ib-rauch.de

Altbausanierung | FeuchteschutzBaubiologie | KonstruktionBauchemieBaustoffeAltbausanierung - BücherBaublogImpressum

Anfrage Planungs- und Ausführungsprüfung von EFH-Dachdämmung

Anfrage vom 13.08.2014

Frage:
Wir bauen momentan unser Einfamilienhaus in Leipzig und wollen später einmal das Dachgeschoss ausbauen. Damit die Voraussetzungen dafür optimal sind, habe ich Ihr Buch gekauft und mit großem Interesse angefangen zu lesen.

Leider zeigt sich, dass unser Bauleiter auf alle meine Hinweise stets eine Ausrede hat, zuletzt bzgl. der Dämmung der Holzbalkendecke. Da ich Bauträger, Bauleiter und ausführender Firma allein gegenüberstehe und diese jegliche Hinweise ignorieren, möchte ich Sie dringend um Ihre Hilfe bitten.

Angaben zum Bau:

Nachdem der Trockenbauer am Montag den 240mm dicken Klemmfilz zwischen die Deckenbalken eingebracht hat, sind mir einige Spalte und Löcher in der Dämmung aufgefallen (siehe Fotos im Anhang). Trotz Hinweises an den Bauleiter wurde gestern die Dampfbremsfolie darunter an den Balken angetackert und am Mauerwerk bzw. Ringanker verklebt, ohne die fehlerhaften Stellen nachzuarbeiten.

Noch beunruhigender finde ich allerdings die grundsätzliche Planung der Dämmung. Zwischen den Deckenbalkenköpfen und den aufgemauerten 24cm Porenbetonsteinen sind bis zu 1cm breite Fugen (siehe Fotos im Anhang). Durch diese kann später von oben kalte Luft bis unmittelbar an die Dampfbremsfolie gelangen, da die Deckendämmung bündig mit der Innenwand abschließt. Eine Abkühlung an diesen Stellen bzw. am gesamten oberen Bereich der Außenwandecke und ein damit einhergehender Tauwasserausfall erscheint mir nicht zuletzt durch Ihr Buch unausweichlich. Ich bin der Meinung, dass hier wenigstens noch auf der Aufmauerung bis über die Innenwand hinaus eine Dämmung erfolgen müsste. Idealerweise hätten die Fugen mit einem komprimierbaren Dichtband verschlossen werden müssen. Der Bauleiter will allerdings nicht einsehen, dass hier eine potenzielle Gefahr eines Feuchteschadens besteht, und reagierte nicht mal auf die Löcher und Spalte in der Dämmung.

Die Aufmauerung zwischen den Balken war ursprünglich gar nicht geplant und ist erst vor Kurzem in der Werkplanung angepasst worden. Vorher hätte die Dämmung bis auf die Außenmauer verlaufen können. Nun stößt sie allerdings an die Aufmauerung mit den nach oben offenen Fugen an. Dies ist jetzt die einzige ungedämmte Stelle am ganzen Haus, wie man an der angehangenen Schnittansicht der Werkplanung sehr gut erkennen kann.

Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn Sie mir helfen könnten und nach einer evtl. notwendigen Vorortbesichtigung dem Bauträger gegenüber meine Bedenken bestätigen bzw. geeignete Maßnahmen vorschlagen könnten.

Fugen zwischen Deckenbalken und Ausmauerung bis nach außen
Fugen zwischen Deckenbalken und Ausmauerung bis nach außen

Fuge unter der Fußpfette bis nach außen
Fuge unter der Fußpfette bis nach außen

Fugen zwischen der Dämmung
Fugen zwischen der Dämmung

Fugen zwischen der Dämmung und Deckenbalken
Fugen zwischen der Dämmung und Deckenbalken, sowie Dachpappe am Auflager des Deckenbalkens

Antwort:
Die Baufirma schuldet Ihnen ein mangelfreies Werk. Was in diesem Fall nicht der Fall ist. Deckenbalkenköpfe sollten luftumspült, etwa 1 cm Luftspalte und gegen verrutschen auf das Mauerwerk aufgelegt werden. Die Deckenbalken dürfen jedoch nicht nach außen ragen und müssen luftdicht nach außen verschlossen sein. Es ist anzunehmen, dass die äußere Wärmedämmung die Balkenköpfe überdecken soll. Ob ein luftdichter Anschluss erfolgt, ist zu bezweifeln. Da die Decke zum nicht ausgebauten Dachgeschoss gedämmt wird, ist dieser Auflagebereich als Innendämmung zu betrachten. Es tritt eine Konvektion zwischen dem Deckenbalken ind der Ausmauerung auf. Ebenso dürfen die Fugen unter der Fußpfette nicht vorhanden sein. Diese sind mit vorkomprimiertem Dichtband abzudichten. Historisch wurde so gebaut, wo die Bauteile nicht gedämmt wurden und eine Belüftung der Konstruktion erwünscht war. Dadurch wurden die langen Standzeiten der Gebäude mit Holzkonstruktionen erreicht. Bei gedämmten Gebäuden funktioniert dies nicht. So stärker die Dämmung ist, so kritischer wird es. Die gesamte Gebäudehülle muss an allen Stellen etwa den gleichen Wärmedurchgang haben. Fugen, wie hier an den Balkenköpfen oder in der Dämmung zwischen den Balken führen zu erheblichen Feuchteschäden an der Holzkonstruktion. Ebenso unverständlich ist die Dachpappe unter den Deckenbalken. An dieser Stelle kann der Balken nicht trocknen.
Das sind Ausführungsfehler, die allgemein bekannt sind. In meinem Buch gehe ich auf diese Problembereiche ausführlich ein.

Sie können somit ein Baustopp erwirken, bis der Mangel beseitigt ist. Warum wollen Sie für ein mangelhaftes Werk bezahlen. Das können Sie so deutlich sagen. Sie müssen ja das Werk abnehmen. Bei der Abnahme können Sie sich auch durch einen externen Baugutachter beraten lassen, der für Sie die Leistung abnimmt. Sie haben die Bilder als Beweis für die mangelhafte Ausführung. Diese Probleme sollten Sie mit Ihrem Anwalt durchsprechen. Sie können sich aber auch an meinen Anwalt, Herrn Reinhard, wenden. Ludwig-Hupfeld-Str. 4, 04178 Leipzig, Tel. 0341 442177-0 www.Reinhard-Rechtsanwaelte.de

Ich selbst bin nur auf unbestimmte Zeit in Deutschland und kann Sie von der Bauseite in diesem Rechtsstreit nicht unterstützen. Sie können auch bei der IHK Leipzig nach einem Gutachter fragen. Eventuell könnten Sie meinen Kollegen Herrn Werner Baranzki Tel. 4136343 fragen. www.bauplansv.de/ >

Frage:
Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich werde als Nächstes versuchen, Kontakt zu Herrn Baranzki aufzunehmen.

Können Sie mir noch mitteilen, wie eine mängelfreie Ausführung in diesem Fall aussehen müsste bzw. welche Mängelbehebung ich der Baufirma gegenüber fordern soll? In Ihrem Buch habe ich dazu kein genau passendes Beispiel gefunden, evtl. können Sie mir auch die passende Seite im Buch nennen.

Antwort:
In meinem Dachbuch finden Sie im Bild 4.3.2 Seite 52 ein Beispiel. In der Anlage 1 wird das Problem mit der Konvektion dargestellt und im Abschnitt 5 des Buches ausführlich beschrieben.

Antwort von
Faching., Dipl.-Ing.oec., Dipl.-Betrw.(FH), Ing. Peter Rauch Ph.D.
Peter Rauch Ph.D.
Dipl.-Ing.oec.,Ing.oec., Ing.

Peter Rauch auf Google+ Peter Rauch auf Facebook Peter Rauch auf Twitter Peter Rauch auf Autorenseite Amazon.de



 ©  Altbausanierung | Bücher für BauherrnDownload | Baulexikon | Impressum   13.08.2014