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Diskussionsbeitrag von Peter Rauch zum Artikel von Herrn Hans-Joachim Herrmann in ARGONIS 3/00 S.32 "Bauschaden oder Baumangel?"

Veröffentlicht in ARCONIS 4/00 S.46

Eine gutachterliche Stellungnahme kann grundsätzlich nur vor Ort erfolgen. Es ergeben sich jedoch einige interessante Problemfelder. Eine Definition zur Unregelmäßigkeit, zum Mangel oder Schaden wird sehr schön durch Francois Colling in "Lernen aus Schäden im Holzbau" DGfH 2000, dargestellt und soll daher hier nicht diskutiert werden. Für die Beurteilung einer Bauleistung gehört auch die vertragliche Vereinbarung. Auf jedem Fall sind hier im Dachausbau nicht sehr schöne Lösungen gewählt wurden, die aber leider auf sehr vielen kleinen Baustellen anzutreffen sind. Sicherlich ein Ergebnis des ständigen Preisdruckes, was hier wiederum nicht nachprüfbar ist. Zum Beispiel wurde meiner ehemaligen (zweiten) Ausführungsfirma (Trockenbau und Ausbau) als Subunternehmer mehrere Angebote zu 23,00 DM/m² bis 25,00 DM/m² für die Herstellung einer Ständerwand W 111 geboten. Die Norm liegt bei 1,0, also in einer Stunde 1 m² Wandfläche erstellen. Die 23,00 DM sind nicht der Lohn, sondern die Betriebskosten abzüglich Material. Was ein Autoschlosser für eine Stunde verlangt ist bekannt. Welches Trockenbaupersonal eingesetzt werden müßte erübrigt jede Diskussion. Der Trockenbau ist eine qualifizierte Facharbeit, wo gerade bei komplizierten Details ein hohes Fachwissen gefordert wird. Diese Anforderung wird auf vielen Werbeprospekte unterbewertet, zum Beispiel wie ein junges gut gekleidetes Fräulein ein Dachgeschoß ausbaut. Analog sieht es auch mit den anderen Gewerbe aus.

Die imprägnierten Gipskartonbauplatten (GKBI) haben gegenüber den normalen Gipskartonbauplatten (GKB) den Vorteil, daß sie bei einer kurzzeitigen Befeuchtung langsamer Feuchtigkeit aufnehmen und dies auch wieder schneller abgeben können. Bei einer ständigen Durchfeuchtung zerfallen beide Plattenarten. Die Bauarten sind daher so zu wählen, daß möglichst keine zusätzliche Feuchtigkeit anfällt. Bei Knauf wird im Prospekt Installationswände auf Seite 10 im Anwendungsbereich aufgeführt: " In Küchen und Bäder des Wohn- und Geschäftshauses, in Bereichen, in denen gelegentlich Spritzwasser vorkommt, bieten die Knauf Bauplatten GKBI mehr Sicherheit. In allen übrigen Bereichen an Wänden und Decken können auch nicht imprägnierte Platten verwendet werden." In kleinen Bädern und Küchen, wo die Adsorptionsfläche (Der Baustoff kann kurzzeitig an der Oberfläche Feuchtigkeit aufnehmen und auch wieder abgeben.) nicht sehr groß ist, ist der gesamte Einsatz von GKBI sicherlich zweckmäßig.
Installationswände, wo sich Wasch- und WC-Becken befinden, werden in der Regel mit Wandfliesen versehen. Bereits geringe Bewegungen und Schwingungen führen zum Reisen der Fugen oder zum Platzen der Fliesen selbst. Hier kann nicht nur Feuchtigkeit durch Spritzwasser eindringen, sondern es sieht auch unschön aus. Diese Konstruktionen müssen stabil sein und auch viele Jahre halten. Ebenso muß ohne Probleme das Eckventil oder der Waschtisch austauschbar sein. Hier bieten sich die fertigen Waschtisch-Tragständer und Traversen an, die jeweils im Projekt festgelegt wurden.
Unter normalen Bedingungen werden die Holzleisten in einer Ständerwand nicht gefährdet. Sie sind allseitig luftdicht abgeschlossen und so vor Befall durch holzzerstörende Insekten geschützt. Eine Imprägnierung ist somit nicht erforderlich. Bei einer hohen Feuchtigkeit hilft auf Dauer auch eine Kesseldruckimprägnierung nicht. Auch die verzinkten Profile verrosten. Die Ständerwände können laut Hersteller auch mit Holzleisten hergestellt werden. Haben aber gegenüber den CW-Profilen (Federwirkung) ungünstigere Schalldämmwerte. Die Dampfbremse/Windsperre ist nicht fugendicht angebracht (Bild 4a und 5). Die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten sind in der V DIN 4108 Teil 7 aufgeführt. Bereits durch kleine Fugen kann eine große Menge warmer Luft entweichen und die mitgeführte Feuchtigkeit im kühleren Dachbereich kondensieren und so zur Durchfeuchtung führen. Die meisten Feuchtigkeitsschäden beruhen auf diese Konvektion. Die im Bild 4a dargestellte Anbindung der Dampfbremse/Windsperre an der Decke zur Wand sowie die Rohrdurchführung sind keine guten Lösungen und sollten nachgearbeitet werden. Das Gleiche gilt auch für die Anbindung im Bild 5. Die Drempelpfette und das Mauerwerk (Bild 5) sollten von innen eine zusätzliche Dämmung erhalten. Zwischen den beiden Bauteilen ist gewöhnlich eine Fuge und es kommt an dieser Stelle zu einer Wärmebrücke und so zur möglichen Tauwasserbildung an der inneren Oberfläche der Dampfbremse/Windsperre. Die ausgeführte Verlegung der Windsperre hinter der Abseitwand ist sicherlich nicht ungünstiger als vor dem CW-Profil der Abseitwand. Bei normaler Nutzung der Räume und ordnungsgemäßer Ausführung der Dämmung bildet sich kein Kondensat an der Windsperre. Eventuelle geringe Feuchtigkeit hinter der Abseitwand kann in den Raum abtrocknen.

Dem fachlichen Laien stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung, wie er sich vor Baufehler weitestgehend schützen kann. Es gibt Bauherrenschutzbunde, Ingenieurverbände, wie z.B. VDI, ZDI, UBI usw. wo man entsprechende Unterstützung erhält. Eine baubegleitende Beratung und Abnahme kostet ein Honorar. Dieses ist jedoch sicherlich wesentlich geringer als der Ärger und die Kosten einer nicht notwendigen Schadensregulierung.


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