehlendes Fallrohr bei der Zieglsteinfassade eines Wohngebäudes in Vinnitsa

Natürlich gibt es auch vollständig misslungene Konstruktionen, wie die einkragende Betonplatte über dem Hauseingang. Sie soll eigentlich vor Regen schützen und verursacht aber selbst eine Durchfeuchtung des Mauerwerkes. Es fehlt die richtige Blechabdeckung.

Geschädigte Überdachung eines Hauseingangs in Vinnitsa.
Geschädigte Überdachung eines Hauseingangs in Vinnitsa.

Heute baut man in Вiнниця (Вул. Зодчих ) sehr schöne Wohngebäude aus Ziegelsteinen
Neue Wohngebäude aus Ziegelsteinen 2009 in Vinnitsa  Neue Wohngebäude aus Ziegelsteinen in Vinnitsa

Im Rayon дарницкий in Киев werden viele neue Wohnhochhäuser in Stahlbetonskelettbauweise errichtet. In den Bildern kann man gut erkennen, dass die tragende Stahlbetonkonstruktion mit einer äußeren Ziegelwand eingeschalt wird.
tragende Stahlbetonkonstruktion mit einer äußeren Ziegelwand in Kiewtragende Stahlbetonkonstruktion mit einer äußeren Ziegelwand in Kiew

Bei den meisten dieser Hochhäuser werden die Ziegelsteine als Ausfachungsmaterial verwendet.
Ziegel und Stahlbetonskelettbau in KiewZiegelmaterial zur Ausfachung von Stahlbetonskelettbau in Kiew

Auf diese Ziegelsteine werden dann Polystyroldämmplatten geklebt.
Dämmung der Fassaden der Hochhäuser in Kiew

Die Marienburg (Ordensburg), polnisch Malbork, ist das größte Ziegelbauwerk in Europa. Malbork, Stadt in der polnischen Wwschaft Elbag (Elbingen).

Marienburg in Polen

Wohngebäude in Gueselcamli (Türkei). Das Mauerwerk beim Rohbau entspricht alles andere als einem ordentlichen Verband. Der Putz muss dann alles ausgleichen. Die fertigen Wohngebäude sehen dann optisch auch recht ordentlich aus. (1996) Aber auch das Raumklima ist sehr gut. Die Gebäude selbst haben keine Heizung.

Rohbau in Gueselcamli 1996 Fertige Wohngebäude in Gueselcamli

Die meisten der neuen Einfamilienhäuser im Gebiet Medenine (Tunesien) haben aus Kostengründen nur einer einfachen Ziegelwand aus den Langlochziegeln. Bei hoher Sommerhitze wird es in diesen Häusern etwa 30°C warm. Das erfordert eine Klimaanlage. Es werden auch anderen massivere Baustoffe verwendet. Die Bauausführung ist jedoch teurer. Das Raumklima im Sommer ist dafür jedoch besser. In Houmet Souk (Tunesien) wurden die Ziegelwände als Doppelmauerwerk ausgeführt. Die Steine stehen hochkant und haben so statt 4 6 Luftkammern nebeneinander .

Einfamilienhaus aus Ziegel. Die Ziegel liegen flach und haben so 4 Luftkammern nebeneinander.
Ziegelhaus auf Djerba

Gebäude in Houmet Souk (Djerba Tunesien) mit doppelter Ziegelsteinwand (40 cm).
Ziegelgebäude in Houmet Souk

Ziegel- und Mischmauerwerk noch aus der römischen Zeit in Ephesos (Westküste in der Türkei)
Mischmauerwerk aus der römischen Zeit in EphesosZiegelmauerwerk aus der römischen Zeit in Ephesos

Mischmauerwerk der Wehranlage des Schlosses in Merseburg.
Mischmauerwerk Schloss Merseburg

Mischmauerwerk aus Lehm, Ziegel und Bruchsteine in den ukrainschen Karpaten (Berehove)
Mischmauerwerk, Lehm, Ziegel und Bruchsteine in Berehove (Ukraine)

[1] Schmitt, Heinrich; Heene, Andreas; Hochbaukonstruktion 14. Aufl. Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH Braunschweig 1998, S. 467
[2] Современные строительные материалы , OOO Стройинформ 2006 г., л. 58/59


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