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Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen

- Script für den Vortrag -

An der Sächsischen Bildungsakademie Bauwesen GmbH
- 14.09.2001 -

Dipl.-Ing.oec., Ing. Peter Rauch,
Leipziger Institut für Bildung und Forschung e.V.

  Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 1
2. Wo treten biologische Schädigungen auf?  
3. Technischer und merkantiler Minderwert 2
3.1. Allgemein 
3.2. Technischer Minderwert 
3.3. Merkantiler Minderwert 
4. Wertminderung durch biologische Schäden 4
5. Biologische Schäden an Gebäuden durch Holz zerstörende Insekten und Pilze 6
5.1. Der Baustoff Holz 8
5.2. Holz zerstörende Insekten und Pilze 
5.3. Zusammenfassung zur Biologie der Holz zerstörenden Pilze und Insekten11
5.4. Holzschutzmaßnahmen 
5.5. Schadenschwerpunkte 12
6. Schimmelpilzbildung 14
6.1. Allgemein  
6.2. Charakteristik und Lebensbedingungen der Schimmelpilze 15
6.3.Ursachen der Entstehung der Schimmelpilze in den Wohnungen 16
6.4. Schimmelpilze in Innenräume 17
6.5. Pilze als Erreger von Krankheiten bei Menschen und Tiere18
6.6. Schimmelpilze als Materialzerstörer21
6.7. Bekämpfung23
6.8. Wichtige Ursachen 24
6.9. Checkliste zur Vermeidung von Schimmelpilzentstehung 25
7. Verhaltensweise des Betons unter Einwirkung von Mikroorganismen 25
7.1. Allgemeines zur mikrobiologischen Korrosion
7.2. Die Korrosion von mineralischen Werkstoffen durch Mikroorganismen 26
7.3. Die Korrosion von Eisen durch Mikroorganismen27
7.4. Die Korrosion von polymeren Werkstoffen durch Mikroorganismen28
7.5. Die Bedeutung des pH-Wertes für die Beständigkeit des Stahlbetons 
7.6. Schlussbetrachtung 29
8. Bauphysikalische Gesichtspunkte, die für die biologische Schädigung mit verantwortlich sind. 30
8.1. Luftfeuchtigkeit 
8.2. Lüftungsaustausch36
8.3. Wärmebrücken39
9. Andere Schädlinge46

Literaturverzeichnis
Anlage 1: Ökonomische Werte
Anlage 2: Steuer- und Mietertipps
Anlage 3: Beispiele für biologische Schäden an Gebäuden

Technische Wertminderung durch biologische Schäden in Gebäuden und an Bauteilen

Künftig sind nicht nur herkömmliche Bauschäden/Nutzungseinschränkungen bei der Gebäudebewertung zu berücksichtigen, sondern zunehmend auch solche, die von Insekten, Pilzen, Algen, Bakterien und deren Bekämpfungsmittel verursacht werden.

1. Einleitung

Bei der Bewertung einer Immobilie spielen neben dem Standort und dem wirtschaftlich-strukturellen Umfeld selbstverständlich auch die Bauausführung (Qualität) und der Bauzustand eine entscheidende Rolle. Der physischen Existenz einer baulichen Anlage sind bei ordnungsgemäßer Ausführung und der entsprechenden Instandhaltung kaum Grenzen gesetzt. (Kleiber, Simon, Weyers) Durch eine unzweckmäßige Konstruktion und Baustoffauswahl treten Probleme auf, die im ersten Augenblick kaum oder nicht erkennbar sind. Dazu zählen unter anderem Belastungen im Gebäude die unter den Phänomenen Multiple Chemical Senitivity (MCS), Sick-Building-Syndrom (SBS), Chronic-Fatigue-Syndrom (C. Wolf) und Building-related-Disease bekannt sind sowie die Schädigung des Gebäudes durch Insekten und Pilze. Dies kann zur erheblichen Einschränkung der Gebäudenutzung führen, ohne dass dies gleich erkennbar ist.
Biologische Prozesse sind ein Bestandteil der natürlichen Stoffkreisläufe, die auch vor den Wohngebäuden und deren Ausstattung nicht haltmachen. Eine wichtige Aufgabe ist es daher diesen Abschnitt des Stoffkreislaufes so zu beeinflussen, dass die Gebäudeteile möglichst lange einer für den Menschen wirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen.

2. Wo treten biologische Schädigungen auf?

Es treten überall dort Schäden auf, wo günstige Bedingungen vorliegen. Neben der spezifischen Nahrungsquelle ist in fast allen Fällen höhere Feuchtigkeit erforderlich. Dazu kommt ein bestimmter Temperatur- und pH-Bereich sowie weiter Faktoren, die günstig auf das Wachstum wirken. Konstruktive Fehler, falsche Materialauswahl, neue zum Teil auch organische Baustoffe, fehlende Langzeiterfahrungen neuer Baumethoden und des Nutzungsverhaltens sind die wesentlichen Ursachen für biologische Schädigungen. Gegenüber den anderen Bauschäden sind diese oft jahreszeitlich bedingt oder erst nach langer Zeit erkennbar. An wenigen Beispielen soll die Breite der gefährdeten Bauteile genannt werden.
So werden Dispersionsfarben durch Cladosporium resinae angegriffen, biogene Erosionsprozesse durch Aspergillus niger, azidophile Thiobaccillus-Arten vermögen durch ihre starke Säurebildung Betonteile, Metalle und andere säureempfindliche Materialien zu zerstören, Gummi wird durch die Gattungen Pseudomonas, Micrococcus, Bacillus, Nocardia und Micromonspora abgebaut, ebenso werden Kunststoffe durch Masse- sowie Festigkeitsverluste oder Versprödung verändert. Hier werden Weichmacher, Füllstoffe, Stabilisatoren und/oder Emulatoren biologisch abgebaut bzw. verändert. Selbst Bitumina werden durch Mikroorganismen angegriffen. Hinzu kommen zahlreiche Schimmelpilze und andere Mikroorganismen sowie Insekten, die im Zusammenhang mit dem Aufenthalt der Menschen und der Haustiere ihren Lebensraum in den Gebäuden finden. Eine der bewusst wahrgenommen Gebäudeschädlinge sind die Holz zerstörenden Pilze und Insekten sowie der Schimmelpilz von Alternaria- und Cladosporium-Arten auf feuchter Tapete.

3. Technischer und merkantiler Minderwert

3.1. Allgemein

Der Minderwert kann sich sowohl bei sanierten oder auch bereits bei neuen Gebäuden ergeben bzw. er resultiert aus der Umgebung oder auch aus dem Baugrund.

Der Wert der baulichen Anlagen ergibt sich nach folgendem Schema:

Herstellungswert der baulichen Anlage                    § 22
- Wertminderung wegen Alter                              § 23
- Wertminderung wegen Baumngeln und Bauschden          § 24
- Bercksichtigung sonstiger wertbeeinflussende Umstnde § 25
= Wert der baulichen Anlage                              § 21(1)   

1. Die Wertminderung wegen Alter kann mathematisch-statistisch festgestellt werden.
Gebäude verlieren mit zunehmendem Alter gegenüber Neubauten an Wert. Die WertV`88 lässt hier ausdrücklich offen, welche Tabellen anzusetzen sind. Priorität soll das Marktverhalten haben. Diese Wertminderung istt nicht in ersterer Linie vom Alter abhängig, sondern von der Restnutzungszeit.

2. Bei der Bewertung der Wertminderung wegen Baumängel und Bauschäden gibt es recht unterschiedliche Auffassungen. In der WertV 88 § 24 heißt es u. a.:
"Die Wertminderung soll sich nach Erfahrungssätzen des Marktes richten oder auf der Grundlage der für die Beseitigung des Mangels oder des Schadens erforderlichen Kosten ermittelt werden. Das bedeutet, dass die Wertminderung nicht den für die Beseitigung des Mangels oder des Schadens aufzuwendenden Kosten entsprechen muss. Vielmehr soll diese nur einen Anhalt zur Bemessung der Wertminderung geben." [Kleiber/Simon/Weyer]
Brachmann vertritt:
"Der Wert eines Gebäudes wird gemindert, wenn Baumängel, die durch unsachgemäße Ausführung oder Bauschäden, die durch ungenügende Instandhaltung aufgetreten sind, festgestellt werden. Bei Gutachten sind stets die Kosten für die Beseitigung dieser Schäden abzusetzen, da sie keine normale Wertminderung durch Alter und Abnutzung darstellen." [Brachmann]

Baumängel
entstehen bei der Herstellung des Gebäudes durch Planungsfehler oder durch unzweckmäßige oder unsachgemäß verarbeitete Baustoffe. Als Folge können zum Beispiel Schimmelpilzbildung, entstehen (Wärmebrücken, zu geringe sorptionsoffene Flächen, unzweckmäßige Lüftung usw.) Holzkonstruktionen einer höheren Feuchtebelastung ausgesetzt werden und so durch Holz zerstörende Insekten oder Pilze geschädigt bzw. zerstört werden. Hier ist der Ansatz des Wertanteils des eingebauten Bauteils oder eines Ersatzstoffes als Wertminderung nicht getan.

Bauschäden
entstehen nach der Fertigstellung des Gebäudes durch äußere Einwirkungen, wie Feuer, gewaltsame Zerstörung, durch unterlassene oder mangelhafte Instandhaltung. Die Kosten für alle Arbeiten, die zur Beseitigung eines Bauschadens erforderlich sind, sind vollständig zu ermitteln und in voller Höhe zu berücksichtigen. Es ist ein reparaturfreier Zustand zu erreichen.

3. Die Berücksichtigung sonstiger wertbeeinflussender Umstände (§ 25) beinhalten eine wirtschaftliche Überalterung, ein überdurchschnittlicher Erhaltungszustand und ein erhebliches Abweichen der tatsächlichen Nutzung. In der WertV1972 im Anstrich 3 wurde ein Zurückbleiben hinter den allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse. Hier könnte man den merkantilen Minderwert mit gewissen Abstrichen zuordnen.

Auf die gesamte Problematik der Altlasten und deren Sanierung soll hier nicht eingegangen werden. Gerade in diesem Bereich können die Sanierungskosten ganz schnell über den eigentlichen Verkehrswert liegen und für den Eigentümer unter Berücksichtigung eines Vermögens unter Umständen zu einer unzumutbaren Belastung führen.

3.2. Technischer Minderwert

Altlasten sind nicht nur Stoffe, die sich ungünstig auf die Umwelt und Gesundheit auswirken und sich vorwiegend in Böden befinden oder als Form von Spritzasbest verbaut worden. Hierunter fallen auch Baustoffe, die zum Teil auch heute noch verbaut werden und zu einem späteren Zeitpunkt einen hohen Entsorgungsaufwand bedürfen. Zum Teil werden diese bereits heute dem Sondermüll zugeordnet. Dazu zählen neben den erwähnten asbestgebundenen Baustoffen eigentlich alle Baustoffe, die nicht im natürlichen Stoffkreislauf in ihre ursprünglichen Substanzen zerlegt werden.
Besonders sind die biologischen Baustoffe zu nennen, die durch Konservierungsstoffe, wie zum Beispiel mit Bor getränkte Zellulosedämmung oder Dämmmaterialien aus Wolle die mit Pestiziden vor Insekten geschützt werden. Das Gleiche gilt für verbaute Holzkonstruktionen aus Hölzern mit geringer Eigenresistenz, wie Fichte und Buche, die mit Holzschutzmittel geschützt werden. Hier steht ein Vergleich zu einem Gebäude, welches nicht kontaminiert ist. Besonders bei geringer Restnutzungsdauer dürfte dieser Fakt eine größere Rolle spielen und als wertbeeinflussende Größe eine Berücksichtigung finden.
Das weitere Problem ist die richtige Zuordnung. Bis vor wenigen Jahren waren entsprechend dem technischen Kenntnisstand Asbestwerkstoffe und Holzschutzmittel mit den Wirkstoffen PCP als wenig problematisch eingeordnet. Viele der heute verbauten Baustoffe können in der Zukunft eine ähnliche neue Zuordnung erhalten.

3.3. Merkantiler Minderwert

Allein die Tatsache, dass auf einem Grundstück oder bei einem Gebäude eine Sanierung stattgefunden hat oder ein neuer Baustoff eingesetzt wurden, deren Langzeitverhalten nicht bekannt ist, kann sich gerade dem ständig verschärften Umweltbewusstsein im Hinblick auf die Nutzung eines Grundstücks auf den Grundstücksmarkt auswirken.
Diese Minderung des Verkaufswertes resultiert rein aus dem Verdachtsmoment heraus. Die Sanierung kann dabei vollständig ordnungsgemäß erfolgt sein.
Vergleichsweise könnte hier die Tatsache beim Kauf von Gebrauchtfahrzeugen, die einen Unfall hatten, herangezogen werden. Diese Fahrzeuge unterliegen einer zusätzlichen Minderung oder auch physiologische Minderung.
In der Praxis unterliegen gerade Schäden, die durch den Echten Hausschwamm verursacht wurden, diesen Auswirkungen. Ohne deren besondere Problematik bei der Sanierung herabzuspielen, es ist ein Holz zerstörender Pilz wie alle anderen auch. Bei den vielen Gutachten hatte ich bisher gerade ein älteres Gebäude gefunden, wo kein Hausschwamm zu finden war. Nur bei ganz wenigen Schadensfällen hatte der Schaden eine Größe angenommen, wo auch künftig Probleme auftreten könnten. Bei einigen völligen Zerstörungen der Deckenbalken war der Hausschwamm überhaupt nicht bzw. nur untergeordnet beteiligt.
Und so kann dies mit Schimmelpilzen und Holzschutzmittel und anderen Bekämpfungs- oder Konservierungsmitteln fortgesetzt werden.

Die Minderung des Verkehrswertes wird nicht nach technischen Gesichtspunkten berechnet. Zum Teil sind die den Minderwert verursachten Umstände bereits beseitigt. Diese können nur durch Schätzungen beurteilt werden. In diesem Zusammenhang stehen nicht an erster Stelle die Kosten der Sanierung und finanzmathematische Verfahren, sondern die Einschätzung des Marktes unter Berücksichtigung eines bewertungsrechtlich bedeutsamen technisch-naturwissenschaftlichen Sachverhaltes.

Speziell bei der Beurteilung eines biologischen Schadens ist die richtige Ursachenerkennung wichtig. Das ist das eigentliche Problem, wo auch einige Bausachverständige bei ihrer fachlichen Beurteilung in ihrem Gutachten völlig daneben liegen können.
So wurde in einem Gutachten die Ursache der Schimmelpilzbildung auf unzureichendes Lüften geschoben. Fast alle Wand- und Deckenflächen waren mit Kunststoffplatten (Styropor) beklebt. In den Fugen zu der Putzoberfläche konnte sich Schimmelpilz ablagern. In einem andere, Fall wurde in dem Gutachten die Wandoberflächentemperatur zum Treppenhaus mit 12 bis 13ºC bei einer Raumtemperatur von 20ºC und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 45% festgestellt. Nach seiner Auffassung wurde nach der DIN 4108 der (U)k-Wert der Innenwand eingehalten. Die Ursache müsste am falschen Lüften liegen und auch an einer Innenwand sollten die Schränke 7 cm von der Wand weg stehen.
Bei den beiden Fällen lagen konstruktiv bedingte Fehler nach der Sanierung vor, die mit relativ geringen Mitteln behoben werden können.
Anders sieht es bei Schäden aus, die sich erst nach einem sehr langen Zeitraum auf die Gesundheit auswirken, wie zum Beispiel Formaldehyd und Biozide.

4. Wertminderung durch biologische Schäden

Biologische Schäden lassen sich in der Regel erkennen. Allerdings ist die Abschätzung über den Schadensumfang und die -art zum Teil sehr kompliziert. Es gibt kaum ein Schadensfall, der sich mit einem anderen vollständig deckt. Jede Bestimmung eines Insekten- oder Pilzbefall bedarf einer genauen Untersuchung des jeweiligen Standortes. Es ergeben sich so auch Unterschiede in der Sanierungsform und damit auch andere Kosten, die in vielen Fällen erst nach Freilegung des Schadensbereiches genau bestimmbar sind. Eine schematische oder statistische Aufschlüsselung von Schäden an Holzkonstruktionen ist unzweckmäßig, da nur mit einer richtigen Beurteilung ein annähernd objektives Bild entsteht. So beurteilen Ausführungsfirmen und Sachverständige (Holzschutz) den Schaden ganz anders als der Betroffene selbst.

Ganz wichtig ist bei der Grundstücksbewertung auch die frühere Nutzung der Gebäude oder -teile zu erfassen (siehe Gebäudegelegenheitsschädlinge). Bei der Verkehrswertermittlung könnte die "Wertermittlung unter Berücksichtigung von Baumängeln und Bauschäden" ergänzt durch "Wertminderung und Instandsetzungsrückstellung" von Vogels dienen. Für die Kostenbestimmung (Wert V88 24) ist neben der Berücksichtigung der Schadens- auch die Ursachenbehebung aufzunehmen. Weiterhin sollte beachtet werden, dass ein aktiver Holz zerstörender Pilz ständig wächst. Der Kellerschwamm hat einen Zuwachs von > 8 cm/Tag!

Vergessen wird bei Sanierungsarbeiten im Altbaubereich, dass die Deckenbalken tragende Bauteile sind, wo auch ohne eine sichtbare Schädigung bereits eine Abminderung ihrer Tragfähigkeit zu berücksichtigen ist. Dies wird recht gut von Herrn Mönck dargestellt. Dies ist gerade bei einer Umnutzung zu beachten, wie z. B. beim Dachausbau.

Gerade bei der heutigen Sanierung und auch beim Neubau werden sehr viele konstruktive Fehler eingebaut, die optisch nicht sichtbar aber umso wirkungsvoller sind. Neben der Schaffung von Wärmebrücken wird zum Beispiel die Lüftung der Dielung verschlossen, indem man die Fußbodenleisten entfernt und dicht schließenden Fußbodenbelag/ -platten aufbringt oder wie in Lahr die Dielen einer Erdgeschosswohnung eingemauert wurden. Die Folgen sind Holz zerstörende Insekten und Pilze, da die Feuchtigkeit nicht entweichen kann. In den Satteldächern werden die Sparren, Pfetten, Stiele und Kopfbänder ständig mit Luft umspült und sind so auch kontrollierbar. Durch andere wirtschaftliche Nutzung werden diese Räume ausgebaut.

Die in der V DIN 4108 Teil 7 vorgesehenen Lösungen zur Herstellung der Fugendichtheit ist theoretisch lösbar aber in der Praxis sehr abweichend. Flankenübertragung, ungünstige Baustoffauswahl und oft wegen der ökonomischen Zwänge weniger gut qualifiziertes Ausführungspersonal schaffen die besten Biotope zwischen den Dachsparren. Bei dem gerade einmal einjährigen Einfamilienhaus in Holzhausen, das begutachtet wurde, hätte ein Badeschwamm kaum noch mehr Wasser aufnehmen können, wie die Mineralwolle die als Dämmung vorgesehen war. Davon abgesehen, dass bereits 1 % Feuchtigkeitsaufnahme die Dämmwirkung der Mineralwolle auf ca. 50 % reduziert. Bemängelt wurden eigentlich nur der hohe Heizenergiebedarf und der Schimmel auf der Dielung im Spitzboden. Zur Lösung des Problems müsste die ausgebaute Dachgeschosswohnung zurück gebaute werden. Demgegenüber steht die mögliche vollständige Zerstörung des Dachstuhls durch Holz zerstörende Insekten und Pilze trotz "gegrünter" Sparren.

Ein ähnliches Problem ist die mangelnde Winddichtheit, die z. B. an Blockhäuser oder Fertigteilhäuser auftreten kann. Optisch ist nur eine kleine Durchfeuchtung erkennbar, aber im Inneren kann bereits ein Holz zerstörender Pilzbefall vorliegen.

In einem anderen Fall bat mich ein Kaufinteressent, eine zu ersteigernde Villa anzusehen. Im Verkehrswertgutachten wurde zwar ein Insektenbefall genannt. Aber der Hausbock hatte 1/4 aller Sparren incl. Fußschwelle und Stiele im sichtbaren Bereich stark geschädigt. Der größte Teil des Daches ist verkleidet. Ein Austausch ist erforderlich. Ein geschätzter Sanierungsaufwand von ca. 20 TDM. Der Hausschwamm im Keller über mehrere Quadratmeter wurde auch nicht benannt. Das Myzel im Mauerwerk und auf den Holzregalen wurde nicht erkannt. Hier wird das Problem deutlich, dass man nur mit hoher Fachkompetenz eine Beurteilung fällen kann.

Die Verkehrswertermittlung ist eine Schätzung und für einen Außenstehenden nicht im Detail nachvollziehbar. Mängel lassen sich dagegen erfassen, und wenn es um viel Geld geht, will man auch eine Aussage. Berücksichtigt man dies jedoch nicht, so zieht diese Unterlassung jedoch Rechtsfolgen nach sich und kann als vorsätzlich gewertet werden, vgl. BGB 826. "Wer in einer die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderen vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem anderen zum Ersatz des Schadens verpflichtet." Längst wurde auf dem Rechtsweg ein Sachverständiger für Grundstückswertermittlung zu 90 TDM Schadensersatz verurteilt, da in seinem Gutachten das Vorhandensein von Hausbockschäden fehlte und auch sonst diese Tatsache verschwiegen wurde, ob wohl diese bekannt waren. In einem analogen Prozess geht es um nicht beachtete gesundheitsschädigende HSM-Alteinträge mit weit höherem Wertumfang.

Ist das Gebäude trocken, sauber und sind keine Durchfeuchtungen erkennbar, so kann man in der Regel davon ausgehen, dass keine bzw. nur geringe Schäden vorhanden sind. Diese werden ausreichend in der altersbedingten Wertminderung (Wert V88 23) berücksichtigt. Ist man sich hier nicht sicher, so sollte dies im Verkehrswertgutachten aufgeführt werden. Dem Auftraggeber obliegt es dann selbst einen entsprechenden Holzschutzfachmann hinzu zuziehen. [Anmerkung: Dieser sollte aber selbst die Sanierung nicht ausführen.]

Ein wesentlich komplizierteres Problem ist die Überempfindlichkeit gegenüber Umweltschadstoffen. Eingebrachte Holzschutzmittel lassen sich sicherlich noch durch Kennzeichnung oder durch Einsichtnahme in Bauakten ermitteln. (Selbstverständlich geht auch ein Nachweis.) Es gehören aber auch Schädlingsbekämpfungsmittel, verpilze Luftbefeuchter, Sporen, Blumen, Katzenhaare, Hausstaubmilben, Legionellen usw. dazu. Nicht der Messwert, sondern die individuelle Interpretation ist entscheidend. So kann ein Betroffener auf winzige Spuren völlig anders reagieren als die Mehrzahl der Bevölkerung. Genau der Eine kann in dieser Immobilie nicht bewohnen. Für ihn ist diese "wertlos". Diese Probleme dürften immer mehr auftreten.

In einem Fall haben 4 Gutachter vor mir mit unterschiedlichen Ergebnissen die Raumluft überprüft und leider keine sinnvolle Lösung aufgezeigt. Der Eigentümer hat alle Fußöden erneuert, die Wände und Decken mit Holz vertäfelt. Eigentlich eine Wertsteigerung aber man kann darin nicht mehr wohnen (Augenreizung, Hautausschlag, Atembeschwerden usw.). Für die Eigentümer ist die Nutzung stark eingeschränkt und damit "wertloser". Es wurden 12 mögliche Ursachen gefunden, wobei sich einige gar nicht abstellen lassen. Es spielen auch noch andere Kriterien eine Rolle. (Ergänzung Alltaggift)

So lässt sich der ostdeutsche Mieter aus der Sicht des gesunden Wohnens noch relativ viel gefallen, wie zum Beispiel Schimmelpilzbildung. Dagegen sind die Mieter in den Altländern wesentlich Gesundheitsorientierter. Dies hängt aber auch von der größeren Kaufkraft ab, wo dann auch in die Gesundheit mehr investiert wird.

Die sogenannten Ökohäuser sollte man auch nicht überbewerten. Organische Baustoffe, wie Baumwolle, Papier, Schafwolle und anderes müssen durch Insektizide/Fungizide vor Insekten- und Pilzbefall und teilweise auch mit Flammenschutzmittel geschützt werden. (Hier als Ergänzung weniger Chemie..) Erfolgt dies nicht, erlebt man wie in München in einer naturgedämmten Fassade eine regelrechte Mottenplage.

Ein Gebäude in Toplage verliert seinen Wohnwert und oder seine Wirtschaftlichkeit, wenn die Nutzer zusätzlich erkranken oder sich nicht wohlfühlen. Bereits 1% höheren Krankenstand oder allein eine geminderte Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter bedeutet für das Unternehmen einen wirtschaftlichen Verlust. Ein Nachweis ist nur bedingt möglich.

Für die Bewertung dieser Kriterien ist ein Verkehrswertgutachter in der Regel vollständig überfordert. Man kann dies unter sonstige wertbeeinflussende Umstände (Wert V88 § 25) berücksichtigen. Diese Wertgröße lässt jedoch nur eine subjektive Beurteilung zu. Viele der oben genannten Probleme sind bekannt, können zurzeit aber jedoch noch nicht reproduziert werden. Hier fehlen noch hinreichende wissenschaftliche Erkenntnisse.

Sicherlich könnte man in naher Zukunft ein Bewertungsschema als Hilfsgrundlage entwickeln und eingebrachte Schadstoffe als Mangel behandeln. Als Anhaltspunkt könnte man sich vorerst wie beim Vorhandensein von Schimmelpilz orientieren.
Durch das Landesgericht Hannover WM 82, 183 wurde eine 10 %-ige Mietminderung entschieden. Bei Schimmelpilzbildung und muffigem Geruch in Bad, Küche und Schlafzimmer, auch wenn die Schäden durch das Verhalten des Mieters mit beeinflusst worden sind.
Silberfische (20-25) in der Wohnung bedeuten eine Mietminderung von 20 %, AG Lahnstein WM 88, 55. [Anmerkung: Schimmelpilz stellt sicherlich ein größeres gesundheitliches Problem dar.]
Überhöhte Formaldehydkonzentration in 2 wichtigen Zimmern (Schlaf- und Kinderzimmer) bewirken 56% Mietminderung und das Recht zur fristlosen Kündigung, AG KÖLN WM 87, 120.
Der Mieter kann fristlos kündigen ( 544 BGB), wenn die Wohnung wegen des Fehlers oder Mangels sich in einem Zustand befindet, der die Gesundheit des Mieters gefährdet. Es reicht, wenn die Gesundheit bedroht ist, ein Schaden, zum Beispiel Krankheit, möglich und naheliegend ist. Diese mögliche Mietminderung kann bei der Ermittlung des Ertragswertes entsprechend berücksichtigt werden.

5. Biologische Schäden an Gebäuden durch Holz zerstörende Insekten und Pilze

5.1. Der Baustoff Holz
5.1.1. Allgemeines

Holz ist ein natürlicher Baustoff, der seit dem Bestehen der Menschheit für die Nutzung erschlossen wurde. Es zeichnet sich durch gute Eigenschaften, wie leichte Bearbeitung, hohe Belastung, angenehmes Aussehen und gute raumklimatische Eigenschaften aus. Es findet daher auch heute in vielen Anwendungsbereichen eine breite Anwendung.

5.1.2.Chemische Zusammensetzung und Bestandteile

Das einheimische Nadel- und Laubholz setzt sich wie folgt zusammen:
a) Holzzellulose ( Gehalt 40-45%)
Diese baut sich hauptsächlich aus Glucose, Mannose- und Xylose-Bausteine auf. (Glucose: Traubenzucker; Mannose kommt als Baustein in der Steinnuß und in Johannesbrotbaumsamen vor; Xylose: Kleie- und Strohkomponente)
b) Hemizellulose (Gehalt 25-35%)
Besteht aus langen löslichen Polysachariden (Holzgummi)
c) Lignin (Gehalt Nadelholz 27-30%, Laubholz 18-30%)
Ist verantwortlich, dass das Zellulosegerüst Druckfestigkeit und Starrheit erhält. Bewirkt die Verholzung des pflanzlichen Gewebes.
d) Kambium
ist das lebende Gewebe, dessen Zellen sich in der Vegetationsperiode immer wieder teilen.

5.1.3. Einordnung der Hölzer

Hier sollen nur kurz wichtige Unterschiede bezogen auf den Holzschutz hervorgehoben werden. Die verschiedenen Holzsorten bestehen aus Splintholz und Kernholz dazu kommt noch eine Einteilung in Reifholz.
Splintholz ist im äußeren Bereich des Stamms. Die Zellen beinhalten Stärke, Einweiße und andere Spurenelemente. Im Kernbereich sind diese wichtigen Nahrungsgrundlagen für Holz zerstörende Pilze und Insekten geringer. Mit zunehmendem Alter des verbauten Holzes nimmt der Anteil der Nahrungsgrundlage ab. Ebenso kann durch das Wässern (Flößen und Wasserlagerung) diese Anteile verringert werden.
Von den Nadelhölzern sind Kiefer, Lärche und Douglasie und von den Laubhölzern Eiche, Robinie Kernhölzer. Zu den Reifhölzern gehören Fichte, Tanne und Rotbuche. Kernhölzer weißen in der Regel eine bessere Resistenz gegen Holz zerstörende Pilze und Insekten auf.

5.1.4. Verwendung von Holz im Bauwesen und in der Industrie

5.1.5. Gefährdung des Holzes

Die Gefährdung des Holzes erfolgt in Abhängigkeit von dem jeweiligen Einsatzbereich. Schäden treten im Allgemeinen dann auf, wenn:

Durch welche Einflüsse wird Holz geschädigt?
a) Witterungseinflüsse

b) Biologische Einflüsse (Pilze, Bakterien, Insekten)
Bei einer Holzfeuchte von einer Temperatur von 0-40ºC wird die Zellulose und Hemizellulose zersetzt.
Im vollkommenen trockenen oder durchnässten Zustand erfolgt keine Fäulnis.
Holz zerstörende Insekten benötigen mindestens eine Holzfeuchte von (8) 10%.
c) Chemische Einflüsse (Säuren, Basen und Salze)
Holz hat eine relativ gute Beständigkeit im pH-Bereich 3-10, daher erfolgte auch ein Einsatz Kaliindustrie, Bergbau, landwirtschaftliche Bauten.

Durch welche handwerklichen und konstruktiven Maßnahmen kann die Gefährdung herabgesetzt werden?

5.2. Holz zerstörende Insekten und Pilze

5.2.1. Allgemein

Der Baustoff Holz befindet sich in einem natürlichen Stoffkreislauf. Die durch die Fotosynthese gewonnene Energie wird von anderen Organismen, wie Pilze, Bakterien und Insekten, für ihren Stoffwechselsprozess benötigt. Dabei sind bestimmte äußere Bedingungen, wie Witterungs- und Temperaturänderungen und lange Feuchtigkeit, notwendig. Bei Nässe und Wärme wird das Holz durch die Organismen in seine Grundbestandteile zersetzt. Der biologische Kreislauf wird damit geschlossen.
Der Holzschutz (DIN 68800) beinhaltet Maßnahmen, die physikalisch, chemische und biologische Einflüsse auf das Holz verhindern oder vermindern soll.

5.2.2. Holz schädigende Organismen
5.2.2.1. Holz verfärbende Pilze - Schlauchpilze (Ascomycetes)

Hier gibt es weit über 100 verschiedene Arten. Die wichtigsten sind die Bläuepilze und Sandbräunepilze. Sie verändern die natürliche Farbe de Holzes, beeinträchtigen die Tränkungsmöglichkeit mit Holzschutzmittel und begünstigen die Anfälligkeit gegenüber Holz zerstörende Pilzen.
Bis auf die optische Schädigung haben sie keine weitere Bedeutung. In der Regel werden diese Hölzer dann als minderwertig betrachtet.
Die Pilze wachsen ab ca. 5ºC und einer Holzfeuchtigkeit zwischen 13,5 bis 30 %.

5.2.2.2. Holz zerstörende Pilze - Ständerpilze (Basidiomycetes)

Diese bauen die Zellwände des Holzes ab, zerstören sie und bewirken Fäule, die sich in Braun-, Weiß- und Weißlochfäule äußert. Die Wachstumsbedingungen liegen bei einer Temperatur zwischen 0 bis 40$ordm;C und einer Holzfeuchtigkeit von (20) bis 100%. Je nach Art der Pilze werden nur bestimmte Holzarten oder vorwiegend der Splint- bzw. Kernholzanteil angegriffen.

5.2.2.2.1. Braunfäule (Destruktionsfäule)

Diese Pilze verwenden für ihren Stoffwechselprozess vorwiegend die Zellulose. Im verbleibenden Gerüst ist Lignin, welches die braune Färbung verursacht. Die Holzzellen bzw. die chemischen Verbindungen der Zellulose sind sehr stabil und können von den Hyphen der Pilze nicht allein zerstört werden. An den Hyphenspitzen werden Katalysatoren (Enzyme) freigesetzt, die die Makromoleküle aufspalten.
Die Braunfäule ist an der Verwölbung von Brettern, zum Beispiel Sockelverkleidung im Hauseingangsbereich, Türzargen und durch einen Würfelbruch erkennbar.

Typische Vertreter sind:

Echter Hausschwamm (Serpula lacrimans)vorwiegend nach Wasserschaden im verdeckten Bereich (Holzbalkendecke), der nicht schnell ausgetrocknet wurde, bzw. dort wo immer etwas Feuchtigkeit entsteht, zum Beispiel bei einem undichten Dach
Wilder Hausschwammim Freien, selten in Gebäuden
Sklerotien Hausschwammmeist im Freien
Kleiner Hausschwammim Gebäude, auch im Freien
Weißer Porenschwamm (Antrodia vaillantii)ab einer Holzfeuchtigkeit 40%, das Myzel sieht wie eine Eisblume aus
Brauner Kellerschwamm (Coniophora puteana)ab einer Holzfeuchtigkeit 40%, im Bergwerk, in den Bauteilen, wo lange Zeit ständig hohe Nässe vorhanden ist, Wasserleitungsschaden falsche Konstruktion bei Fachwerkbauten mit Innendämmung, das Myzel sieht wie ein Haarnetz aus
MuschelkremplingHF 40-80%
Sägeblättlingvorwiegend im Kernholz von Nadelhölzern (von außen sieht das Holz in Ordnung aus)
Tannenblättlinger kommt meist dort vor, wo eine hohe lokale Feuchtigkeit vorliegt, z. B. unter den Toilettenbecken, die undicht sind.
Eichenwirrlingist ein Kernholzzerstörer und kommt in der Schwelle (meist Eiche) vom Fachwerk vor. Äußerlich ist der Schaden kaum erkennbar.

5.2.2.2.2. Weißfäule (Korrosionsfäule)

Diese Pilze haben sich auf den Abbau des Lignins spezialisiert, sodass die verbleibende Zellulose die Weißfärbung verursacht. Das Holz ist zerfasert. In der Regel benötigen diese Pilze mehr Feuchtigkeit als die Braunfäulepilze.

Zu den typischen Vertretern gehören:

Ausgebreiteter Hausporlingsein Auftreten hat sich in den letzten Jahren erhöht, vor allem kommt er dort vor, wo eine sehr hohe Durchfeuchtung auftritt. Zum Beispiel am Ende eines Dachsparren/Deckenbalken unterhalb einer kaputten Dacheindeckung, unter nicht abgedichteten Duschkabinen u. a. Die vorgefundenen Schäden sind zum Teil wesentlich größer als die von dem daneben wachsenden Hausschwamm
Zimtbrauner Porenschwammin Dachböden
Großer Rindenpilzim Freien oder auch im Dachböden
Schmetterlingsporlingim Freien

5.2.2.2.3. Weißlochfäule

Hier werden Lignin und Zellulose gleichzeitig abgebaut. Es kommt zu Fehlstellen in den Jahresringen. Zu den Stammfäulepilzen gehört der Wurzelschwamm (Fichte) und Kieferbaumschwamm. Im verbauten Zustand ist der Pilz tot. Es ist jedoch zu beachten, dass vorgeschädigtes Holz schneller durch andere Holz zerstörende Pilze und Insekten befallen werden kann.

5.2.2.2.4. Moderfäule

Die Moderfäule wird durch die Verfärbung (Vergrauung) und Verlust an Gewicht sowie Festigkeit von bis 98% gekennzeichnet. Sie kommt meist an Holz vor, welches ständig einer großen Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Dadurch wird die Abbautätigkeit anderer Pilze verhindert. Das Holz wird weich und kann z. B. mit dem Fingernagel eingedrückt werden. Diese Holzzerstörung geht in der Regel von Holzoberfläche aus und ist in der Regel bis zu 1 mm tief. Es kommt zur Dunkel- bis Schwarzfärbung. Beim Trocknen entstehen Risse quer zur Faser. Mikroskopisch gesehen werden durch die Hypen die Zellwände abgebaut. Es entstehen Kavernen bis zum vollständigen Abbau. Es sind eine Reihe von Ascomyceten und Fungi imperfecti, welche die Moderfäule hervorrufen, wie z. B. Chaetomium globosum und Ch.-Arten, fernerhin Stachybotris atra, Rhizoctonia-Arten usw. beteiligt.

5.2.3. Holz zerstörende Insekten

Zu unterscheiden sind die Insekten, die im Holz wohnen, dort Brutplätze anlegen und die Brut aufziehen, und die das Holz als Nahrungsgrundlage benötigen.

5.2.3.1. Frischholzinsekten

Die Insekten leben in kränkelnden Bäumen, frisch gefälltem Holz und auf den Lagerplätzen. Um einen Befall möglichst gering zu halten, sollte das Holz gleich nach dem Einschlag die Rinde entfernt werden und eine Lagerung erfolgen, wo eine schnelles Abtrocknen erfolgen kann.

5.2.3.2. Trockenholzinsekten

Diese Insekten kommen an luft- bzw. nutzungstrocknem Holz im Freien oder im Gebäude vor. Der Befall erfolgt mehrjährig und mit vielen Generationen. Bis auf den braunen Splintholzkäfer (Holzfeuchte 7 bis 8 %) benötigen alle anderen eine Holzfeuchtigkeit von mindestens 10% und eine Temperatur zwischen 10 bis 38ºC. Bei einer normal genutzten Wohnung mit Zentralheizung und ab 1. oder 2. Etage mit Ofenheizung liegt die Holzfeuchte in diesem unteren Bereich, sodass kaum eine Schädigung erfolgt.

In gedeckten Bauten kommen folgende Insektenlarven vor:

Gewöhnlicher Nagekäfer (Anobium punctatum)der meistverbreitete Holzschädling
Trotzkopfer kommt in Verbindung mit pilzgeschädigtem Holz vor
Gescheckten Nagekäfer(Bunter Nagekäfer)er kommt in Verbindung mit pilzgeschädigten Eichenholz vor aber auch sehr oft an Deckenbalkenköpfen
Parkettkäfer 
Hausbockkäferist das gefährlichste Holz zerstörende Insekt, er kann den gesamten Dachstuhl oder auch Deckenbalken zerfressen. Von Vorteil ist der Einsatz von Balken mit hohem Kernholzanteil. In älteren Holzteilen, ca. ab 60 Jahre, sind die Bestandteile geringer, die als Nahrung dienen, sodass nur ein untergeordneter Befall erfolgen kann.
Armeisensie nutzen das Holz als Brutstätte.

In gedeckten Bauten finden folgende Insektenlarven keine Weiterverbreitung:

ScheibenbockenSie werden oft mit dem frischen Holz eingebaut. Nach dem Verpuppen der Larve verlässt das Insekt das Gebäude. Die Fluglöcher haben eine große Ähnlichkeit mit dem vom Hausbock.
Weicher Nagekäfertritt an berindeten Hölzern auf und ist bis 2 mm im Splintholz zu finden
Gestreiften Nutzholzborgenkäfer oder Laubholzborgenkäferstellen keine Gefährdung dar. Die sind oft an den gegrünten Dachlatten oder auch an Sparren durch den Leitergang zu erkennen.

5.3. Zusammenfassung zur Biologie der Holz zerstörenden Pilze und Insekten

Der Holz schädigende und zerstörende Befall durch Holz zerstörende Pilze und Insekten ist an das Vorhandensein erhöhter Feuchtigkeit sowie Nährsubstanzen (Eiweiße) im Holz gebunden. Gemäß der DIN 1052 (Holzbau) sollte die Ausgleichsfeuchte für Hölzer in allseitig geschlossenen Räumen mit Heizung 6-12 % und unbeheizten Räumen 9-15 % betragen. Der Beginn des Wachstums erfolgt bei:

 TemperaturenHolzfeuchte
Holz schädigende Pilze> 5ºC13 - 30 %
Holz zerstörender Pilze0 - 40ºC20 - 100 %
Holz zerstörende Insekten10- 38ºC10 - 60 %

Unter baulich gesunden Bedingungen sind Holzschädigungen wie zum Beispiel durch den Echten Hausschwamm nicht möglich.

5.4. Holzschutzmaßnahmen

Holzschutzmaßnahmen dienen dazu, die Nutzung zeitlich zu verlängern und die Holzart auch in den Anwendungsbereichen einzusetzen, wo die natürliche Eigenresistenz nicht ausreicht. Es stehen nicht genügend Hölzer, wie Eiche oder Rubinie, für bestimmte Baumaßnahmen zur Verfügung, daher werden auch andere einheimische Hölzer, wie die Tanne/Fichte verwendet. Die fehlende Eigenresistenz wird durch einen chemischen Holzschutz ersetzt. An erster Stelle steht aber der konstruktive Holzschutz.

5.4.1. Konstruktive Maßnahmen

5.4.2. Planung statisch beanspruchter Bauteile

Resistenzklassen nach DIN 68 364 ( GK = Gefährdungsklasse)
GK 0: beliebige Resistenzklassen z. B. Fichte
innen verbautes Holz, ständig trocken
GK 1: Douglasie bis 10 % Splintanteil
Fichte, Kiefer ohne Begrenzung des Splintanteils aber kontrollierbar, ansonsten ist ein chem. Erstschutz mit Holzschutzmittel mit amtl. Zulassung des DIBt (HSM) erforderlich, innen verbautes Holz, ständig trocken
GK 2: Resistenzklasse 3; ohne Splintanteil Kiefer, Lärche
z. B. für Sparren, sonst chem. Erstschutz erforderlich, Holz das weder dem Erdkontakt, noch direkt der Witterung oder Auswaschung ausgesetzt ist, vorübergehend Befeuchtung möglich
GK 3: Resistenzklasse 2; Eiche ohne Splintanteil
z. B. Balkenköpfe bei Wetterbeanspruchung, Holz der Witterung oder Kondensation ausgesetzt, aber nicht in Erdkontakt
GK 4: Resistenzklasse 1; Robinie
z. B. Erdboden, Holz in dauerndem Erdkontakt oder ständiger starker Befeuchtung ausgesetzt, besondere Bedingungen gelten für Kühltürme sowie für Holz im Meereswasser.

Chemischer Schutz
Der chemische Schutz wird erforderlich, wenn die natürliche Resistenz der Holzarten für den bestimmten Einsatzort nicht ausreicht.

GK 1 Tauchverfahren mit HSM Iv, 6 Std. (min. 1 Std.) vorzugsweise borhaltige HSM
GK 2Tauchverfahren mit HSM Iv, Pv 6 Std. (Tiefe 2mm, bei KF 6 mm +/-2mm, FI 4 mm +/- 2mm)
GK 3Trogtränkverfahren = oder > 1 Tag (Tiefe bis 8 mm)
GK 4Kesseldruckverfahren

HSM= Holzschutzmittel, KF = Kiefer, FI = Fichte/Tanne

5.5. Schadensschwerpunkte

Aus der Vielzahl von Schäden durch Holz zerstörende Pilze kann eigentlich kein Gebäudeteil ausgeschlossen werden. Es waren Schäden durch den Echten Hausschwamm vorhanden, die bis zu ihrer Freilegung wegen anderer Sanierungsmaßnahmen vollständig unbemerkt waren. Die Altschäden zeigten zum Teil auch frisches Myzel. Dazu gehörten Deckenbereiche mitten im Wohnzimmer, Treppenpodeste und Dachböden. Die Ursachen könnten offen gelassene Fenster bei starkem Niederschlag, zu gründliches Wischen der Treppe, Wasserleitungsschäden und Schäden an der vorhergehenden Dachhaut sein. Also Ursachen, die bereits bis zu 20 Jahre zurückliegen.
Als Orientierung sollten hier solche Bereiche genannt werden, wo Feuchtigkeit anfällt. Das sind Bereiche, wo sich Wasser- und Abflussleitungen befinden, und innen liegende Räume bzw. Abstellkammern, die wenig gelüftet werden.

Bei Mehrfamilienhäusern befindet sich in Fußbodenhöhe der I. Etage das Gesimsband. Hier liegt in der Regel eine erhöhte äußere Feuchtebelastung der Balkenköpfe vor. Ebenso sind in diesem Bereich oft auch Stahlträger über Treppenhauseingänge oder Ladengeschäfte eingesetzt. Diese bilden eine Wärmebrücke.

Im Erdgeschoss hat man im unteren Bereich meist eine höhere Wandfeuchtigkeit. Ebenso dringt die Feuchtigkeit aus dem Keller über die Kappe nach oben. Die Dielung hat Fugen, wo die Feuchtigkeit ablüften kann. Bei sanierten Gebäuden sollte dieser Fußbodenaufbau durch einen mineralischen ersetzt worden sein. Durch die heute üblichen dicht schließenden Beläge kommt es zu einem Feuchtestau. Sind die Dielen und die Lagerhölzer verblieben, sollte dies durchaus als Mangel eingestuft werden. Nur in wenigen Fällen kann man den Verbleib akzeptieren.

Im Dachboden sind die Bereiche gefährdet, wo undichte Stellen möglich sind. Das sind Dachlukenfenster, Kehlbleche und Wand- sowie Schornsteinanschlussbleche. Früher gehörten besonders die Antennenfüße noch dazu.

Ebenso gefährdet sind Wandflächen, wo eine erhöhte Schlagregenbeanspruchung vorliegt. Dazu gehören auch Erkerbereiche, wo die Streichbalken und die Deckenbalken neben den Stahlträgern (Wärmebrücke) gefährdet sind.

Bei Wasserleitungsschäden läuft das Wasser in den Fehlböden entlang, in der Regel sind ein bis zwei Balkenfelder betroffen, und an einer anderen Stelle durch. In der Erdgeschosswohnung sammelt sich das Wasser über der Kappe, sodass hier die größten Schäden vorliegen, wenn nicht schnell genug eine Trocknung erfolgt.

Das größte Problem ist ein sanierter Altbau. Hier ist alles verkleidet und der ursprüngliche Zustand ist nicht erkennbar. Günstig ist es, wenn in der Nähe noch ein unsaniertes bewohntes Gebäude steht. Oft haben die Gebäude etwa das gleiche Baujahr und den gleichen Baustil.

Bei der Bewertung eines sanierten Gebäudes sollte ein Holzschutzgutachten, welches vor der Sanierung erstellt wurde, vorliegen. Viele Bauherren oder Bauträger haben eine solche Maßnahme nicht veranlasst. Die meisten Schäden im kleineren Umfang wurden von dem Handwerker übersehen oder gar nicht erst saniert. Selbst Bauleiter haben diese Schäden als unwichtig eingeordnet, wobei dies in Einzelfällen gleich ganze Etagen betrifft. Nur wenige Bauleute haben den Schäden, verursacht durch Holz zerstörende Insekten und Pilze, genügend Aufmerksamkeit gewidmet.

Holz zerstörende Insekten haben eigentlich zu fast allen Bereichen Zugang. Liegen optimale Bedingungen vor, so werden in den kleinen Rissen Eier abgelegt und die Larven können sich entwickeln. Dabei bleibt der Schadensbefall auf den Bereich, wo die günstigen Bedingungen vorliegen, begrenzt. Z. B. typisch sind die Deckenbalkenköpfe. Der Befall befindet sich meist auf den oberen Teil der im Mauerwerk befindlichen Deckenbalkenenden. Ebenso ist dies bei Streichbalken zu erkennen. Es ist hauptsächlich die Seite an der Wand befallen.

Analog verhält es sich bei Holz zerstörenden Pilzen. Sporen kommen ausreichend in der Luft vor. Liegen für den Pilz optimale Bedingungen vor, so entwickelt sich aus der Spore eine Hyphe, Myzel und dann ein Strang oder bzw. Fruchtkörper. In der Regel erfolgt nur ein Wachstum in diesem Bereich, wo günstige Bedingungen vorliegen. Das trifft auch für den Hausschwamm zu. Nimmt die Feuchtigkeit ab und die vorhandene Nährsubstanz (Holz) wird aufgebraucht, so wird das Wachstum eingestellt. Liegen auch nach Jahren wieder günstige Bedingungen vor, so kann ein erneutes Wachstum erfolgen. Der Hausschwamm unterliegt den gleichen Bedingungen. Bei ihm ist lediglich der Unterschied, dass ab einer bestimmten Größe auch eine Ausbreitung über mineralische Substanzen (Mauerwerk) erfolgen kann, auf der Suche nach neuer Nahrung und Feuchtigkeit. In den meisten Fällen reicht sein Zellaufbau nicht aus. Hat er es aber geschafft, so kann über das Strangmyzel zusätzlich Feuchtigkeit transportiert werden. Es ist dem Pilz auch möglich, Holz mit einer Holzfeuchtigkeit unter 20 % abzubauen. Ich habe auch schon Myzel an der Unterseite der Dielung gefunden, welches eine Holzfeuchtigkeit von 12 % aufwies.

Grundsätzlich sollten alle Pilze mit der gleichen Sorgfältigkeit betrachtet werden. Sie verursachen alle den gleichen Schaden nur die Geschwindigkeit der Schädigung ist unterschiedlich.

Eine Sanierung beruht darauf, die Ursachen, also die Feuchtigkeitsquelle, dauerhaft zu beseitigen. Dann muss der Pilz von seiner Nahrungsquelle abgekoppelt werden. Hier werden die befallenen Holzteile ausgebaut. Zweckmäßig ist der Einsatz eines Ersatzbaustoffes auf metallischer oder mineralischer Basis. Ist das Mauerwerk mit Myzel befallen, so ist ein Austausch so weit vorzunehmen, dass eine ausreichende myzelfreie Grenzschicht entsteht. Eine Bekämpfung mit Schwammbekämpfungsmittel im Mauerwerk muß nicht von Erfolg sein. "In diesem Zusammenhang ist darauf zu verweisen, dass im Grunde genommen eine Bekämpfung im Sinne von Abtöten auch im Mauerwerk nicht umfassend möglich ist. Vielmehr beruht die Wirksamkeit der Schwammbekämpfungsmittel auf der Bildung einer Sperrschicht, die nicht von frisch auswachsendem Myzel durchwachsen werden kann."[Beuth]

Ganze Wandflächen mit Schwammbekämpfungsmittel verpresst dient dem Bautenschützer und der Deponie für kontaminierten Bauschutt. Mittlerweile sind behandelte Wandflächen mit einer dicht schließenden Oberfläche zu versehen, was vor einigen Jahren noch nicht vorgeschrieben war.

Unsachgemäße Sanierungen führten in drei Fällen nach erneuter Feuchtigkeitszufuhr wieder zu einer erheblichen Schadensausbreitung. Anlog verhalten sich auch die nicht sanierten Altschäden. Nur in einem Fall konnte festgestellt werden, dass auch bei fehlender Sanierung sich das Wachstum einstellt. Wie bereits oben genannt stellt die Mehrzahl der Holz zerstörenden Pilze ihr Wachstum ein, wenn sich die lokalen klimatischen Bedingungen verändern. Genau dieser Sachverhalt dürft neben den Neubefall verantwortlich sein, dass gerade bei sanierten Altbauten eine erhöhte Schadensanfälligkeit vorliegt. Durch konstruktive aber auch in vielen Fällen mangelhafte Ausführung kommt es an verschiedenen Bauteilen zur Kondensatbildung und die wichtigste Lebensgrundlage, die Feuchtigkeit, ist wieder vorhanden. Durch die verdecken Bereiche, wie Vorsatzwände, sind diese Schäden erst sehr spät erkennbar. Der Echte Hausschwamm liebt warme feuchte und bedeckte Bereiche. Dementsprechend sind aber auch die zwischenzeitlich entstandenen Schadensausbreitungen. Je größer die Schäden sind, um so kostenaufwendiger wird ihre Sanierung, die sich nicht allein auf die Sanierung beschränkt, sondern sich auch auf Mietausfall, Freilenkungsmaßnahmen, Hotelkosten, Prozesskosten mit dem angrenzenden Gebäude usw. ausdehnen können.

Altbewohner, die eine Sanierung überstanden haben, können viele Hinweise über die Qualität und Qualifizierung des Baupersonals sowie über den früheren Bauzustand geben. Hier ist jedoch zu beachten, dass diese Urteile oft subjektiv gegeben werden. Sanierungspläne und genehmigte Bauunterlagen sind keine Garantie, dass von der Baufirma diese Maßnahmen auch ausgeführt wurden. Dies soll an einem sehr krassen Beispiel verdeutlicht werden. Nach der Sanierung, die vor 8 Jahren erfolgte, traten mehrere Risse in der Außenfassade im Erdgeschoss auf. Wir hatten die Aufgabe die Ursache zu finden. Die Statik war in Ordnung. Das Rechenprogramm hatte die Auflager wie neues Mauerwerk eingeordnet. Bei den Wandauflagern wird eine mögliche Ursache vermutet. Nach der Abnahme der abgehängten Decke war aber kein 24er Doppel-T-Träger zu finden, der als Unterzug eingezogen werden sollte. Der Bauherr hat sich auf die Bauleiter des GUs verlassen. Er kann sich auch daran erinnern, dass sich Stahlträger auf der Baustelle befanden. Analog dürften auch viele ähnlich gelagerte Sachverhalte vorliegen.

Die normative Nutzungsdauer eines Gebäudes mit Holzbalkendecken ist nicht unbegründet auf 80 Jahre bestimmt. Die Spanne des Zustandes der Holzbalkendecke reicht von sehr ordentlich bis zum Zerfall. Aufgelegte Spanverlegeplatten oder Estrichbeton mit dekorativem Fußbodenbelag geben keine Auskunft über den tatsächlichen Zustand der tragenden Holzteile.
Können hier keine eindeutigen Feststellungen getroffen werden, so ist es zweckmäßig für den Sachverständigen für Verkehrswertermittlung in die Gutachten eine Ausschließbarkeit aufzunehmen, wenn auf der Grundlage der vorliegenden Informationen keine ausreichende Beurteilung erfolgen kann. Damit ist wenigsten die Haftungsfrage abgewendet, wie sie im Pkt. 4 bereits genannt wurde. Auf die Offenbarungspflicht des Eigentümers kann sich vom Grundsatz auch nicht verlassen werden, da sie oft über den Zustand ihrer Immobilie nur ungenügend Bescheid wissen. Die Praxis hat dies gezeigt und die Überraschung ist dann immer sehr groß.

6. Schimmelpilzbildung
6.1.Allgemein

Mit der Verringerung des Lüftungsaustausches in den Wohnungen, der Entstehung von Wärmebrücken nach der Sanierung und anderes werden die schon immer vorhandenen Schimmelpilze durch lokale Konzentrationserhöhungen sichtbar, wie zum Beispiel Schimmelflecken an der Tapete. Ausschlaggebend ist die Beseitigung der Ursache, die für die Erhöhung der Konzentration verantwortlich ist. Zweitrangig ist die Schimmelpilzbestimmung, ohne dem Fleiß und das Können der Diplom-Biologen zu schmälern. Aspergillus fumigatus kommt in jeder Wohnung vor. Nur bei der Klärung spezifischer Sachverhalte, das sind in der Regel Einzelfälle, lohnt sich eine kosten aufwendige Untersuchung.

Schimmelpilze sind allgegenwärtig (ubiquitär) vorkommende Pilzarten, die bei erhöhten Vorkommen deutliche gesundheitliche Beeinträchtigung auslösen können. Viele Bewohner von mit Schimmelpilz belasteten Räumen leiden häufig unter Kopfschmerzen, Augenbrennen und Erkältungssymptomen. Bei entsprechender Neigung kann es bei längerem Einatmen von Schimmelpilzsporen zur Allergie kommen. Diese körperliche Abwehrreaktion kann zu einem Bronchialasthma führen und andere gesundheitliche Probleme an den Atmungsorganen verursachen. [1]
Die Schimmelpilze gehören zu den Mikroorganismen. In diesen Sammelbegriff werden viele verschiedene Gruppen von Kleinstlebewesen, wie Bakterien, Hefen, Aktinomyzenten, Algen, Pilze und Protozoen zusammengefasst. Eine Zuordnung in die Flora oder Fauna ist möglich.

Algen, Bakterien, Aktinomyzeten und Pilze werden dem Reich der Pflanzen, insbesondere der Mikroflora zugeordnet; lediglich die Algen sind eindeutig Pflanzen. Dies macht sich unter anderem durch die zelluloseartige Zellwand und das Chlorophyll zur Energiegewinnung mit Photosynthese bemerkbar.

Die tierischen Eigenschaften der Bakterien, Aktinomyzeten und Pilze sind unter anderem die überwiegend chemoheterotrophe Lebensweise und die Bildung von Glykogen, einem Stärke ähnlichen Polysaccharid, das auch als tierische Stärke bezeichnet wird. Dennoch lässt die Zellstruktur die Zuordnung zur Fauna nicht zu. Eine Ausnahme sind die Protozoen, die eindeutig zum Tierreich gehören. [2]

6.2. Charakteristik und Lebensbedingungen der Schimmelpilze

6.2.1. Charakteristik der Schimmelpilze

Als Schimmelpilze werden alle Pilze bezeichnet, welche überwiegend morphologische aber auch eine Reihe ökologischer Gemeinsamkeiten aufweisen. Man kann zur Charakterisierung der Schimmelpilze hervorheben:

  1. Es handelt sich bei allen um Saprotrophe, also Pilze, welche sich von toten, abgestorbenen oder künstlich synthetisierten organischen Substanzen ernähren.
  2. Pilze entwickeln ein ganz typisches echtes Myzel.
  3. Ihre Vermehrung erfolgt fast ausschließlich durch ungeschlechtliche Mitosporen (anamorphe Fruktifikation), durch Ausbildung von Endosporen (Sporangiosporen) oder Exosporen (Konidien), mitunter Chlamydosporen.
  4. Es werden keine auffälligen Fruchtkörper hervorgebracht. Wenn überhaupt sexuelle Fortpflanzungsorgane gebildet werden, dann nur winzig klein.
  5. Zellsprossung und Bildung von Sproßzellen, wie sie Hefen oder Hefe ähnliche Pilze charakterisieren, tritt nur in ganz seltenen Fällen unter bestimmten Bedingungen ein.
  6. Ihr Lebensraum ist bevorzugt der Erdboden, vermögen auch andere Lebensräume zu erobern, wie feuchte Räume oder Klimazonen. [5]

6.2.2. Nahrung und Lebensbedingung

Pilze sind chlorphyllfreie Organismen. Die Pilze ernähren sich im Wesentlichen heterotroph - von organischen Substanzen lebender und toter Organismen. [3]
Als Nahrung dienen überwiegend Glucose, Maltose und Saccharose (zum Beispiel in Tapetenkleister oder Raufasertapete), Dispersionsfarben, Holz, Papier, Textilien, Kunststoffe und Gummi durch die beigefügten Weichmacher, Staub und Fette. Gute Lebensbedingungen liegen bei einem pH-Wert zwischen 2 bis 6,5 auch bis 8 und einer Temperatur von 0ºC bis +40ordm;C vor. Auch werden keine Ansprüche an die Zusammensetzung der Atmosphäre gestellt. Die Lebensbedingungen sind recht unterschiedlich, verbessern sich diese wieder, so kann selbst scheinbar abgestorbenes Myzel auch nach Monaten neu auskeimen. [4]

6.2.3. Vorkommen von Schimmelpilzen in der Luft

Die Konzentration der Sporen ist im Winter verhältnismäßig niedrig (Temperatur ist niedrig und die relative Luftfeuchtigkeit demzufolge hoch), sie steigt dann in Mitteleuropa in den Sommermonaten (September) beachtlich an. Dabei hängt diese von der Staubmenge in der Raumluft ab, da sich Mikroorganismen an Staubteilchen anhängen. (In den Sterilversuchen [1983-85] hatten wir bei Extremfällen Größen, die messtechnisch nicht mehr erfassbar waren. Ihre Anzahl steigt besonders dann an, wenn mit Materialien gearbeitet wird, wo viel Staub entsteht, wie in Scheunen, Mühlen, Tierställe, in der Holzverarbeitung uvm. In der freien Luft ist die Lebensdauer von Pilzsporen von der Temperatur, der Luftgeschwindigkeit und der Sonneneinstrahlung abhängig. Farblose Sporen werden rasch durch die UV-Strahlung abgetötet. Daher dominieren pigmentierte Sporen von Alternaria und Cladosporium, Schwärzepilze, die überall auf verrottendem organischen Material wächst.

6.2.4. Innenluft

In Innenräumen sind Schimmelpilze besonderen Umweltbedingungen ausgesetzt. Hier liegt in der Regel eine höhere Staubbelastung vor. Eine Verdünnung durch Luftbewegung ist verhindert, ebenso fehlt die abtötende Wirkung der UV-Strahlung. Die Isolierverglasung lässt gegenüber der einfachen Verglasung noch weniger UV-Strahlung durch. In geschlossenen Räumen dominiert dann xerotolerante Arten, wie z. B. solche der Gattung von Penicillium und Aspergillus, aber auch andere, wie Cladosporium und Mocor usw. [5],[6]

6.3. Ursachen der Entstehung der Schimmelpilze in den Wohnungen

Feuchte Wände, klamme Wohnungen und als Folge Schimmelpilzbildungen hat es schon immer gegeben. Je nach wirtschaftlicher Situation wurden solide oder preiswertere Gebäude gebaut, wo unterschiedliche bauphysikalische Parameter vorliegen. Laut Statistik ist aber festzuhalten, dass es innerhalb der letzten Jahre zunehmend zur sichtbaren Schimmelpilzbildung in Wohnräumen gekommen ist.

Als Beispiele sollen hier folgende Faktoren aufgeführt werden:

  1. Die früher verwendeten Baustoffe wie Ton, Lehm oder Holz haben deutlich günstigere bauphysikalische Eigenschaften als die neueren Baustoffe, wie Beton, Polystyrol usw., in Bezug auf Dampfdiffusion und Wasserdampfaufnahmevermögen.

  2. Die Wandoberflächen wurden mit Kalk-, Kreide oder Leimfarben versehen, die eine ungehinderte Wasserdampfdiffusion ermöglicht und zusätzlich ein Festigkeits- und Spannungsausgleich bedingen. (Gleiche Eigenschaften hat auch die Silicatfarbe). Dagegen werden heute bindemittelreiche Dispersionsfarbenanstriche und Tapeten mit hohen Kunststoffanteilen verwendet. Der Anstrich bildet eine Dampfsperre, es kommt zur Durchfeuchtung zwischen dem Putz und der Beschichtung sowie zur Blasenbildung und zum Abblättern. [6a]

  3. Bei den Fenstern hat eine Entwicklung stattgefunden, die gleich in mehrfacher Hinsicht die Feuchtigkeitsprobleme in den Wohnungen verschärft:

    • An den Einfachverglasungen stellten sich die eindeutig niedrigsten Temperaturen an der gesamten Wandfläche ein. Waren die Scheiben beschlagen, wurde dem Wohnungsnutzer signalisiert, dass gelüftet werden sollte. Heute können selbst innen liegende Wände (z. B. Treppenhauswand) eine niedrigere Oberflächentemperatur haben.

    • Durch den Einbau von Isolierverglasung speziell im Altbaubereich verlagert sich die kältere Temperaturzone an die Wandanschlüsse. Es entstehen so neue Wärmebrücken bzw. vorhandene werden jetzt deutlich. Es kommt zur Tauwasserbildung.

    • Durch die Fugen zwischen Rahmen und Flügel konnte auch bei geschlossenem Fenster kontinuierlich ein Lüftungsausgleich erfolgen. Bei den heutigen Konstruktionen wird dies nahezu vollständig unterbunden. Ein bewusstes Lüftungsverhalten ist nur zu realisieren, wenn ein lüftender Bewohner ständig anwesend ist. Bei einer Berufsausübung ist man unter Umständen 10 oder mehr Std. nicht anwesend, sodass sich die Lüftung auf 1 bis 2 Stoßlüftungen beschränken muss. Aus diesem Grund baut man heute undichte Dichtungen und Lüftungsschlitze in die modernen fugendichten Fenster ein.

    • Gegenüber mehrflügelige Fenster ragt der heutige große Fensterflügel zu weit in den Raum. Es wird die Kippstellung zum Lüften bevorzugt, was jedoch feuchtetechnisch ungünstig und zudem eine Energieverschwendung ist.

  4. Bei einer Beheizung mit Öfen wurde gleichzeitig für einen zusätzlichen Luftaustausch gesorgt. Die benötigte Verbrennungsluft bewirkte ein Nachströmen von kühlerer und somit trockener Außenluft durch die Fensterfugen. Bei einer zentralbeheizten Wohnung tritt dieser Effekt nicht auf. Demzufolge führt diese auch zu einer höheren Konzentration an Raumfeuchte.

  5. Die Entwicklung des Wohnungsstandards hat sich verändert. So betrug vor 40 Jahren der häusliche Wasserverbrauch nur einen Bruchteil des heutigen. Damit wurde auch nur ein Bruchteil der Wasserdampfmenge freigesetzt. So waren Toiletten außerhalb der Wohnung, in den meisten Fällen gab es eine Wasserzapfstelle, es gab keine Waschmaschinen und wo kein Badezimmer vorhanden war, ging man in die öffentlichen Badeanstalten. [7]

  6. Dem gegen über steht eine Verringerung der Familiengröße oder anders, die Wohnfläche und damit das Raumvolumen pro Bewohner sind größer geworden.

6.4. Schimmelpilze in Innenräume

Die Verbreitung kleiner Partikel in Innenräume wird durch die Bewegung der Luft bestimmt. Bereit ohne zusätzliche Lüftung reicht die thermische Konvektion aus, eine Zirkulation der Luft in einem Raum zu bewirken. Dies führt zu einer gleichmäßigen Verteilung der Pilzsporen, auch zwischen verschiedenen Räumen und Stockwerken. So kann ein Gramm Hausstaub bis zu 3,2 Millionen lebende Pilzsporen enthalten. So dominieren in der Außenluft Cladosporium-Arten und als typische "Raumpilze" kommen die Arten der Gattung Aspergillus und Penicillium vor, die auf Lebensmittel, feuchtem Leder, Papier, Baumwolle und Wolle wachsen. Daneben sind auch Alternaria, Aureobasidium, Fusarium und Wallemia sebi nachweisbar.

Biotonnen sind Innenräume besonderer Art, die vor den keimhemmenden UV-Strahlen geschützt sind. Beim Umgang mit Biomüll gelangen zwangsläufig Schimmelsporen in die umgebende Luft und von dort aus durch Einatmen auch in den menschlichen Körper. So kann A. fumigatus für Menschen mit verminderter Immunabwehr als Folge einer chronischen Grunderkrankung sehr gefährlich werden und zu tödlich verlaufender invasiver Aspergillose führen. Daher sollten abwehrgeschwächte Personen den Umgang und den Kontakt mit Bioabfall meiden. Kleine portionsweise Verpackung in Zeitungspapier sowie eine Reinigung der Tonne mit Essigwasser und das Aufstellen in einem schattigen Ort verringern deutlich den Sporenanteil. Die Leerung sollte 1 Woche nicht überschreiten.[6]

6.5. Pilze als Erreger von Krankheiten bei Menschen und Tiere

Krankheiten, hervorgerufen durch Pilze, sind bei den Pflanzen gänzlich anders als bei den Menschen und höheren tierischen Organismus. Aber auch hierbei ergeben sich dennoch manche Übereinstimmungen, welcher durch die parasitäre heterotrophe Ernährungsweise hervorgerufen wird.
Je nach Art des Schadensbildes kann unterschieden werden:
1. Mykose
2. Mykotoxikose
3. Mycetismus
4. Allergose

6.5.1. Vorkommen auf der menschlichen Haut

Auf der gesunden Haut, auf Schleimhäuten und in den Organsystemen befinden sich stets ubiquitäre (überall vorkommend) Vertreter der Gattung Aspergillus, Penicillium und der Familie der Mucoraceen (Absidia, Mucor, Rhizopus) ohne pathogen zu sein. Wird jedoch die Immunabwehr infolge von Infektionen oder chronischen Erkrankungen vermindert, so können sich diese Pilze bevorzugt im Bronchopneumonalsystem ausbreiten und Mykosen (direkter Kontakt mit Pilzen entstehend) hervorrufen.
Neben den oben genannten Erkrankungsformen ist auch eine Vielzahl von Vergiftungserkrankungen bekannt, die durch Giftstoffe (Mykotoxine) hervorgerufen werden, die gewisse Schimmelpilze in ihrem Stoffwechsel produzieren. Diese Krankheitsform fasst man unter dem Begriff Mykotoxikosen zusammen.
Eine besondere ökologische Nische für Schimmelpilze sind die Fingernägel. In einer indischen Studie wurden im Fingernagelschmutz 61 Stämme von Aspergillus flavus isoliert. Ein großer Teil von ihnen produziert Aflatoxine B1 und B2 (lebensschädigend und krebserregend) [Zu den Aflatoxikosen gehören, primärer Leberkrebs, andere Krebsformen, Hepatitis, Reye-Syndrom und Knashiorkor].[6]

6.5.2. Mykosen

In geschlossenen Räumen werden fakultativ-pathologene Schimmelpilze überwiegend durch die Luft verbreitet. Diese Pilze können über drei Wege in den menschlichen Körper gelangen:

6.5.2.1. Aspergillosen

Einige Aspergillus-Arten besiedeln vor allem das bronchopulmonale Organsystem und können dort Pilzkolonien bilden. Im Extremfall können klumpenförmige Mycelansammlungen, Aspergillome, entstehen. Befallen Körperteile sind vor allem Lunge, aber auch ZNS, Herz, Leber, Nieren und Verdauungstrakt. Über 90% der Aspergillosen sind auf Aspergillus fumigatus zurückzuführen. Er hat mit Abstand die stärksten pathogenen Potenzen, die vermutlich auf die Ausschüttung von Proteinasen und Ribonukleotoxin beruht. Sein Wachstumsoptimum liegt bei 37 bis 43ºC. Häufig ist der Pilz in Substanzen zu finden, in denen es zu einer Selbsterhitzung kommen kann, wie Heu, Kompost, Torf, Blumenerde und Müll. Das betrifft auch die Topferde von Zimmerpflanzen besonders die über einem Heizkörper. Aspergillus niger scheint seltener an der Entstehung von Aspergillose beteiligt zu sein. [6] Dieser Pilz findet bzw. fand bei der technischen Zitronensäureherstellung Anwendung. [8]

6.5.2.2. Penicilliosen und Phykomykosen

Pennicillium-Arten treten selten als Krankheitserreger auf. Einige Schimmelpilzarten der Familie der Mucoraceen können bei dem Menschen insbesondere die Blutgefäße der Lunge, Rachen oder Magen-Darm-Trakt befallen.

6.5.3. Mykogene Allergien

Ca. 20 % aller Menschen sind empfindlich gegenüber Allergenen. Die wichtigste Infektionsquelle ist die Innenraumluft mit dem Hausstaub. Daneben können auch Pilzkolonien auch an feuchten Wänden, Tapeten, Textilien, Postermöbeln, Matratzen und Klimaanlagen allergieauslösende Sporen in die Luft abgeben. Niemand kann sich vor einem Kontakt mit allergenen Schimmelsporen schützen. Besteht eine Schimmelpilzallergie, so wird empfohlen (Kersten 1985):

Asthma bronchiale
Etwa 10% der allergischen Asthmatiker sind gegen Schimmelpilz sensibilisiert. Im Frühjahr und Sommer ist die Sporenkonzentration am größten, daher sind gerade in dieser Zeit die meisten Asthmaanfälle.

Allergische Alveolitis
betrifft in allgemeinen die mittleren und oberen Atemorgane sowie das Lungenparenchym und ist durch periodische Schübe von Frösteln, Fieber, Husten und Kurzatmigkeit gekennzeichnet. Hierzu gehören die Käsewäscher-Krankheit, Paprikaspalter-Lunge und die Farmerlunge.

Allergische bronchopulmonale Aspergillose
wird durch Aspergillus fumigatus ausgelöst.

Organisches Staubsynodrom
dieses entsteht nach Inhalieren hoher Konzentrationen von organischen Substanzen z. B. Heu oder Silage etwa nach 4-5 Stunden und wird durch Kopf- und Muskelschmerzen, Unwohlsein, Fieber und Leukocytose gekennzeichnet.

Andere Formen
sind vorwiegend berufsbedingt, wie die Malzarbeiter-Krankheit, Bäcker-Asthma, Saunabesucherlunge, Getreidefieber und Holzarbeiter-Erkrankung.

6.5.4. Mykotoxikosen

Gefährliche Mykotoxine können durch bestimmte Pilze auf Getreide gebildet werden. Da diese Toxine gegenüber einem Kochprozess und auch gegenüber Magensäure widerstandsfähig sind. So nimmt eine sehr große Zahl von Menschen ihr ganzes Leben lang diese Giftstoffe auf. Dieses Problem ist nicht erst neu, sondern es scheint bereits vor Jahrtausenden aktuell gewesen zu sein. Im 3. Buch Mose (14.Kapitel, Vers 35-48) wird beschrieben, wie bei Anwesenheit von grünen oder rötlichen Grüblein an der Hauswand vorzugehen ist. Wahrscheinlich handelt es sich hier um Schimmelpilzkulturen an der feuchten Wand. Penicillium-Arten für grünliche und Fusarium roseum für die rötlichen Flecken. Schoental (1984) nimmt an, dass die zehnte Plage im alten Ägypten zur Zeit Moses der Tod aller Erstgeborenen ( 2. Mose 11. Kapitel, Vers 5) - auf den Verzehr von verschimmelten Lebensmitteln zurückzuführen ist, die durch die Plagen (Regen, Hagel, Finsternis) verdorben worden waren. Gerade die Erstgeborenen Kinder erhielten die meiste Nahrung und waren damit einem erhöhten Mykotoxin-Risiko ausgesetzt.
Eine Reihe von Mykotoxine sind in der Lage, die angeborene und erworbene Widerstandskraft gegen Infektionskrankheitserreger herabzusetzen. Dies ist gekennzeichnet durch verminderte Aktivität der T- und B-Lymphozyten sowie durch unterdrückte Bildung von Immunglobulinen und Antikörpern.[6]

6.5.5. Mycetismus

Ist ebenfalls eine Vergiftung durch Pilze. Hier werden Pilztoxine nicht unbewusst aufgenommen, wenn sich in der PilzmaHolzeit giftige Fruchtkörper befinden. Im Mitteleuropa sind ca. 20 Arten infolge ihres Giftgehaltes als besonders gefährlich anzusehen.

6.5.6. Allergose

Einige Pilze enthalten Substanzen, die im menschlichen und tierischen Körper eine Sensibilisierung mit dem Erscheinungsbild einer Allergie hervorrufen. Auf den Unterschied zur Tiefen Mykose soll hier nicht eingegangen werden. Als Allergene können aber auch inhalierte Sporen kultivierter Plenrotus ostreatus (Austernseitlinge) oder des nicht gewünschten Serpula lacrymans (Echter Hausschwamm) sein und zu Erkrankung der oberen Luftwege führen. [5]

6.6. Schimmelpilze als Materialzerstörer

6.6.1. Schimmelpilze im Ökosystem

Schimmelpilze haben im Kreislauf der Ökosysteme eine bedeutende Rolle. Ihr natürliches generelles Vorkommen in Wald- und Ackerböden lässt die Universalität ihrer Fähigkeiten erahnen, jede von Pflanzen und Tieren gebildete Substanz abzubauen und so ihre Bestandteile dem Kreislauf des Ökosystems wieder zuzuführen. Vom Standpunkt des Menschen werden zwei Richtungen vertreten
Biodegradation- der gewünschte Abbau z. B. Kompostieren, Erzeugung von bestimmten Gütern,
Biodeterioration - die unerwünschte Veränderung der Eigenschaft eines Materials, sodass das Aussehen verändert oder eine Nutzung nicht mehr möglich ist.

6.6.2. Materialzerstörung

Bei einer chemischen Veränderung bis hin zum Abbau benutzt der Pilz das Material als Nährsubstrat. So kann z. B. Zellulose über die Cellobiose durch Ende- und Exo-1,4-Glucanasen und schließlich -Glucosidase bis zur Glucose gespalten werden (Hemicellulosen durch entsprechende Enzyme zu Pentosen, Hexosen und Uronsäuren).
Ebenso kann der Handelswert eines Produktes herabgesetzt werden, in dem Ausscheidungsprodukte das Aussehen verändern und als Verfärbungen des Holzes, Papier, in Textilien, Anstriche u. a. zu erkennen ist. Die physikalische Art wird dadurch gekennzeichnet, dass sich z. B. dichtes Pilzgeflecht im Werkmaterial ausbreitet und in Elektrogeräten die Isolierung überbrückt und so Kurzschluss verursacht.

Eine ganze Reihe von Schimmelpilzen der Gattung Alternaria, Aspergillus, Chaetomium, Myrothecium, Aureodasidium, Trichoderma u.a. vermögen Zellulose in Pflanzenfasern jeglicher Art abzubauen. So wird auch Holz direkt angegriffen, allerdings nicht die Ligninkomponente.

6.6.3. Holz Moderfäule

Die auffällige Verfärbung (Vergrauung) und Verlust an Gewicht sowie Festigkeit von bis 98% zeigen die Tätigkeit von Ascomyceten und Fungi imperfecti an. Dabei wird lediglich die Oberfläche, nicht tiefer als 1 mm, geschädigt. In Risse kann sich Regenwasser ansammeln und z. B. sich unter Farbschichten oder Lack ausbreiten und so die Gefahr bzw. Ausbreitung der Schimmelpilze begünstigen. Das so vorgeschädigte Holz begünstigt einen Befall durch Holz zerstörende Pilze (Basidiomyceten). Auch die Spanplatten werden je Klassifizierung nach entsprechender Feuchtigkeitseinwirkung befallen. (Die unlängst zu lesende Behauptung eines Baustoffmarktes, dass V 100 Spanverlegeplatten in Feuchträume einsetzbar sind, kann nur als falsch eingestuft werden.)

6.6.4. Papier

Bei hohen Feuchtigkeiten können Schimmelpilzschäden an verschieden Papierarten auftreten. Dies wird durch auffällige Verfärbung und ein modrig muffiger Geruch gekennzeichnet. Die grauschwarze Verfärbung auf Tapeten stammt von Alternaria und Cladosporium-Arten. Die erforderliche Luftfeuchtigkeit liegt bei über 65%. Begünstigt wird dies durch fehlerhafte Lüftung, zu dichte Papierstapel oder wenn diese in Folien gelagert werden. Ebenso abhängig ist dies von der Zusammensetzung des Papiers durch Zusätze von eiweiß- und stärkehaltigen Leimsubstanzen.

6.6.5. Textilien

Textilien aus Pflanzenfasern (Baumwolle, Leinfaser, Hanf, Jute usw.) unterliegen bei entsprechender Feuchtigkeit besonders unter Zusatz organischer Appreturen und Farben einer Zersetzung, welche sich in Verfärbungen und Verlust der Reißfestigkeit äußert. Hier sind dann vor allem Schäden durch Chaetomium globosum, Myrothercium verrucaria, Stachybotris atra und Trichoderma viride gefürchtete. Schädigungen treten bei Materialien auf, die Niederschlag ausgesetzt werden, wie Markisen, Taue, Seile, Kleidungsstücke oder die in feuchtem Zustand verpackt werden, wie Zelte, Feuerwehrschläuche und Sandsäcke. Bodenbeläge deren Unterseite aus Jute besteht, kann von Pilzen bewachsen werden, was sich in auffälligen Verfärbungen und muffigen Geruch äußert.

6.6.6. Wolle

Wolle besteht aus schwefelhaltigen Keratinen und kann durch Schimmelpilze, die proteolytische Enzyme ausscheiden, angegriffen werden, wenn die Materialfeuchtigkeit wenigstens 20% bis 30 % beträgt, was einer Luftfeuchtigkeit von ca. 95% bedarf. Das Pilzwachstum wird zusätzlich durch Fett und Seifenreste begünstigt. Aus Wolle wurden isoliert: Chaetomium globosum, Cladosporium herbarum und Penicillium lilacinum.

6.6.7. Leder

Tierische Häute werden als eiweißhaltiges Material schon während ihrer Verarbeitung zu Leder von Mikroorganismen besiedelt. Im Allgemeinen sind die unmittelbaren Schäden, die Schimmelpilze auf Leder hervorrufen, nicht gravierend. So bauen Schimmelpilze natürliche oder während der Verarbeitung aufgetragene Fette ab. Die freigesetzten Fettsäuren bilden an der Oberfläche einen feinen weißen Belag.

6.6.8. Kunststoffe, Natur- und Synthesegummi

Es sind nur wenige Schimmelpilzarten in der Lage diese Substanzen abzubauen. Meist ist diese Fähigkeit an den Zusatz von Weichmachern, Emulgatoren usw. in den Produkten in Verbindung mit Feuchtigkeit möglich. Von den Weichmachern sind mehrwertige Alkohole, Ester von Ricinolein-, Klaurin-, Stearin- und Ölsäure sowie Derivate von Adipin- und Sebacinsäure besonders geeignete Pilzsubstrate. Das Schimmelwachstum führt dann zu einer Verminderung der Reiß-, Zug- und Biegefestigkeit, der Elastizität und unter Umständen auch der Isolierwirkung der Kunststoffe. In Nassräumen können vollsynthetische Fußbodenbeläge (Polyamid, Polyester) durch Schimmelpilz befallen werden.

Die bei Abbau der Polyurethane mitwirkenden Enzyme sind Proteasen, Urease und Esterasen. Dabei werden folgende Schritte angenommen: Abbau verbleibender freier Isocynatgruppen, Spaltung von Amidgruppen, Aufbrechen der Urethangruppen und Spaltung der Ringe der Isocyanatsäure-Einheiten. Ebenso tritt ein verstärkter Schimmelbefall bei Dichtstoffen (Polysulfid-, Silikon- und Polyurethan-Polymere) auf. Gerade bei Dehnfugen in Schwimmbädern zeigen schon nach wenigen Monaten dunkle Flecken, die auf eingewachsene Pilzmycelien zurückzuführen sind. Voraussetzung für das Pilzwachstum auf Kunststoffen als Dichtungsmasse ist eine Verwertbarkeit des Polymers oder beigefügter Hilfsstoffe, wie etwa Weichmacher, als Kohlenstoffquelle. Im Allgemeinen sind Silokon-Dichtstoffe gegen Pilze und Bakterien in hohem Maße widerstandsfähig.

Kunststoffputze und Putzmörtel enthalten bis zu 3% Polyvinylacetat, wodurch die Verarbeitung erleichtert und die Festigkeit und Elastizität des Materials verbessert werden soll. Auf solchen Putzen wachsen Cladosporium herbarum und Stemphylium sp. Polyvinylacetat selbst wird durch den Pilz nicht angegriffen. Im alkalischen Putz wird das Polymer jedoch zu Polyvinylalkohol und Acetat hydrolysiert; die letztere Verbindung dient den Pilzen dann als C-Quelle.
Naturgrummi wird von Mikroorganismen (vor allem Streptomyceten) angegriffen, auch wenn er mit Giftstoffen versetzt wird.

6.6.9. Schimmelpilze zerstören Farben und Anstriche

Wand- und Deckenanstriche werden bei ausreichender Feuchtigkeit von Schimmelpilzen besiedelt, die muffigen Gerüche und Verfärbungen von grau bis schwarz (z. B. durch Alternaria, Aspergillus und Cladosporium) grün (durch Penicillium-Arten) oder rötlich (durch Fusarium roseum) hervorgerufen und die Anstriche zerstören können. So wurden zu Beginn dieses Jahrhunderts zur Herstellung der Tapetenfarbstoffe Arsenverbindungen (z. B. Arsenoxid) verwendet. Scopulariopsis brevicaulis und andere setzen daraus die giftigen Verbindungen Trimethylarsin und Kakodyloxid (?) frei, die bei Menschen zu Vergiftungs- und Todesfällen führten.

6.6.10. Glas

Schimmelpilze wachsen auf der Schmutzschicht (Fingerabdrücke, Schmiermittel u. a.). Zunächst wird der Durchblick durch Pilzmycel gestört. Dann kommen Verätzungen durch die Ausscheidung von organischen Säuren, wie Zitronen-, Oxal- oder Gluconsäure, hinzu, die durch die Stoffwechseltätigkeit entstehen.

6.6.11. Mineralische Baustoffe

An der Verwitterung von Gesteinen in Gebäuden und an Denkmälern sind neben den bekannten physikalischen und chemischen Umgebungsfaktoren auch Mikroorganismen beteiligt. Zu den aktivsten Vertretern der Schimmelpilze gehören Arten der Gattung Aspergillus, Cephalosporium, Fusarium, Hormodendrum, Mucor, Penicillium, Spicaria und Trichoderma. Die von diesen Organismen produzierten und ausgeschiedenen Säuren (Oxal-, Zitronen-, Gluconsäure) sind in der Lage, direkt Gesteine anzugreifen oder diese durch Entzug von Kationen (Ca, Fe, Mn) durch Chelatbildung zu zersetzen. Dazu kommen anthropogene Luftverschmutzungen, besonders aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe, die den Abbau von Gestein beschleunigen.

6.6.12. Kohlenwasserstoff

Der mikrobielle Abbau von Kohlenwasserstoff findet immer in wässriger Phase statt. Der Befall ist so auf die Grenzfläche zu Wasser hin beschränkt. So kann z. B. Cladosporium resinae das Kerosin im Flugzeugtank bei Anwesenheit von Wasser (Kondenswasser) auftreten. Die Pilze wachsen dann an der Grenzfläche Wasser/Kerosin und können mit ihrem Mycel Leitungen und Filter verstopfen.
Auf Beschichtungen aus Asphalt und aus Bitumen auf Papier konnten Schimmelpilze gefunden werden.

6.6.13. Metalle

Durch Ausscheidung von organischen Säuren (vor allem -Oxoglutar- und Zitronensäure, aber auch Isocitronen- und cis-Aconitsäure) und anderen Stoffwechselprodukten können Schimmelpilze Korrosionsspuren auf der Oberfläche von Aluminium, Kupfer, Eisen und Blei hervorrufen. [5],[6] (Andere Mikroorganismen, wie Th. ferrooxidans, Desulfovibrio desulfuricans sind sicherlich effektiver. Ebenso werden industrielle für Erzaufarbeitung z. B. Kupfer, Mangan Mikroorganismen eingesetzt.) [9]

6.7. Bekämpfung der Schimmelpilze

In den bereits genannten Ausführungen wird deutlich, dass wir uns dem Einfluss der Schimmelpilze nicht entziehen können. Lediglich die Konzentration der Sporen kann durch sinnvolle Maßnahmen reduziert werden. Bei optimalen Lebensbedingungen der Schimmelpilze in den Innenräumen werden nicht nur Materialien, sondern auch die Lebensmittel befallen bzw. mit höheren Konzentrationen beauflagt, sodass neben der direkten auch eine indirekte Belastung auftritt. Die Zuordnung der Schimmelpilze zu den Vertretern unter Zygomyceten, Ascomyceten oder Deuteromyceten hat lediglich dann eine ausschlaggebende Bedeutung, wenn bestimmte Krankheitssymptome und die genaue Ursachenquelle bestimmt werden müssen und sich aus dem vorliegenden Bauzustand keine eindeutige Schlussfolgerung ziehen lässt.

Das einfachste Verfahren Schimmelpilze zu bekämpfen, ist ein Niedrighalten der relativen Luftfeuchtigkeit auf 70% und darunter bei gleichzeitigem Trocknen des Materials. Ein Schimmelpilz selbst in Duschen und im Bad lässt sich durch Lüften und Klimatisierung (trockene Wärme) vermeiden.

Eine Bekämpfung von Schimmelpilzbefall bei Materialien aller Art, bei Farben und Anstrichen ist durch Phenol-, Methyl- oder anorganische und organische Schwermetall-Verbindungen leicht möglich, aber wegen der Giftigkeit stellen diese Substanzen für die Umwelt eine Problematik dar. Andere Verbindungen, wie quartäre Ammonium-Verbindungen, halogenierte Sulfonylpyridine, Captane, Triazine sind weniger giftig. Die Forderung an solche fungizide Substanzen, für den Menschen und Tier quasi ungiftig, geruchlos, nicht flüchtig sowie licht- und luftbeständig zu sein, ist nur schwer zu erfüllen. [5]

Die fungizide Wirkung der meisten angebotenen Schimmelbekämpfungsmittel basiert auf Chlor-, Schwefel-, Stickstoff- und organische Zinnverbindungen. Es erfolgt bei der Anwendung praktisch ein Austauschen eines Giftes durch ein anderes. Für eine vorübergehende, oberflächliche Beseitigung erfüllen auch weniger unbedenkliche Mittel den Zweck. Dazu gehören:

Die Stellen werden gut durchtränkt und ausgerieben. Die Augen und Schleimhäute sind zu schützen und es ist intensiv zu lüften. Die befallenen Materialien, wie Tapete, Leime, Farbanstriche,... sollten entfernt werden. Da Schimmelpilze vorwiegend organische Materialien als Nahrung benötigen, ist über die Entfernung des Putzes fallweise zu entscheiden. In der Regel dürfte eine gründliche Säuberung der Wand- bzw. Putzoberfläche, z. B. mit Spachtel und Drahtbürste, ausreichen.[4]

6.8. Wichtige Ursachen der Schimmelbildung

Schimmelpilze benötigen bestimmte Lebensbedingungen (vgl. Pkt.6.2.2.). Diese werden durch nachfolgende Kriterien begünstigt:

Ohne Ursachenbeseitigung ist langfristig keine Schadensbehebung möglich!

6.9. Checkliste zur Vermeidung von Schimmelpilzentstehung

  1. Welche Änderungen haben sich ergeben? (Neue Fenster, andere Tapete bzw. Farbanstrich, andere Heizung o. a.)
  2. Überprüfung der Lüftungsgewohnheiten, durch eine Querlüftung (3 bis 4 Mal täglich) erzielt man schnell einen Luftwechsel;
  3. Kontrolle der Raumlufttemperatur und Oberflächentemperatur (Eckbereiche oder über Fußboden), die Differenz innerhalb einer Wohnung sollte 3-4 K nicht überschreiten;
  4. Erhöhtes Feuchtigkeitsaufkommen beim Backen, Braten, Kochen, Duschen, Baden sofort direkt ins Freie ableiten. Keine Verteilung der Feuchtigkeit in der Wohnung durch geöffnete Türen zu lassen. Die erhöhte Feuchtebelastung sollte möglichst 2 Std. nicht überschreiten.
  5. Einsatz technischer Hilfsmittel (Entlüftungseinrichtung)
  6. Messung der Feuchtigkeit mit einem Hygrometer, 55% relative Luftfeuchtigkeit sollten in der kühleren Jahreszeit als Obergrenze eingehalten werden. Besser etwas unter 50%.
  7. Einrichtungsgegenstände an Außenwänden sind nicht luftstrombehindernd anzuordnen (mind. 5 cm Abstand zur Wand). Raumecken sind möglichst frei zu halten, damit die Wandfläche ausreichend temperiert wird.
  8. Verwendung diffusionsoffener Baustoffe, Vermeidung von Dampfbremsen und  atmungsdichter  Stoffe, Folien, Tapeten oder Farben.
  9. Austrocknung feuchter Bauteile vor jeder Sanierung!
  10. Nachträgliche, zusätzliche Dämmmaßnahmen immer so anordnen, dass die Dämmschicht möglichst weit außen liegt, also dort, wo der Wärmeverlust am größten ist.

Ergänzung: Berechnungstool für die Abschätzung einer Schimmelpilzgefährdung.

7. Verhaltensweise des Betons unter Einwirkung von Mikroorganismen
7.1. Allgemeines zur mikrobiologischen Korrosion

Es werden oft Korrosionserscheinungen festgestellt, die nicht sofort auf das Wirken von Mikroorganismen zurückzuführen sind. Bakterien, Pilze, Algen, Flechten oder Urtierchen können fast alle Naturprodukte und Industrieerzeugnisse angreifen, schädigen oder zersetzen. Die dabei gewonnene Energie wird zum Zellenaufbau benötigt, ebenso ein Teil der umgewandelten chemischen Verbindungen oder Elemente. Diese Prozesse sind aber je nach Mikrobenart sehr unterschiedlich. Es werden Holz, Zellstoff, Papier, Leder, Gummi, Textilien, Wolle, Öle, Paraffine, Wachse, Treib- und Schmierstoffe, Knochen, Glas, Steine, Baustoffe, Leime, Anstrichstoffe, Bitumen, Kunststoffe und Metalle angegriffen. Bestimmte Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, ...) siedeln sich nur an speziellen Orten an. Diese benötigen günstige Lebensbedingungen, wie einen bestimmten pH-Bereich, bestimmte Temperatur und aerobes (Luftsauerstoff atmend) oder anerobes Milieu. Sind diese Bedingungen gegeben, so kann ein bestimmter Stoff angegriffen werden, der als Lebensgrundlage dient. Donnendorf konnte in [/10/,103] folgendes feststellen: "Die Mikroorganismen können den Werkstoff direkt oder indirekt schädigen. Ein direkter Angriff erfolgt vor allem durch rein mechanische Einwirkung auf das Metall, aber auch durch Abdeckung gewisser Oberflächenbereiche und damit Bildung von Belüftungs- bzw. Konzentrationselementen. Eine indirekte Einwirkung ist durch Stoffwechsel- und Zerfallsprodukte von Mikroorganismen möglich. Es können aggressive Gase, Säuren, ..." gebildet werden. Ab den 70/80iger Jahren wurde gerade dieser Korrosionserscheinung mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Es wurde das Wissenschaftsgebiet "Organismen und Werkstoff" geschaffen, welches sich mit den Erscheinungen und Problemen, die durch den Einfluss von Lebewesen auf Werkstoffe entstehen, beschäftigt.

Die mikrobiologische Industrie erlangt in der Zukunft immer mehr Bedeutung. Vorhandene Anlagen werden rekonstruiert oder erweitert. Es werden auch völlig neue Anlagen und Betriebe errichtet. Diese haben mit chemischen Anlagen darin eine gewisse Ähnlichkeit, da die für die Prozessdurchführung (Fermentation) benötigten Nährlösungen aus verschiedenen Chemikalien und Substraten (z. B. Alkanole, Molke, Sulfate, usw.) zusammengesetzt sind. Die biologischen Prozesse finden vorwiegend bei der Erzeugung von Futtereiweißstoffen, der Gewinnung oder Reinigung von Eisen, Cu, Mangan, ... aus geringwertigen Erzen, in der Lebensmittelindustrie z. B. Käserei, Brauerei ... und in der Pharmazie unter anderem die Penicillinherstellung, u.a. ihre Anwendung.

Bei der Züchtung von Mikroorganismen können durch günstigere Bedingungen auch außerhalb der Fermentationsanlagen hohe Konzentrationen an Keimen auftreten. Dabei können die Mikroorganismen in Verbindung mit Chemikalien, die zwangsläufig auftreten, Korrosionsschäden an Betonbauteilen verursachen. Solche Schäden lassen sich nicht sofort, sondern erst im Verlauf einer längeren Zeit erkennen. So wurde der Betonfußboden der Fermentationsanlage in Seelow in einem Jahr so zerstört, dass er mit einer Schutzschicht versehen werden musste. In den nachfolgenden Punkten wird auf die Korrosion durch Mikroorganismen hingewiesen. Dabei wird aber auch auf solche Werkstoffe, wie Bitumina, Anstriche-, Kunststoffe und Glas eingegangen, die im Säureschutz Anwendung finden aber durch bestimmte Mikroorganismen besiedelt sowie mikrobiologisch abgebaut werden können.

7.2. Die Korrosion von mineralischen Werkstoffen durch Mikroorganismen

Die Korrosion durch Mikroorganismen kann, ebenso wie die bisher beschriebenen Arten der Korrosion, unter verschiedenen Bedingungen verlaufen. "Kalkstein kann neben natürlich vorkommenden mineralischen Baustoffen durch Bakterien geschädigt werden. Bei dem Zweiphasenwerkstoff Beton wird sowohl der Zementstein als auch der Zuschlag, jedoch auf unterschiedliche Weise, durch die Stoffwechseltätigkeit von Mikroorganismen angegriffen. Die große innere Oberfläche des Zementsteins, die z.T. bis zu 200m2/g beträgt, macht sich in diesem Zusammenhang besonders bemerkbar." [/11/,11] Eine Art der Korrosion des Betons erfolgt durch den SO2-Gehalt der Atmosphäre oder den Sulfatgehalt des Wassers. Die organischen und anorganischen Schwefelverbindungen werden unter aneroben oder aeroben Bedingungen zur Mineralisierung zu Sulfat oder zur H2S-Bildung angeregt.

Die Korrosion durch Mikroorganismen "... geschieht vor allem durch die Tätigkeit der acidophilen Thiobacillus-Arten, die verschiedene Schwefelverbindungen zu Schwefelsäure oxidieren. Thibbacillus concretivorus entwickelt sich optimal bei pH 2 bis 4 und wächst noch bei pH 1. Durch seine starke Säurebildung vermag dieser Organismus aus Beton erstellte Abwasserleitungen, Kläranlagen, Hafenbauten, Brückenpfeiler usw. zu zerstören und dadurch große Schäden hervorzurufen. Eine ähnliche Rolle können die übrigen acidophilen Thiobacillen, wie Th. thiooxidans und Th. ferrooxidans, spielen. Sie alle bewirken auch die Korrosion von Metallen und anderen säureempfindlichen Materialien." [/12/,181]

Ebenso können durch nitrofizierende Bakterien Säuren gebildet werden. Die Schwefel- und salpetrige Säure bewirkt eine Senkung des pH-Wertes, was gleichzeitig die Ansiedlung anderer Kulturen ermöglicht.

"Ein Weg des Mineralabbaus, besonders von Beton, ist die mikrobiologische Oxidation des in der Luft und im Regenwasser vorhandenen Ammoniaks über Nitrit und Nitrat; dabei wird Kalziumkarbonat umgewandelt, das pulverförmig unter einer harten Kruste zurückbleiben kann. ... Es gibt aber auch Zerfall von Kalkstein, bei dem der pulvrige Rückstand im Zusammenhang mit mikrobiologischer Oxidation von SO2 Kalziumsulfat enthält." [/11/,12]
Solche Schäden treten dort auf, wo viel Feuchtigkeit, z. B. in Kühltürmen, Abwasserschächten und Ställen, vorkommt.

7.3. Die Korrosion von Eisen durch Mikroorganismen

"Als Weg der bakteriellen Korrosion kommen 3 Wege in Betracht. Die Kinetik von Elektroden-Reaktionen wird nach einer Theorie des Korrosionsmechanismus der Sulfatreduzierer unmittelbar durch Lebensprozesse der Bakterien beeinflusst; oder die Bakterien, beispielsweise Kohlenhydratabbauer, produzieren korrosive Substanzen wie anorganische und organische Säuren; oder Bakterien können an der Bildung von Elementen beteiligt sein, die durch unterschiedlich belüftete Bereiche zustande kommen. ... Lochfraßerscheinungen, d. h. Korrosion von Stahl an Schiffsrümpfen und Hafenbauten haben besonders an Stellen ohne Sauerstoffzutritt, wie z. B. unter Bewuchs, zu der Vermutung eines Einflusses anaerober Bakterien auf die Eisenkorrosion geführt. Versuche mit an dieser Stelle gefundenen sulfatreduzierenden Bakterien Desulfovibrio desulfuricans ergaben im Labor einen langsamen Eisenangriff. [/11/,13,12]

In einer anderen Literaturquelle wird die anerobe Korrosion wie folgt erläutert:

"Eine anerobe Korrosion wird häufig durch Sulfatreduzierer - vor allem Desulfovibrio desulfuricans - bewirkt. Der von diesen erzeugte Schwefelwasserstoff kann direkt mit Eisen reagieren. Es entstehen Korrosionszellen zwischen Eisensulfid und metallischem Eisen. Reduzierende Zonen von metallischem Eisen wirken anodisch gegenüber anderen Bereichen, die sich in Kontakt mit sauerstoffhaltigem Wasser befinden, sodass es zur Lösung des Eisens kommt." [/12/,180]

Der Bewuchs (sog. Fouling) kann für die erforderliche Herabsetzung des Redoxpotentials sorgen, in dem er eine dichte Schleimschicht auf der im Wasser befindlichen Oberfläche des Bauteils bildet.

"Durch den Abbau von Eiweißstoffen werden Ammoniak und H2S freigesetzt und es kommt zu einer starken Sauerstoffzehrung, sodass die Voraussetzung für eine Desulfurikation Sulfatreduzierer (Desulfovibrio desulfuricans) günstig sind. Die heterotrope Aufwuchsflora bewirkt aber auch direkt durch die Abgabe von CO2 und zum Teil auch von H2 eine starke Korrosion. Sie kann die von den Sulfatreduzierern verursachte Korrosion noch erheblich übertreffen (Frenzel 1966). Neben Eisen korrodieren auf diese Weise auch andere Metalle, vor allem Aluminium."[/12/,181]

Die Bakterienkultur Sorovibrio desulfuricans, die im Erdboden mit wenig gelöstem Sauerstoff vorkommen kann, kann im pH-Bereich 5,5 bis 8,5 eine abnorm hohe Korrosionsgeschwindigkeit bewirken.

"Sulfat reduzierende Bakterien reduzieren in Gegenwart von Wasserstoff oder organischen Stoffen sehr leicht anorganische Sulfate zu Sulfiden. Diesen Prozess begünstigt die Gegenwart einer Eisenoberfläche. Die Reduktion beschleunigende Wirkung des Eisens beruht wahrscheinlich darauf, dass das Eisen den Wasserstoff abgibt, der normalerweise an der Metalloberfläche adsorbiert ist, und der die Bakterien bei der Reduktion des Sulfats unterstützt. Für jedes verbrauchtes Äquivalent Wasserstoffatome geht ein Äquivalent Eisen-(II)-Ionen in Lösung und bildet Rost und FeS. Daher wirken die Bakterien wahrscheinlich hauptsächlich als Depolarisatoren. Die Reaktionsfolge kann folgendermaßen formuliert werden:

Anode:      4 Fe → 4 Fe2+ + 8e
Kathode:   8 H2O → 8 H (an Fe adsorb.) + 8 OH1- - 8e
                8 H(ad.) + Na2SO4 Bakterien → 4 H2O + Na2S
                Na2S + 2 H2CO3 → 2 NaHCO3 + H2S

Gesamtreaktion:
               4 Fe + 2 H2O + Na2SO4 + 2 H2CO3 → 3 Fe(OH)2 + FeS + 2 NaHCO3

Wie man daraus erkennt, werden Eisenhydroxid und Eisensulfid im Molverhältnis 3:1 gebildet. ... Die Analyse eines Rostes, der durch die aktive Mitwirkung der Sulfate reduzierenden Bakterien entstanden ist, zeigt annähernd das gleiche Verhältnis von Oxid und Sulfid." [/13/,99]

Die Aktivität der Bakterien kann durch Belüftung des Wassers gehemmt werden, da sie in Gegenwart von gelöstem Sauerstoff nicht lebensfähig sind. Weiterhin kann unter anderem durch anorganische Selenate die Ausbreitung dieser Bakterien gehemmt werden.

7.4. Die Korrosion von polymeren Werkstoffen durch Mikroorganismen

Selbst an Kunststoffen, Kautschuk, Anstrichstoffen und Bitumina wurden Korrosionserscheinungen festgestellt. Lindner [/14/,270] beschreibt folgendes:
"Stockflecken am Gummi sind keine Seltenheit. An der Gummizerstörung beteiligen sich, falls etwas Feuchtigkeit vorhanden ist, vermutlich Mykobakterien, Aktinomyzeten und Schimmelpilze. Bestimmte Schwefelbakterien wandeln den im Gummi enthaltenen Schwefel in Schwefelsäure um."

Nach Zobell und Beckwith wird das Gummi hauptsächlich durch Angehörige der Gattung Pseudomonase, Micrococcus, Bacillus, Nocardia und Micromonspora abgebaut. Dabei unterliegen einige Sorten des synthetischen Gummis rascher der bakteriellen Zerstörung als natürlicher Gummi.[15]

Überall können korrosive Schäden durch Mikroorganismen festgestellt werden, vor allem auch an Bitumina und Anstrichstoffen. Dies dürfte von Bedeutung sein, da diese Materialien unter anderem als Schutzschicht auf Beton, z. B. beim Säureschutz, Anwendung finden.
"Über das Verhalten von Kunststoffen und Kautschuk gegenüber Mikroorganismen sind auf Grund zahlreicher praktischer Erfahrungen und Laboruntersuchungen einige allgemeine Feststellungen möglich." [/11/,6]

Rein synthetische Polymere wie PVC, Polyäthylen, Polystyrol und andere sind widerstandsfähig gegen Mikroorganismen. Dahingegen werden bestimmte Polyamide, Polyester und Polyurethane sowie Natur- und Synthesekautschuk in begrenztem Maße angegriffen.

"Die wichtigsten Eigenschaftsveränderungen von Kunststoffen und Kautschuken unter Einwirkung von Mikroorganismen auf das Polymer oder darin enthaltene Zusatzstoffe sind Masse- und Festigkeitsverluste oder Versprödung." [/11/,8]
Es können aber auch noch andere Schadensmöglichkeiten auftreten.
"Zusätzlich zu reinen synthetischen Polymeren und Kautschuk wie Weichmacher, Füllstoffe, Stabilisatoren, Emulgatoren können anfällig sein." [/11/,7]

So wird angenommen, dass die Ester-Weichmacher durch Enzyme zu kurzkettigen Säuren und Alkoholen abgebaut und diese als C-Quelle von den Mikroorganismen verwendet werden.

"Bitumina als Straßenbeläge und zu Dichtungsmassen können von Mikroorganismen besiedelt und chemisch angegriffen werden. In feuchter Umgebung, besonders wenn es sich um Abwasserleitungen mit reicher Bakterienflora handelt, entstehen Schäden durch Bakterien. Auch einzelne Schimmelpilzarten verwerten Bitumina."[/11/,9]
Da diese Stoffe als Dichtungsmassen verwendet werden, kommt ihrem technischen Schutz, unter gefährdeten Bedingungen, besondere Bedeutung zu.

7.5. Die Bedeutung des pH-Wertes für die Beständigkeit des Stahlbetons

In den vorangegangenen Abschnitten wurde der pH-Wert unter verschiedenen Gesichtspunkten angesprochen. Eine kleine Übersicht soll das folgende Bild darstellen:

Bild pH-Bereiche Beton und Bakterien

Im Allgemeinen kann aus der Übersicht entnommen werden, dass ein poröser Beton anfälliger gegenüber Bakterien ist als ein dichter. Die Bakterien haben einen recht großen "pH-Lebensraum", wo unter anderem die schwefelabbauenden Kulturen wiederum die Lebensmöglichkeit für andere Bakterienstämme geben können. Unter bestimmten Gesichtspunkten könnte bei einer Besiedlung des Betons mit Kulturen, deren "pH-Lebensraum" bei etwa 4 liegt, durch einen "pH-Schock" deren Wachstum gestört bzw. abgetötet werden. Eine weitere Möglichkeit wäre die Schaffung einer Pufferzone bei einem pH-Wert von 12,6, um somit den Beton gegenüber Säuren und Mikroorganismen resistenter zu machen.

Eine vom pH-Wert unabhängige Möglichkeit wäre der sinnvolle und gezielte Einsatz von Bakteriophagen. Die Anwendung der Vieren ist nur bedingt möglich, könnte aber sehr wirkungsvoll sein. Die Bakterienviren können nur ihre speziellen Wirtsbakterien infizieren und zerstören. Diese Variante würde einen einfachen und relativ langen Korrosionsschutz bewirken, da die Vieren sehr widerstandsfähig sind und somit eine Ansiedlung der korrosionsschädigenden Bakterienkulturen sehr ungünstig ist.

7.6. Schlussbetrachtung

Nicht so einfach kann die Korrosion des Betons durch Mikroorganismen erläutert werden, da es doch eine Reihe von wesentlichen Unterschieden gibt. Hier werden ebenfalls die chemischen Verbindungen zu Energiegewinnung genutzt, die für die Stoffwechselprozesse der Mikroorganismen unerlässlich sind. Diese Reaktion verläuft jedoch unter anderen Bedingungen, zum Teil über Zwischenstufen entsprechend der Stoffkreisläufe (z. B. von Schwefel, Stickstoff, ...). Hier können ganz unterschiedliche Reaktionen wie z. B. Dinitrifikation oder Nitratammonifikation stattfinden, die vom jeweiligen Milieu, in dem die Mikrobe lebt, abhängt. Es werden bestimmte Lebensbedingungen wie ein bestimmter pH-Bereich, Temperatur, ein aerober oder anaerobes Milieu u.a. benötigt, um ein optimales Wachstum zu erreichen.

Aus den kurz erläuterten Tatsachen geht hervor, dass Mikroorganismen nicht überall ernsthaft korrosiv wirksam werden können. Treten sie aber an bestimmten Orten auf, an denen sie günstige Bedingungen vorfinden, so können sie zur ernsten Gefahr für den Beton und andere Werkstoffe werden. Hier ist jedoch zu beachten, das geht auch aus den vorangegangenen Abschnitten hervor, dass nicht eine Mikrobe irgend etwas mikrobiologisch abbaut, sondern bestimmte chemische Verbindungen bevorzugt. Ein wesentlicher Fakt ist noch zu erwähnen, dass bestimmte Kulturen durch ihre Anwesenheit den pH-Wert verändern oder durch Abbaurückstände andere Arten verwendbare Substanzen zur Verfügung stellen, die dann die biochemische Zersetzung weiter fortführen.

Gerade diese Tatsache ist von großer Bedeutung für den Korrosionsschutz des Betons. Viele Schutzschichten, die im Säureschutzbau Anwendung finden, die einen wirksamen Schutz vor Sulfat, Phosphat, Aminoverbindungen aufweisen, können durch Mikroorganismen angegriffen und zerstört werden. Das trifft für Bitumina, Gummi, Kunst- und Anstichstoffe und vieles mehr zu.

Mikroorganismen werden meist in der Vereinigung mit chemischen Verbindungen auftreten, was in den Betrieben der mikrobiologischen Industrie zwangsläufig alltäglich ist. Hier reichen die üblichen Betonschutzmaßnahmen nicht aus, da sie zwar einen wirksamen Schutz vor Säuren und anderen korrosiven chemischen Verbindungen bieten, aber durch Mikroorganismen zersetzt werden können. Danach ist die Schutzwirkung verloren und die Korrosion des Betons kann durch die aggressiven chemischen Verbindungen und die Mikroorganismen erfolgen.

8. Bauphysikalische Gesichtspunkte, die für die biologische Schädigung mit verantwortlich sind
8.1. Luftfeuchtigkeit

Die Wohn- und Arbeitsräume umschließt eine Bauhülle. Für ein Verständnis der gesamten Problematik muss auch diese in die Betrachtung einbezogen werden.

8.1.1. Baumaterial und Feuchtigkeit

Das Sprichwort "Steter Tropfen höhlt den Stein" weist darauf hin, das Wasser auf alles Feste auflösende Wirkung hat und dass schon geringe Mengen an der falschen Stelle große Folgen haben können. [23] In allen kapillar-porösen Bauwerksteilen wird Feuchtigkeit gespeichert. Die Speicherung verläuft dynamisch und innerhalb desselben Bauteils oft sehr ungleichmäßig. Bei kapillar-porösen Bauwerksteilen stellt sich ein durchschnittlicher Dauerfeuchtigkeitsgehalt ein. Holz wird durch eine Gleichgewichtsfeuchtigkeit gekennzeichnet, ist jedoch auch hygroskopisch kann also aus der Luft Feuchtigkeit binden. Man unterscheidet:

Wasserdampfdiffusion:  Der Transport von Wasserdampf durch den Baustoff
Kapillare Leitfähigkeit: Der Transport von Flüssigkeit (Wasser) durch den Baustoff
Hygroskopisch:             Die Fähigkeit eines Baustoffes, Wasser aufzunehmen und zu binden.

Bild 1: Feuchteverhalten verschiedener Baustoffe

Gut ausgebildetes Kapillarsystem mit Kapillaren unterschiedlichen Durchmessers:
Großes Wasseraufnahmevermögen, großes Feuchteabgabevermögen z. B. Ziegel, Gips


Geschlossenzellige Struktur mit wenigen Kapillaren zwischen den Zellen:
Großes Wasseraufnahmevermögen, geringes Feuchteabgabevermögen, z. B. Gasbeton



Struktur mit kleinen, abgeschlossenen Poren und Kapillaren:
Geringes Wasseraufnahmevermögen, geringes Feuchteabgabevermögen, z. B. Schwerbeton, Blähton-Beton
Bild Feuchteverhalten verschiedener Baustoffe

Ziegel, Lehm und Holz haben besonders günstige physikalische Eigenschaften und sind deshalb als raumumschliessende Baustoffe zu empfehlen. Ihr wesentlicher Vorteil ist, dass sie kurzzeitige Feuchtigkeitsspitzen abbauen können, wie sie z. B. beim Duschen auftreten. Dämmstoffe müssen vor direkter Durchfeuchtung geschützt werden, da ihre Wirkung auf viele Hohlräumen mit Luft beruht. Füllen sich diese mit Wasser, so verringert sich die Isolierwirkung auf fast 50%. Daher sind diese Dämmstoffe mit einer sorgfältig angebrachten Dampfsperren zu schützen, wenn eine Innendämmung vorliegt. Bei Dämmstoffen mit höherer Gleichgewichtsfeuchte, wie Kokos, Stroh, Kork oder Zellulose, kann unter Umständen auf die Dampfsperre verzichtet werden. [16] Die Quantifizierung des Feuchtehaushaltes von Umfassungskonstruktionen hat bisher noch keinen befriedigenden Stand erreicht. Der Nachweis der inneren Kondensatbildung z. B. erfolgt immer noch nach dem Glaserschen Diffusionsschema. Es werden weder die hygroskopische Auf- und Entladung noch die kapillare Entspannung des Tauwassers berücksichtigt. [17]

8.1.2. Luftfeuchtigkeit im Wohnraum

(Hier spielen die absolute und relative Luftfeuchte, die Sättigungstemperatur und der Wasserdampfdruck eine Rolle.) Die Feuchtigkeit der Luft wird als Wasserdampf bezeichnet, welchen man nicht sehen, hören und riechen kann. Ständig erhöhte Feuchtigkeit in Wohnräumen führt zu gesundheitlichen Risiken, wie chronische Hustenanfälle und asthmatische Erkrankungen, im Extremfall besteht die Gefahr der Schwindsucht. In den überwiegenden Fällen sind Feuchtigkeitsursachen vielschichtig und können sich gegenseitig begünstigen.

8.1.2.1. Feuchtigkeit in Wohnungen

1. Entstehung durch Nutzung (Wasserdampfproduktion)
   Wannenbad 1 l pro Person
   Zimmerpflanze 0,5 bis 1 l pro Tag
   Atmung 1 Person ca. 0,1 l pro Stunde
   Schlafphase ca. 1 l pro Person
   Trocknen von Wäsche 4,5 kg 1-1,5 l
2. Entstehung durch Beschaffenheit des Gebäudes
2.1. Konstruktiv vorhanden
   Schwachstellen der Konstruktion, z. B. an Bauteiloberflächen (Wärmebrücke) ungünstige Raumgeometrie
2.2. Innere Einwirkungen
   Defekte an Wasserleitungen, Spritzwasser im Bad
2.3. Äußere Einwirkungen
   Dachbereich, undichte Fenster, Türen, Wände durch Niederschlag
   Aufsteigende Feuchtigkeit durch defekte Sperrung im Fundament- und Erdgeschossbereich
2.4. Im Neubau
   Die baustoffbedingte Beimischung von Wasser für den Mörtel (Gips, Kalk, Beton), früher hatte man die neuen Gebäude "ausgewintert", heute muss dies durch erhöhte Heizung und Lüftung austrocknen [18]

Eine zu große Feuchtigkeit in den Wohnräumen, die Behaglichkeit liegt bei etwa 65 % relative Luftfeuchtigkeit, führt einerseits zur Schädigung des Baukörpers und andererseits hat dies gesundheitliche Auswirkungen und im Extremfall kann sich Schimmelpilz bilden. In der nachstehenden Grafik wird die Abhängigkeit der relativen Luftfeuchtigkeit von der Temperatur aufgezeigt. Die absolute Luftfeuchtigkeit ist unverändert.

Bild 2: Kritischer Bereich der Kondensatbildung für Schimmelbefall [19, S. 121]

Es wird deutlich, dass bei einer Absenkung der Lufttemperatur die relative Luftfeuchtigkeit ansteigt.

Tabelle 1: Veränderung der rel. Luftfeuchtigkeit bei gleich bleibender absoluter Feuchte und einer Temperaturänderung

Temperatur rel. Luftfeuchte Variante 1
bei 11g Wasser/m3Luft
rel. Luftfeuchte Variante 2
bei 8,3g Wasser/m3Luft
z. B. Raumluft 20ºC 65% 50%
z. B. an Wandoberfläche 18ºC 72% 55%
z. B. an Wandoberfläche 16ºC 81% 63%
z. B. an Wandoberfläche 14ºC 93% 71%
z. B. an Wandoberfläche 12ºC 100% 82%

Weisen einige Bauteile auf Grund ihrer Baustoffzusammensetzung oder durch geometrische Formen an ihrer Oberfläche eine niedrigere Temperatur als ihre Umgebung auf, so ist an dieser Fläche eine höhere relative Luftfeuchtigkeit vorhanden. Diese Beobachtung kann man an den Fensterscheiben älterer Bauart feststellen (Feuchtigkeitsfallen). Bezogen auf das o. g. Beispiel würde bei einer relativen Luftfeuchte von 65% bei einer 36-iger Ziegelwand im Winter bei -10°C eine relative Luftfeuchtigkeit an der Wandoberfläche von ca. 90% vorliegen. Jetzt ist es aber nicht jeden Tag -10°C und in einer massiven Außenwand liegen instationäre Verhältnisse vor, eine Folge des Wechsels der Temperatur am Tag und in der Nacht sowie der Einfluss des Sonnenscheins. In der Regel liegt im Winter die relative Luftfeuchtigkeit bei normaler Nutzung bei 50% oder weniger. Damit ergeben sich die Werte aus der Variante 2 (Tab. 1). Wird nur die o. g. Außenwand betrachtet, so kann sich bei dem Extremfall eine relative Luftfeuchte von 71% einstellen. Damit kommt es auch nicht zur Schimmelpilzbildung. Treten feuchte Wände oder Wandflächen auf, so sollte neben einer Erhöhung der Lüftungsrate die Raumtemperatur erhöht werden. Allerdings kostet eine Temperaturerhöhung im Zimmer von 1 K (1ºC) ca. 6% mehr Wärmeenergie (dies ist abhängig von der Raumgröße und dem Wärmedurchgangskoeffizienten.) Auf eine Nachtabsenkung, um Energie zu sparen, sollte verzichtet werden, wenn kritische Bauteile vorhanden sind. Werden Strahlungsheizungen verwendet, so liegt die Temperatur der Wandoberfläche höher und es bildet sich kein Kondensat an der Wandoberfläche. Das ist unter anderem auch ein Nachteil der modernen Zentralheizung, die vorwiegend nach der Konvektion funktioniert.

8.2. Lüftungsaustausch in einer Wohnung

Eine intensive Lüftung der Räume ist erforderlich, um die verbrauchte Atemluft (höherer CO2-Gehalt) auszutauschen, die Luftfeuchtigkeit, Schadstoff- und Staubkonzentration und die Radioaktivität zu verringern. In Schweden wurde in stark wärmegedämmten Wohnungen eine Erhöhung von der Dosis 110 mrem bis auf 380 mrem festgestellt. (Jede radioaktive Strahlung - ob natürlich oder künstlich- ist lebensfeindlich. Prof. Fritz-Niggli) Empfehlenswert ist daher ein Luftwechsel von 2 bis 3. Neben diesem Fakt ist die Reduzierung der Luftfeuchtigkeit ein wichtiger Aspekt der Lüftung.

Unser Körper gibt ständig Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Ebenso entsteht Feuchtigkeit beim Kochen, Duschen und durch Zimmerpflanzen. Die relative Luftfeuchtigkeit steigt an, wenn diese feuchtere Luft nicht von Zeit zu Zeit ausgetauscht wird. Erfolgt dies nicht ausreichend, so kann es unter Umständen an kühleren Bauteilen zur Kondensatbildung, wie früher an den einfachen Fensterscheiben, kommen oder in diesem Bereich ist die angrenzende Luftfeuchtigkeit höher. Das liegt daran, dass kühlere Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann. Die Schimmelpilzbildung allein einer falschen Lüftung zuzuordnen ist grundsätzlich abzulehnen. Es sind hierfür meist mehrere Ursachen, wie auch konstruktiver und materialspezifischer Art, verantwortlich (vgl. Luftfeuchtigkeit).

Durch das Fraunhofer Institut wurde die Luftwechselzahl untersucht. In einer Tabelle werden die Werte aufgeführt.

Tabelle 3: Lüftungsart [19, 152]

Lüftungsart Luftwechselrate pro Stunde Dauer der Lüftung für einen Luftaustausch
geschl. Fenster und Türen 0,0 bis 0,5 mindestens 2 Std. (je dichter
die Fenster, so geht der Wert gegen Unendlich)
Fenster gekippt 0,5 bis 2,0 0,5 Std. bis 2 Std
halb geöffnetes Fenster 5 bis 10 6 bis 12 Min
völlig offenes Fenster 9 bis 15 4 bis 7 Min.
Querlüftung 40 1,5 Min.

Sehr dichte Fenster sind ungünstig. Die Argumente, täglich 3 bis 4-mal kräftig lüften, erfordern immer die Anwesenheit eines "Lüfters", ganz zu schweigen von der Gewohnheit und der Einstellung. Auch bei Abwesenheit erhöht sich die Luftfeuchtigkeit z. B. durch die Zimmerpflanzen. Die Lüftung ist die wichtigste Maßnahme, um die Luftfeuchtigkeit in den Räumen zu senken.

In Schweden wurde daher eine zusätzliche Zwangsbe- und Entlüftung eingeführt. Es gibt einfache Systeme, die nur aus dem Schlafzimmer, der Küche und dem Badezimmer die Luft absaugen und durch regelbare Lüfterdosen in den Wänden der Wohnräume Luft nach strömen lassen. Neuerdings werden in Deutschland hochgedämmte dichte Fenster mit undichten Lippendichtungen eingebaut. Nach der energetischen Sanierung eingebaute und ständig laufende Abluftventilatoren in der Wohnung (Bad oder WC) sollen eine Zwangslüftung bewirken. Ein Abschalten ist natürlich untersagt.
Es werden auch die Argumente der "atmenden Wände" genannt. Hier wird sicherlich die sorptionsoffene Wandbeschichtung und das Diffusionsgefälle nach außen gemeint. Ersteres reguliert den Feuchtehaushalt in der Wohnung, z. B. beim Kochen wird der Wasserdampf kurzzeitig von der Wandfläche aufgenommen und das Kondenswasser schlägt sich nicht bzw. nur wenig auf Wandfliesen nieder. Zweiteres wird durch die äußere Wandbeschichtung, Kunstharzbeschichtung oder das Wärmedämmverbundsystem, weitestgehend unterbunden. Im Extremfall kann sich in dieser Grenzschicht Feuchtigkeit ansammeln. Insgesamt wird durch die Diffusion verhältnismäßig wenig Feuchtigkeit nach außen abgegeben.
Aber, und das wird bei der Lüftungsargumentation vergessen, nur über die ungehinderte Diffusion kann die Wandkonstruktion trocken bleiben. Ist die Wand feucht, so erhöht sich die Wärmeleitfähigkeit je Baustoff extrem und die Folge sind höhere Heizenergieverbräuche. In einem extremen Fall in Zwickau (2001) veränderte sich der u-Wert einer Innenwand aus Beton zu einem ungeheizten Treppenhaus von ca. 1,9 W/m2K auf über 4 W/m2K.

In der folgenden Tabelle wird die aus dem Raum abgeführte Feuchtigkeit durch Diffusion und Lüften in Abhängigkeit von der Außenlufttemperatur gegenübergestellt.

Tabelle 4: Gegenüberstellung Wassertransport über die Außenwand und durch das Lüften

Temperatur der Außenluft [ºC] Diffusion durch die Außenwand [g/h] (Abhängig von der Größe und dem Wandaufbau/Materialien) Durch einfachen Luftwechsel (Abhängig vom Raumvolumen, der Innentemperatur und Feuchtigkeit und der Feuchtigkeit der Außenluft.
- 20 5,5 436
-10 4,8 378
0 3,2 242
+10 0,4 15

Allerdings steht die notwendige Lüftung im Widerspruch zur WSchVO 95 und der neuen EnEV 2000.

In Busse wird auf eine Mindestanforderung an Luftaustausch in Wohnungen von 0,8-1 gefordert, wonach keine Schimmelpilzbildung erfolgt. Dieselbe Lüftungsrate bzw. etwas mehr wurde von mir bereits 1994 in einem Vortrag in Leipzig gefordert.
Herr Prof. Dr. Hausladen vertrat 1997 die Meinung, dass bei ständiger Einhaltung von Luftwechselzahlen von 0,2 bis 0,3 h-1 keine Schimmelbildung erfolgt. Das Dichtmachen der Gebäude ist der richtige Weg, um die Witterungseinflüsse auszuschalten. Für die geringere Lüftung wurden verschiedene Argumente dargelegt, wie dass die Grenzwerte der Geruchsabgabe (Maßeinheit olf) kaum erreicht werden und für ca. 50% der Menschen eine Luftmenge von 5 m3/h ausreicht. Die VDI sieht 30 m3/h vor. Frau Prof. Dr. Eicker betrachtete einen Luftwechsel von 0,3 bis 0,4 h-1 plus einer angenommenen unkontrollierten Lüftung, das entspricht 0,5 h-1, als ausreichend. (Im Punkt 8.1.4., Tab. 2 werden die Lüftungsraten gegenübergestellt und es wird deutlich, dass diese nicht ausreichen.) Hier wird mit den hohen Lüftungswärmeverlusten argumentiert, die mit der Dichtheitsprüfung Blowerdoor; zu überprüfen ist. Bei dem geringeren Luftwechsel liegen die Lüftungswärmeverluste fast 40% niedriger als die in der WSchVO 95 als Rechenwert angesetzt werden. (Anmerkung: Unkontrollierte Lüftung durch Ständerbauwände verursachen Tauwasserschäden infolge von Dampf-Konvektion an der Holzkonstruktion und zuzüglich beträchtliche Wärmeverluste und sollte in diesem Fall auch vermieden werden.) Herr Prof. Dr. Hauser legte 1999 dar, dass bei einer Erhöhung der Luftwechselrate um 0,1 der Energieverbrauch sich jeweils um 7 kW/m2a erhöht. Bei dem vorgesehen hygienisch notwendigen Lüftungsraten von 0,8h-1 entspricht dies 56 kW/m2a. Ein Ultraniedrigenergiehaus wird nur 30 kW/m2a benötigen und ein Null-Heizenergiehaus kommt mit 16 kWh/m2a aus. Hier vergisst man aber einiges, dass man jedoch bei der Dokumentation eines Projektes zu Niedrigenergiehäusern (BINE v. 1.5.98) in einer Grafik sehr deutlich sieht. (Leider widersprechen sich die Balkendiagramme mit den Absolutwerten, so dass gemittelt werden musste) Bei den 9 Häusern liegt im Schnitt der Wärmeverlust durch Lüftung bei 60% und das entspricht 70 kW/m2a. Im Ergebnis wird von einem Luftwechsel von 0,8 bis 1,3 h-1 gesprochen. Damit wird der bereits genannte Wert bestätigt. Die Transmissionswärmeverluste liegen bei 46 kW/m2a bei einem(k) U-Wert = 0,36-0,4 W/m2K. Unabhängig davon, dass energetische Lösungen gesucht werden müssen, stört das Problem Lüftung, weil damit alle schön gerechneten Ergebnisse nicht aufgehen. Daher soll die Lüftungsrate so klein wie nur möglich sein. Dann stimmen die Verhältnisse wieder. In der o.g. Versuchsreihe kam keine Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Mit dieser Technik kann ein großer Teil des Lüftungswärmeverlustes reduziert werden. Die Effektivität ist abhängig von der Funktionsweise.

Es geht eigentlich um etwas ganz anderes. Mit wissenschaftlich nicht begründbaren Argumenten, wie die Klimakatastrophe, Treibhauseffekt, Erderwärmung samt Abschmelzung der Polkappen, baldigen Rohstoffmangel usw. soll das wirtschaftlich unsinnige Dämmstoffgeschäft begründet werden. Das Verhältnis von Transmissionswärmeverluste zur Dämmung ist keine Gerade, sondern eine Hyperpel und findet ihre Wirtschaftlichkeit im Bereich bei einem (k)U-Wert bei 0,5 bis 0,4 W/m2K. Das wird mit ausreichend dicken speicherfähigen Massivwänden oder einer Dämmung von wenigen Zentimeter (5,5 -12 cm Optimum bei 8 cm) erreicht. Wobei mit 5,5 cm Dämmung die gleiche wirtschaftliche Wirkung erzielt, wie mit einer 12 cm dicken Dämmung. Warum soll unnötig viel Dämmung verarbeitet werden? Eine Superdämmung bringt keine nennenswerte Energieeinsparung. In den o.g. wirtschaftlichen Bereich liegen die Transmissionswärmeverluste etwa mit dem Lüftungswärmeverluste gleich. Werden 20 oder 40 cm Dämmung an die Außenwand angebracht, so würden die Lüftungswärmeverluste ca. 80 % der benötigten Heizenergie betragen. Das Mehrkostennutzenverhältnis ist dann ohnehin nicht gegeben.
Diese verordnete Sanierungsmaßnahme hat natürlich der Hauseigentümer bzw. Mieter zu bezahlen. Leider blasen auch die Greenpeace in das gleiche Horn und werden so zu Agitatoren der Dämmstoffindustrie. (Altbau ist nun einmal nicht gleich Altbau.)

Schimmelpilz entsteht aber nicht nur an der kalten, sondern auch an den warmen Wandoberflächen, wenn ausreichend Feuchtigkeit in der Raumluft vorhanden ist.

8.3. Wärmebrücken

8.3.1. Was sind Wärmebrücken

Wärmebrücken entstehen an kritischen Stellen in Gebäude. Das sind kalte Oberflächen, die meist durch materialspezifische Eigenschaften oder konstruktive Mängel verursacht werden. Die Eigenschaften der Materialien werden durch die Struktur und Dichte bestimmt, die verantwortlich für die Dämmeigenschaft (Wärmeleitfähigkeit) ist. Beton, Stahlbeton und Metalle sind gute Wärmeleiter und führen schneller die Wärmeenergie von der warmen Wandoberfläche an die kühlere ab. Damit sinkt auch die Temperaturoberfläche an der Innenwand. Diesen Effekt kann man deutlich merken, wenn man sich auf einen Stein oder vergleichsweise auf eine Holzbank setzt.

Tabelle 5: Schwachstellen und Wärmebrücken in Gebäude, die in folge Abkühlung zu Tauwasserniederschlag führen können.

Problembereiche in einem Gebäude
konstruktiv vorhandenkonstruktive VeränderungNutzung
1. Bauwerksöffnungen1. Innendämmung 1. Möblierung
2. ungenügende Außendämmung2. Innenisolierung2. Wandverkleidungen
3. ungeheizte Räume3. teilweise Außendämmung3. falsche Lüftung
4. feuchte Baustoffe4. luftdichte Fenster4. Heizkörperanordnung
5. Materialanordnung5. Schwachstellen beim Dachstuhlausbau5. ungenügende Heizung
6. Kanal und Schächte6. Wintergärten, Erker 6. Art der Wandbeschichtung
7. Leitungsführungen7. Bauschäden an Gebäudehüllen,
8. geometrisch bedingte
Wärmebrücken
8. undichte Dampfsperren und Durchfeuchtung der Dämmstoffe
9. Vorsprünge, Balkone
10. Deckenauflager
11. Stützen
12. Rollladenkästen
13. Kellerdecken u. - wände
14. unbelüftbare Räume

Nachdem die konstruktiven Schwachstellen genannt wurden, soll auf eine natürliche Erscheinung hingewiesen werden, die oft unterschätzt wird. In jedem Raum ist eine Luftwalze (siehe Bild 5).

Bild 5: Luftwalze in einem Raum. So können gleichmäßig der Raum und alle Wände erwärmt werden.

Luftwalze in einem Raum

Warme Luft bewegt sich auf Grund ihrer geringeren Dichte nach oben und bei ihrer Abkühlung sinkt sie wieder nach unten. Wie im Pkt. 8.1.3.1. bereits genannt, nimmt die relative Luftfeuchtigkeit bei der Abkühlung zu. Wird ein Bauteil mit wesentlich niedrigerer Oberflächentemperatur angeströmt, so wird an dieser Stelle die relative Luftfeuchtigkeit sehr hoch und es kann im Extremfall zum Feuchtigkeitsausfall kommen.
Nachfolgend sollen spezielle Fälle dargestellt werden. Befinden sich z. B. Möbel, große Wandbilder, Vorhänge und andere Einrichtungsgegenstände an einer kalten Wandoberfläche aufgestellt bzw. vorgehängt, ohne dass die Wandflächen hinreichend erwärmt werden können (siehe Bild 6.1.), so kann sich dahinter Schimmelpilz bilden. Hier wirken meist zwei Kriterien. Es kommt nur sehr wenig Raumluft zwischen den Einrichtungsgegenständen, diese kühlt so stark ab, dass es zum Feuchtigkeitsausfall kommt. Diese Feuchtigkeit kann durch die fehlende nachströmende wärmere Luft nicht ausreichend abtrocknen. Dieses Problem kann man besonders bei Wandverschalungen beobachten. In einem Praxisfall war die Rückseite der Schrankwand bereits nach 4 Jahren total verfault. In diesem Fall war sicherlich auch im Winter der Frostpunkt bis in den Schrank gewandert. Das Problem kann durch ausreichende Hinterlüftung behoben werden. Der Schrank wird von der kalten Wand vorgezogen und an der Vorderseite werden Lüftungsschlitze angebracht (s. Bild 6.2.). Vorhänge sollten nicht bis in die kalte Zimmerecke und durchgehend (Boden-Decke) angehängt werden.

Bild 6.1.: Abkühlung einer Außenwand hinter den Möbeln

Temperierung der Wandfläche wird durch Möbel verhindert

Bild 6.2.: Die Abkühlung an einer Außenwand kann verringert werden, in dem die Raumluft ungehindert einströmen kann.

Temperierung der Wandfläche durch Luftströmung

Außendämmung Da gerade in jetziger Zeit u.a. die Wohnhäuser in Blockbauweise (Q 3 A oder Q 6) verstärkt saniert werden, ist das nachfolgende Beispiel interessant. (Bild 7.1.)

Bild 7.1.: Schadensbilder an Außenwandflächen

Mögliche Bereiche an einer Außenwand, wo sich Tauwasser bildet

An den Zimmerecken der Außenwand kann sich Schimmelpilz bilden. Der Grund hierfür ist, dass die Außenfläche größer als die innere ist. Es kommt zur konzentrierten Abwanderung von Wärmeenergie. (Bild 7.2.)
Lösung: Ist durch geometrische Gegebenheit nur begrenzt möglich. Raumecken ausreichende Luftzirkulation, Lüftungsgewohnheiten überprüfen, Innentemperatur erhöhen, Wärmedämmsystem an der Außenwand, auf jedem Fall weit genug um die Ecke anbringen (Bild 7.3.)

Bild 7.2.:Raumecke Bild 7.3.:Raumecke mit Dämmung
Wärmebrücke an Außenwandecken

Gerade beim Anbringen des Wärmedämmverbundsystems werden die Balkonplatten vergessen (Bild 7.4.). Durch die höhere Wärmeleitfähigkeit des Betons gegenüber der Außenwand muss die Platte von unten und oben ausreichend mit einer Dämmung versehen werden (Bild7.5 ).

Bild 7.4.: Betonplatte oder auskragender BalkonBild 7.5.: Lösungsmöglichkeit
Wärmebrücke an einer Balkonplatte

Durch eine schlecht eingebundene Decke kann verstärkt Wärme abfließen (Bild 7.6. und Lösung Bild 7.7.). Dies trifft auch zu, wenn das Wärmedämmsystem nicht ordnungsgemäß den Ringanker bzw. den Dachanschluss isoliert.

Bild 7.6.: Wandauflager einer MassivdeckeBild 7.7.: Lösungsmöglichkeit
Wärmebrücke bei Deckenauflager

Die Fensterstürze und auch die Rahmen sind aus Beton und haben eine höhere Wärmeleitfähigkeit als die Außenwand. Eine Einbindung muss daher sehr sorgfältig erfolgen. Bei einer Außendämmung von 6 cm ist die Isolierung an den Fensterlichten mit 1 bis 2 cm oder gar ein Verzicht sehr ungünstig. Im Bild 7.8. und 7.9. wird das Problem und die sorgfältige Einhüllung des Fenstersturzes dargestellt.

Bild 7.8.: FenstersturzBild 7.9.: Lösungsmöglichkeit: Die Dämmung wird um die Ecke gezogenen.
Wärmebrücke an einem Fenstersturz

I n n e n d ä m m u n g
Durch die Innendämmung steigt die Oberflächentemperatur an der Innenwand, jedoch kühlt das gedämmte Bauteil hinter der Innendämmung, also auf der Außenseite, im Winter eine niedrigere Temperatur, so dass der Frostpunkt weiter in die Konstruktion wandert. Durch die angrenzenden Bauteile (Wände, Decke, Böden) kann die Innendämmung nur teilweise ausgeführt werden. Durch die anzubringende Dampfsperre soll der Dämmstoff vor Feuchtigkeit aus der Raumluft geschützt werden, da sonst die Dämmwirkung sehr stark gemindert wird. Die Mineralfasern sehen nach der Wasseraufnahme weiße aus, sind vollständig getränkt und bilden Klumpen. Durch die Dampfsperre wird jedoch die Sorption (Fähigkeit der Baustoffe, Wasserdampf aufzunehmen und wieder abzugeben) verhindert und es kann bei Spitzenbelastungen der Raumluftfeuchtigkeit schneller zu Tauwasserbildung kommen. Im Bild 8.1. und 8.2. kommt es zur Schimmelpilzbildung an den Anschlussstellen zu den anbindenden Bauteilen (Wände, Deck).
Maßnahmen: Richtiges Heizen und Lüften besonders nach dem Backen, Duschen u.a. Bei Innendämmung kommt vor die Dampfsperre sorptionsoffene Stoffe, wie Gipskarton oder Putz. Unterbrechung durch Wände, Decken und Böden sind um 1 m in den Raum hinein zu verlängern.

Bild 8.1..: Mögliche Tauwasserbildung an den Wandanschlüssen.

Innendämmung mit möglicher Tauwasserbildung an den Anschlüssen

Bild 8.2.:Innendämmung SchnittansichtBild 8.3.: In den Raum gezogene Dämmung
Innendämmung

Das D a c h hat die Aufgabe des Wetterschutzes. Im nicht ausgebauten Dachraum können Schäden an der Dachhaut sehr gut kontrolliert werden. (Grundsätzlich sollten Holzteile von mindestens drei Seiten kontrollierbar sein, um eventuelle Holzschäden zu erkennen.) In der Regel verfügen solche Dächer über eine ständige Querlüftung (von Giebel zu Giebel). Kleine Mengen eintretender Niederschlagsfeuchtigkeit oder Kondenswasserbildung unter der Dachhaut werden durch diesen Luftstrom abgelüftet und sind damit unproblematisch.
Zur Vergrößerung der nutzbaren Mietfläche werden diese ausgebaut. Neben der Einschränkung der Sichtkontrolle des Zustandes des Daches, wodurch kleine Schäden unbemerkt bleiben, wie mögliche Wärmebrücken und eine Feuchtigkeitsbildung. Der Dachausbau ist seinem Wesen nach eine Innendämmung mit allen Kriterien, die dabei wirksam werden können. Im Bild 9.1. und 9.2. wird ein Sparrendach gezeigt, wo markante Punkte der Schimmelpilzbildung aufgezeigt werden. In den Bildern 9.3. werden Lösungen aufgezeigt. Es ist wichtig ein durchgängiges System (Fläche) zu erreichen. In der Praxis werden jedoch Pfettendächer mit Gauben ausgebaut. Hier sind extra die Pfosten, Kopfbänder, Doppelzangen und die Mittelpfette richtig einzubinden. Bei diesen Konstruktionen ist eine Fugendichtheit nur über einen sehr großen Aufwand möglich.

Bild 9.1.: Dachausbau mit Schadensbilder

Dachausbau mit möglichen Schädensbilder

Bild 9.2.: Die Schnittansicht zum Bild 9.1. Wenn die Dämmung nicht durchgängig angebracht wird, kann die Wärme direkt nach außen entweichen.

Bild unvollständig gedämmte Dachkonstruktion (Schnitt)

Bild 9.3: Lösungsmöglichkeit, die Dämmung wird zum Fußboden gezogen (Innenliegende Dampfbremse ist nicht eingezeichnet.)

Bild vollständig gedämmte Dachkonstruktion im Schnitt

Beitrag zu Schäden beim Dachgeschossausbau

A n d e r e k o n s t r u k t i v e U r s a c h e n
Im Bild 10.1. hat sich Schimmelpilz an den Fußbodenecken und auf dem Fußboden gebildet. (Im betrachteten Fall liegt keine aufsteigende Feuchtigkeit vor.)

Bild 10.1.: Schadensbild auf dem Fußboden zum Untergeschoss

Ursachen: Behinderung der Luftströmung, unzureichende Lüftung keine o. ungenügende Wärmedämmung des Fußbodens inhomogene Materialstrukturen z. B. verschiedene Dichte des Betons.
Lösung: An die Unterseite wird eine Wärmedämmung angebracht, die 50 cm an der Wand herunter reicht. (Bild 10.3.)

Bild 10.2.: SchnittansichtBild 10.3.: Lösungsmöglichkeit durch Dämmung an der Unterseite

Weitere Schadensbilder können auftreten, wenn das Mauerwerk unterschiedlich durchfeuchtet ist. (Bild 11) Ursachen: fehlende Wetterschalen (z. B. Außenputz) unzureichende Beheizung, Baufeuchtigkeit im Neubau, unterschiedliche Materialien, hier sollte gerade bei der Wiederverwendung alter Mauersteine auf ihre Güte geachtet werden. Maßnahmen: Heizung und Lüftungsgewohnheiten überprüfen, bei geringem u-Wert zusätzliche Außendämmung anbringen setzt jedoch Austrocknung der Bauteile voraus!

Bild 11.: Materialbedingte Wanddurchfeuchtung kann zur Schimmelpilzbildung führen

Im Bild 12.1. treten Merkmale auf, die durch eine falsche Bauausführung verursacht wurden. Werden gut dämmende Mauersteine, wie z. B. Unipor-Ziegel oder Gasbetonsteine nicht mit Leichtmörtel vermauert, so können die Fugen deutlich sichtbar werden. Das Gleiche gilt, wenn im Mauerwerk ein Wechsel zu schlecht dämmenden Mauersteinen erfolgt oder sich Leitungsschächte (Bild 12.2.) oder Stahlstützen (Bild 12.3.) im Mauerwerk befinden. Hier ist der Wärmedurchgang größer. Abhilfe kann eine Innendämmung bringen, so dass die Oberflächentemperatur auf der gesamten Fläche annähernd gleich ist.

Bild 12.1.: Falscher Mauermörtel und Wechsel von Mauersteinen mit unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit sowie ein verdeckter Leitungskanal

Bild 12.2.: Leitungsschacht als Wärmebrücke, unten die LösungBild 12.3.: Stahlstütze als Wärmebrücke, unten die Lösung

F e n s t e r
Das Problem Fenster in Bezug auf die Wärmedämmung ist sehr umfangreich. Es soll daher nur auf wenige Punkte eingegangen werden. Das Entfernen noch vollständig intakter Mehrscheibenfenster, wie es in der Praxis oft zu erleben, ist unsinnig. Jedoch muss hier beachtet werden, wie groß ist der Fensterflächenanteil an der Gesamtaußenwand, liegt eine Nord- oder Südseite vor und wieweit wirkt der temporäre Wärmeschutz vor. Eine energetische Verbesserung eines Kastenfensters mit Isolierverglasung (kF=2,6 W/m2K) kann durch einen Rollladen auf k=1,8 W/m2K, mit einem Klappladen auf k=1,3 W/m2K, mit einem Rollo (Gewebe) auf k=1,9 W/m2 verbessert werden. Ein Problem ist der Mauerwerksanschluss der Fenster. Im Bild 13 werden verschiedene Varianten ohne Dämmung und mit Außen-, Kern- sowie Innendämmung aufgezeigt. Darunter sind die verbesserten Ausführungen dargestellt. Die Anschlüsse bereiten auf ihre Dichtheit Probleme (Bild 14).

Bild 13: Varianten der Mauerwerksanschlüsse der Fenster

Beispiele für Fensteranschlüsse

Bild 14.:Undichte Fensteranschlüsse

Bild  undichte Fensteranschlüsse

Die Fugen sind elastisch zu verschließen. Geeignet sind Dämmstoffstreifen, -fasern oder -stricke. Die richtige Anordnung der Heizkörper spielt ebenso eine wichtige Rolle. Im Bild 15 wird der Wärmestrom durch das überragende Fensterbrett verändert, sodass der Fensterkopf nicht ausreichend erwärmt werden kann, wie vergleichsweise andere Bauteile.

Bild 15: Veränderter Wärmestrom durch überstehende Fensterbank

Bild Fensterbrett behindert den Strom der warmen Luft

9. Andere Schädlinge

Im Gebäude können sich zahlreich andere Schädlinge oder Nützlinge aufhalten. Es soll sich hier nur auf wenige beschränkt werden. Die Anwesenheit kann auf frühere Nutzung oder auch Schäden hinweisen.

T a u b e n z e c k e n (Argas reflexus) sind Parasiten von (verwilderten) Haustauben. Der Zeckenbefall ist grundsätzlich von einer längeren Anwesenheit der Haustauben abhängig, die noch unter Umständen mehrere Jahre ohne ihren Wirt anhalten kann. Taubenzecken halten sich vorwiegend in Fugen, Mauerritzen und Schüttung auf, wobei sie Körperkontakt, also mehrere Insekten, bevorzugen. In der Regel überdauern diese 8 Jahre.
Bei Verdacht ist unbedingt ein unabhängiger Experte hinzu zuziehen. Durch verschiedene Probenahmen und einer mikroskopischen Auswertung können entsprechende Aussagen getroffen und die erforderlichen Sanierungs- bzw. Bekämpfungsmaßnahmen festgelegt werden.
Das Problem für den Nutzer/Mieter kann von keiner gesundheitlichen Bedeutung bis hin zu schweren gesundheitlichen Schäden reichen. Die Anwesenheit von Taubenzecken stellt so ein nicht kalkulierbares Risiko dar. Ein Auftreten kann bei ausgebauten Dachböden vorkommen, wenn im Vorfeld der Sanierung keine Aufmerksamkeit auf evtl. Taubennistungen gelegt wurde, oder sie können auch über die Dachfläche vom Nachbargebäude einwandern. Ebenso wandern die Zecken auch in die darunterliegenden Etagen.

G e b ä u d e g e l e g e n h e i t s s c h ä d l i n g e Wie der gemeine Speckkäfer (Dermestes lardarius L.), Messingkäfer (Niptus hololeucus Fald.), Mehlkäfer (Tenebrio molitor L.) u. a. treten vor allen in älteren Gebäuden auf, wo sie bisher kaum bemerkt wurden. Durch Nahrungsrückstände in den Fußbodendielungen, Ritzen und Fugen ist es bei den herkömmlichen Heizungen kaum zu einer Massenvermehrung gekommen. Durch eingetragene Baufeuchte und die Zentralheizung sind die Lebensbedingungen wesentlich verbessert worden und es kann lokal zu lästigen Massenauftreten kommen, die gelegentlich Holz- aber auch Textilien schädigen. Oft bemerkt man dieses Auftreten dann, wenn eine Umnutzung der Räume, wie alte Speicher, Lagerräume, Scheunen o. ä. zu Wohnräumen umgebaut werden. Bei Taubennistungen können auch die Speckkäfer und Mehlkäfer vorkommen. Bei massenhaftem Auftreten ist der Schädlingsbekämpfer heranzuziehen. Besser ist vor den Baumaßnahmen im Rahmen z. B. des Holzschutzgutachtens auf frühere Nutzung zu untersuchen und bei möglichen Gegebenheiten ist der Jahrhundertschmutz incl. Einzeltiere zu beseitigen. Eine nachträgliche Bekämpfung ist wie bei den Vorkommen von Taubenzecken oft mit einem kostspieligen Rückbau verbunden.

K l e i d e r m o t t e n Aus einer Landeshauptstadt Süddeutschlands kam die Anfrage zu einem Angebot zur Lösung des Problems. Es sollten alle Wanddurchbrüche, wie Leitungsdurchführungen u.ä. zu den Innenräumen verschlossen werden, da die Mitarbeiter sich über eine Mottenplage beschwerten und die Schädlingsbekämpfer das Problem nicht mehr in den Griff bekamen. Das Gebäude wurde mit einer Wärmedämmung aus Schafwolle versehen. Wie nun entschieden wurde, ist nicht bekannt. Die einzige sinnvolle Sanierungslösung ist in diesem Fall der Rückbau. An diesem Beispiel soll gezeigt werden, dass Naturprodukte (als ökologische Bauweise ausgewiesen) nicht in jedem Fall bedenkenlos zum Einsatz kommen können. Oft ist die Behandlung mit Insektiziden erforderlich, was wiederum ein Problem bei der späteren Entsorgung darstellt. Bei der o. g. Konstruktion und Ausführung währe sicherlich ein mineralischer Dämmstoff "ökologischer" gewesen.

N ü t z l i n g Neben den genannten Schädlingen gibt es auch eine Reihe Insekten und Vögel, denen die Schädlinge als Nahrung dienen. Hierzu gehören die Schwarze Schlupfwespe (Pimpla instigator), Kamelhalsfliegen (Rhaphidides), Buntkäfer (Cleridae), die Spechte und andere.


Literatur:

[1]biomass Ingenieurbüro GmbH, Herzbroicher Weg 49, 41352 K.; (www.biomess.de/Inhalt/Detailinfos/Schimmelpilze/Pilzarten/hauptteil_pilzarten.htm
[2]Glathe, H.; Farkasdi, G.: Morphologie der Rotteorganismen. In Hösel, G.; Schenkel, W.; Schnurer, H.: Müll-Handbuch, Kennzahl 5020, Lieferung 7/65, Erich Schmidt Verlag, Berlin
[3]Zachäus, D.; Biologische Abfallbehandlung, Karl J. Thomé; Enzyklopädie S. 215; in DB 1995 Te 13707
[4]Rauch, P.: Schimmelpilzbildung infolge Wärmebrückenbildung - Allgemeine Darstellung und Aufzeigen konstruktiver Mängel beim Dachgeschossausbau, Vortrag 4.5.1994 BZL
[5]Schwantes, O.; Biologie der Pilze 1995, S. 230-235, 250 in DB N 8927
[6]Reiß, Jürgen; Schimmelpilze 1997, S. 36-46, 189-203 , 231-251; Springer Verlag, in DB N 8970
[6a]Schönburg, Kurt; Abstrichempfehlungen aus bauphysikalischer und gestalterischer Sicht, bauzeitung 5/2001 S. 68-69
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[8]Owen P. Ward; Biorektionen, Prinzipien, Verfahren, Produkte, Springer Verlag 1989
[9]Rauch, P.; Korrosion von Beton und Stahlbeton durch chemische Verbindungen und Mikroorganismen 1984 (intern)
[10]Donndorf, R.; Werkstoffeinsatz und Korrosionsschutz in der chemischen Industrie, VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig 1980
[11]Tiepner,K.; Literaturzusammenstellung: Korrosion von Werkstoffen durch Mikroorganismen, AdW Institut für technische Chemie Leipzig 1979
[12]Rheinheimer, Gerhard; Mikrobiologie der Gewässer, VEB Gustav-Fischer-Veralg Jena 1975
[13]Uhlig, Herbert H.; Korrosion und Korrosionsschutz, Akademieverlag Berlin 1975
[14]Lindner, Kurt E.; Milliarden Mikroben, Urania Verlag Leipzig-Jena-Berlin 1978
[15]Zobell und Beckwith, J.-D.; (1944): Te deterioration of subberproducts by Microorganisms, J. Amer. Walter Assoc. 33, 439-453
[16]König, Holger; Wege zum gesunden Bauen, ökobuchverlag Staufen 1991
[17]Haupt, P.; Bauphysik 5/94 Stand Deut. Bücherei (ZB 75 909) 24-5
[18]Bieberstein, Horst; Schimmelpilze in Wohnräume - was tun ?, Omega Verlag 1989
[19]Buss, Harrald; Schimmelpilze in Wohnungen, Bauschäden - beurteilen und beheben durch konkrete Lösungen im Detail, WEKA-Verlag 1991
[20]Meyer, G., Schiffner, E.; Technische Thermodynamik, VEB Fachbuchverlag Leipzig 1983
[21]Rauch, Peter; Schimmelpilzbildung infolge von Wärmebrücken -Allgemeine Darstellung und Aufzeigen konstruktiver Mängel beim Dachgeschossausbau, Vortrag 1994 in Leipzig
[22]Günter Wöhe; Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Verlag Franz Vahlen München 17.Aufl. 1990, S.1036
[23]Eichler-Arndt; Bautechnischer Wärme- und Feuchteschutz, VEB Fachbuchverlag Leipzig 1989
Kleiber/Simon/Weyers; WertV'88, Wertermittlungsverordnung 1988, 2 Aufl. 1990, Bundesanzeiger, S. 52
Brachmann in Ross/Brachmann; Ermittlung des Bauwertes von Gebäuden und des Verkehrswertes von Grundstücken, Th. Oppermann Verlag, 25.Auflage, Seite 566
Beuth-Kommentar; Holzschutz zur DIN 68800 T.2,3 und 4, 1998
Eichler, Arnoldt; Bautechnischer Wärme und Feuchtigkeitsschutz, VEB Fachbuchverlag Leipzig 1989
Anagnostidis, K. und Overbeck, J. (1966): Methanoxidierer und hypoliminische Schwefelbakterien, Studien zur ökologischen Biocinetik der Gewässermikroorganismen, Ber. Dtsch. Bot. Ges. 79, 163-174
Deufel, J. (1965(: Plötzliche Zunahme von Azetobakter im Bodenseee, Naturwiss., 52, 192-193
Dubinina, G., Derjugina, Z. (1972): Vergleichende elektronenmikroskopische Untersuchungen der Mikroflora von Mooren und Seewasser, Arch. Hydrobiol. 71, 90-102
Fuhs, G.W. (1961): Der mikrobielle Abbau von Kohlenwasserstoffen, Arch. Mikrobiol., 39, 374-422
Heinen, W. (1965): Siliciumstoffwechsel bei Mikroorganismen, VI. Enzymatische Veränderung des Stoffwechsels bei der Umstellung von Phosphat auf Silikat bei Proteus mirabitis, Arch. Mikrobiol., 52, 49-69
Kusnezow, S.I.; Iwanow, M.V., ...(1963): Introduction to geological mikrobiology, New York, Mc-Graw-Hill Company, 252 S.
Overbeck, J. und Ohle, W. (1962 oder 1964): Contributions to the Biology of methane oxidizing bacteria, Verl. Internat. Verein. Limnol. 15, 535 -543
Romanenko, V.I. (1959):Anteile der methanoxydierenden Bakterien im Wasser, ermittelt mit der Methode der Radioautographie der Kolonien auf Menbranfiltern, Bjull. Inst. Biol. Vodochvaniliic S. 40-42
Sachnowski, K.W.: Stahlbetonkonstruktionen, VEB Verlag Technik Berlin 1956, S. 89-91
Schlegel, H.G. (1972): Allgemeine Mikrobiologie, Stuttgart, Thieme, S. 461
Schwabe, K.; Korrosionsschutzprobleme, VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig 1969, S. 72-86
Schweinfurth, R. (1969): Manganoxidierende Pilze, Zentralbl. Bakteriol, Parasitenk. Infektionskrankheiten, Hygiene I., 212, S. 348-491
Starkey, R.L. (1945): Transformation of iron by bacteria in water, J. Americ. Water Works Ass. 37, 963-984

Anlage 1: Ökonomische Werte

Urteile über ökonomische Werte sind rational zu erklärende Feststellungen über den Gebrauchswert, den Tauschwert oder den Ertragswert von Gütern. Diese Feststellungen führen in der Regel zu einer Bezifferung des zu bewertenden Objekts in Geldeinheiten. Der ökonomische Wert ist eine Folge der Unbegrenztheit der menschlichen Bedürfnisse und der Knappheit der Güter, die zur Bedarfsdeckung zur Verfügung stehen. Güter, die fähig sind, ein Bedürfnis zu decken, besitzen einen Gebrauchswert. Sind sie nicht in unbegrenzter Menge vorhanden, so kann man sie gegen andere, ebenfalls knappe Güter eintauschen, das heißt sie haben aufgrund ihres Gebrauchswertes und ihrer Knappheit einen Tauschwert, der sich in Geldeinheiten als Marktpreis ausdrückt. Knappe Güter, die in der Lage sind, einen Ertrag abzuwerfen (z. B. Grund und Boden), besitzen ebenfalls einen Tauschwert (Preis), der sich als Ertragswert aus dem Tauschwert der erzielten Erträge ableitet. Die Bezifferung erfolgt als Bildung von Marktpreisen durch das Zusammentreffen einer Vielzahl von Einzelentscheidungen. [22]

Für die Größe des merkantilen Minderwertes spielt in erster Linie die Knappheit des Wirtschaftsgutes eine Rolle. Ist ein hoher Überhang an Nachfragern (Käufer) vorhanden, so wird sich dies nur gering auf den Marktpreis auswirken, zum Beispiel denkbar auf dem Immobilienmarkt in München. Dagegen ist bei einem Überangebot an Wirtschaftsgütern ein merklicher Einfluss denkbar. Hinzukommen die unter der Bevölkerung unterschiedlich ausgeprägte Einstellung gegenüber Wohnraumgifte (hier zusammengefasst aller ungünstigen Einflussfaktoren). Diese sind in der Regel bei einer höheren Kaufkraft ausgeprägter, da hier mehr Geldmittel für die Gesundheit ausgegeben werden.

Anlage 2: Steuer- und Mietertips

(Die Tipps sind Auszüge und unverbindlich)

Inhalt

Erläuterung

Urteil                    

Formaldehyd- und Holzschutzmittelausgasung

Wurde beim Bau eines Hauses toxische Substanzen verwendet, so können Sanierungs- und Wiederbeschaffungskosten der selbst genutzten Wohnung zur Vermeidung oder Behebung gesundheitlicher Schäden als außergewöhnliche Belastung bei der Einkommenssteuer abgesetzt werden. Ein ärztliches Attest und Gutachten zur Ursache und Sanierungskosten wird vom Finanzamt gefordert.

Bremer Senat für Finanzen 24.02.2000

S.2284-181

Asbest

Wurde beim Bau eines Hauses Asbest verwendet, so können Sanierungs- und Wiederbeschaffungskosten der selbst genutzten Wohnung zur Vermeidung oder Behebung gesundheitlicher Schäden als außergewöhnliche Belastung bei der Einkommenssteuer abgesetzt werden.

Zusätzlich muss der Nachweis über die fachmännische Sanierung (§39 GefahrstoffVO, BG Bl. I 1993, S. 1782) erbracht werden. Ein ärztliches Attest ist nicht notwendig.

Bremer Senat für Finanzen 24.02.2000

S.2284-181

Schimmelpilzbildung und muffiger Geruch

im Bad, Küche und Schlafzimmer,  10% Mietminderung

LG Hannover WM 82, 183

Feuchte Stellen und leichter Schimmelbelag

in der Küche, 25% Mietminderung

Mietsenkungsgesetz, S. 24, VG Berlin GE 83, 767

Unbenutzbar

Küche und Toilette, auch wenn Ersatzräume in einer anderen Wohnung im Haus benutzt werden können, Mietminderung 50 %

LG Berlin MM 10/83, 14

Schimmelbildung

keine negative Auswirkung auf die Gesundheit feststellbar, wenn jedoch Schränke  abgerückt werden müssen  und  der Gebrauchswert der Wohnung beeinträchtigt wird, 10 % Mietminderung

LG Hamburg WM 85, 21

Silberfische

sind diese in der Wohnung (20-25), 20 % Mietminderung

AG Lahnstein WM 88, 55

Formaldehyd

Bei deutlich überhöhter Formaldehyd-Konzentration in der Wohnung/ angemietetes Haus braucht nicht auf eine Vergiftungserscheinung gewartet werden,

es kann sofort gekündigt werden ( § 544 BGB). Die Gefährdung der Gesundheit muss durch Mieter bewiesen werden.

AG Köln WM 87, 120

Formaldehyd

Möbel, Einbauküche  usw.   Eine verkaufte Sache, die Gesundheitsrisiken auslöst, ist fehlerhaft.   Kaufpreisminderung 10 % bei auch vorübergehenden Formaldehyd-Konzentration

OLG Frankfurt (MDR 88, 963

Holzschutzmittel

Lindan, PCP und Dioxine. Hat der Vermieter die Verwendung des Holzschutzmittels veranlasst und führen diese zu Gesundheitsgefährdungen bzw. -belastungen, kann der Mieter die Miete kürzen oder fristlos kündigen. Vgl. Urteil, wo das gekaufte Fertigteilhaus nicht sanierbar und bewohnbar ist. Grund: Gase im Inneren des Hauses, die von der Imprägnierung der Holzteile herrühren.

OLG Saarbrücken (NJW-RR 87, 470

Grundstückswertermittlung

Beim Verschweigen von Hausbockschäden und deren Sanierungsaufwand wurde ein Sachverständiger zu 90 TDM Schadenersatz verurteilt, hier wurde der Vorsatz für Unterlassungen zugesprochen, der sich aus BGB § 826 herleiten lässt.

1998/99 Quelle wurde nicht angegeben

Anlage 3: Beispiele

Beispiel 1: Villa in Machern Baujahr um 1930, 2 Etagen und teilweise ausgebautes Dach,

Villa stand zur Versteigerung mit ca. 230.000 DM, unsaniert entsprechend Verkehrswertgutachten von der Bank
Kurzbesichtigung zu Bauschäden und Holz zerstörende Schäden

Geschätzte Schadensbeseitigung ca. 20-25 TDM.

Im Gutachten war eine Schädigung der Sparren zwar benannt aber nur eine geringe Bedeutung eingeräumt.
Der Kaufinteressent hat daher nur 210.000 DM geboten. Nach 1 Woche wurde dem zugestimmt. Nach dem Erwerb wurde das Gebäude noch einmal gründlich angesehen. Der Hausbockbefall wurde durch eine mangelhafte Dampfbremse verursacht. Teile des Dachraumes wurden mit Mineraldämmung isoliert und mit einer einfachen Folie von innen abgedeckt. Der Schaden war im Wesentlichen nur auf diesen Bereich begrenzt. Die anderen älteren Dachzimmer mit Putz und HWL-Platten waren weitestgehend schadensfrei. (Dies konnte erst bei der gründlichen Untersuchung festgestellt werden.)
Der Echte Hausschwamm in diesem Kellerbereich gibt von der Sache keine Gefährdung für das Gebäude. Vorausgesetzt das Myzel wird entfernt und kein Holz oder andere organische Stoffe mehr gelagert.

Beispiel 2: Einfamilienhaus in Gambsheim, 2 Etagen, Dachboden

Schädigung der Dachkonstruktion durch Insekten sowie Fraßgeräusche in der Nacht Angebot zur Sanierung des Hausbockbefalls von ansässiger Bautenschutzfirma für 50.000 ff Maßnahme: 1 Sparren, 1 Mittelpfette und 1 Stiel abgebeilt mit borhaltigem Holzschutzmittel beschichtet und die anderen Holzteile vorbeugend geschützt. Balken mit der Abmessung von 20x20 cm waren einseitig bis 2 cm meist an einer Kante geschädigt. Die Querschnittsminderung ist gering.
Kosten für Material und Ausführungsleistung ca. 4500 ff
Ursache: Die warme Luft im Treppenhaus konnte zwischen der Wange der Bodentreppe und der Wand bzw. des Treppenhausfensters in den Dachraum strömen. Zwischen die Sparren waren Styroporplatten eingeschoben. Die haben Nut und Feder und waren nach Aussage des Eigentümers für Dachräume gedacht. Der Schaden war vorwiegend im Bereich der Treppe. Hier verursachte die warme Luft an der kühleren Balkenoberfläche im Dachboden Kondensat bzw. diese waren feuchter als die anderen Holzteile. Damit wurden günstigere Bedingungen für die Holz zerstörenden Insekten geschaffen.

Beispiel 3: EfH in Holzhausen, EG und ausgebautes Dachgeschoss mit Einliegerwohnung, Baujahr 1994

Bemängelt wurden der hohe Heizenergiebedarf (2000 l Heizöl/a als Energiesparhaus) und die verschimmelten Koffer im Spitzboden.
Ursache: Die Dampfbremse wurde weder an die Fußpfette noch an der Wand fugendicht angebracht. Im Deckenbereich fehlte sie teilweise. Die Mineralwolle war zum Teil völlig durchnässt. Ebenso konnte die warme Luft aus dem Treppenhaus durch die Luke der Klapptreppe in den Spitzboden gelangen. Die Klappe war nicht fugendicht ausgeführt. Sanierung: Eine vollständige Sanierung bedeutet einen kompletten Rückbau des Trockenbaus in der Dachgeschosswohnung. Es wurde ein Kompromiss gewählt. In den Drempel (Abseitwand) wurden kleinere Montageöffnungen geschnitten, durch die die Handwerker die Dampfbremse/Windsperre an den Fußpfetten fugendicht anbringen konnten. Der obere Bereich sollte vom Spitzboden her "fugendicht" nachgebessert werden. Ebenso sollten zwischen die Sparren Plastrohre geschoben werden, da durch das Aufbauschen der Mineralwolle eine Hinterlüftung nicht möglich war.

Beispiel 4: EfH in Eicha ,EG und ausgebautes Dachgeschoss mit Einliegewohnung, Baujahr 1996

Die Sparren waren verschimmelt. Eine ansässige Bautenschutzfirma/Zimmerei wollte bereits nach einem Jahr den Dachstuhl austauschen, weil die Sparren nass mit geringer Schimmelbildung.
Weiterhin war Schimmelpilz entlang der Decke/Außenwand im Schlafzimmer sowie in einem senkrechten Streifen neben der Außenwandecke.
Ursache: Die warme Luft aus dem Treppenhaus strömte durch die Klappe der Bodentreppe nach oben in den Spitzboden. Die Unterspannbahn war im First nicht offen. Damit konnte die feuchte Luft nicht entweichen. Zusätzlich muss die Lücke fugendicht abgedichtet werden. Der Schimmelpilz an der Decke im Schlafzimmer wurde durch die Wärmebrücke, Decke aus Beton, und den Ringbalken verursacht, da im Auflagebereich keine Außendämmung angebracht (U-Schale) wurde. Die Fotoaufnahmen durch den Bauherrn bestätigt dies. Die senkrechte Wärmebrücke wurde durch den Leitungsschacht im Eckbereich verursacht. Zusätzlich wirkten hier das kleine Raumvolumen des projektierten Schlafzimmers sowie der ungünstige Standort der Heizung. Ebenso Stand ein großer Schrank an der Außenwand ohne Füße, sodass keine richtige Hinterlüftung erfolgen konnte. Ebenso wird auch noch die Baufeuchte gewirkt haben (Fertigstellung und Bezug).
Sanierung: Da sich die Betonplatte incl. Ringbalken in der Traufhöhe befindet, sollte an den Giebelseiten eine Außendämmung angebracht werden, die über die Wärmebrücke reicht.


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