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Messinggelbe Diebskäfer oder Messingkäfer (Niptus hololeucus Falderm.)

Der Messingkäfer gehört zur Familie Ptinidae - Diebskäfer. Die Diebskäfer sind mit den Klopfkäfern sehr nahe verwandt, unterscheiden sich aber von ihnen in ihrer Körpergestalt. Sie fallen durch die langen Beine und Fühler auf, die ihnen ein spinnenähnliches Aussehen verleihen. Ihr Rumpf ist kürzer, und in vielen Fällen sind die Tiere oval bis rund. Alle Vertreter sind kleiner als 5 mm. Eine der größten Arten ist der 4 bis 5 mm lange Messinggelbe Diebskäfer (Niptus hololeucus), der dicht goldgelb behaart ist und heute in Mitteleuropa überall, manchmal in ungeheuren Mengen, vorkommt. Seine ursprüngliche Heimat ist Kleinasien, und 1850 wurde er erstmalig für Deutschland in der Dresdener Hofapotheke nachgewiesen. Er hat sich inzwischen auch in Skandinavien und in Amerika eingebürgert. In den Jahren 1935 und 1940, als Massenauftreten gemeldet wurden, bei denen Tausende von Käfern in einzelnen Wohnungen zu beobachten waren, entstand eine regelrechte Panikstimmung, und dieser Käfer avancierte zum Vorratsschädling Nummer eins. Die genau bekannte Ausbreitungsgeschichte von Niptus hololeucus ist deswegen sehr interessant, weil sie wie in kaum einem anderen Falle sehr überzeugend die aktive Rolle des Menschen bei seiner Verschleppung nachweist. Die Art ist flügellos und hätte sich auf natürlichem Weg niemals so schnell ausbreiten können. Der nachtaktive Käfer vermag sich innerhalb eines Hauses auszubreiten, auch wurde er schon bei nächtlichen Wanderzügen beobachtet, die ihn von einem Haus in ein anderes führten, aber von Stadt zu Stadt und von Land zu Land lässt er sich vom Menschen transportieren, indem er sich in Getreide, Stoffen, Bürstenwaren und anderen Handelsgut verkriecht. Der Käfer frisst mit Vorliebe Federn und Haare, Pelze und tote Insekten, Kot, Knochen und Spinnweben. Die Larven entwickeln sich in pflanzlichen Stoffen und finden in alten Häusern häufig in den Zwischenböden, die mit Strohhäcksel, Spreu und ähnlichem ausgefüllt sind, sichere Brutstätten. Im Gegensatz zu vielen anderen Schädlingen ist es vor allem der langlebige Käfer, nicht seine Larve, der wirtschaftliche Schäden anrichtet. Die unglaublichsten Gegenstände und Produkte werden von ihnen angefallen. Nicht nur Couchbezüge und Teppiche, auch Tabakwaren und Tee, giftige pflanzliche Drogen und Lederwaren, Spiegelbelag und Stopfgarn werden angeknabbert. Die Diebskäfer gehören damit wohl zu den am wenigsten wählerischen Tieren überhaupt, denn nicht nur der Messinggelbe Diebskäfer ist derart omnivor. Der Messingkäfer kann zu den Bewohnern kranken Holzes gezählt werden, aber nicht zu den ausgesprochenen Holzschädlingen.

Bild Messingkäfer

Quelle: Günter, K.; u. a.; Urania Tierreich, Insekten 2./3. Aufl. 1974, Urania-Verlag Leipzig/Jena/Berlin S.239
Langendorf, G.; Holzschutzhandbuch für Fachleute 1988, S. 119

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 ©  Bauratgeber | Literatur/Verlag Impressum | 4/2003