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Wie entstehen Wärmebrücken durch eine nachträgliche Wärmedämmung?

Gerade bei dünnem Mauerwerk muss die nachträgliche äußere Wärmedämmung korrekt an der gesamten Außenwand ausgeführt werden. Sind nicht alle Wandabschnitte gleichmäßig gedämmt oder liegen Fugen vor, so kommt es an diesen Stellen zu einem größeren Wärmefluss. Auf der Innenseite ist gerade an diesen Stellen die Oberflächentemperatur wesentlich niedriger als an den anderen Flächen. Da die Baustoffe in einem Feuchtgleichgewicht zur angrenzenden Raumluft stehen, kommt es hier über eine längere Zeit zu einer Feuchteanlagerung. Bei nicht porösen Baustoffen, wie zum Beispiel die Fensterscheibe, bilden sich kleine Wassertropfen. Auf verputzte Wandoberflächen mit Farbe oder Tapete ist dies dagegen optisch nicht erkennbar. Feuchte Wandbaustoffe haben eine größere Wärmeleitfähigkeit. Damit wird der Wärmefluss vergrößert. Die Folge ist ein weiteres Absinken der Oberflächentemperatur. Bei lang anhaltender Feuchtebelastung können sich dann hier Schimmelpilze anlagern.
Nachfolgend werden ausgewählte Beispiele gezeigt.

1. Feuchte in der Fensterlaibung

Gerade im Anschluss der Fensterrahmen ist der Wandquerschnitt am kleinsten. Werden zum Beispiel Kastenfenster durch Isolierverglasung ausgetauscht, so wird dieser Querschnitt etwa halbiert. Besonders problematisch ist es, wenn hier wie in den Abb.1 und 2 außerdem die Fugen zwischen dem Fensterrahmen und dem Mauerwerk nicht fugendicht verschlossen wurden. Beim nachträglichen Einbau einer Isolierverglasung ist die Fensterlaibung zu isolieren. Wird eine Außendämmung angebracht, so ist eine Dämmung der Laibung dringend erforderlich.

Fensterlaibung mit SchimmelbildungFensterlaibung mit SchimmelbildungAbb.1 (links): Abkühlung in einer Fensterlaibung und schlechte Fugenanbindung
Abb. 2 (rechts): Schlechte Fugenausbildung am Fensteranschluss

2. Feuchte am unteren Wandabschnitt

Die niedrigste Temperatur an der Innenseite einer Außenwand liegt direkt in Fußbodenhöhe des Raumes vor. Dies hängt mit der Temperaturschichtung zusammen. Bei einer Strahlungsheizung ist dieser Temperaturunterschied gegenüber einer Konvektionsheizung geringer. Das kann unter anderem auch eine Ursache sein, wenn eine neue und andere Heizung eingebaut wird und auf einmal erfolgt eine Feuchtebildung an der Außenwand über dem Fußboden.
Werden auch noch Möbel (Betten), wie hier in der Abb. 3 aufgestellt, dann kommt es zur umfangreichen Durchfeuchtung.
Schimmelstreifen über den Fußboden
Abb. 3: Feuchtestreifen mit Schimmmelbildung über den Fußboden.

Die Online-Befragung zur Schimmelpilzbildung zeigt, dass circa 70% der gemeldeten Feuchteschäden sich im Schlafzimmer befinden. Circa 30 % der Feuchteschäden befinden sich an der Wandoberfläche über den Fußboden. Hier gibt es ebenso verschiedene Ursachen. Sicherlich ist auch die Preistreiberei durch die Bundesregierung mit ihren Energiespargesetzen verantwortlich. Die Energiekosten sind in den letzten Jahren extrem angestiegen, was zur Folge hat, dass die Bewohner die Heizung einfach drosseln müssen. Dass die damit erhöhte Konzentration an Schimmelpilzen natürlich gesundheitliche Folgen für die Bewohner hat, was wiederum die Krankenkassen belastet usw., soll hier nur am Rande erwähnt werden. Es gibt aber auch konstruktive Probleme, die zu dieser Feuchtbelastung führen. Werden die Heizrohre in der Sockelleiste an der Außenwand entlang geführt, so wird dieser Wandabschnitt temperiert. Die Feuchte in Raum wird so nicht mehr lokal von der kühlsten Wandoberfläche aufgenommen, sondern verteilt sich auf eine größere Wandfläche. In den Abb. 4 und 5 werden solche Ausführungen gezeigt.

Abb. 4 und 5: Bei zwei verschiedenen Gebäuden wird der untere Wandabschnitt der Außenwand temperiert.
Heizungleitung an der Außenwand Heizungsleitung an der Außenwand

3. Fehlerhafte äußere Wärmedämmung

Besonders große Temperaturdifferenzen treten dann auf, wenn die nachträgliche Wärmedämmung falsch ausgeführt wird. Die Höhe des Beginns der Wärmedämmung wird oft nach äußeren Kriterien bestimmt. Wie hier in Leipzig beginnt bei diesem Wohnhaus die Dämmung in Höhe des Klinkersockels. Dass sich diese Kante aber 10 cm oberhalb des Fußbodens der Erdgeschosswohnung befindet, wurde nicht beachtet.

Bei dieser Ausführung der Wärmedämmung in der Abb. 6 lag eine hohe Feuchtebelastung an der Außenwand über dem Fußboden vor.
Die Temperaturmessung ergab:
Raumtemperatur 13,0 deg; C,   rel. Luftfeuchte 57 %
Wandoberflächentemperatur Fußboden 6,7 deg;C
ca. 60 cm höher 10,9 deg;C.

Wärmedämmung in Leipzig
Abb. 6: Die Wärmedämmung reicht nicht weit genug nach unten.

Das nachträgliche Anbinden einer Wärmedämmung von wenigstens 20-30 cm von unten ist erforderlich. Die praktische Ausführung ist nicht sehr einfach, da eine korrekte Fugendichtheit hergestellt werden muss.

Diese Ausführungsfehler entstehen aber auch in anderen Ländern, wie in der Ukraine in Хуст (Abb. 7). Hier endet die Wärmedämmung in Höhe des Fußbodens des Wohnbereiches. In der Abb. 8 entstand erst nach dem Anbringen der Außendämmung eine Feuchtebildung an der Außenwand über dem Fußboden. Hier liegt ein Wärmedurchlasswiderstand von 0,37 m2K/W gegenüber der Wandfläche mit R =1,87 37m2K/W vor, siehe Abb. 9.

Wärmedämmung in Хуст
Abb. 7: Die falsche Ausführung der Wärmedämmung führt zu einer Wärmebrücke an der Außenwand über dem Fußboden in der Wohnung (Хуст)

Wärmedämmung Велкий Бичкoв
Abb. 8: Falsche Ausführung der Wärmedämmung bei diesem Wohngebäude in Велкий Бичкoв in der Ukraine.

Berechnung des Wärmedurchgangswiderstandes
Abb. 9: Skizze zur Darstellung des Wärmedurchgangswiderstandes an der Grenzschicht zur Wärmedämmung

4. Feuchtebelastung an der Außenwand bei einem Neubau

Bei Neubauten mit Wärmedämmung kann es auch zur Durchfeuchtung kommen. Gerade dann, wenn sich eine Reihe von konstruktiven Ausführungen überlagern und zu einer niedrigen Oberflächentemperatur führen. In dieser ebenerdigen Wohnung befindet sich etwa 20 cm über dem Fußboden die Metallschiene für das Wärmeverbundsystem. Diese Schine wird zur Wärmebrücke. Hinzu kommen auch noch die große Sohlbank und die große Fenstertür zur Terrasse, siehe Abb.10 In der Küche befindet sich kein Heizkörper und an der Außenwand wurde seitens der Planung eine Küchenarbeitsplatte vorgesehen. Dieser Wandabschnitt ist dadurch nur ungenügend temperiert, siehe Abb. 11

Feuchteschäden mit Schimmel
Abb. 10 (links): Feuchteschäden mit Schimmel unter der Sohlbank zur Terrasse.

Schimmelpilze an der Außenwand unter der Arbeitsplatt
Abb. 11 (rechts): Schimmelpilze an der Außenwand unter der Arbeitsplatte in der Küche

5. Feuchte am Deckenanschluss

Hier liegen oft verschiedene Ursachen vor, die sich gegenseitig ergänzen und zur Tauwasserbildung führen. Meist ist dies durch eine dunkle Staubablagerung (Fogging) oder im schlimmen Fall durch eine Schimmelpilzbildung zu erkennen. Sind die Heizkörper ungünstig aufgestellt oder befinden sich Einrichtungsgegenstände bis kurz vor der Außenwand, so kann die Luftwalze diese Wandabschnitte nicht ausreichend temperieren. In der Regel bestehen die Decken aus einem anderen Baustoffe als die Wände. Sind diese zum Beispiel aus Beton und die Wände bestehen aus Ziegel, so habe diese eine größere Wärmeleitfähigkeit. Der unterschiedliche Wärmefluss muss durch eine entsprechende Ausführung einer Wärmedämmung (meistens außen) ausgeglichen werden. Aber nicht in jedem Fall kann dies vollständig ausgeglichen werden. Dies soll das Wärmebild (Abb.12) bei einem Neubau mit ordnungsgemäßer Ausführung einer Wärmedämmung zeigen. Liegt dann auch noch eine höhere Luftfeuchte wegen ungenügender Lüftung vor, so können sich auch hier Schimmelstreifen gerade in den Wandanschlüssen bilden.

IR-Bild zur Temperaturabsenkung an der Zimmerdecke
Abb.12: Temperaturabsenkung an der Zimmerdecke bei einem Neubau mit Wärmedämmung

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