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Gebäude aus massiven Mauerwerk, wie Kirchen, Klöster und Burgen

Kirchen sind konstruktiv aus sehr starkem Mauerwerk errichtet. Dieses dicke Mauerwerk hat ein großes Wärmespeichervermögen mit einem entsprechend großem Wärmeeindringkoeffizienten. Das Gleiche gilt auch für die massiven Konstruktionen von Kloster- oder Burganlagen und Schlösser. Auf den Oberflächen dieser mineralischen Bauteile, vor allem auf Steinoberflächen, bildet sich sehr leicht ein Kondensatfilm, wenn die Oberflächentemperatur einige Grad unterhalb der Temperatur der Raumluft liegt. (Diese Erscheinung tritt kurzfristig auch außen bei großen Temperaturschwankungen auf. Z. B., wenn es mehrere Tage kühl war und relativ schnell die Außentemperatur ansteigt und zusätzlich eine hohe Luftfeuchtigkeit vorliegt.)

Tserkva UHKTS Uspinnya Presvyatoyi Bohorodytsi
Kirche Mariä Himmelfahrt in Velykyi Bychkiv (Tserkva UHKTS Uspinnya Presvyatoyi Bohorodytsi)

Eine besonders hohe Kondensatbildung entsteht im Frühjahr, wenn das Mauerwerk noch kühl ist und die warme Frühlingsluft hereingelüftet wird. Abhängig ist dies aber auch von der relativen Luftfeuchtigkeit. Diese ist an schwülwarmen Tagen besonders hoch. Nicht ganz so eine extreme Kondensatbildung erfolgt auch in Wohngebäuden aus Natursteinen aber auch in Lehmhäusern statt. Lehm nimmt aufgrund seiner Materialeigenschaften jedoch ein Teil der Feuchtigkeit auf und gibt dies später wieder ab und reguliert so gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit.

Der porige Kalkputz auf den Natursteinen nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und reguliert ebenso die Luftfeuchtigkeit, jedoch nicht ganz so gut wie die Wände aus Lehm. Bei der Kalkputzschicht ist die Wärmeleitfähigkeit und die Wärmespeicherfähigkeit wesentlich geringer als auf einer Natursteinoberfläche. Die Temperatur der Oberfläche des Wandputzes liegt damit etwas höher als auf der Steinoberfläche und die Kondensatbildung wird verringert. Die Verwendung von Leichtputze ist noch etwas besser, da die Wärmeleitfähigkeit noch kleiner ist.

Bei Wohngebäuden aus Steinwänden kann innen eine Holzwolleleichtbauplatte angebracht werden, welche dann mit einem Kalkputz verputzt wird. Auf keinem Fall darf unter dem Putze auf der Innenseite eine dichtende Schicht, wie Bitumen oder Bitumenpappe, angebracht werden. Kurzfristig sieht es trocken aus. Die Sperrschicht verschlimmert langfristig die feuchtigkeitstechnische Situation im Wandquerschnitt. Aber auch eine Randleistenheizung kann im unteren Wandquerschnitt für eine Temperierung beitragen, sodass gerade dieser untere Wandbereich weniger durch Kondensatfeuchtigkeit gefährdet ist.

Tserkva UHKTS Uspinnya Presvyatoyi Bohorodytsi
Innenansicht Kirche Mariä Himmelfahrt in Velykyi Bychkiv

Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass die Farbbeschichtung auf dem Putz eine hohe Diffusion ermöglicht. Das sind z. B. Naturfarbe, Kalkfarben oder Silikatfarbe, eine Leimfarbe ist wegen ihrer ungünstigen Wischbeständigkeit etwas schlechter. Dispersionsfarben, Latex oder Ölfarben gehören nicht auf diese Putzschicht. Bei den Wandgemälden in den Kirchen müssen diese feuchtigkeitstechnischen Eigenschaften beachtet werden, um eine lange Haltbarkeit zu erreichen.

Temperaturmessungen in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Velykyi Bychkiv

(Tserkva UHKTS Uspinnya Presvyatoyi Bohorodytsi, Hreko Katolyts'ka tserkva Mukachivs'koho Patriarkhatu)

Besonders während der Sowjetzeit (1945 bis 1990) in der Ukraine unterlagen die Griechisch Katholische Kirchen, wie auch andere Kirchen, einer anderen Nutzung, wie z. B. als Lagerhalle usw. Die 1845 errichtete Kirche, ist gerade während dieser Zeit zunehmen verfallen. Durch aufwendige Sanierungsarbeiten in den letzten Jahren konnte diese Kirche im neuen Glanz wieder erstellt werden.

Tserkva UHKTS Uspinnya Presvyatoyi Bohorodytsi
Temperaturmessungen in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Velykyi Bychkiv

Die Messung in der Kirche erfolgt am 10.09.2019, 16.00 Uhr (Velykyi Bychkiv, Oblast Uschgorod, Ukraine)

Außentemperatur 23,7°C , relative Luftfeuchtigkeit 52,4%
Temperatur in der Kirche 23,3°C, relative Luftfeuchtigkeit 5,4%

Temperatur des Fußbodens 21°C
Temperatur der Wand 1 m über den Fußboden 20,5°C
Temperatur der Wand etwa 5 m über den Fußboden 20,5°C
Temperatur der Decke des Deckengewölbes 21°C

Temperaturmessungen in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Velykyi Bychkiv
Temperaturmessungen in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Velykyi Bychkiv

Die Oberflächentemperatur aller Innenoberflächen ist annähern gleich und ist somit ein idealer Zustand. Alle Bauteiloberflächen sind trocken. Dieser gute feuchtigkeitstechnische Zustand wird durch die kontinuierliche Lüftung der Kirche erreicht. Da die Kirche 24 Std. offen ist, ist tagsüber auch die Vordertür offen. Ebenso ist die Hintertür offen, sodass ein Durchzug erfolgt.

Sehr wichtig ist die Öffnung in der Gewölbedecke, wo der Leuchter angehängt bzw. herabgelassen werden kann. Diese kleine Öffnung in der Decke funktioniert wie ein kleiner Schornstein, welcher für einen ständigen Luftaustausch sorgt und somit eine wichtig konstruktive Lösung zur Reduzierung der Luftfeuchtigkeit im Gebäudeinneren ist. Wird diese Öffnung in der Decke verschlossen, so steigt die relative Luftfeuchtigkeit im Innenraum stark an, was die Kondenswasserbildung verstärkt.

Kirche Mariä Himmelfahrt in Velykyi Bychkiv
Lüftungsöffnung im Gewölbe an der Lampenhaltung

Feuchteschäden sind stellenweise am unteren Sockelbereich zu erkennen. Es handelt sich um Feuchtigkeit, welche sich seit vielen Jahren im Mauerquerschnitt befindet. Ungünstig ist der Zementputz einschließlich der Farbbeschichtung, welche eine sperrende Wirkung haben. An dieser Stelle erfolgt auch die größere Gefahr der Kondenswasserbildung. Die Verwendung eines Sanierputzes und einer difussionsoffene Farbbeschichtung sind hier besser.

Feuchter Sockelputz in der Kirche Maria Himmelfahrt

Messgeräte:
Infrarot-Thermometer IR-340
Messbereich -2 bis 320°C, Genauigkeit +/- 2% oder +/- 2°C, Anzeigeauflösung 0,5°C , Emissionsgrad 0,95 fest, Spektrum 5 bis 14µm, VOLTCRAFT ®,

E200 IR Luftfeuchtemessgerät von Dr. Specht GmbH
Messbereich -20 bis 50°C, Auflösung 0,1°C, Genauigkeit +/- 0,4°C bei 0 bis 40°C, sonst +/- 0,7°C, Luftfeuchte r.H. %, g/m3, Messprinzip kapazitiv, Messbereich 5 bis 95% r.H., Auflösung 0,1% r.H., Genauigkeit +/- 3% r.H.



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