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Die Eigenschaften von Formaldehyd (Methanal), H-CHO

Formaldehyd (Methanal), H-CHO Ein farbloses, stechend riechendes giftiges Gas, brennbar, explosibel im Gemisch mit Luft dessen Geruch noch bei Konzentrationen unter 1 ppm wahrnehmbar ist. Handhabung überwiegend in wässriger Lösung oder als fester Stoff. Bewirkt Schleimhautreizungen, Unwohlsein, allergene Reaktionen. Begründeter Verdacht auf krebserzeugendes Potenzial.
Die Herstellung erfolgt durch Dehydrierung von Methanol oder Oxidation von Methan.

Wässrige und mit Methanolzusätzen stabilisierte Lösungen von Formaldehyd nennt man Formalin, oder Formol, früher ein überall und in großen Mengen verwendetes Desinfektionsmittel.
Formaldehyd wird hauptsächlich zu Pheno- und Aminoplasten weiterverarbeitet.

Harnstoff-Formaldehydharze (UF) werden als Bindemittel von Pressmassen (Teile von sanitären Anlagen oder Elektroinstallation), wasserfeste Holzleime (Spanplatten, Sperrholz), säurehärtende Lacke zur Versieglung von Hölzern (Möbel, Fertigdielung), Einbrennlacke, Ortschäume zur Dichtung von Fugen und anderes. Mit UF-Harzen gebundene Gegenstände dürfen nicht unmittelbar mit Lebensmittel in Kontakt kommen.

Melaminharze (MF) sind sehr viel feuchte- und hitzefester und spalten daher auch bei Erwärmung kaum Formaldehyd ab und werden deshalb besonders als Bindemittel von Holzwerkstoffen für Küchen- und Schlafzimmermöbel verwendet.

Phenolplaste (PF) finden Verwendung für Beschläge, als Bindemittel in Formmassen zur Herstellung von Schalter, Steckdosen, Pressschichtplatten usw, in Holzspanplatten, Mineralfaserplatten, Spachtelmassen, Phenolharzleime, Einbrennlacke und zur Herstellung von Schaumstoffe.

Polyoxymethylen (POM) findet Anwendung für Beschläge, Wasserarmaturen, Formteile, Folien, Gleitlager und anderes.

Resorcinformaldehydharz (RF) es ist von allen Formaldehydharzen das beständigste gegen Chemikalien, Wasser und Wärme. Es wird vor allem für Holzleim in Bauplatten (Spanplatten) verwendet.

Formaldehyd finden weiterhin Verwendung in fast allen Industrie- und Anwendungsbereichen.
Hier einige Beispiele:
Farbstoffe, Aromastoffe, Pestizide, Düngemittel, Waschmittel, Seifen, Parfums, Deodorants, Shampoos, Desinfektionsmittel, Medikamente, Konservierungsmittel getrockneter Nahrungsmittel, von Präparate, Tierfutter, Naturkautschuk, uvm., in Textilien.

Formaldehyd kommt zwar als Zwischenprodukt beim normalen Stoffwechsel von Säugetierzellen vor, dennoch wird Formaldehyd auch in Pflanzendüngern und Schutzmitteln eingesetzt. Die so behandelten Pflanzen wie Beispielsweise genmanipulierter Mais wird oftmals dem Tierfutter beigemischt und ist dabei nicht kennzeichnungspflichtig. Genmanipulierter Mais ist wesentlich widerstandsfähiger gegenüber Pestiziden und kann somit mehr Dünger und Schutzmittel "vertragen" und aufnehmen. So wechseln mehr und mehr Hundebesitzer bei der Ernährung ihrer Tiere von Fertigfutter zu einer Fütterung mit frischem Fleisch. Bei dieser Fütterung spricht man vom sogenannten barfen. Die Barf-Anhänger füttern ihre Hunde nur mit frischen Zutaten wie Fleisch Obst und Gemüse. So können sie festlegen woher und in welchen Mengen die Tiere ihr Futter bekommen.

Formaldehyd ist seit den 50iger Jahren des letzen Jahrhunderts Bestandteil vieler Kunstharze und Leime. Diese Leime wurden bei der Verarbeitung von Span- und Sperrholzplatten verwendet. Die Formaldehyde entweichen aus den Holzwerkstoffen und belasten die Raumluft. Nach Schätzungen enthalten mehr als 85 Prozent aller Holzwerkstoffe formaldehydhaltige Kleber. Müssen formaldehydbelastete Möbel ausgetauscht werden, so können steuerliche Gesichtspunkte berücksichtigt werden.

Durch das Fraunhofer-Institute für Holzforschung WKI in Braunschweig wurde eine neue Methode zur Reduzierung der Formaldehydemissionen entwickelt. Es kommen modifizierte Zeolithe (Alumosilicate) zur Anwendung, die aufgrund ihrer extrem großen inneren Oberfläche und ihrer porösen Struktur als Molekularsieb dienen. Beste Adsorptionseigenschaften dieser Alumosilicate zeigte der synthetische Zeolith Y, welche eine Adsorptionsrate von 70 Prozent hat und die Formaldehydemission aus der Spanplatte um 40 Prozent verringert.

Formaldehyd ist in allen Nahrungsmitteln enthalten, der Körper kann damit umgehen, allerdings nicht mit eingeatmetem Formaldehyd.
Mögliche Quellen sind: Möbel, Verkleidung, Bodenbeläge, Zwischenwände aus Holz oder Holzwerkstoffe, kalter Tabakrauch (Vorhänge, Teppiche oder andere Textilien in Raucherzimmer), Textilen (besonders aus Wühltischen) durch das Aids-Problem in Gemeinschaftseinrichtungen (Sauna, Sonnenliegen, Bäder, Liegen, Sitzflächen usw.) und Autoabgase (Ottomotor ohne Katalysator) Wärmedämmschäume, Tapeten, Lacke und anderes.

Artikel, die mehr als 0,05% (Kosmetikartikel), 0,15% (Textilien) und 0,1% ( Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel) Formaldehyd enthalten, müssen gekennzeichnet werden. Bei Holzwerkstoffen (Möbel und anderes) gilt eine Grenzkonzentration von bis zu 0,1 ppm (=0,1 ml/m3) erzeugen (Emissionsklasse E1).
Der vom Bundesgesundheitsamt empfohlene Grenzwert für Formaldehyd in der Luft von Innenräumen ist 0,1 ppm. Der Richtwert des VDI (MIK-Wert) liegt für Dauerexpositionen bei 0,02 ppm und für Kurzzeitexposition bei 0,06 ppm. Grenzwerte für Formaldehyd in Innenräumen gibt es nicht, lediglich einen für Arbeitsplätze, MAK-Wert 0,5 ppm (=0,5 ml/m3 beziehungsweise 0,6 mg/m3) für die Luftkonzentration.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO hat Formaldehyd als krebserregend für den Menschen eingestuft.

Formaldehyd wirkt als Zellgift; es gehört nach der Gefahrstoffverordnung zu den sehr giftigen und giftigen Stoffen, in der MAK Werte-Liste ist es unter III B (begründeter Verdacht auf krebserzeugendes Potenzial) eingeordnet und wird als sensibilisierend ausgewiesen. Es ergeben sich Allergien, Befindlichkeitsstörungen, Atemwegerkrankung, Blasenleiden, Haut- und Schleimhaut, Kopfschmerzen, Nervenentzündung, Psychische und Verhaltensstörungen.

Beispiel: Wirkung von Formaldehyd beim Menschen nach kurzfristiger Exposition

ppm

Erscheinung

0,05 -1,0

Geruchsschwelle

0,01 -1,6

Schwelle für Reizung der Augen

0,08 -1,6

Augen und Nase gereizt

0,5

Schwelle für Reizung der Kehle

2-3

Stechen in Nase, Augen und hinterem Pharynx

4- 5

für 30 Minuten erträglich, zunehmende Unbehagen und Tränenfluss

10 -20

nach wenigen Minuten starker Tränenfluss, bis 1 Stunde nach Exposition anhaltend, sofort Dyspnoe, Husten, Brenne in Nase, Kehle

30

Lebensgefahr, toxisches Lungenödem, Pneumonie

Quelle: Kur, Friedrich ; Wohngifte, Handbuch für gesundes Bauen und Einrichtungen, 3. Aufl. Verlag Eichborn, 1993, S. 539
Skiba, Reinald; Taschenbuch Arbeitssicherheit, Erich Schmidt Verlag, 6. Aufl. 1990, S.236
Schröter, Werner, u. a.; Chemie, VEB Fachbuchverlag Leipzig 1986 S. 503
Daunderer, Max; Gifte im Alltag, 1. Aufl. München: Beck, 1999, S. 99 ff
Minerale sorgen für bessere Raumluft 6.1.2011 dashoefer.de


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