Ein richtiges und intensives Lüften der Räume ist erforderlich, um die verbrauchte Atemluft (höherer Kohlendioxid-Gehalt auszutauschen, die Luftfeuchtigkeit, die Schadstoffe und Staubkonzentration und die Radioaktivität zu verringern. In Schweden wurde in stark wärmegedämmten Wohnungen eine Erhöhung von der Dosis 110 mrem bis auf 380 mrem festgestellt. (Jede radioaktive Strahlung - ob natürlich oder künstlich - ist lebensfeindlich. Prof. Fritz-Niggli) Empfehlenswert ist daher ein Luftwechsel von 2 bis 3. Neben diesem Fakt ist die Reduzierung der Luftfeuchtigkeit ein wichtiger Aspekt der Lüftung.
Daneben sind aber auch die im Gebäude vorkommenden chemischen Schadstoffe, die internationale Forschergemeinschaft hat sich zur Beurteilung von Innenraumbelastungen auf etwa 20 chemische Hauptschadstoffe geeinigt 1), und die Feinstaub von kleiner 10 Mikrometer zu beachten. Chemische Schadstoffe kommen etwa zehnmal so häufig vor, wie unter freiem Himmel. Der Feinstaub bis Ultrafeinstaub können unmittelbar mit Atemwegserkrankungen und Allergien zu tun haben. Sie können vermutlich auch das Herz-Kreislauf-System beeinflussen. Es aber auch festzustellen, dass besonders das Rauchen oder Abbrennen von Räucherstäbchen die mit Abstand größte Luftbelastung darstellt. Gefolgt wird dies von Ausdünstungen aus der Küche und beim Heizen. Eine ganzjährige Luftzirkulation ist das beste Mittel Schadstoffe im Gebäude gering zu halten. [1]
Unser Körper gibt ständig Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Ebenso entsteht Feuchtigkeit beim Kochen, Duschen und durch Zimmerpflanzen. Die relative Luftfeuchtigkeit steigt an, wenn diese feuchtere Luft nicht von Zeit zu Zeit ausgetauscht wird. Erfolgt dies nicht ausreichend, so kann es unter Umständen an kühleren Bauteilen zur Kondensatbildung, wie früher an den einfachen Fensterscheiben, kommen oder in diesem Bereich ist die angrenzende Luftfeuchtigkeit höher. Das liegt daran, dass kühlere Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann.
Luftbedarf
Menschen atmen Sauerstoff mit der Luft ein und scheiden Kohlensäure und Wasserdampf aus. Diese sind je nach Gewicht, Nahrung, Tätigkeit und Umwelt des Menschen in den Mengen verschieden. Man rechnet im Mittel je Person 0,02 m3/Stunde Kohlensäure und 40 g/Stunde Wasserdampferzeugung. Der Kohlensäuregehalt von 1-3 º/oo regt zum tieferen Atmen an, daher sollte der Anteil in der Wohnungsluft möglichst nicht über 1 º/oo liegen. Das bedingt bei einfachem Lüftungswechsel je Stunde einen Luftraum von 32 m3 für jeden Erwachsenen und 15 m3 für jedes Kind. (Die EnEV schreibt ein Lüftungswechsel von 0,6 beziehungsweise 0,7 h-1 vor.) Entsprechend der tatsächlichen Lüftungsrate ist das erforderliche Raumvolumen zu wählen.
Die Schimmelpilzbildung allein einer falschen Lüftung zuzuordnen ist grundsätzlich abzulehnen. Es sind hierfür meist mehrere Ursachen, zum Beispiel unzureichende Temperierung der Oberfläche, diffusionsdichte Wandbeschichtungen und ein zu kleines Raumvolumen.
Schimmelpilz entsteht aber nicht nur an der kalten sondern auch an den warmen Wandoberflächen, also auch an einer wärmegedämmten Außenwand, wenn die entsprechenden Lebensbedingungen vorhanden sind. Diese Zusammenhänge werden im Schimmelbuch erläutert. Es kann zum Beispiel auch eine Online-Berechnung zur Schimmelpilzbildung vorgenommen werden.
Durch das Fraunhofer-Institut wurde die Luftwechselzahl untersucht. In einer Tabelle werden die Werte aufgeführt.
| Lüftungsart | Luftwechselrate pro Stunde | Dauer der Lüftung für einen Luftaustausch |
|---|---|---|
| geschlossene Fenster und Türen | 0,0 bis 0,5 | mindestens 2 Std. (je dichter die Fenster, so geht der Wert gegen unendlich) |
| Fenster gekippt | 0,5 bis 2,0 | 0,5 Std. bis 2 Std. |
| halb geöffnetes Fenster | 5 bis 10 | 6 bis 12 Min. |
| völlig offenes Fenster | 9 bis 15 | 4 bis 7 Min. |
| Querlüftung | 40 | 1,5 Min. |
Sehr dichte Fenster sind ungünstig. Ebenso bringen gekippte Fenster nur einen geringen Luftaustausch. Besser sind ein offenes Fenster oder eine kurze Querlüftung. Die Argumente, täglich 3 bis 4 Mal kräftig lüften, erfordern immer die Anwesenheit eines "Lüfters", ganz zu schweigen von der Gewohnheit und der Einstellung. Auch bei Abwesenheit erhöht sich die Luftfeuchtigkeit zum Beispiel durch die Zimmerpflanzen. Die Lüftung ist die wichtigste Maßnahme, um die Luftfeuchtigkeit in den Räumen zu senken.
In Schweden wurde daher eine zusätzliche Zwangsbe- und Entlüftung eingeführt. Es gibt einfache Systeme, die nur aus dem Schlafzimmer, der Küche und dem Badezimmer die Luft absaugen und durch regelbare Lüfterdosen in den Wänden der Wohnräume Luft nach strömen lassen. Neuerdings werden in Deutschland hochgedämmte dichte Fenster mit undichten Lippendichtungen eingebaut. Nach der energetischen Sanierung eingebaute und ständig laufende Abluftventilatoren in der Wohnung (Bad oder Toilette) sollen eine Zwangslüftung bewirken. Ein Abschalten ist natürlich untersagt.
Es gibt keine "atmenden Wände". Wichtig sind sorptionsoffene Wandbeschichtungen, die schnell Feuchtigkeit beim Kochen oder Duschen aufnehmen können. Bei Wandfliesen schlägt sich die Feuchte als Kondenswasser nieder. Diese hohe Feuchte muss dann entsprechend weggelüftet werden. Dann gibt es das Diffusionsgefälle von innen nach außen. Der gesamte Wandaufbau darf keine sperrenden Schichten oder Grenzschichten haben. Hier kann es zum Feuchtestau kommen und im ungünstigen Fall wird der gesamte Querschnitt der Konstruktion durchfeuchtet. Solche Sperrschichten können zum Beispiel bei einer Kunstharzbeschichtung oder beim Wärmedämmverbundsystem auftreten. Insgesamt wird durch die Diffusion verhältnismäßig wenig Feuchtigkeit nach außen abgegeben.
Aber, und das wird bei der Lüftungsargumentation vergessen, nur über die ungehinderte Diffusion kann die Wandkonstruktion trocken bleiben. Ist die Wand nass, so erhöht sich die Wärmeleitfähigkeit je Baustoff extrem und die Folge ist ein hoher Verbrauch von Wärmeenergie. In einem extremen Fall in Zwickau (2001) veränderte sich der U-Wert einer Innenwand aus Beton zu einem ungeheizten Treppenhaus von ca. 1,9 W/m2K auf über 4 W/m2K. In der folgenden Tabelle wird die aus dem Raum abgeführte Feuchtigkeit durch Diffusion und Lüften in Abhängigkeit von der Außenlufttemperatur gegenübergestellt.
| Temperatur der Außenluft [ºC] | Diffusion durch die Außenwand [g/h] (Abhängig von der Größe und dem Wandaufbau/Materialien) | durch einfachen Luftwechsel (Abhängig vom Raumvolumen, der Innentemperatur und Feuchtigkeit und der Feuchtigkeit der Außenluft. |
|---|---|---|
| - 20 | 5,5 | 436 |
| -10 | 4,8 | 378 |
| 0 | 3,2 | 242 |
| +10 | 0,4 | 15 |
Allerdings steht die notwendige Lüftung im Widerspruch zur alten WSchVO 95 und der neuen EnEV.
In einer Studien kommt das Passivhaus Institut zu folgendem Ergebnis: "Eine Verbesserung der Luftdichtheit in Gebäuden mit Fensterlüftung auf das Anforderungsniveau von Gebäuden mit raumlufttechnischen Anlagen ist eine sehr wirtschaftliche Energiesparmaßnahme. Es wurde angenommen, dass mit einer Luftdichtheitsmessung diese Werte erzielt werden können. Neben der Energieeinsparung hilft diese Maßnahme ferner Bauschäden zu Vermeiden. Eine erhöhte Luftdichtheit der Gebäudehülle kann daher dem Anforderungsniveau für den Neubau zugrunde gelegt werden."[2] Es ist zu unterscheiden zwischen einer Fuge, zum Beispiel in einer Leichtbaukonstruktion, wo ausströmende Luft austauen kann oder zwischen einer Fuge am Fenster, wo keinerlei Schäden entstehen.
Weiter Teil 2
1)Das Umweltforschungszentrum (www.ufz.de) hat die Zahl längst auf insgesamt 120 Substanzen erweitert.
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