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2.7. Sporen vom Echten Hausschwamm

Die Sporen sind ellipsoid sowie an den Seiten bohnenförmig abgeflacht und haben eine ziegel- bis braunrote sowie im Alter eine sehr dunkle Farbe. Die Abmessung liegt bei 9 ... 12 µm x 4,5 … 8 µm, siehe Bild 12.

Sparen vom Echten Hausschwamm
Bild 12: Sporen vom Echten Hausschwamm im Mikroskop

Finden die Spore optimale Lebensbedingungen vor, so keimen diese aus und bilden junges Myzel. In der Literatur gibt es relativ wenige Angaben zu den Pilzsporen. Oft werden Sporen und das Myzel, besonders bei der Bekämpfung, in einem Zusammenhang dargestellt. Es gibt jedoch wesentliche Unterschiede, die bereits mit der jeweiligen biologischen Aufgabe verbunden sind. Sporen haben gegenüber dem Myzel die Aufgabe den Pilz über größere Entfernung zu verbreiten. Sporen müssen daher viel "härte" klimatische Bedingungen überstehen, so wie sie in der freien Natur vorliegen. Sporen sind gegenüber Wärmeeinwirkung und toxischen Chemikalien resistenter als vegetative Zellen.

Laboruntersuchungen zeigen, dass die allgegenwärtigen Sporen zum Auskeimen eine Holzfeuchtigkeit von 30 - 40 % benötigen. Hyphen zum (Weiter-)Wachsen aber nur eine Holzfeuchtigkeit von 17 - 20 %, so ist das Risiko eines erneuten Befalles deutlich höher." [T. Huckfeldt] Eine Holzfeuchtigkeit von 30 % und größer entspricht einer relativen Luftfeuchte von ca. 100 % und 17-20 % einer relativen Luftfeuchte zwischen 80-90 %. In einem normal genutzten Gebäude kommt diese Feuchtigkeit nicht vor, ausgenommen an einem schwülwarmen Sommertag.

Sporen werden durch die Fruchtkörper gebildet. Gibt es keine Fruchtkörper, so liegt keine "zusätzliche" Sporenbelastung vor. Sporen gibt es überall, allerdings in wesentlich geringerer Konzentration. Es muss also kein Fruchtkörper vorliegen, um einen Neubefall zu ermöglichen. Allerdings keimt nicht jede Spore aus. Je höher die Konzentration an Sporen ist, so größer ist auch die Wahrscheinlichkeit eines Wachstums, wenn optimale Lebensbedingungen vorliegen. Sporen verbreiten sich durch Luftbewegung und den Transport von Gegenständen, wo sie sich als Sporenstaub abgelegt haben, aus. Mikroorganismen und Schimmelpilzsporen haften sich auch an Staub. Inwieweit dies auch für die Sporen vom Hausschwamm zutrifft, kann nicht beantwortet werden. Es ist aber durchaus denkbar, dass eine hohe Staubbelastung eine Verbreitung begünstigt. In der freien Luft ist die Lebensdauer von Pilzsporen von der Temperatur, der Luftgeschwindigkeit und der Sonneneinstrahlung abhängig. Farblose Sporen werden rasch durch die UV-Strahlung abgetötet. Daher dominieren pigmentierte Sporen, wozu auch die Hausschwammsporen gehören.

In der Praxis kann man feststellen, wenn in einem Gebäude ein mittlerer Hausschwammbefall vorliegt, so findet man auch auf anderen Etagen lokale Schäden. Dazu müssen aber auch die entsprechenden optimalen Feuchtebedingungen vorliegen. Analog gilt dies auch für Wohngebiete. Ist ein Wohnhaus durch Hausschwamm befallen, so ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass bei Nachbargebäuden ein Hausschwammbefall vorliegen kann. Dazu müssen die entsprechenden Lebensbedingungen vorliegen.

Mit jeder Bekämpfungsmaßnahme ist grundsätzlich die Ursache zu beseitigen. Ist das feuchte Mauerwerk bzw. das Holz trocken, so kann auch keine Spore auskeimen. Fruchtkörper sollten besonders sorgsam ohne Zugluft entfernt und entsorgt werden. Die Sporenverteilung ist grundsätzlich zu vermeiden. Analog gilt dies auch für Bereiche, wo sich Sporen abgelagert haben. Gegenstände, z. B. Waschmaschine, Kühlschrank, Werkzeuge als Metall und Plast usw. sind gründlich zu säubern und brauchen nicht entsorgt werden, da sie von der Sache keine Nahrungsgrundlage bilden.

Zur Bekämpfung der Sporen liegt lediglich nur eine Aussage von Herrn Dr. Achim Unger 1996 [Unger, Quedlinburg] vor, wo die Sporen zur wirkungsvollen Bekämpfung an der Oberfläche durch eine Temperatur von 100°C über 4 Std. oder 80°C über 6 Std. ausgesetzt werden müssen. (Vergleiche hierzu den Pkt. 2.2.) Werden zum Vergleich biotechnische Anlagen sterilisiert, liegen die Temperaturen je Verfahren bei 125-140°C und bei wesentlich kürzerer Zeit. Ein gründliches Abflammen der Schadensbereiche mit der wesentlich heißeren Gasflamme dürfte einen großen Teil der Sporen abtöten. Zu beachten ist aber auch, dass durch die Gasflamme die angrenzende Luft in Bewegung gesetzt wird und so Myzelteile und Sporen im Raum verteilt werden können.

Die meisten Ständerpilze besitzen einen Generationswechsel. Aus den Pilzsporen entwickelt sich eine haploide Generation (Bild 13). Nach der Verschmelzung der Geschlechtszellen schließt sich eine zweikernige Generation an, die mit der Zellverschmelzung (P) weiter besteht. Erst in der Sporen bildenden Zelle findet die Kernverschmelzung (K) statt. Darauf folgt die die Reduktionsteilung (M = Meiose) und die Abgliederung der haploiden Basidiosporen. Die zweikernigen Hyphen bei den Ständerpilzen sind in der Ernährung selbstständig und können jahrelang weiter wachsen und neu Fruchtkörper ausbilden. [Schön] Es ist davon auszugehen, dass diese Bedingungen auch für den Echten Hausschwamm gelten.

Generationswechsel der Pilze
Bild 13: Beispiel für den Generationswechsel der Pilze

Für die Darstellung der Wachstumsbedingungen der Sporen soll ein Isoplethensystem (Bild 14) herangezogen werden. Dieses ist eine grafische Darstellung für das Auskeimen von Schimmelpilzsporen. Zwischen den einzelnen Pilzspezies ergeben sich signifikante Unterschiede. Auch wenn die Untersuchungen nicht die Sporen des Hausschwamms betreffen, soll dieses System hier vorgestellt werden, da wichtige Kriterien abgeleitet werden können.

Die wesentlichen Wachstumsvoraussetzungen sind die Temperatur, die relative Feuchte und das Substrat, welche über eine bestimmte Zeitperiode vorliegen muss. In dem Isoplethensystem wird die Sporenauskeimung von Schimmelpilze dargestellt. Hier werden jedoch die Einflüsse von Substraten (Baustoffe und Verschmutzung) und anderer Randbedingungen nicht berücksichtigt. Dieses Modell zeigt zum Verständnis, wie sich bestimmte klimatischen Bedingungen auf die Sporenauskeimung der holzzerstörenden Pilze auswirkt.

Isoplethensysteme für Sporenauskeimung
Bild 14: Isoplethensysteme für Sporenauskeimung der Schimmelpilze (Aspergillus restrictus (links) und Aspergillus versicolor (rechts). Nicht berücksichtigt sind die instationären Randbedingungen. [Smith, Hill]

Hier wird Folgendes deutlich. Auch bei einer hohen relativen Luftfeuchte von 90 bis 95 % muss nicht unbedingt sofort ein Auskeimen der Sporen erfolgen, wenn die Temperatur niedrig ist. Hingegen kann bei einer wesentlich höheren Oberflächentemperatur, z. B. 15 bis 18 °C, und bei niedrigerer relativer Luftfeuchte von 75 bis 80% am gleichen Wandbaustoff bereits nach wenigen Tagen eine Pilzbildung erfolgen. Für die Sporen der Ständerpilze gelten etwa analoge Bedingungen. In der Praxis wird dies z. B. auch bei Wasserleitungsschäden oder bei Folgen durch Löschwassereintrag deutlich. Obwohl die Holzbalkendecken verschlossen sind, kommt es zur Myzelbildung von Schimmel- und holzzerstörenden Pilzen, wenn diese Bereiche nicht frühzeitig ausreichend getrocknet werden. Wachstumsunterschiede von jungem Myzel an kühleren und wärmeren Bauteilen lassen sich gut erkennen, was auch bei den Jahreszeiten deutlich wird (siehe hier weiter unter Pkt. 2.2.). Können im Winter durchaus die Nässeschäden mehrere Wochen vorliegen (was nicht sein sollte) ohne sichtbaren Myzelbefall, so reichen im Sommer manchmal wenige Tage und das erste Myzel ist sichtbar. In der Praxis kann dies z. B. auf einem unsauberen (mit organischen Bestandteilen) Kellerfußboden auftreten, wenn sich Kondenswasser bildet.(Kondenswasser bildet sich, wenn wärmere Luft hinein gelüftet wird, aber die massiven Bauteile noch eine niedrigere Temperatur aufzeigen.) Das Myzel ist kreisrund, weiß, sehr dünn und reicht von ca. 1 cm bis Handflächengröße, in der Mitte ist ein kleines dunkles Pünktchen.

Pilzsporen verfügen wegen der in ihr vorhandenen Stoffe ein gewisses osmotisches Potenzial, mit dessen Hilfe Wasser aus der Umgebung aufgenommen werden kann. Ist eine bestimmte Wassermenge im Sporeninneren vorhanden, der den Beginn des Stoffwechsels zulässt, kann der Pilz unabhängig von äußeren Bedingungen sein Stoffwechsel selbst regulieren und mit dem Wachstum beginnen. Es kann auch eine zwischenzeitliche Trockenheit gut überstanden werden. Ergänzend soll hier noch genannt werden, dass man bei den Schimmelpilzen das o.g. System weiter entwickelt hat und so im verallgemeinertes Isoplethensystem die temperaturabhängig tiefste relative Feuchte für die Sporenauskeimung darstellt.(Weitere Ausführungen in Sedlbauer und Krus.)

2.8. Substrat- und Umwelteinflüsse

Die Rolle der Feuchtigkeit und Temperatur bezogen auf die Wachstumsbedingung wurde in den oben genannten Abschnitten dargelegt. Zusätzlich wirken in der Praxis noch andere Einflussfaktoren.

Wie bereits genannt spielt bei der Enzymaktivität der pH-Wert eine wichtige Rolle. Baustoffe, wie Ziegel oder Sand werden durch die Pilze bevorzugt. Die haben einen pH-Wert von 5-6. Hingegen wirken alkalische Baustoffe wie Kalk, Kalkstein, Zement, Beton und Holzwolleleichtbauplatten eher hemmend. [Weißenfels] An mindestens 3 Schadensfällen kann dies bestätigt werden.In einer ca. 60-70 Jahre alten Villa waren die Betonhohldiele vollständig durchwachsen. Die alkalische Wirkung als Wachstumsbremse ist sicherlich hier stark herabgesetzt. Im Normalzustand des Betons durch Ca(OH)2 -Lösung beträgt der pH-Wert 12,6. Bei porösem Beton, wo Ca(OH)2 durch C02 karbonatisiert ist, liegt der pH-Wert bei 8-10. Ebenso verringert sich der pH-Wert von Beton und Zementputze, da diese über viele Jahre das CO2 ausgasen. Kalkmörtel bzw. Kalkputze verliert ebenso seine Bindekraft. Im WTA-Merkblatt wird darauf verwiesen, dass alkalische Materialien wie oben genannt durch den Echten Hausschwamm benötigt werden, um die von ihm produzierte Oxalsäure zu neutralisieren. [WTA-Merkblatt S. 4]. Diese dürfte vom Oxalacetat ein Produkt bzw. Zwischenprodukt im Citratzyklus der Aufspaltung der Kohlenstoffmolekülketten sein. Frischer Beton oder Kalkputz stoppen aufgrund ihres hohen pH-Wertes das Wachstum. Allerdings hängt dies von der Größe des Pilzes und der baulichen Umgebung ab. Verbleiben zum Beispiel die befallenen Holzteile, so wird sicherlich auch der frische Kalk- bzw. Betonmörtel im Verlauf der nächsten Zeit be- bzw. durchwachsen. Einzelne Myzelteile haben ohne geeignete Nahrungssubstanz keine Wachstumsmöglichkeiten. Die Neutralisierung der Oxalsäure erfolgt bei älterem Mörtel.

Der Weiße Porenschwamm (Antrodia vaillantii) neutralisiert zum Beispiel chemisch geschütztes Holz, in den Kupferverbindungen vorliegen. Durch die erhöhte Oxalsäureproduktion entsteht Kupferoxalat, welche ausfällt. Andere Bestandteile wie Chrom- und Arsenverbindungen verlieren ihre Fixierung und werden wasserlöslich. [Holzschutz-Tagung 2000] In einem Wohngebäude wurden zum Beispiel vor Jahren durch einen Mieter in seiner Wohnung Sanierungsarbeiten durchgeführt. Die ältere relativ kleinere Befallsherde (ca. 1 - 2 m2) wurden dabei mit einem Kalkputz überputzt. Es kam zum Wachstumsstillstand. Der Mörtel der Mauerfugen zeigte Myzel und der neue Putz nichts. Analog kann man dies beobachten, wenn im Mauerwerk Mauersteine aus verschiedenen Materialien verarbeitet wurden. Hier liegt ein sehr kleiner Grenzbereich im Verlauf zum anderen Baumaterial vor. In der Praxis kann dies eine nachträglich gemauerte Ziegelwand sein. Kalksandsteine werden ebenso vom Myzel überzogen, wie Ziegel. Jedoch ist der Ziegelstein poröser und in diese Fugen wächst das Myzel. Bei leichtem Befall von Mauerwerk aus Lehmsteinen wächst das Myzel zu erst in den Fugenmörtel aus Lehm. Liegt ein starker Befall vor, so findet man das Myzel auch im Lehmstein selbst. Bei Stampflehmwänden wird vor allem das Stroh abgebaut. Hier kann sich der Befallsbereich auch bis in das vollständig trockene Lehmmauerwerk ausbreiten. Lehmwände mit Strohanteil sind daher äußerst schwierig zu sanieren. Holz zerstörende Pilze befallen nicht jeden Baustoff mit gleicher Intensität. Dies ist bei der Planung der Bekämpfungsmaßnahmen zu beachten.

In einem anderen Objekt lag mehrere Jahre zurück ein geringer Wasserschaden vor. Es erfolgte langsam aber kontinuierlich eine Schädigung durch den Echten Hausschwamm. Das geringe frische Myzel unter der Dielung wuchs bei einer Holzfeuchtigkeit von unter 12 %. Die frühere Feuchtigkeitsquelle, eine Wasserleitung, war seit vielen Jahren abgestellt. Analoges Beispiel ist ein Treppenpodest, wo das recht kräftige Myzel von der Mitte in Richtung der Außenwände und AWC’s wuchs. Die Ursache war offensichtlich das Wischwasser von der regelmäßigen Treppenreinigung, die aber mindestens vor einem halben bis anderthalb Jahre eingestellt wurde. Festgestellt wurde dies bei Treppenhausarbeiten beim Spachteln der Decke, da der Putzträger aus Stroh den Putz nicht mehr hielt. Die Holzfeuchtigkeit der Dielung lag im Bereich um 12 %. Bei der Mehrheit ähnliche ältere Schadensbereiche hörte das Wachstum irgendwann von allein auf.

Die Laboruntersuchungen zu Abbauleistungen verschiedener Stämme lagen zwischen 4 bis 35 % Trockenverlust nach 16 Wochen Inkubationszeit, bei 20-21°C und 20-40 % Holzfeuchte. Die verschiedenen Hölzer zeigen ein sehr uneinheitliches Abbaumuster [Abou Heilah 1977]. Durch [Walchli 1973] werden Trockenholzgewichtsverluste nach 18 Wochen und 21 °C bei Lärchen- und Kiefernsplintholz von 60 % und an Kiefernkernholz 31,5 % sowie an Eichenkernholz 1,8 % angegeben. Die erhöhte Eigenresistenz zu Kiefernkernholz konnte bei einem stark geschädigten Objekt festgestellt werden. Der Splintanteil der gut 170 Jahre alten Deckenbalken aus Kiefer war vollkommen zerstört und der Kernholzanteil fast unbeschädigt. Beim Abschnitt der Deckenbalken roch das Holz richtig nach Harz.

Nicht nur im Labor, sondern in den praktischen Schadensfällen dürften verschiedene Stämme bei unterschiedlichen Wachstumsbedingungen die zum Teil andersartigen Schäden verursachen. Eine genaue Quelle und Begründung kann nicht gegeben werden, warum genau 1,00 m über den sichtbaren Schadensbereich hinaus der Holzbalken abzuschneiden und 1,50 m der Putz als Sicherheitszone zu entfernen ist.

Myzel vom Echten Hausschwamm an ein Stück Kohle
Bild 15: Selbst Kohlen werden vom Echten Hausschwamm befallen.

Frühere Untersuchungen in Eberswalde ergaben, dass ein Wachstum bis 40 cm über den sichtbaren Bereich eines Holzbalkens möglich ist. Damit kann die untere Grenze der Ausnahmeregelung in der DIN 68800 und im Beuth-Kommentar zur DIN als eine plausible Größe angesehen werden.

Bei einer sinnvollen Sanierung eines Schadens sind mehrere zum Teil recht unterschiedliche Faktoren zu beachten.


Der Echte Hausschwamm - Serpula lacrimans [Wulf.ex Fr.] - Dipl.-Ing.oec., Ing. Peter Rauch PhD

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