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Die Kellerabdichtung, die Mauertrocknung sowie die Ursachen feuchter Keller

Gerade bei Altbauten ist die Sanierung von feuchten Kellerwänden ein Problem. In vielen Fällen vermutet man bei einer hohen Mauerfeuchtigkeit im Keller eine "aufsteigende Feuchtigkeit". Es wird jedoch die hygroskopischen Eigenschaften der Salze und die Tauwasserbildung an der kühleren Wandoberfläche unterschätzt. Dies ist gerade im Sommer der Fall, wenn wärmere Luft in die Kellerräume strömt. In diesem Beitrag wird der Begriff Feuchtigkeit näher erläutert. Weiterhin werden die Ursachen aufgezeigt und die einzelnen Abdichtungsverfahren sowie Methoden zur Mauertrocknung gegenübergestellt.

Feuchtes Mauerwerk

Inhalt
1. Allgemeine Hinweise zur Feuchtigkeit
2. Ursachen der Feuchte im Mauerwerk
3. Möglichkeiten einer Trocknung einer Trockenlegung
4. Vertikale Verfahren zur Unterbrechung des kapillaren Wassertransportes
5. Horizontale Verfahren zur Unterbrechung des kapillaren Wassertransportes
5.1. Mechanische Verfahren
5.1.1. Abschnittsweise Aufstemmen per Hand
5.1.2. Abschnittsweises Aufsägen
5.1.3. Mauertrennung durch schrägen Trennschnitt, maschinell
5.1.4. Einschlagen von Edelstahlblech, maschinell
5.1.5. Unterfangungsverfahren
5.2. Querschnittsabdichtung durch drucklose und druckbehaftete Injektionsverfahren
5.3. Elektrophysikalische / elektrokinetische Verfahren
5.3.1. Prinzip der elektrochemischen Entsalzung und Reduzierung des kapillaren Wassertransportes
5.3.2. Passive Verfahren
5.3.3. Aktives Verfahren
5.3.4. Elektrodenlose Elektroosmose
6. Salze im Mauerwerk und die Rolle des Putzes
6.1. Salze im Mauerwerk (allgemein)
6.2. Wirkungsweise des Opferputzes oder Kompressenputzes
6.3. Zementgebundene Putze (sogenannter Sperrputz)
6.4. Sanierputze
7. Trocknungsverfahren
7.1. Kurze Einführung
7.2. Trocknungsgeräte
7.3. Sensorgesteuerte Lüftung
7.4. Trocknung mit Infrarotstrahlung
7.5. Mikrowellenprinzip
7.6. Temperaturgeregelte Heizstabtechnologie
      Literatur Merkblätter und Normen

1. Allgemeine Hinweise zur Feuchtigkeit

Unter dem Begriff Feuchtigkeit oder Feuchte versteht man den Gehalt an Wasserdampf der atmosphärischen Luft. Jeder Baustoff steht in einem Feuchtegleichgewicht zu seiner Umgebung. Der praktische Feuchtegehalt (Tabelle 1) wird sich je nach dem Standort, ob im Keller, Dach, Bad oder auf der Südseite, einstellen. Der Standort beeinflusst die Höhe der Feuchtigkeit in der Konstruktion.

Tabelle 1: Praktischer Feuchtegehalte von Baustoffen und Bauteilen

Stoff Praktischer Feuchtegehalt
volumenbezogen [Vol %]
Ziegel circa 1,5
Kalksandstein circa 5,0
Beton mit geschlossenem Gefüge mit dichten oder porigen Zuschlägen circa 5,0
Leichtbeton mit haufwerksporigem Gefüge mit dichten Zuschlägen nach DIN 4226 Teil 1 circa 5,0
Leichtbeton mit haufwerksporigem Gefüge mit porigen Zuschlägen nach DIN 4226 Teil 2 circa 4,0
Porenbeton 3,5
Gips, Anhydrit circa 2,0
Vollziegel 1 ... 2,5
Hohlziegel 1,5 ... 4,0
Innenputz 1 ... 10
Außenputz 1 ... 7
Anorganische Stoffe in loser Schüttung; Expandiertes Gesteinsglas (zum Beispiel Blähperlit) 5,0 (massenbezogen)
Mineralische Faserdämmstoffe aus Glas-, Stein-, Hochofenschlacke-(Hütten-)Fasern 5,0 (massenbezogen)
Schaumglas 0 (massenbezogen)
Holz, Sperrholz, Spanplatten, Holzfaserplatten, Holzwolle-Leichtbauplatten, Schilfrohrplatten und -matten, organische Faserdämmstoffe 15,0 (massenbezogen)
Pflanzliche Faserdämmstoffe aus Seegras, Holz-, Torf- und Kokosfasern und sonstigen Fasern 15,0 (massenbezogen)
Korkdämmstoffe 10,0 (massenbezogen)
Schaumkunststoffe aus Polystyrol, Polyurethan (hart) 5,0 (massenbezogen)
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In allen kapillarporösen Bauteilen wird Feuchtigkeit gespeichert. Die Speicherung verläuft dynamisch und innerhalb desselben Bauteils oft sehr ungleichmäßig. Bei kapillarporösen Bauteilen stellt sich ein durchschnittlicher Dauerfeuchtigkeitsgehalt ein. Holz wird durch eine Gleichgewichtsfeuchtigkeit gekennzeichnet, ist jedoch auch hygroskopisch kann also aus der Luft Feuchtigkeit binden. Man unterscheidet:
Wasserdampfdiffusion:  Der Transport von Wasserdampf durch den Baustoff
Kapillare Leitfähigkeit: Der Transport von Flüssigkeit (Wasser) durch den Baustoff
Hygroskopisch:             Die Fähigkeit eines Baustoffes, Wasser aufzunehmen und zu binden.

Bild 2: Feuchteverhalten verschiedener Baustoffe /6/

Gut ausgebildetes Kapillarsystem mit Kapillaren unterschiedlichen Durchmessers:
Großes Wasseraufnahmevermögen, großes Feuchteabgabevermögen zum Beispiel Ziegel, Gips


Geschlossenzellige Struktur mit wenigen Kapillaren zwischen den Zellen:
Großes Wasseraufnahmevermögen, geringes Feuchteabgabevermögen, zum Beispiel Gasbeton



Struktur mit kleinen, abgeschlossenen Poren und Kapillaren:
Geringes Wasseraufnahmevermögen, geringes Feuchteabgabevermögen, zum Beispiel Schwerbeton, Blähtonbeton
Bild Feuchteverhalten verschiedener Baustoffe

Aus den Obengenannten lässt sich sehr leicht erkennen, dass 5% Massevolumen Wasser in jedem Baustoff eine andere Bedeutung hat. Man muss damit jedes Bauwerk, sogar Bauteil mit den jeweiligen verwendeten Baustoffen gesondert bewerten.

Die beim Hausbau verwendeten Bindemittel, wie Zement, Kalk und Gips, benötigen für ihren chemischen Abbindeprozess und der Mörtel selbst für seine Verarbeitung Wasser. Dieses muss zum größten Teil auch wieder entweichen und abgeführt werden. Früher hatte man die Gebäude daher "ausgewintert". Durch die Standzeit konnte das Gebäude gut austrocknen. Oder in den ersten 1 bis 2 Jahren wohnten ärmere Familien in den neuen Wohnungen. Sie hatten die Aufgabe die Wohnung trocken zu wohnen. Selbst Hausbesetzer sorgen durch das zwangsläufige Öffnen der Türen und Fenster und das Heizen im Winter für ein trockenes Gebäude. Wird das Gebäude längere Zeit nicht benutzt, so zerfällt es zunehmend. Eine wesentliche Ursache hierfür ist die Feuchtigkeit, die nicht ausreichend abgeführt wird. Wirtschaftliche Überlegungen verkürzen die Bauzeiten ohne, die notwendigen technologischen Trocknungszeiten einzuhalten. Damit verbunden ist bei der anfänglichen Nutzung eine viel zu hohe Feuchtigkeit der Raumluft, die oft zu Schimmelpilzbildung führt. 80% relative Luftfeuchtigkeit und mehr konnten bei Sanierungsarbeiten im bewohnten Zustand schon oft festgestellt werden. Leider ist es kein Einzelfall, dass alte Fassaden mit Hochdruck gewaschen und unmittelbar danach ein Wärmedämmverbundsystem aufgebracht werden. Während dieser Zeit sind die Fenster mit Folien verhängt. Es kann nicht eindringlich genug darauf hingewiesen werden, dass im ungestörten Feuchtehaushalt einer Wand die Verdunstung jener Mechanismus ist, welcher der Wasseraufnahme entgegenwirkt. Nur so trocknen die äußeren Wandschichten ab.

Um die Luftfeuchtigkeit schneller zu reduzieren empfehlen wir den Einsatz eines Raumlufttrockners. Der Einsatz ist auch daher sinnvoll, da tiefere Wandschichten ihre Feuchtigkeit nur nach den Gesetzmäßigkeiten der Dampfdiffusion abgeben können. (Auch bei kapillarporösen Baustoffen erfolgt nur bei sehr hohen Baustofffeuchten ein Kapillartransport.)
Ziegel, Lehm und Holz haben besonders günstige physikalische Eigenschaften und sind deshalb als raumumschließende Baustoffe zu empfehlen. Ihr wesentlicher Vorteil ist, dass sie kurzzeitige Feuchtigkeitsspitzen abbauen können, wie sie zum Beispiel beim Duschen auftreten.
Gips- und Gips-Kalkputze finden bei der Sanierung und beim Neubau ein breites Anwendungsfeld. Für ihre Verarbeitung wird aber auch eine große Menge an Wasser benötigt, welches bis auf das Kristallwasser wieder abgeführt werden muss. In einem Objekt wurden die Innenwände mit neuem Gipskalkputz, zum Teil bis 4 cm stark, verputzt. Die ungenügende Lüftung verwandelte einige Räume zu regelrechten Tropfsteinhöhlen mit einem interessanten rötlichen Schimmelpilzüberzug. Der Verarbeiter schob die ganze Schuld auf das Material. Von einem Verarbeitungsfehler, ungenügende Lüftung, wollte er nichts hören.

Grundsätzlich gehören gipshaltige Baustoffe, wie Gipskartonbauplatten (auch die grünen) oder Gipsputze nicht in einen normalen Keller! Kalk- oder Kalkzementputze können im Vergleich einer höheren Feuchtebelastung ausgesetzt werden, ohne dass die Baustoffe geschädigt und eine hohe Schimmelpilzkonzentration auftritt. Allerdings sind auch hier Grenzen gesetzt.

Das Wäschetrocknen im Keller erhöht die Feuchtigleit, ebenso ungünstig sind die Wandfliesen.

Aber auch durch falsche Nutzung können Schäden geradezu gefördert werden. Hier ein Bild (2005) aus einem Keller (BJ 1910) in NRW. Geradezu ein Musterbeispiel der Fehler. Die Fliesen (Sperrschicht) verhindern den Feuchteausgleich zwischen Wand und Raumluft. Die Wandfeuchte steigt daher immer weiter nach oben. Der salz- und feuchtegeschädigte Putz hat sich bereits gelöst, siehe schadhafte Fliesen. Das Wäschetrocknen im geschlossenen Gebäude ist zu unterlassen und erst recht im Keller. Dagegen ist ein Wäscheboden nicht vollständig dicht und die Feuchte wird immer abgeführt. In diesem geschlossenen Raum können weder die Fliesen noch die Decke die Luftfeuchte ausreichend aufnehmen und nach außen abführen. Nicht nur die Fenster sind geschlossen und was hier im Bild nicht erkennbar ist, die Kellertüren sind flächig geschlossen und lassen so keine Querlüftung oder ein Luftaustausch mit den anderen Kellerräumen zu.

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