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2.4. Funktion und Charakteristik des Mycels von Serpula lacrimans

Oberflächenmycel, Stränge

Das Oberflächenmycel ist dick, polsterförmig und zunächst schneeweiß, später grau, bisweilen leicht gelblich oder auch weinrötlich gefleckt. Ältere Hyphen bilden Oxalsäurekristalle. Das Mycel ist auch daran zu erkennen, dass es in Faser beziehungsweise Wuchsrichtung reißt. Es lässt sich von der Unterlage gut lösen. Die Myceltypen werden in Luftmycel, Oberflächenmycel, Stränge und Zwischenmycel unterschieden. Sehr junges Mycel lässt sich makroskopisch vom Kellerschwamm (Braunen Warzenschwamm) kaum unterscheiden, welches weiß bis gelblich ist und keine weinrötlichen Flecken aufzeigt. Die Stränge vom Echten Hausschwamm sind schmutzig-grau und bis zu über 10 mm dick. Ihre Form ist rundlich, bandartig, lappig oder nimmt auch die Form des Hohlraumes an, welches durchwachsen wird. (In der Fuge einer Türzarge hatte der Strang eine 1 cm dicke quadratische Form angenommen. Hinter Fußbodenleisten sind sie etwas abgeflacht.) Die Stränge brechen im trockenem Zustand wie Holz gleicher Stärke. Auch dünnes Mycel zerbricht. Gerade im Kellermauerwerk sind auch Wurzeln von in der Nähe stehenden Bäumen oder Gebüschen zu finden. Die Wurzeln unterscheiden sich in der Regel durch ihr dunkelbraunes aussehen und sind sehr biegsam. Ebenso wachsen sie aus der Wand und haben kein helleres Mycel. Sie sind visuell gut von einem Pilzbefall zu unterscheiden. Die Stränge mit seinem kräftigen, mitunter bis 3 cm dicken Rhizomorphen kann der Pilz durch Mauerwerk, selbst durch das Erdreich oder unter dem Straßenbelag bis zu benachbarten Häusern vordringen, zumal sein leistungsfähiges Wasserleitungssystem aus diesen langen Mycelsträngen es ermöglicht, auch trockene Gebäudeteile und trockenes Holz anzugreifen. [O.Schwantes 95/S.261-262] In Markkleeberg wurde so über eine Entfernung von ca. 10 m das Wasser von der Durchführung der Wasserleitung im Keller, wo sich das Mycel und der Fruchtkörper über mehre Quadratmeter ausbreiten konnte. An der Oberfläche der Wasserleitung war vorwiegend Kondensat. Der Stofftransport in den Strängen ist mit dem Wassertransport gekoppelt und findet über osmotischen Druckausgleich statt. Untersuchungen mit verschiedenen radioaktiven Stoffen stützen diese Theorie. [Weigl und Ziegler 1960, Jennings und Bravery 1991] Die Funktion der Wasserabgabe an Fruchtkörpern und Hyphenspitzen ist nicht vollständig geklärt.

Das Mycel vermag auch Bauteile wie Beton zu durchdringen. Lediglich durch H.-J. Rafalski wurde die Wuchsrichtungsdiagnostik als wichtiges Merkmal der Ursachen und Schadensbeseitigung ausgearbeitet. Der Fruchtkörper liegt meist in elliptischer und runder Form meist ca. 10 cm aber auch bis 2 m2 vor. Der Rand der Platte ist meist wulstartig verdickt wobei der zentimeterbreite weiße Zuwachsrand besonders auffällig ist. Die Fruchtschicht ist rostbraun verfärbt und faltenförmig. Der Fruchtkörper bevorzugt diffuses Licht und ist so an der Unterseite von Holzböden, an der Kellerdecke oder hinter zugestellte Flächen, wie Schränke, Couch, Wandverkleidungen zu finden. Wachsende Fruchtkörper riechen angenehm pilzartig, zersetzend nach Petroleum. (Auch beim Vorhandensein von größeren Mengen an Mycel liegt ein Pilzgeruch vor.) Der Fruchtkörper bildet rostfarbene Sporen und lagert sich wie Staub in Ecken ab. Ältere Fruchtkörper werden dunkel bis fast (schwarz). Verfügt der Pilz nicht über genügend "Wachstumskraft" so bilden sich die braunen Sporen in einer dünnen Schicht auf dem watteartigen Mycel aus. Die ziegel- bis braunroten Sporen sind ellipsoid und an einer Seite bohnenförmig abgeflacht und haben eine Größe von 8..12 μm Mal 4,5...8 μm.

Feuchte Fruchtkörper werden sehr schnell von meist weißen Schimmelpilzen befallen und überzogen.

Der Fruchtkörper von Serpula himantioides (Wilder Hausschwamm) ist etwas kleiner aber anhand von morphologischen Merkmalen nur schwer vom Echten Hausschwamm zu unterscheiden. Die Arten lassen sich mit genetischen Methoden [Moreth-Kebernik und Schmidt 2000] gut unterscheiden. Vorwiegend kommt diese Art im Freien vor und bei hoher Feuchtigkeit auch am Fachwerk und nach einigen Aussagen nie am Mauerwerk. Jedoch konnte in Berlin (2005) unter einer gemauerten verschlossenen Terrasse (Abstellraum/Keller) Mycel sowie ein Fruchtkörper am feuchten Mauerwerk festgestellt werden (Genaue Bestimmung erst durch DNA-Analyse). (Das feuchte Mauerwerk wurde auf der Außenseite freigelegt und vertikal abgedichtet.)

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