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7. Maßnahmen zur Sanierung von Schäden durch den Echten Hausschwamm

In mehreren Bundesländern unterliegt ein Befall des Gebäudes durch den Echten Hausschwamm entsprechend der Bauordnung (z. B. in der alten SächsBO § 16 Abs. 2) der Meldepflicht der Bauaufsichtsbehörde. Die Bekämpfung und Schadensbeseitigung ist durch ein Fachunternehmen auf der Grundlage einer Sachverständigeneinschätzung vorzunehmen.

Bei sehr großen Schäden mit erheblichen finanziellen Belastungen ist ein Urteil des FG Niedersachsen interessant. Es hat entschieden, dass Aufwendungen für die Beseitigung von Hausschwamm als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig sein können (FG Niedersachsen, Urteil v. 17.8.2010 - 12 K 10270/09; Revision eingelegt - BFH-Az.: VI R 70/10). Quelle und mehr Informationen unter http://www2.nwb.de/portal/content/ir/service/news/news_1176558.aspx

Als erste sinnvolle Bekämpfungsmaßnahme sind grundsätzlich die Ursachen und möglichen Feuchtigkeitsquellen zu beseitigen.

Kann eine sofortige vollständige Sanierung nicht erfolgen, so sollte das Wachstum des Pilzes weitestgehend unterbunden werden. Eine wichtige Grundlage ist die Freilegung des Schadensbereiches, sodass die Holzbalken oder andere tragende Holzteile durch Luftumspülung gut abtrocknen können. Auch direktes Sonnenlicht bewirkt eine Verringerung der Wachstumsgeschwindigkeit. Ebenso wird die Schadensausbreitung sichtbar und es können entsprechende sinnvolle Sicherungsmaßnahmen vorgenommen werden, wie zum Beispiel Abstützen oder Sperrung des Bereiches. Ohne Freilegung und Feststellung der Ausbreitung bleibt der Befall ein nicht kalkulierbares Risiko.

Die beim Echtem Hausschwamm anzuwendenden Bekämpfungsmaßnahmen sind im Merkblatt 1-2-91 bzw. der neueren 1-2-03/D des Wissenschaftlich-Technischen Arbeitskreises für Denkmalpflege und Bauwerksanierung (WTA) zu entnehmen. Diese sollen hier zusammengefasst werden:

Myzel einschließlich der Stränge und gegebenenfalls Fruchtkörper sind zu entfernen.

 Durch eine Behandlung mit chemischen Holzschutzmitteln können die Hyphen im Inneren des Holzes in der Regel nicht sicher erreicht werden. Bei erneuter Feuchteinwirkung ist von innen her ein erneuter Befall nicht zuverlässig auszuschließen. Daher gibt es auch keine Prüfnormen für die Bekämpfung von holzzerstörenden Pilzen im Holz.

 Befallene Holzteile einschließlich eines Sicherheitsabstandes von in der Regel mindestens 1 Meter über den sichtbaren Befall hinaus in Längsrichtung der Hölzer sind zu entfernen/abzuschneiden. Bei statischen Problemen kann dies auf 0,5 m reduziert werden. (Zur Prüfung sind dann mikroskopische Untersuchungen am Holz erforderlich.)

 Durchwachsene Schüttung einschließlich der Einschubbretter sind in ausreichendem Sicherheitsabstand über den erkennbaren Befall hinaus, in der Regel 1,5 m, in alle Richtungen zu entfernen und durch einwandfreie, trockene Baustoffe zu ersetzen.
(DIN 68800 Teil 4, Pkt. 4 und Beuth-Kommentar zum Holzschutz 1998 von der DGfH)

 Um nicht Ausgangspunkt für einen erneuten Befall zu werden, sind die entfernten Pilzmaterialien sowie alle befallenen Baustoffe und Bauteile unverzüglich zu sichern und geordnet zu entsorgen.

 Als wesentliche bauliche Maßnahmen sind die Ursachen der erhöhten Feuchte von Holz und Mauerwerk festzustellen und zu beseitigen sowie erneute Feuchteeinwirkungen auszuschließen, insbesondere durch gute Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit und Kondenswasser und ausreichende Lüftungsverhältnisse.

 Wird Holz neu eingebaut, müssen die in DIN 68800 Teil 2 geforderten baulich-konstruktiven Maßnahmen beachtet werden.

 Es ist dafür zu sorgen, dass sanierte Bauteile (Holz, Mauerwerk) unverzüglich austrocknen.

 Verbliebenes, nicht befallenes Holz sowie alles neu einzubauende Holz sind ihrer Gefährdung entsprechend, mit einem zugelassenen Holzschutzmittel vorbeugend zu schützen.

 Behandlung des Mauerwerks:
Ausgangspunkte der Mauerwerksbehandlung sind das Entfernen aller Pilzteile (Myzel, Stränge, Fruchtkörper), z. B. auch der Abbruch des Mauerwerkes, einschließlich des befallenen Putzes und das 2 cm tiefe Auskratzen der Mauerwerksfugen. Bei allen Bekämpfungsmaßnahmen ist eine Sicherheitszone von 1,50 m über den sichtbar befallenen Bereich hinaus (in alle Richtungen) einzuhalten.
Sofern nicht auf chemische Maßnahmen verzichtet werden kann, ist befallenes Mauerwerk grundsätzlich mit einem allgemein bauaufsichtlich zugelassenen Bekämpfungsmittel für Schwamm im Mauerwerk zu behandeln, um einen Übergriff auf benachbarte Hölzer zu vermeiden. Als Einbringverfahren kommen eine Bohrlochtränkung oder ein Verpressen durch Druckinjektion infrage. Für die Behandlung von Mauerwerk waren zum Beispiel Adolit M flüssig, Adolit SM, Diffusit M, Diffusit MQ, impratec-MSK 10, Kulbasal M, Serpalit 2000 und andere Mittel mit der Kennzeichnung M geeignet. Sie hatten eine gültige allgemeine bauaufsichtliche Zulassung. Vom DIBt wurden zum Teil die Zulassungen nicht mehr bestätigt. Hier ist auf die Zulassungsnummer und die Geltungsdauer zu beachten. Die Zugabe der Schwammsperrmittel zum neuen Mauermörtel kann genau dosiert werden. Es wird so eine wirklich funktionierende Wirkstoffsperre aufgebaut. Bei einer Mauerinjektage kann dies hingegen nicht genau bestimmt werden (vgl. folgende Ausführung).

Dr. Raffalski führte in Quedlinburg Untersuchungen zur Wirkstoffeinbringmenge durch, deren Ergebnis mir nicht vorliegt. Hier wurden die getränkten Ziegelsteine zerkleinert und untersucht. Prof. Dr. Hoffmann, HTKW Leipzig, gab auf einer Fachtagung bei der Firma quick mix zu bedenken, dass die mit der Bohrlochtränkung eingebrachten Wirkstoffe sich auf wenige Zentimeter um das Loch beschränken. Hierzu ein interessantes Bild aus einer Wirksamkeitsuntersuchung in Achen zur Verteilung von Injektionsmittel für das Anlegen einer Horizontalsperre, siehe Bild 21. [Raupach u.Wolff; bauzeitung 5/02 S. 67-70]

Verteilung von Injektionsmittel
Bild 21: Verteilung von Injektionsmittel in einer Probe

Es wird sicherlich einen Unterschied in der Verteilung von Injektagen auf Epoxidharzbasis oder Schwammbekämpfungsmittel geben. (Auf diese Unterschiede soll hier nicht eingegangen werden.) Zu beachten ist, dass bei einer Druckinjektage nur kurzzeitig Flüssigkeit eingepresst wird. Die Poren und Kapillaren werden nur teilweise mit dem Wirkstoff getränkt. Ein großer Teil der eingepressten Bekämpfungsmittel verteilen sich in den Mörtelfugen.

Makroskopisch ist die Verteilung des Myzels in der Mörtelfuge, in Steinrissen, Abplatzung und größeren Poren. Älterer Beton ist vollständig durchwachsen. Bei einem intensiven Befall wurde abgeflammt, geflutet, das angrenzende Mauerwerk, 2 Lagen Steine, ausgetauscht. An der Grenzschicht wuchs das Myzel ca. 2 cm in den neuen Mörtel, dem Schwammbekämpfungsmittel zugegeben wurde. Es erfolgte eine Abkopplung. Damit soll jedoch ausgesagt werden, dass allein eine Bohrlochverpressung nicht bedenkenlos die Sicherheit einer vollständigen Bekämpfung gibt. Darauf wird auch im Beuth-Kommentar zur DIN 68800 auf Seite 82 hingewiesen, dass eine Bekämpfung im Sinne von Abtöten auch im Mauerwerk nicht umfassend möglich ist. Die Wirksamkeit beruht auf der Bildung einer Sperrschicht. In Verbindung mit Fugen auskratzen, dem Abflammen und Fluten wird sicherlich ein hoher Bekämpfungserfolg erzielt. Zweckmäßig sollten stark befallen Mauerteile abgebrochen werden und eine Abkopplung des Pilzes von seiner Nahrungsquelle (Holz und andere Kohlenstoffquellen) erreicht werden.

Hier soll ein Beispiel der zahlreichen misslungenen Sanierungen gezeigt werden. Im Bild 22 waren die linken Deckenbalken 2 bis 3 durch den Echten Hausschwamm und etwas durch den Ausgebreiteten Hausporling befallen. Es lag hier auch kein Lebendbefall mehr vor. Der braune Würfelbruch zeigte ein halogenhaltiges Holzschutzmittel, z. B. Hylotox S, Hylotox I. Aber die Deckenbalken inkl. Drempelmauerwerk daneben sind aktiv befallen. Die Feuchtequelle, undichtes Dach (relativ klein) befand sich links. Es wurde ein Holzschutzmittel aufgebracht, die Sicherheitsbereiche vernachlässigt und die Feuchtigkeitsquelle nicht beseitigt.

Freilegung der Holzbalkendecke mit Hausschwammbefall
Bild 22: Freilegung der Holzbalkendecke mit einem Alt- und Neubefall durch den Echten Hausschwamm

Ein Verzicht auf chemische Maßnahmen ist vertretbar bei: