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2. Wachstumsfaktoren für den Echten Hausschwamm

2.1. Wachstumseinfluss durch die Feuchtigkeit

Die in Gebäuden vorkommenden Hausfäulepilze werden in zwei Gruppen nach ihrem Feuchteanspruch unterteilt.

1. Gruppe nur vom Echten Hausschwamm vertreten (15-30 %).

2. Gruppe der Nassfäulepilze (30-80 %)

3. Niedere Pilze (ab 80 %)

Der Echte Hausschwamm benötigt nur zu Beginn seines Wachstums eine höhere Holzfeuchtigkeit von ca. 30 % bis 40 %. Als Minimum werden 17 bis 20 % und als Maximum 90 % angegeben. (Mombächer et. 1988) Zum Vergleich bevorzugt der Kellerschwamm (Coniophora puteana) eine Holzfeuchtigkeit von 45 bis ca. 70 % und der Weiße Porenschwamm (Poria vaporaria) 30 bis 50 %. Eine hohe Holzfeuchtigkeit benötigt der Ausgebreitete Hausporling (Weißfäulepilz), deren Schaden einen beträchtlichen Umfang annehmen kann. Der oft auch gleichzeitig an den etwas trockneren Randbereichen vorkommende Echte Hausschwamm ist dann im Verhältnis unbedeutend. Allerdings dann über die Zeit den größeren Schaden anrichtet.

Je nach Feuchtigkeitsgrad wachsen bestimmte holzzerstörende Pilze. Dabei können sich andere nicht bzw. nur sehr gering ausbreiten. Dieser Fakt ist zu beachten, wenn z. B. Wasserleitungsschäden oder andere starke Durchfeuchtungen vorliegen. Bei einer kurzzeitigen starken Durchfeuchtung kommt es eher zum Wachstum von Nassfäulepilzen, wie den Muschelkrempling oder einer der anderen oben genannten Nassfäulepilze. Es ist hier eine schnelle und zügige Trocknung aller Holz- und anderer berührender Bauteile vorzunehmen. (Z. B. In der Holzbalkendecke das Holz, die Schüttung und das angrenzende Mauerwerk.) Damit kann sich das Myzel des Echten Hausschwamms nicht bzw. nur ungenügend entwickeln, da die optimale Feuchte für sein Wachstum nur kurzzeitig vorliegt. Junges Myzel stirbt nach einer bestimmten Zeit nach der Trocknung ab. Die Phase der Trockenstarre hängt von der Größe, der anderen Umgebungseinflüsse und sicherlich auch vom Stamm selbst ab.

Feuchte Räume mit wasserdampfgesättigter Luft sind für das Pilzwachstum besonders förderlich. Sinkt die Luftfeuchtigkeit unter 95 %, so lässt die Zerstörungstätigkeit der Hausfäulepilze erheblich nach. Die Luftfeuchtigkeit steht im Zusammenhang mit der Substratfeuchte.

Alle Pilze erzeugen bei ihrem Stoffwechselprozess Wasser. Beim Abbau der Zellulose werden Wasser und Kohlendioxid frei. Sie schaffen sich so einen Teil der benötigten Feuchtigkeit selbst "Atemwasser". Man bezeichnet diesen Fäuletyp auch als "Trockenfäule". Bei einer guten Lüftung kann dieses Wasser abgeführt werden. Der Echte Hausschwamm hat sich besonders spezialisiert und kann so auch unter der Fasersättigung (bei ca. 30 % Holzfeuchtigkeit) wachsen sieh Bild 7).

Würfelbruch an Holzdielung (Trockenfäule)
Bild 7: Hier eine "Trockenfäule" der Dielung an einer Innenwand. Wasserleitungen o. ä. sind nicht in der Nähe. An diesem Standort befand sich früher ein Berliner Ofen.

In mehreren Fällen betrug über längere Zeit die Holzfeuchtigkeit 12 % bis 13 %. Ab einer bestimmten Größe kann sich das Myzel auch auf trockenem Holz oder andere zellulosehaltige Stoffe ausbreiten. Hier wird das notwendige Wasser über das Strangmyzel transportiert.

Das Strangmyzel wächst nicht kreuz und quer durch das Gebäude. Also auch nicht von einer Etage zur anderen. Der Pilz bleibt grundsätzlich in der Nähe des befallenen Holzes, was zu Beginn des Befalls ausreichend feucht war. Beim Wachstum breitet sich das Myzel auf der Holzoberfläche aus, meist in die Richtung, wo eine höhere Holzfeuchtigkeit vorliegt. Z. B. bei einem Wasserschaden läuft Wasser in die Holzbalkendecke. Diese liegt in der Regel nicht exakt horizontal. Das Wasser läuft in eine Richtung.

Dieser Bereich wird zu erst befallen. Wird das darunter liegende Mauerwerk ebenfalls durchfeuchtet und bleibt dieses auch lange nass, so wächst hier das Myzel zwischen Mauerstein und Putz und gewinnt so das erforderliche Wasser. Vorwiegend sind die Mörtelfugen durchwachsen.

Längere Stränge konnte ich nur in den unteren Eckbereichen der Fußboden- und Wandanschlüsse feststellen. Das sind auch typische Stellen, wo die Feuchtigkeit im Raum am größten ist. Da das Holz an einem Ende befallen wird, ist es zwangsläufig irgendwann auch am anderen Ende geschädigt, z. B. die Bundwandstiele, Fachwerkhölzer, Deckenbalken u. a. Ab einer bestimmten Größe kann das Myzel auch Bauwerksteile oder Erdschichten durchwachsen, ohne in diesem Bereich eine Nahrungsquelle vorzufinden. Geht jedoch die abgebaute Nahrungsquelle (Holz o. ä.) zu neige, so kann kein neues Zellmaterial aufgebaut werden.

Sind z. B. zwei Etagen befallen, so handelt es sich meist um zwei einzelne Befallsbereiche. Ausnahmen sind, bei defekter Wasserleitung oder Dachentwässerung, wo die Wand sehr lang durchnässt wurde. Ein Bewuchs von einer Etage zur anderen Etage, ist über mehre Jahre möglich. Im bewohnten Zustand kann man dies aber feststellen. Es bildet sich Myzel oder Fruchtkörper. Holzteile, wie Türzargen oder Wandverkleidung aus Holz werden befallen. Nicht in jedem Fall kann das Myzel in den Hohlraum erkannt werden.

Beispiele für gefährdete Bereiche, wo durch ungenügende Lüftung die Luftfeuchtigkeit sehr hoch sein kann:

2.2. Wachstumseinfluss durch die Temperatur

Holzzerstörende Pilze entwickeln sich in einem Temperaturbereich, der minimal bei etwa 2 ... 5ºC und maximal bei 35 ... 40 °C liegt. Innerhalb dieses Bereiches hat jede Pilzart ein bestimmtes Optimum. Dabei liegt die höhere Wachstumsgeschwindigkeit im höheren Bereich. In der nachfolgenden Tabelle 3 werden ausgewählte holzzerstörende Pilze gegenübergestellt.

Pilzart optimale Temperatur Wachstum
mm pro Tag
Serpula lacrimans (Echter Hausschwamm) 20ºC um 81)
Serpula himantioides (Wilder Hausschwamm) 20-25 7
Coniophora puteana (Brauner Kellerschwamm) 22 11
Antrodia vaillantii (Weißer Porenschwamm) 28 12
Gloephyllum trabeum (Balkenblättling) 34 14-15
Stereum hirsutum (Zottiger Schichtpilz) 25 19
Trametes versicolor (Schmetterlingsporling) 30 18

1)(nach Cartwright und Findlay) sowie Schmidt 1994  1-10 mm, Jennings und Bravery 19991  1,5 - 9 mm

Aus dieser kleinen Übersicht kann entnommen werden, dass die Temperaturhöhe einen wesentlichen Einfluss auf das Wachstum der jeweiligen Pilzart hat. Die Temperatur in einem Haus bzw. Wohnung liegt bei 20 °C. Hier hat der Echte Hausschwamm gegenüber den anderen Arten zusätzlich günstigere Wachstumsbedingungen. An Bauteilen, wo in Zusammenhang mit der Feuchtigkeit höhere Temperaturen vorliegen, wächst der Weiße Porenschwamm eher. Der Balkenblättling hat bereits bei 20°C die gleiche Wachstumszunahme, wie der Echte Hausschwamm und liegt bei seinem Optimum bei fast dem Doppelten. Also in einem Bereich, wo der Echte Hausschwamm (bei ca. 25°C) bereits sein Wachstum einstellt. (Zu beachten ist, wenn die Raumtemperatur 27 °C beträgt, kann die Wandoberfläche eine Temperatur von 20 °C und im Wandinneren noch weniger vorliegen. Im Wandinneren befindet sich das Pilzmyzel. Es wächst in diesem Fall besonders gut.) Der Echte Hausschwamm ist von der Sache nicht gefährlicher als die anderen holzzerstörenden Pilze. Es hängt von den jeweiligen Einflussfaktoren insgesamt ab. Die höchste hier genannte Zuwachsrate wird durch einen Weißfäulepilz, der Zottiger Schichtpilz, erreicht, der am lebenden Baum vorkommt.

Wird der Temperaturbereich über- oder unterschritten, so stellt sich Hitze- bzw. Kältestarre ein, die über längere Zeit zum biologischen Tod führt.

Laboruntersuchungen in der BAM-Berlin-Dahlem ergaben, dass der Echte Hausschwamm im trockenen Holz in der Trockenstarre, bei einem gleich bleibenden Klima, wie folgt überlebt:

7,5°C ca. 7 Jahre
20 °C ca. 1 Jahr
27°C ca. 0,5 Jahre.

Dabei wurde festgestellt, dass die Überführung in die Trockenstarre ausgewogen und sehr langsam erfolgen muss, damit der Pilz im Holz nicht irreversibel abstirbt. Am Gebäude herrschen ständig klimatische Wechsel, sodass von einem kürzeren Starreprozess ausgegangen werden kann. (Ingo Müller 1999)

Dieser Fakt wird für alternative Bekämpfungsmethoden mithilfe des Heißluftverfahrens ausgenutzt. In Dänemark ist dieses überwachungspflichtige Verfahren eine anerkannte Bekämpfungsmethode. Wobei die Möglichkeiten des Verfahrens von Anfang an sehr differenziert bewertet wurden. Es wird auch auf wesentliche Anwendungsbeschränkungen wie auch auf notwendige chemische Maßnahmen verwiesen. Begleitende/ergänzende chemische und bauliche Maßnahmen haben wesentlich zum Erfolg der bis 1995 durchgeführten Bekämpfungen mit dem Heißluftverfahren beigetragen.

In Deutschland findet diese Methode als flankierende Maßnahme vor allem nur bei Baudenkmälern zulässig Anwendung. Das Problem besteht hier, dass zum Beispiel das massive Mauerwerk mit einer hohen Wärmekapazität aufgeheizt werden muss. Bei Kellermauerwerk, erdberührendes, stärkeres und feuchtes Mauerwerk lässt sich daher keine Bekämpfung durchführen. Ebenso stellen mehrschalige Mauerwerke sowie angrenzende Hauswände zum Nachbargebäude ein Problem dar. Holzkonstruktionen müssen mindestens von zwei Seiten zugänglich sein und einen Querschnitt von 140 x 140 mm nicht überschreiten.

Die Ausführung der Heißluftverfahren ist nur von qualifizierten Fachbetrieben für Holzschutz auszuführen, die eine entsprechende spezielle Qualifikation besitzen und über die erforderlichen Geräte sowie Erfahrung besitzen. Daneben ist die Qualitätskontrolle (Fremdüberwachung) der Bekämpfungsmaßnahme begleitend durch einen unabhängigen Sachverständigen mit entsprechender nachweisbarer spezieller Qualifikation durchzuführen. Als Problem stellt sich die Prüfung der möglichen Vitalität des Myzels im Holz dar. Da nicht überall Proben entnommen werden können. Versuche mit befallenen Prüfkörpern bedürfen noch weiteren Forschungsbedarf. Im Forschungsbericht E-1998/14 wurden 9 gutachterlich begleitete Objekte bewertet, in den Heißluftverfahren zur Anwendung kamen. Das Verfahren stößt auf eine Reihe von Anwendungsgrenzen, sodass diese nicht uneingeschränkt zur Bekämpfung des Echten Hausschwamms anwendbar ist. Im Einzelfall ist ein mehr oder weniger hoher zusätzlicher Aufwand an flankierenden konventionellen Maßnahmen entsprechend der DIN 68800 Teil 4 (Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen gegen Holz zerstörende Pilze) erforderlich.

Der Verbrauch an Heizenergie und der Rauchgasausstoß muss in einem realistischen Verhältnis zur herkömmlichen Bekämpfungsmethode stehen (DIN 68800 Teil 4). Ein Gerät benötigt für die Erzeugung von 80.000 kcal/h circa 7,8 kg Heizöl. Bei einem Betrieb von 2 Geräten über 4 Std. entstehen so ca. 700 m3 Rauchgas mit 80 m3 C02, 36 Liter CO, 0,3 -0,6 kg Schwefel und 200 bis 400 l Schwefelgase, (Basiszahlen nach Uwe Sallmann) die Bekämpfungszeit für den Echten Hausschwamm liegt bei 3 - 6 Std. (Dr. Unger). Für die letale Wärmedosis haben sich folgende Temperatur-Zeit-Verhältnisse als ausreichend erwiesen: 50ºC/16 Stunden, 55ºC /5 Stunden, 60ºC / 2 Stunden. (Grosser 2008)

Ebenso kann keine Aussage zur erfolgreichen Abtötung der Hyphen im Holzinneren getroffen werden. Mit dem SELAREX-Verfahren werden in die Balkenköpfe bzw. Balken in einem bestimmten Abstand Heizstäbe eingebracht und so das Holz über eine bestimmte Zeit aufgeheizt.

Aus Finnland kommt eine spezielle thermische Behandlung des Holzes, was unter den Namen Thermoholz bezeichnet wird. Bereits aus den zwanziger Jahren stammen erste Hinweise zu diesem Verfahren. Neben den anderen günstigen Eigenschaften soll dieses Holz durch den Hausschwamm nicht mehr befallen werden. (Sanni Rytke 1999). Bei Günter Langendorf wird die Abtötungsmöglichkeit von Pilzmyzel im Holz erwähnt. Nach Liese 1931 erfolgt der Hitzetod des Myzels für verschiedene Pilzarten (Tabelle 4):

Pilzarten Hitzetod nach Minuten bei
 40°C50°C 60°C
Serpula lacrimans (Echter Hausschwamm) - 15 min. -
Coniophora puteana (Brauner Kellerschwamm) 15 min. - -
Antrodia vaillantii (Weißer Porenschwamm) - 30 min. -
Gloeophyllum sepiarum (Zaunblättling) - - 60 min.

Die Sporen an der Oberfläche müssen einer Temperatur von 100 °C über 4 Std. oder 80 °C über 6 Std. ausgesetzt werden. (Dr. Unger 1996) In der Biotechnologie werden zum Sterilisieren der Produktionsanlage (Fermentoren, Tanks usw.) wesentlich höhere Temperaturen verwendet.

Eine weitere Alternative zeigt das Trocknungsgerät auf Mikrowellenbasis. Durch das "Aufheizen" des Mauerwerkes wird auch gleichzeitig das Myzel erwärmt. Die Eiweißstruktur wird so zerstört. Die Anwendung ist auf kleine Flächen beschränkt, die der jeweiligen Strahlungs-Austrittsöffnung der Antenne entspricht. Eine großflächige Bekämpfung ist daher wirtschaftlich nicht gegeben. Das Verfahren ist daher auf Sonderfälle beschränkt, z. B. kleine Holzteile. Wobei zum Beispiel auf die Aufheizung von Metallteilen (Nägel) zu achten ist. Inwieweit hier eine durchgängige Bekämpfung des Myzels im Mauerwerk erfolgt, ist nicht bekannt. Hierzu liegt kein Nachweis vor. Im Forschungsbericht E-1998/14 (Grosser) kommt man zur Aussage, dass "die bisherigen Mikrowellensysteme zur Abtötung Holz zerstörender Pilze für die Praxis kaum geeignet sind." Allerdings dürfte allein durch dieses Verfahren kein Langzeitschutz vorliegen. In Kombination mit den anderen Bekämpfungsmethoden können hier sicherlich sinnvolle Lösungen gerade im Denkmalschutz erzielt werden.

2.3. Einfluss durch Licht und den Luftaustausch

Pilze sind chlorophyllfrei und benötigen für ihr Wachstum kein Licht, wobei dieses zum Teil hemmend wirkt. Für die Ausbildung der Fruchtkörperbildung wird eine gewisse Lichtmenge benötigt (Tabelle 5). [Aus G. Langendorf]

PilzartZuwachs nach Tagen in mm
  Sonnenlichtdiffuses Licht
Serpula lacrimans (Echter Hausschwamm) 0 25
Coniophora puteana (Brauner Kellerschwamm) 25 80
Antrodia vaillantii (Weißer Porenschwamm) 11 25

Damit wird deutlich, warum ein Pilzbefall relativ lange unentdeckt bleibt. Sie bevorzugen dunklere und verdeckte Räumlichkeiten. Da der Echte Hausschwamm gegenüber den anderen Pilzarten mit relativ geringer Feuchtigkeit auskommt, ist sein Befall erst meist bei der Feststellung eines größeren Schadens erkennbar. Liegt eine ausreichende kontinuierliche Feuchtezufuhr, wie z. B. defekte Heizungs- oder Wasserleitung, so verursacht der Kellerschwamm in der gleichen Zeit einen wesentlich größeren Schaden.

Pilze, die dem Licht ausgesetzt werden, unterliegen zwangsläufig auch einem Luftaustausch, was wiederum auch einen Feuchtigkeitsaustausch bedeutet. Pilze produzieren wie bereits im Punkt Feuchtigkeit genannt, einen Teil des benötigten Wassers selbst. Dieses wird so abgeführt und verringert damit den Stoffwechselprozess. Die Bedeutung der Zugluft und die damit verbundene Austrocknung werden durch verschiedene Autoren, wie Grosser, Jennings und Bravery, Schmidt u. a. betont.

Es wurde beobachtet, dass Fugen und kleine Öffnungen zu Hohlräumen, in denen der Echten Hausschwamm wuchs, durch das Myzel verschlossen wurde. An Wandoberflächen und besonders an Öffnungen und dahinter ist die Luftfeuchtigkeit höher als im übrigen Raum. Es kommt auch teilweise zur Tauwasserbildung. Dieses höhere Feuchtigkeitsangebot könnte dieses Wachstum begünstigen.

2.4. Funktion und Charakteristik des Myzels

Strang vom Echten Hausschwamm
Bild 8: Strangmyzel vom Echten Hausschwamm

Das Oberflächenmyzel ist dick, polsterförmig und zunächst schneeweiß, später grau, bisweilen leicht gelblich oder auch weinrötlich gefleckt. Ältere Hyphen bilden Oxalsäurekristalle. Das Myzel ist auch daran zu erkennen, dass es in Faser bzw. Wuchsrichtung reißt. Es lässt sich von der Unterlage gut lösen. Die Myzeltypen werden in Luftmyzel, Oberflächenmyzel, Stränge und Zwischenmyzel unterschieden. Sehr junges Myzel lässt sich makroskopisch vom Kellerschwamm oder Braunen Warzenschwamm kaum unterscheiden, welches weiß bis gelblich ist und keine weinrötlichen Flecken aufzeigt, wie beim Echten Hausschwamm, siehe Bild 11. Die Stränge vom EH sind schmutzig-grau und bis zu über 10 mm dick. Ihre Form ist rundlich, bandartig, lappig oder nimmt auch die Form des Hohlraumes an, welches durchwachsen wird. (In der Fuge einer Türzarge hatte der Strang eine 1 cm dicke quadratische Form angenommen. Hinter Fußbodenleisten sind sie etwas abgeflacht.) Die Stränge brechen im trockenen Zustand wie Holz gleicher Stärke. Auch dünnes Myzel zerbricht. Gerade im Kellermauerwerk sind auch Wurzeln von in der Nähe stehenden Bäumen oder Gebüschen zu finden. Die Wurzeln unterscheiden sich in der Regel durch ihr dunkelbraunes Aussehen und sind sehr biegsam. Ebenso wachsen sie aus der Wand und haben kein helleres Myzel. Sie sind visuell gut von einem Pilzbefall zu unterscheiden. Die Stränge mit seinem kräftigen, mitunter bis 3 cm dicken Rhizomorphen kann der Pilz durch Mauerwerk, selbst durch das Erdreich oder unter dem Straßenbelag bis zu benachbarten Häusern vordringen, zumal sein leistungsfähiges Wasserleitungssystem aus diesen langen Myzelsträngen es ermöglicht, auch trockene Gebäudeteile und trockenes Holz anzugreifen. [O.Schwantes 95/S.261-262] In Markkleeberg wurde so über eine Entfernung von ca. 10 m das Wasser von der Durchführung der Wasserleitung im Keller, wo sich das Myzel und der Fruchtkörper über mehrere Quadratmeter ausbreiten konnte. An der Oberfläche der Wasserleitung war vorwiegend Kondensat. Der Stofftransport in den Strängen ist mit dem Wassertransport gekoppelt und findet über osmotischen Druckausgleich statt. Untersuchungen mit verschiedenen radioaktiven Stoffen stützen diese Theorie. [Weigl und Ziegler 1960, Jennings und Bravery 1991] Die Funktion der Wasserabgabe an Fruchtkörpern und Hyphenspitzen ist nicht vollständig geklärt.

Das Myzel vermag auch Bauteile wie Beton zu durchdringen. Lediglich durch H-J. Rafalski wurde die Wuchsrichtungsdiagnostik als wichtiges Merkmal der Ursachen und Schadensbeseitigung ausgearbeitet. Der Fruchtkörper liegt meist in elliptischer und runder Form meist ca. 10 cm aber auch bis 2 m² vor. Der Rand der Platte ist meist wulstartig und verdickt, wobei der zentimeterbreite weiße Zuwachsrand besonders auffällig ist. Die Fruchtschicht ist rostbraun verfärbt und faltenförmig. Der Fruchtkörper bevorzugt diffuses Licht und ist so an der Unterseite von Holzböden, an der Kellerdecke oder hinter zugestellte Flächen, wie Schränke, Couch, Wandverkleidungen zu finden. Wachsende Fruchtkörper riechen angenehm pilzartig, zersetzend nach Petroleum. (Auch beim Vorhandensein von größeren Mengen an Myzel liegt ein Pilzgeruch vor.) Der Fruchtkörper bildet rostfarbene Sporen und lagert sich wie Staub in Ecken ab. Ältere Fruchtkörper werden dunkel bis fast (schwarz). Verfügt der Pilz nicht über genügend "Wachstumskraft", so bilden sich die braunen Sporen in einer dünnen Schicht auf dem watteartigen Myzel aus. Die ziegel- bis braunroten Sporen sind ellipsoid und an einer Seite bohnenförmig abgeflacht und haben eine Größe von 8..12 µm Mal 4,5 ... 8 µm, siehe Bild 12.

Feuchte Fruchtkörper werden sehr schnell von meist weißen Schimmelpilzen befallen und überzogen (Bild 9).

Fruchtkörper vom Echten Hausschwamm, Befall mit Schimmelpilze
Bild 9: Feuchter Fruchtkörper mit Schimmelpilzbildung

Der Fruchtkörper von Serpula himantioides (Wilder Hausschwamm) ist etwas kleiner aber anhand von morphologischen Merkmalen nur schwer vom Echten Hausschwamm zu unterscheiden. Die Arten lassen sich mit genetischen Methoden [Moreth-Kebernik u. Schmidt 2000] gut unterscheiden. Vorwiegend kommt diese Art im Freien vor und bei hoher Feuchtigkeit auch am Fachwerk und nach einigen Aussagen nie am Mauerwerk. Jedoch konnte in Berlin (2005) unter einer gemauerten verschlossenen Terrasse (Abstellraum/Keller) Myzel sowie ein Fruchtkörper am feuchten Mauerwerk festgestellt werden. (Eine genaue Bestimmung war erst durch eine DNA-Analyse möglich). (Das feuchte Mauerwerk wurde auf der Außenseite freigelegt und vertikal abgedichtet.)

2.5. Die Merkmale des Myzels und der Hypen

Oberflächenmyzel vom Echten Hausschwamm an einer Holzleiste
Bild 10: Oberflächenmyzel an einer im Keller liegende Zaunlatte

Im Strangmyzel werden Gefäßhyphen von etwa 5..60 µm Durchmesser gefunden, die in großer Zahl zusammengelagert sind und Ringverdickungen tragen. Die Faserhyphen werden bis zu 5 µm dick und sind grünlich lichtbrechend. Die bis hellbraunen generativen Hyphen der Trama werden 2 ... 9 µm breit und sind schnallenbesetzt. Zystiden fehlen. Der Basidiendurchmesser beträgt 7 ... 10 µm, die Basidienlänge 30 ... 40 µm.

Die Plattenfasern befinden sich in der Fruchtkörperplatte und sind 5 ... 9 µm dick. Die Enden dieser Hyphen zeigen eine für den Echten Hausschwamm charakteristische fußartige Form. [G. Langendorf]
Das Myzel im Bild 11 ist wenige Tage alt und wächst auf einem feuchten Kellerfußboden. Das junge Myzel ist weiß mit weinrötlichen Flecken. Deutlich ist die Wuchsrichtung erkennbar.

Junges Myzel vom Echten Hausschwamm
Bild 11: Ganz junges Myzel vom Echten Hausschwamm auf einem Fußboden

2.6. Cytologische Prozesse

Es kann davon ausgegangen werden, dass an den Hyphenspitzen verschiedene Prozesse (Exocytose von Enzymen zum Zellwandaufbau, Abgabe von Zellwandbausteinen und Nährstoffaufnahme) ablaufen. Die katalytische Aktivität eines Enzyms ist vor allem von der Substratkonzentration, der Temperatur und dem pH-Wert abhängig. Ändern sich einzelne oder alle Bedingungen, so wird die Aktivität verringert. So kann z. B. ein einziges Enzymmolekül innerhalb einer Minute bis zu 5 Millionen Substratmoleküle in seine Bestandteile zerlegen. [Hubacek, 88 S. 29] An der Hyphenspitze ist die Zellwand durchlässig sowie plastisch und ermöglicht so leicht einen Austausch mit der Umgebung. Über die zeitlichen bzw. räumlichen Zusammenhänge zwischen der Abgabe von Enzymen und Zellwand-Polysaccariden sowie die Stoffwechselprozesse bei den Ständerpilzen sind bisher wenig bekannt. Grundlagenuntersuchungen erfolgten kaum, es existieren lediglich Beschreibungen des Phänomens. [Schmidt 1994]


Der Echte Hausschwamm - Serpula lacrimans [Wulf.ex Fr.] - Dipl.-Ing.oec., Ing. Peter Rauch PhD

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