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Herstellung und Eigenschaften von Kaseinleimeanstriche

Kasein, ist die weiße Masse in der entrahmten, sauren Milch (Milcheiweiß), die getrocknet, gemahlen und mit alkalischen Stoffen (Calciumhydroxid, Kalilauge, Ammoniak NH3, Trinatriumphosphat, Borax Na2B4O7 . 10 H2O oder Kalk (Kalkkasein/lime casien) alkalisch zu einem wasserlöslichen Leim aufgeschlossen.

Kaseinleime werden als fertige Wasser verdünnbare Leime in Form gallerartiger Flüssigkeiten oder in Pulverform, muss trocken, feinpulverig oder grießförmig sein, angeboten. Er darf nicht käseartig riechen und soll mindestens 50 % handelsübliches Kasein mit höchstens 12 % Wasser enthalten. Um Fäulnis zu verhindern, setzt man ihm Borax, Nipagin T, Parachlormetakresol, Preventol, Natriumfluorid oder 0,5 % Phenol zu. Ultramarinblau, Ruß, Ocker, Zinkweiß und andere Farbpulver rührt man zuerst mit wenig Wasser teigartig an, gibt dann eine starke Kaseinlösung hinzu, bis das Gemisch streichfertig ist.
Kalkkaseine sind stark und Alkalikaseine schwach alkalisch. Letztere bleiben wasserlöslich, wenn auch nicht so wie Leimfarben. Nur auf dem frischen Kalkmörtel ergeben sie einen wetterbeständig Außenanstrich, da sich hier ein wasserbeständiges Kalkaluminat bildet. Ansonsten eigenen sie sich mehr für Innenanstriche in trockenen Räumen beziehungsweise Untergründe, dies hängt mit ihrer Quellbarkeit im Wasser und Empfindlichkeit gegen Schimmelpilze und Fäulnisbakterien zusammen.

Die Maleruntergründe müssen fest sein, alte Anstriche jeder Art sind mit der Untergrundvorbereitung zu entfernen. Neigt der Untergrund zum Reißen, so sind eventuell Leinen, Nessel oder Glasfaservlies zu kleben.

Bilden sich Schimmelpilze, so können die Ursache ständig oder wiederholte Durchfeuchtung durch Kondenswasserniederschlag, fehlende beziehungsweise mangelhafte Sperrung, unzureichende Raumbelüftung, hohe relative Luftfeuchte oder der Untergrund wurde vor der Bemalung nicht richtig vorbehandelt. Behebung erfolgt durch die Beseitigung des Baumangels beziehungsweise Senkung der Raumluftfeuchte durch Lüften und oder Heizung. Der Untergrund ist auszutrocknen, abbürsten und die Pilzsporen mit Fungizid, zum Beispiel stark verdünntem Formalin, kalkhaltige Untergründe auch mit Fluat behandeln. Nach der Behandlung gut lüften.

Quelle:
Scholz, Wilhelm, Wolfram Hiese; Baustoffkenntnis, 13. Auf., Werner Verlag GmbH Düsseldorf 1995, S.549
Raaf, Hermann; Chemie des Alltags A-Z, Ein Lexikon der praktischen Chemie, Herder Freiburg Basel Wien, 27. Aufl. 1990, S.96
Kurt, Schönburg; Bauschäden sind vermeidbar, Wissensspeicher für den richtigen Baustoffeinsatz, 2. Aufl. 1978 S.146-148


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