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2. Die wichtigsten Ursachen für feuchte Keller und nasses Mauerwerk

Feuchteschäden an Gründerzeithäuser in Leipzig im unteren Mauerwerk
Bild 11: Typische Feuchteschäden an Gründerzeithäuser in Leipzig.

Die meisten optischen Schadensbilder werden durch die gelösten und auskristallisierten Salze im Mauerwerk wahrgenommen (Bild 11). Diese Salze bilden eine Sperrschicht für die Verdunstung der Mauerfeuchtigkeit. Dadurch wandert die Verdunstungszone über die Jahre nach oben.

Die Ursachen für feuchte Wände werden hier vereinfacht beschrieben. In der Praxis wirken verschiedene zum Teil auch unbekannte Ursachen gemeinsam. Am häufigsten erfolgt der Transport von Wasser durch Sickerströmung. Unter hydrostatischem Druck dringt das Wasser in flüssiger Form in die circa 1 mm großen Poren ein. Ebenfalls in flüssiger Form wird das Wasser durch die kapillare Saugkraft entgegen der Schwerkraft nach oben transportiert. Je enger die Kapillare ist, so höher kann das Wasser aufsteigen. Diese theoretisch unbegrenzte Höhe wird allerdings durch die Verdunstung begrenzt und es stellt sich ein Gleichgewicht ein. Kapillar brechende und verdunstungsoffene Wandflächen verhindern im Wesentlichen eine zu starke Durchfeuchtung. Ein weiterer Wassertransport erfolgt durch die Dampfdiffusion. Vereinfacht werden die Oberflächen der Poren mit Wasserdampf gesättigt und die Poren mit Wasser gefüllt. Jetzt kann das Wasser auch die nächsten Poren ausfüllen.

Bei jedem Mauerwerk gibt es einen Gleichgewichtszustand für die Durchfeuchtungshöhe - je nach kapillarer Leistungsfähigkeit (maximaler Steighöhe, Sauggeschwindigkeit) und Verdunstung. Zwischen den beiden Größen, Wasseraufnahme und Wasserabgabe ist ein günstiges Verhältnis anzustreben, das beschreibt auch das Prinzip der Trocknung. Es wird die Wasseraufnahme reduziert oder die Wasserabgabe erhöht beziehungsweise beides zusammen. Im Bild 12 werden schematisch die wichtigsten Einflüsse auf die Feuchtigkeit im Sockel und Gründungsmauerwerk dargestellt.

Bild Feuchtigkeitsbelastung am Kellermauerwerk
Bild 12: Schema der Feuchtigkeitsbelastung am Kellermauerwerk

Eine Nutzungsänderung von alten Kellerräumen zu Wohn- oder Arbeitsräumen verursacht in vielen Fällen bereits nach kurzer Zeit ein böses Erwachen. Die alten Keller waren ursprünglich für eine ganz andere Nutzung, wie zur Lagerung von Kartoffeln, Lebensmittel, Kohlen und anderes vorgesehen. Sie sind so gebaut worden, dass eine bestimmte Feuchtigkeit vorhanden sein konnte beziehungsweise diese bisher kaum gestört hat. Dazu kommt, dass in vielen Fällen überhaupt keine Vertikaldichtung angelegt wurde und seitliches Wasser eindringen kann, welches auch gelöste Salze transportiert. Wenn Horizontaldichtungen vorhanden sind, so haben diese bereits vor vielen Jahren ihre volle Funktionstüchtigkeit eingebüßt. An jedem Bauwerk liegen andere Bedingungen für den Feuchtigkeitstransport vor. Oft wirken verschieden Faktoren, sodass zum Teil sehr feuchtes Mauerwerk im Keller bis in das Erdgeschoss entsteht, welches oft mit Salzen belastet ist, siehe Bild 11 und 13. Dies hängt immer von dem Standort, der Bodenstruktur und anderen Faktoren ab. Eine frühere Viehhaltung, nahe gelegene offene Abwässer oder eine undichte Fäkaliengrube (Bild 16) wirken sich Salz belastend auf das Mauerwerk. In der Nähe des Gebäudes in Altenburg im Bild 13 befindet sich ein kleiner Fluss. Der Grundwasserspiegel ist demnach auch hoch und die überwiegende Feuchtigkeit stammt aus dem Erdboden.

Mauersalze im Gründungsmauerwerk.
Bild 13: Bei diesem Ziegelmauerwerk ist deutlich die Auskristallisierung der Mauersalze zu erkennen. Diese Salze stammen entweder selbst aus dem Baustoff und oder aus dem Boden.

Die Ursache der Feuchtigkeit im Bild 13 ist überwiegend eine aufsteigende Feuchtigkeit, wo hingegen die im Bild 11 verschiedene Ursachen, wie Kondensatbildung und aufsteigende Feuchtigkeit, haben kann. In den Bildern 14 und 15 erfolgt eine überwiegende Feuchtigkeitsbelastung durch Kondenswasser und durch die hygroskopischen Eigenschaften der Salze.

Hygroskopische Wirkung der Salze
Bild 14: Bei dieser frei stehenden Mauer auf Djerba ist die hygroskopische Wirkung
der Salze deutlich erkennbar. Die Salze stammen von der salzhaltigen Meeresluft.
Der Sandboden im Untergrund ist hart und trocken. Es gibt keine aufsteigende Feuchtigkeit.

Die Mauersalze, wie Nitrate, Chloride und Sulfate, gelangen durch den Feuchtetransport in das Mauerwerk oder lösen sich aus dem Baustoff selbst heraus. (So wurden im 19. Jahrhundert gebietsweise den Ziegeln zur Erhöhung der Druckfestigkeit und auch zur Verwendung bei Temperaturen im Frostbereich Salze künstlich beigemengt.) So kann man aufsteigende Feuchte durch zunehmende Feuchtegehalte in den Mauerquerschnitt hinein und abnehmend über die Mauerwerkshöhe erkennen. Liegt eine Salzbelastung (hygroskopische Durchfeuchtung) vor, so nehmen die Feuchtigkeitswerte von außen nach innen ab. Dies sollte genau bestimmt werden, damit überhaupt die Ursache genau definiert und die richtige Sanierungsvariante ausgewählt werden kann. Durch Bohrproben für die Untersuchung im Labor oder mithilfe eines CM-Gerätes kann dies am Ort bestimmt werden. Mit den anderen Messgeräten, wie Leitfähigkeitsmessung (nur für Holz und Beton geeignet und andere Verfahren, können Trendaussagen getroffen werden, die in den meisten Fällen auch ausreichen. Auch mit der Infrarotbildaufnahme lassen sich die feuchten Bereiche (unterschiedliche Temperaturübergänge und Temperaturabsenkung durch Verdunstung) erkennen. Es lassen sich auch verdeckte Schäden an Rohrleitungs- oder Heizungssystemen orten. Mit der ständigen Weiterentwicklung der Gerätetechnik und Verfahren, wie zum Beispiel Mikrowellenmesstechnik, verbessert sich natürlich auch das Messergebnis, sodass gelöste Salze das Messergebnis weniger beeinflussen. In der Praxis wird dem Bauherrn oder Auftraggeber ein Messgerät vor die Nase gehalten, wo er 40 oder 80 % oder auch eine andere Maßeinheit ablesen kann. Was sich genau dahinter verbirgt, wissen selbst nur die wenigsten "Messgerätebesitzer". Erfolgt keine genaue Ursachenbestimmung, so kann man für die Sanierung unter Umständen viel Geld ausgeben und die Erfolge sind gleich null beziehungsweise führen nicht zu dem erwarteten (versprochenen) Erfolg. Eine einfache Methode ist die Messung der Luftfeuchtigkeit. Sie gibt eine sichere Auskunft über die Feuchtigkeit in den Räumen.

Ich hatte in vielen älteren Gebäuden meist zu anderen Problemen Untersuchungen oder Sanierungen vorgenommen. Die verschiedensten Trockenlegungsverfahren haben sicherlich die Feuchtigkeitszufuhr verringert. Viele dieser älteren Wände in den Kellerräumen sind aber nach wie vor sehr nass und durch das Abplatzen des Putzes sowie der Ausblühung von Mauersalzen gekennzeichnet. "Gegenwärtig gibt es kritische Bemerkungen zur Existenz der aufsteigenden Feuchte an sich... Es wird völlig zu Recht darauf verwiesen, dass insbesondere an historischen Bauwerken die Feuchteaufnahme aus der Luft gegenüber der aus dem Untergrund des Bauwerks überwiegt, weil hohe Konzentrationen löslicher Salze eine dominierende Rolle spielen." [1] Welche Bedeutung die Salze für die Feuchtigkeit in porösen Baustoffen hat, zeigen die Beispielbilder von Djerba (Bilder 7, 8 bzw. 14 und 15).
"Aufsteigende Feuchte: Diese Diagnose ist häufig nicht richtig, weil der Übergangswiderstand zwischen verschiedenen Stoffen, zum Beispiel Ziegelmörtel, sehr hoch ist. Die Steighöhe ist bei Ziegelmauerwerk deshalb etwa 20 cm, bei Bruchsteinmauerwerk kann sie etwas höher sein."[2] "Hier soll ein kleines Beispiel als Ergänzung genannt werden. Ein Wohnhaus in der Bucksdorffstraße in Leipzig ist ca. 200 Jahre alt. Die Erdgeschosswohnung an der 15 m langen Rückseite ist zwischen 0,8 m bis 1,5 m tief im Erdreich. Das ca. 60 cm dicke Mauerwerk besteht aus vorgesetzten Ziegelsteinen und einer Stampflehmwand. Die äußeren vorgesetzten Ziegel sind im Bereich der Geländeoberfläche etwas nass. Der lose äußere Zementputz wurde entfernt und die Steine trocknen sofort ab. (Der Altputz war schadhaft und wurde vor vielen Jahren durch diesen Putz an verschieden kleinen Flächen ausgetauscht.) Unterhalb der Geländeoberfläche befinden sich kein durchgängiger Putz und auch keine Vertikalsperre. In den Innenräumen ist kein einziger Feuchteschaden erkennbar! Natürlich muss hierbei beachtet werden, dass aufgrund der dicken Lehmwände immer eine höhere Oberflächenfeuchtigkeit wegen des Wärmespeichervermögens und der Wärmeeindringzahl. Es muss daher ein entsprechendes Nutzungsverhalten eingehalten werden, analog wie bei einem Steinhaus.

In den letzten Jahrzehnten hat man immer wieder versucht, feuchtebedingte Mauerwerk- und Putzschäden durch nachträgliche abdichtende Maßnahmen im Horizontal- und Vertikalbereich dauerhaft zu beseitigen. Dabei musste man immer wieder feststellen, dass dies nur bedingt möglich ist, da viele der sichtbaren Schäden im feuchte- und salzbelasteten Mauerwerk in erster Linie auf die Wirkung von Salzen zurückzuführen sind."[3]  "... Trockenlegungsmaßnahmen ohne Entfernen der Salze ist der Feuchtehaushalt nicht auf < 5M.-% zu reduzieren."[4]  Damit können, wie bereits oben genannt, im Mauerwerk Schäden auftreten und Nutzungseinschränkungen vorhanden sein. Grundsätzlich sind alle Maßnahmen abzulehnen, wo auf der Innenseite der Außenwand eine Feuchtigkeitssperre, wie Sperrputz, oder irgendwelche andere Chemikalien aufgebracht werden. Die Feuchtigkeit steigt nur weiter nach oben bis in die Erdgeschosswohnung und das Mauerwerk wird darunter besonders belastet. Es müssen, wie bereits oben genannt, große offene Wandoberflächen für die Verdunstung vorhanden sein. Fugen auskratzen und ein Luftkalkputz nimmt als Opferputz die Salze im Mauerwerk auf.

Es werden auf dem Markt eine Vielzahl vollständig ungeeignete Verfahren angeboten, wie zum Beispiel Lüftungsrörchen, Verfahren die auf dem Prinzip einer imaginärer Strahlung den Feuchtigkeitstransport umkehren sollen. Werden die Analysen durch die Anbieter selbst ausgeführt, so sind etwaige Trocknungserfolge mit Sicherheit manipuliert. Analog trifft dies auch bei den Zauberkästen zu. Wie bereits mehrfach oben genannt treten vielfach Feuchtigkeitsschäden durch Kondensatfeuchtigkeit auf. Begünstigt wird dies auch durch falsche oder fehlende Belüftung. Bei diesen Feuchtigkeitsursachen helfen diese Geräte nicht. Bei Sanierungsarbeiten werden in der Regel die Kellerräume auch von Gerümpel beräumt. Dreck, Staub, Kohlen, altes Holz, Papier und Lumpen wirken sich immer ungünstig auf Raumklima aus. Frisch verputzte, gestrichene und aufgeräumte Kellerräume erwecken in vielen Fällen auch optische eine Klimaveränderung. Werden zum Beispiel die feuchten Hartbrandsteine durch einen Betonestrich ausgetauscht, so wirkt schon allein der Estrich feuchtigkeitsregulierend. In alten Kellerräumen waren keine Warmwasser- oder Heizleitungen. Auch wenn diese isoliert sind, so erfolgt eine Klimatisierung der Kellerräume. Alle diese Faktoren müssen als komplexe Maßnahmen betrachtet werden, auch wenn dies im ersten Augenblick nicht erkennbar ist.

Entscheidend ist das Nutzungsverhalten. Wird im Sommer der Keller oder auch schon das Treppenhaus gelüftet, so bildet sich Kondensatwasser an der kühleren Wandoberfläche. Das ist in der Regel unten. Befinden sich Mauersalze in den Wänden, so wird durch das hygroskopische Verhalten der Salze, Feuchtigkeit gebunden. Da die Wände unterhalb der Geländeoberfläche kühler sind, ist hier die Kondenswasserbildung auch am größten. Es wird daher von einer übermäßig großen aufsteigenden Feuchtigkeit ausgegangen. Welche bei fehlender Horizontal- und Vertikalabdichtung auch vorliegen kann.

Feuchtes Mauerwerk bei einem Wohngebäude in Ajim
Bild 15: Feuchtes Mauerwerk bei einem Wohngebäude in Ajim auf Djerba.
Die wesentliche Feuchtigkeitsursachen ist das Salz von der Meeresluft
mit seiner hygroskopischen Eigenschaft.


Bild Feuchtigkeit im Mauerwerk
Bild 16: Im Hof des Leipziger Mehrfamilienhauses befand sich die Grube für die Fäkalien. Die Salze breiteten sich über die undichten Grubenwände aus. Bei feuchtem Wetter ist die hygroskopische Wirkung der Salze gut erkennbar.

Sanierputze lösen nicht das Feuchteproblem der salzbelasteten feuchten Wände. Diese können jedoch durch ihre nicht sperrende Wirkung einen ständigen oder abhängig von dem Salzgehalt vorübergehenden Feuchtigkeitsaustausch mit der Luft ermöglichen. Die Salze, die durch ihren Kristallisationsdruck die Oberflächen der Mauersteine und den normalen Putz zerstören, werden in den kleinen Hohlräumen des porösen Sanierputzes aufgenommen. Bei sehr hoher Salzbelastung und zu dünnem Putzaufbau kann allerdings auch bereits nach einem Jahr eine Sättigung erreicht sein. Ein Architekt war sicherlich von der Wunderwirkung der Sanierputze überzeugt und hatte sich sein Arbeitsraum im Waldstraßenvierte in Leipzig hergerichtet. Wie groß die Salzbelastung in diesem Haus ist, kann nur erahnt werden. Das Ziegelmauerwerk im Keller des Nachbargebäudes war durch den Kristallisationsdruck bereits mehrere Zentimeter tief vollkommen zerkrümelt und teilweise waren die Steine bereits komplett kaputt. In dem Arbeitsraum wurde innerhalb von 8 Jahren das 3. Mal ohne Erfolg der Sanierputz nachgebessert. Die horizontale Abdichtung (Injektage) funktioniert auch nicht. Was bei diesem hohen Feuchtegrad und der Salzbelastung ohnehin ein ungeeignetes Verfahren ist.

Bei richtiger Anwendung und geringer bis mittlerer Salzbelastung sind Standzeiten von 8 bis 10 Jahre möglich. Die höchste Belastung mit Mauersalzen erfolgt in der Regel in den Bindemitteln, also in den Fugen. Diese salzbelasteten Fugen sind tief genug auszukratzen, da überwiegend von diesen die Salze in den Putz transportiert werden. Allerdings darf der Sanierputz nicht abgefilzt und geglättet sowie nur mit einer diffusionsoffenen Farbschicht versehen werden. Das ist jedoch bei der Sanierung eines älteren Gebäudes ein Problem. Der Auftraggeber wünsche für Innenräume meist eine gespachtelte Oberfläche (gipshaltiger Malerspachtel) und einen wischfesten Farbanstrich mit Dispersionsfarbe. Die Wände der Treppenhäuser sollen einen Sockelanstrich erhalten. Genau diese Beschichtungen behindern die Funktionsfähigkeit des Sanierputzes.
Weiterhin müssen Sanierputze die notwendige Porenhydrophobie aufbauen. Im Kellerbereich oder anderen Bauteilen, wo eine relative Luftfeuchtigkeit von 90 % herrscht, bleibt der Putz immer feucht, wie bereits der o. g. Arbeitsraum des Architekten. Der Wirkungsmechanismus in Bezug auf den Salzeintrag funktioniert nicht. Die Salze wandern durch die Putzschicht und kristallisieren an der Oberfläche aus. Die Gebäudebereiche müssen durch Belüftung, Beheizung oder Kondensattrockner getrocknet werden. Ebenso problematisch wird es, wenn die Luftfeuchtigkeit wieder ansteigt. Zu dem bereits genannten Problem kommt die Tauwasserbildung hinzu. [7]

Nicht nur in feuchten Kellerräumen finden ungeeignete Sanierungskonzepte Anwendung. Ein Beispiel des falschen Sanierungskonzepts sieht man bei verschiedenen Außenwänden in Prag. Das alte salzbelastete Mauerwerk sollte mit Sanierputz überdecken werden, nur das hält nicht. Die Verkleidung des Sockels (Bild 18) mit einer Hinterlüftung ist zwar feuchtetechnisch nicht die bessere Lösung, aber sie hält wenigstens viel länger.

Sanierputz in Prag
Bild 17: Schadhafter Sanierputz an der Außenwand in Prag (2010)

Verkleidung eines feuchten Mauerwerkes mit Hinterlüftung
Bild 18: Verkleidung eines feuchten Mauerwerkes mit Hinterlüftung in Prag (2010)

Gering salzbelastetes Mauerwerk kann abgebürstet werden.(In einigen Literaturquellen [9, 10, 11 und 13] wird empfohlen, das Mauerwerk vorher anzunässen und trocknen zu lassen. Wie bereits genannt, befinden sich die meisten Salze im Mörtel und in den Fugen. Werden diese ausgekratzt und durch salzbeständigen Kalkmörtel (spezielle Kalke oder Luftkalk) ausgetauscht, so kann bereits ein guter Erfolg erzielt werden. Allerdings muss dies bei stärkerer Salzbelastung aller paar Jahre wiederholt werden. Eine vollständige Salzsanierung ist nur durch den vollständigen Austausch des Mauerwerkes erfolgreich. [9, 10 und 11] Mit dem Opferputz und dem elektrophysikalischen Verfahren wird lediglich die Konzentration verringert. Das "Herummatschen" mit Säuren und Basen ist nicht nur für die Gesundheit und die Ökologie sehr bedenklich (Bildung schwer löslicher Salze). Wie eine genaue Dosierung einer Essigsäure und eine stark verdünnte 36%ige Salzsäure, 1:10 oder 1:50, erfolgen soll, ist unklar. Eine unbekannte Komponente im Mauerwerk (Salzart und -konzentration) soll durch eine geschätzte Aufbringmenge neutralisiert werden. Kann man noch die Salzart bestimmen, so es mit Salzkonzentrationen kaum möglich, da diese an jedem Mauerabschnitt unterschiedlich hoch ist. Eine genaue quantitative und qualitative Bestimmung ist durch "kostenaufwendige" Untersuchungsverfahren im Labor möglich. Mit einem Rasterverfahren kann dann auch eine Zuordnung der Salzkonzentration zum jeweiligen Mauerabschnitt erfolgen und ein konkretes Sanierungskonzept erarbeitet werden.

Indikatorstreifen zeigen Anionen oder Kationen aber keine chemischen Verbindungen und erst recht nicht die Quantität an. Den Hauseigentümern wird von einigen Sanierungsfirmen eine Auflistung mit so und so viel Prozent Anhydrit, Gips, Hepthahydrit, Hexahydrit, Kieserit, Thermonatrit und den anderen Salzen mit geringerem Kristallisationsdruck vorgelegt. Selbst ein "Sachverständiger" kratzte etwa Malerspachtel oder Gipshaftputz von der Innenseite einer Außenwand im 2. Stockwerker und ließ dieses von einem Labor untersuchen. Im Gutachten hieß es dann eine hohe Salzbelastung des Mauerwerkes.
Es wird eine "fachliche Kompetenz" vorgetäuscht, um für ein ordentliches Entgelt einige teure Chemikalien in das Mauerwerk zu füllen. Durch diese zusätzlichen Chemikalien kann unter Umständen das Mauerwerk bei einer späteren Entsorgung als Sondermüll zählen.

Die richtige Sanierung eines feuchten salzbelasteten Mauerwerkes, zum Beispiel im Keller, ist sehr kostenaufwendig und hier sollte wirklich vorher eine Kosten-Nutzen-Rechnung durchgeführt werden. Hinzu kommt ein langer Zeitabschnitt, wo Trocknungserfolge sichtbar werden. Wichtig ist zu wissen, was man für eine Nutzung für die Räumlichkeit vorhat.

Es ist auch verantwortungslos von Planungsfirmen, wenn sie dem Hauseigentümer bei einer Sanierung eines nassen und salzbelasteten Mauerwerkes ein trockenes Versprechungen und anschließend die Bautenschutzfirma in Haftung nehmen, weil das Bohrlochverfahren nicht die gewünschten Eigenschaften erfüllt.


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