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6. Kurzbeschreibung der Sanierung eines Lehmhauses in

Ich selbst wohne seit 1998 Jahren in einem Haus, welches zu über 50 % aus Lehmwänden besteht.

Das Baujahr lässt sich nicht genau bestimmen. Da das Gebäude gegenüber der ehemaligen Dorfschenke und an der Zufahrtsstraße zur Furt durch die Elster steht, dürften sich die ersten Grundrisse des Gebäudes um die Zeit des 12. Jahrhunderts zuordnen lassen. Von dieser Zeit stammen auch die ersten dokumentarischen Aufzeichnungen des ca. 200 m entfernten Hofes. Es ist anzunehmen, dass die ersten Gebäude abgebrochen und wieder überbaut und erweitert wurden. Sehr deutlich lassen sich anhand verschlossener Wandöffnungen, den ständigen Wechsel der Baustoffe auch innerhalb der Wandflucht, der verschiedenen Deckenkonstruktionen, ein ständiger Umbau sowie die Gebäudevergrößerung durch Anbau und Aufstockung erkennen. Die letzten Umbauten zum jetzigen Aussehen des Gebäudes erfolgten 1873. Wobei Zeichnungen um 1800 bereits diese Gebäudeform darstellen.

Durch mangelnde Gebäudeunterhaltung und einen 7-jährigen Leerstand war das Gebäude vollständig durchfeuchtet. Die Holzfußböden waren durch holzzerstörende Pilze und Insekten befallen und Teile des Gebäudes infolge eines undichten Daches zerstört. (Hier hatte man 70er einfache Nägel für die Befestigung der Dachlatten verwendet. Diese waren durchgerostet und die Latten verrutscht. Eine geringe Nachlässigkeit mit großer Folge.)
Die Dielung des Erdgeschossfußbodens sowie die Stiele unter den Türzargen waren durch holzzerstörende Pilze stark geschädigt. Das untere Lehmmauerwerk war durch die Feuchtigkeit stark geschädigt. Durchfeuchteter Stampflehm wird nach der Trocknung krümelig und hat keine Bindung mehr. So fehlten von der Wandstärke teilweise bis zu 15 cm. Die Dielung war auf einem lehmhaltigen Sand aufgelegt. Teilweise wurden auch alte Balkenreste zum Ausfüllen verwendet. Das Bruchsteinfundament reicht ca. 1,5 m tief und schließt etwas über der Fußweghöhe ab. Sicherlich wurden im Verlauf der Jahre die Straße und der Fußweg immer höher aufgeschüttet. Eine Feuchtigkeitssperre ist nicht vorhanden.
Ziel der Baumaßnahmen war eine Bestandssicherung, der Erhalt möglichst vieler alter Bauteile trotz hohem Zerstörungsgrad und eine schnelle Teilnutzung.
Der lehmhaltige Kies im Erdgeschossfußboden wurde ca. 20 cm ausgeschachtet. Der neue Fußboden besteht aus einer PE-Folie (als Feuchtesperre von unten) einer 8 bis 10 cm starke Betonplatte (ca. ein 1/2 Jahr getrocknet) Dämmung, PE-Folie und 5-6 cm Betonestrich und Fußbodenbelag mit Gewebe.
Die zerstörten Holzstiele und das angrenzende lose und mit Myzel befallene Lehmmauerwerk (circa 20 bis 30 cm) wurde entfernt. Lediglich die verbliebenen Mauerangrenzungen, wo Myzelbewuchs vorlag, wurden mit einem Schwammbekämpfungsmittel entsprechend der Verarbeitungsvorschrift geflutet. Auf eine Bekämpfung im Fußboden unter den Hartbrandsteinen in den benachbarten Räumen wurde generell verzichtet. Alle organischen Bestandteile, wie das Holz, wurden entfernt. Damit kann der Pilz keine eigene Substanz (Myzel) aufbauen. So wurde mit geringen chemischen Mitteln eine Wachstumssperre angelegt. Das entfernte Lehmmauerwerk und die Holzstiele wurden durch Ziegel und Ziegelstürze ersetzt.
Problematisch ist die Sanierung des lockeren Stampflehms. Alle losen Mauerteile mussten entfernt werden. Bei zu großen Ausbrüchen erfolgte ein Ausmauern mit Ziegelsteinen. Ein Verputzen von Lehmwänden ist sehr kompliziert, da Lehm sehr weich ist und nur eine geringe Haftung (Elastizitätsmodul) erzielt werden kann. Daher sollten Lehmputz oder Kalkputze verwendet werden. Da der untere Mauerbereich sehr feucht war, wurde ein relativ weicher Putz P II gewählt. Als Erstes wurde eine sehr dünne nasse Putzschicht, analog wie ein Vorspritzer, aufgetragen. Dieser Putz bestand aus P II beziehungsweise ein Gemisch aus P II und Lehm. Abgetrocknet bildete er so einen guten Untergrund für einen weiteren Putzaufbau. Sehr günstig machte sich hier eine Putzmischung, hergestellt aus dem losen Lehm von der Stampflehmwand und den Putzmörtel P II. Die Lehmwand muss vor dem Auftragen sehr intensiv angenässt werden. Dies steht im Widerspruch zur Verarbeitungsvorschrift von Putzen, hat sich aber hervorragend geeignet. Bei dickeren Ausgleichsschichten wurde dem Putzmörtel Blähton oder Perlite zu gemischt, sodass gerade noch eine gut haftende Verbindung vorhanden war. Damit konnte das Gewicht der Ausgleichsschicht verringert werden, die zum Teil eine Stärke bis 5-7 cm betrug. Größere Ausbrüche wurden mit Ziegelstein ausgemauert. Zum Schluss wurde eine dünne Putzoberfläche mit P II aufgezogen. Die schadhaften Putzoberflächen (Unebenheiten und Risse) wurden teilweise mit Gipshaftputz geglättet, also keine vollflächige Bearbeitung. (Neuerdings werden auf dem Markt auch fertige Lehmputze mit Gipsanteilen angeboten.) Auf großflächigen Ausgleich wurde verzichtet, da der typische nicht gerade Wandverlauf erhalten werden sollte. Die heutigen Putze trocknen durch ihre chemische Reaktion mit dem Wasser und durch die Verdunstung wesentlich schneller als die Lehmputze, die nur durch Wasserabgabe trocknen.
Die Erdgeschossräume wurden ab dem 2. Winter durchgehend beheizt und sind eigentlich nach Jahrzehnte langer hoher Feuchtigkeit weitestgehend ausgetrocknet. (Nach Aussage ehemaliger Hausbesucher waren die Räume immer sehr nass.) Die relative Luftfeuchtigkeit liegt im Winter bereits bei 45 %. In der I.-Etage, wo die Außenwände aus Ziegelsteinen, die Innenwände und Decken aus Lehm bestehen, liegt die Luftfeuchtigkeit bei 35 bis 40 %.

Bisher hatte das Niederschlagswasser das untere Außenmauerwerk durchfeuchtet. Hinzu kommt, dass der Gehweg im Laufe der Jahre aufgeschüttet wurde und so der Bruchsteinsockel ca. 30 cm unterhalb der Geländeoberfläche liegt. Mit dieser Veränderung wird die früher vor Spritzwasser geschützte Stampflehmwand unmittelbar der Niederschlags- und Bodenfeuchtigkeit ausgesetzt. Die neue Dachrinne wurde nicht mehr als Liegerinne sondern als Hängerinne ausgelegt. Dadurch wurde der Dachüberhang vergrößert und der Tropfbereich ca. 30 cm vom unteren Mauerwerk entfernt. Der Außenputz im Sockelbereich ist so ständig trocken. Bisher war der untere Außenwandbereich auch bei geringem Niederschlag durchnässt worden. Die Durchfeuchtung lässt sich recht gut bei den historischen Bildern erkennen. (Baufehler müssen nicht mit konstanter Bosheit bei jeder Werterhaltung wiederholt werden. Keines der umliegenden Gebäude hat eine Liegerinne. Sicherlich müssen die Herren vom Denkmalschutz hier auch etwas umdenken.)

Der Außenputz wurde an den schadhaften Stellen mit Putzmörtel ausgebessert und komplett mit Kalk-Zement-Schlämme beschichtet. So wurden alle Risse und kleine schadhafte Stellen ausgefüllt. Ein Jahr später erfolgte eine Beschichtung mit Wasserglassilicatanstrich mit einem sD = 0,2 m. Der Nordgiebel wurde mit Kalkzementputz neu verputzt und anschließend mit einem Kalkanstrich versehen. Eine Feuchtigkeitssperre wurde nicht angelegt, da keine Notwendigkeit besteht.
Als Heizung für die Räume wurde eine Speicherheizung mit Nachtstrom ausgewählt. Das Verlegen der Elektroleitungen erfolgte gleichzeitig mit der neuen Elektroanlage. Die Elektrospeicher- und IR-Heizung wurde vorwiegend im Hausinneren aufgestellt, sodass die massiven Lehmsteinwände Wärme speichern können. Es wird auch auf Temperaturgefälle in den unterschiedlichen Räumen geachtet. Diese Entscheidung für diese Heizungsart ist auch daher gefallen, da möglichst wenige Wasserleitungen verlegt werden sollten. Alle vorgefundenen Schäden durch holzzerstörende Pilze waren eine unmittelbare Folge durch Wasser in den Bädern und WCs. Daher sollte die Anzahl der Wasserleitung auf ein möglichst geringes Maß begrenzt bleiben. Auf dieser Grundlage wurde auf eine weitestgehende chemische Bekämpfung der holzzerstörenden Pilze verzichtet.
Im ersten Winter traten in den unbeheizten Räumen über den Fußboden stellenweise noch Kondenswasser auf. Nach der Inbetriebnahme der Nachtstromheizung konnte bereits eine recht ordentliche Austrocknung erreicht werden. Die Räume ohne Speicherheizung werden durch Strahlungsheizung "temperiert" und die schweren Innenwände (Lehmsteine) übernehmen eine bedingte Wärmespeicherung. Die Installation weiterer Speicherheizungen ist vorgesehen.
Die Temperatur an der Wandoberfläche der Lehmstampfwände mit Stroh ist ca. 1 bis 2 K geringer als die Raumlufttemperatur. Am Abend, wenn die Strahlungsheizung (Nachtspeicherofen) weniger Wärme abgibt, ist die Wandoberfläche 1 bis 2 K höher als die der Raumluft.
Alle Kastenfenster sind verblieben, mit Ausnahme einiger Fenster auf der Hofseite, wo die Brüstungshöhe zu niedrig war, angehoben und sich so ein anderes Öffnungsmaß ergab. In diesem Mauerbereich lag ein massiver holzzerstörender Pilzbefall durch den Echten Hausschwamm vor. Hier mussten Fenster mit Plastrahmen eingesetzt werden, um einen erneuten Befall auszuschließen. Die Entfernung der alten Farbschichten und das neue Verfugen der Fenstergläser der Kastenfenster bedarf einen hohen Zeitaufwand, was sich aber zum Schluss auch lohnt. Das ca. 40 Jahre alte Kiefernholz hatte bis auf wenige Wetterschenkel einen recht guten Zustand.

Peter Rauch 6/2006

Hinweise für Lehmbauten, die durch das Hochwasser geschädigt sind oder weitere Informationen Erhärtungsreaktionen von Lehm - Entstehung, Wassereinwirkung und Stoffwerte Lehmputz / Lehm.

Literatur
[1] Hecker, Dittmar; Minke, Gernot; Forschungslabor für Experimentelles Bauen, Universität Gesamthochschule Kassel, Arbeitshinweise zum Lehmbau-Einführungskurs 1998
[2] Borgstädt, Adreas, Rupp Hindelang, Klaus; Lehmputz als Baustoff wiederentdeckt, bauzeitung 54(2000)10
[3] Kroiss, J., Bammer, A.; biologisch natürlich Bauen, Ein Ratgeber biologischer Baustoffe, S Hinzel Verlag Stuttgart - 2000, S. 25 ff, 175 ff
[4] Minke, Gernot; UNIK: Lehmbauarchitektur erfolgreich auf Erdbebensicherheit geprüft, idw-online.de;vom 13.6.06, idw-online.de/pages/de/news163747 oder www.uni-kassel.de/fb6/minke Weitere Literatur
Friedhelm, Diel; Innenraum Belastung, Bauverlag Wiesbaden 1993, Moderne Lehmbautechnik, S. 276 ff
Marius, Bierig; Lehmbau heute, bauzeitung 51(1997)4 S. 61 ff
Lehm - ein vernünftiger Baustoff, Der Bauberater 4/96 S. 23
Gernot Minke; Lehm - Ein Ersatzbaustoff, heute schon Konkurrent für die modernen industrialisierten Baustoffe?, Arconis 4/1996 S. 2 ff und Arconis 1/1996 S. 2 ff
Richard Niemeyer; Der Lehmbau und seine praktische Anwendung, ökobuch-reprit Originalausgabe 1946

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