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Wodurch entsteht Fogging? Das Phantombildung in einer Wohnung.

Durch das Umweltbundesamt wurden zwei Fragebogenaktionen durchgeführt und bis Ende 2001 insgesamt 287 Fälle ausgewertet. Im Ergebnis dieser Auswertung geht man davon aus, da das Problem in aller Regel im Zusammenhang mit der erfolgten Durchführung von Bau- und Renovierungsarbeiten in Erscheinung tritt, müssen hierin die Hauptgründe liegen. Von Schwarzstaubablagerungen geht nach gegenwärtigem Kenntnisstand keine unmittelbare Gesundheitsgefahr aus. [2]

In Abhängigkeit von der Intensität des Tauwasseranfalls sowie der Sorptionsfähigkeit der Bauteiloberfläche muss hierbei die Tauwasserbildung nicht unbedingt immer sofort augenfällig werden. Vielmehr kann es erst mit der Zeit durch Feinstaubabtragungen auf den feuchteren Bauteiloberflächen zu Verfärbungen kommen (Phantombildung), die auf die Tauwasserbildung im Bereich auf eine Wärmebrücke hindeuten. [1]

In der Fachliteratur sind hierzu nur sehr wenige Aussagen zu finden. Es soll hier die Problematik weiter erläutert werden. Eine messtechnische Erfassung ist sehr kompliziert, da es meist Bauteile betrifft, die nur sehr langsam das Erscheinungsbild annehmen.
Es muss nicht immer eine Wärmebrücke vorliegen. Ausschlaggebend ist eine Luftbewegung, zum Beispiel leicht gekipptes Fenster, Heizkörper (Luftwalze) und anderes, wo bereits feuchte Luft bewegt wird oder sich diese an einer Wandfläche abkühlt und damit auch die relative Luftfeuchte ansteigt. In der bewegten Luft werden auch Staubteilchen, Aerosolteilchen und Mikroorganismen transportiert (Thermophorese). An der etwas kühleren und damit feuchteren Oberfläche können sich diese ablagern. Der Effekt ist dort am deutlichsten zu sehen, wo große Temperaturunterschiede zwischen Raumluft und Oberfläche auftreten. Das sind zum Beispiele oberhalb von Konvektionsheizungen, über Thermostatregler an der Wand, unter der Zimmerdecke oder in einer Küche, wo viel gekocht wird. In Neubauten oder Gebäude, die gerade saniert worden, kann dieses Phantombild wegen der noch vorliegenden Baufeuchte schneller entstehen.


Weitere Aussagen werden in einer Informationsschrift vom Umweltbundesamt Fachgebiet II 2.3, Innenraumhygiene dargestellt, die hier auszugsweise aufgeführt werden.

Viele Hersteller von Bau- und Renovierungsprodukten sowie Einrichtungsgegenständen sind seit einigen Jahren bestrebt, anstelle leichtflüchtiger organischer Verbindungen (VOC) vermehrt schwerflüchtige organische Verbindungen (SVOC) als Lösemittel oder Additive einzusetzen. Diese Stoffe sind meist nicht zu riechen, in der Regel weniger gesundheitsbedenklich und müssen außerdem nicht als Lösemittel deklariert werden. Denn organische Verbindungen, die oberhalb von etwa 200 ºC sieden, gelten nicht als "Lösemittel". Produkte, die solche Verbindungen enthalten, können somit als "lösemittelfrei" angeboten werden und das Prädikat "lösemittelfrei" gilt heute als ein wichtiges Werbe- und Verkaufsargument.

Ein weiterer Umstand ist, dass aus Gründen des Umweltschutzes und der Energieeinsparung seit der Wärmeschutzverordnung von 1995 (seit 1.2.2002 abgelöst durch die Energieeinsparverordnung) verstärkt darauf geachtet wird, dass die Gebäudehülle besser gedämmt und abgedichtet wird, um Wärmeverluste so weit wie möglich zu vermeiden. Leider deutet einiges darauf hin, dass der eingeschränkte Luftaustausch in abgedichteten Gebäuden im Zusammenwirken mit vermehrt in die Innenraumluft abgegebenen schwerflüchtigen organischen Verbindungen zum Phänomen der "Schwarzen Wohnungen" beitragen kann.

Schwerflüchtige organische Verbindungen können aus Produkten, die bei Renovierung oder Neubau von Wohnungen zum Einsatz kommen, in die Raumluft gelangen. Insbesondere Weichmacherverbindungen (Phthalate),langkettige Alkane, Alkohole, Fettsäuren und Fettsäureester spielen hierbei eine Rolle.

Diese schwerflüchtigen organischen Verbindungen können unter anderem in

Auch Kunststoffoberflächen zum Beispiel von Möbeln können Weichmacher enthalten, die an die Raumluft abgegeben werden können.
Physikalisch gesehen haben schwerflüchtige organische Verbindungen die Eigenschaft, weniger stark als die früher verwendeten leichtflüchtigen organischen Verbindungen in die Raumluft auszugasen. Dafür tun sie dies aber oft über längere Zeit - in Einzelfällen sogar bis zu zwei Jahren oder länger. Dies führt dazu, dass nach Renovierungsarbeiten, die zum Beispiel im Sommer erfolgt sind, erst in den darauf folgenden Übergangs- und Wintermonaten, wenn geheizt und weniger oft gelüftet wird, die Konzentrationen der schwerflüchtigen organischen Verbindungen in der Raumluft merklich ansteigen und dann - im Zusammenwirken mit anderen Faktoren - zu den plötzlichen Schwarzstaubablagerungen führen können.

Welche physikalischen und chemischen Wechselwirkungen hierbei exakt ablaufen und welche Rolle die schwerflüchtigen organischen Verbindungen bei der Entstehung von Schwarzstaubablagerungen im Einzelfall spielen, ist derzeit noch unklar. Viele Beispiele belegen nämlich, renovierten Mietshäusern, bei denen in den Wohnungen identische Bauprodukte und Baumaterialien zum Einsatz kamen, Schwarzstaubablagerungen einigen wenigen Wohnungen auftraten. Daraus folgt, dass schwerflüchtige organische Verbindungen allein noch nicht zu Schwarzstaubablagerungen führen, sondern dass noch andere auslösende Faktoren hinzukommen müssen.

Bei dem Phänomen "Schwarze Wohnungen" handelt es sich, wie beschrieben, um einen Vorgang, bei dem unterschiedliche Einflussfaktoren zusammen kommen. Dies macht es sowohl dem Hygieniker als auch dem Juristen gleichermaßen schwer, eindeutige Ursachen zu finden und - im Einzelfall - die Verantwortlichen zu ermitteln.

Einflussfaktoren für "Schwarze Wohnungen"

(Wichtig: Es müssen nicht alle Faktoren gleichzeitig vorliegen.)

Bevor man damit beginnt, die Ablagerungen durch Reinigen zu entfernen oder durch erneutes Renovieren zu beseitigen, sollte man den Ursachen der Verschmutzung auf den Grund gehen. Dabei muss man nicht unbedingt alle Einflussfaktoren, die im Einzelfall zum Entstehen beigetragen haben, eliminieren. In der Regel genügt es, einzelne Faktoren abzustellen. [2]

Quelle:
[1] Hans-Gustav Olshausen; VDI Bauingenieurwesen, Lexikon 1997, Springer Verlag S. 561
[2] Umweltbundesamt Fachgebiet II 2.3, Innenraumhygiene Postfach 33 00 22, 14191 Berlin, www.umweltbundesamt.de, pdf-Datei, Attacke des schwarzen Staubes - das Phänomen "Schwarze Wohnungen" - Ursachen - Wirkungen - Abhilfe, S. 6,7, 10;

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