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Kalkfarben herstellen und streichen

Zur Verarbeitung wird der gelöschte Kalk Ca(OH)2 entnommen und in einem Eimer gegeben und mit etwas Wasser gründlich verrührt bis man die gewünschte Streichfähigkeit erreicht. Das entspricht etwa ein Verhältnis von 5 Teile festen, gelöschten Kalk mit 6 Teilen Wasser.

Kalkfarbe streichen

Beim Weißen der Wände mit Kalkmilch/limewash finden folgende chemischen Vorgänge statt. Die Kalkmilch nimmt aus der Luft allmählich Kohlendioxid auf und bildet mit dem Wasser des Mörtels zunächst etwas H2C03. Nur diese (nicht das CO2 an sich) gibt mit dem Ca(OH)2 der Kalkmilch Calciumcarbonat CaCO3
nach der Gleichung: Ca(OH)2 + H2C03 --> CaCO3 + 2 H20.
Damit die Bildung von hartem, beständigem Kalk ungestört vonstatten gehen kann, soll man die Räume nicht zu rasch austrocknen lassen, da sonst keine H2C03 -Bildung mehr möglich ist.

Das Weißen mit der Kalkfarbewird meist nur noch für einfache Räume, wie Keller, Dachböden, Garagen und Ställe benutzt. Wegen seinem hohen pH-Wert kann es gleichzeitig desinfizieren. Wobei eine Anwendung für alle nicht durch Abrieb exponierte Flächen, zum Beispiel Decken oder obere Wandflächen, erfolgen kann. Eine Einfärbung erfolgt im Verhältnis 5 Teile gelöschter Kalk, 6 Teile Wasser und bis ein Teil pulverisierte Farbe (Ocker, Marsgelb, Marsrot, Ultramarin, (Chromoxidgrün) oder Elfenbeinschwarz). Bleiweiß, Chromgelb, Berlinweißlau, Zinkgelb dürfen nicht mit Kalk gemischt werden, da Zersetzungsreaktionen auftreten.

Für die Erhöhung der Wischbeständigkeit (Abriebfestigkeit) kann Kochsalz, 2 bis 3 % Leinölfirnis oder feiner Quarzsand zugegeben werden. Auf einen Maurerkübel eingesumpften Weißkalk, mindestens 1 Tag stehen lassen (je länger, so bessere Qualität), wird ein Päckchen Kochsalz eingerührt. Damit wird auch eine gewisse Wetterbeständigkeit erzielt, wenn diese Wandfläche nicht unmittelbar bewittert wird. (Auch nach 5 Jahren keinerlei Probleme.) Auch andere Zusätze Erhöhen die Wetterbeständigkeit, wie hydraulische Zusätze, Leinöl oder Kaliwasserglas K2SiO3 (1 Liter Wasserglas auf 10 bis 12 Liter Kalkmilch). Im Innenbereich ist eine Wetterbeständigkeit nicht erforderlich, daher sollten geringere Mengen an Zusätze zugemischt werden.

Auf Stein, Gips, Holz und Leimfarben hält der gewöhnliche Kalkanstrich nur schwer, doch kann man ihn durch Zusätze haltbar machen. Verwendet man zum Beispiel beim Kalklöschen heißes Wasser und gibt auf 40 l Kalkmilch etwa 0,5 kg Zinksulfat ZnSO4 und 0,25 kg Kochsalz, so hält ein Anstrich von diesem Gemisch auch auf Holz und Stein. Kalkanstriche empfehlen sich besonders bei Fassaden (kein Schlagregen oder stark bewitterte Flächen) Hauseingängen, Bädern, Küchen, Decken, Wänden usw. Man benötigt 2 bis 3 Anstriche. Beim ersten wird ganz dünne Kalkmilch verwendet. Wünscht man bunte Wände, so sind nur beim letzten Anstrich Farben beizumischen. Beim Endanstrich sind die Wände von oben nach unten, die Decken senkrecht zu den Fenstern zu streichen. Auf diese Weise wird eine störende Schattenwirkung durch Rillenbildung und dergleichen vermieden.

Ein Kalkfarbenanstrich ist sehr wasserdampfdurchlässig und weitgehend feuchtigkeitsbeständig. Große Temperaturschwankungen, wechselnde Luftfeuchte und Kondenswasserbildung übersteht er schadlos. Neben der bereits genannten desinfizierenden Wirkung werden auch Gerüche aufgenommen. Die Schimmelpilzbildung wird vermieden. Allerdings können sich im sehr feuchtbelasteten Bereich (außen) sich Algen auf der Oberfläche bilden. Kalkfarben enthalten keine Schadstoffe (Biozide oder organische Lösungsmittel), sie bestehen aus rein mineralischen, gut verfügbaren Rohstoffen.

Kalkfarben sind stark alkalisch und führen zu Verätzungen. Es ist daher zweckmäßig beim Verrühren eine Schutzbrille zu tragen. Bei empfindlichen Händen empfehlen sich Handschuhe. Sollte trotzdem ein Spritzer in das Auge kommen, sofort mit reichlich klarem Wasser ausspülen.

Verarbeitung von Kalkfarben

Das Malern mit Kalkfarben ist nicht einfach. Die Qualität des Anstrichs hängt vom Untergrund ab. Ein sehr guter Anstrich lässt sich auf einer glatten Oberfläche, z. B. eine mit Malerspachtel geglättete Fläche, auftragen. Eine Fläche mit Gipsspachtel (für Gipskarton) ist stark saugend und muss am besten mit einer Sprühflasche etwas vorgenässt werden. Die Kalkfarbe ist zusätzlich mit Wasser zu verdünnen. Das Problem bei saugendem Untergrund ist das ungleichmäßige Auftragen. Es bedarf viel Übung. Bei einem erneuten Anstrich löst sich die aufgetrage Kalkfarbe wieder. Die Kalkfarbe beim "Ausbessern" der unschönen Flecken sollte daher etwas dicker sein aber auch nicht zu dick, damit keine Absätze entstehen. Die Kalkfarbe überdeckt schlecht alte kräftige Farben. Das Aufbringen von Tiefengrund auf die Wand ist nicht sinnvoll, da eine Sperrschicht entsteht. Dann braucht man auch keine Kalkfarbe verwenden.
Kalkfarbe auf einem Kalk- bzw. Kalkzementputz kann auch auf der Außenwand aufgetragen werden, wenn diese ausreichend vor Niederschlag geschützt ist. Sie hält viele Jahre. Es gibt jedoch einen optischen Nachteil, wenn die relative Luftfeuchtigkeit im Außenbereich bei Regen hoch ist, dann entstehen Flecken, welche bei Trockenheit wieder verschwinden.

Erkennen des Altanstriches:
An der trocknen Wandfläche wird der Finger etwas weiß beziehungsweise farbig. An feuchteren Stellen bleibt viel Farbe am Finger. Ist die Oberfläche feucht, zum Beispiel im Keller oder durch Regen, so schimmert der Untergrund (meist dunkler) durch. Wasser wird stark aufgesogen. Wird es wieder trocken, so ist alles gleichmäßig hell. Silikatfarben behalten ihren Farbton und geben keine Farbe ab.
Ein chemischer Nachweis von Kalkfarbanstrich kann durch vorsichtiges Betupfen mit einigen Tropfen verdünnter Salzsäure erfolgen. Bei Anwesenheit von Kalk treten kleine Gasbläschen auf.

Lieferform:
In Deutschland erhält man Weißkalk 25 kg Tüte für 2-3 Euro oder auf dem Baumarkt fertig eingerührte Kalkfabe im Eimer. In Transkarpatien wird diese Farbe als Naturfarbe sowohl im 6 kg Eimer für etwa 1,55 Euro (siehe Bild) bzw. in einem Plastikbeutel mit 5 kg ferigen Kalkanstrich für etwa 1 Euro verkauft.

Eimer mit Kalkfarbe

Quelle:
Wilhelm Scholz, Wolfram Hiese; Baustoffkenntnis, 13. Auf., Werner Verlag GmbH Düsseldorf 1995, S.547
Schwarz, Jutta ; Ökologie im Bau, Verlag Paul Haupt Bern Stuttgart Wien, 4. Auf. 1998 S.61-62
Raaf, Hermann; Chemie des Alltags A-Z, Ein Lexikon der praktischen Chemie, Herder Freiburg Basel Wien, 27. Aufl. 1990, S.46/47, 96


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