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Was muss bei einem Leitungswasserschaden im Wohngebäude gemacht werden?

Leitungswasserschäden sind oft erst dann erkennbar, wenn sehr viel Wasser aus einer defekten Leitung austritt. In der Praxis treten aber sehr viele Schäden auf, wenn die Wasserleitungen nicht richtig in Muffen, Übergangsstücken oder Ecken verlötet oder die Verbindungsstücke nicht richtig gepresst wurden. In einigen Fällen liegt auch ein Materialversagen durch vorzeitige Korrosion vor. In Gebäuden nur aus mineralischen Baustoffen tritt zwar ein Wasserschaden auf, in dem Wasser durch die Decke tropft, aber auf die Bausubstanz hat dies nur eine untergeordnete Bedeutung. Natürlich darf auch hier die Feuchtebelastung nicht über eine sehr lange Zeit erfolgen. Mineralische Wandbaustoffe, ausgenommen Lehm, sind feuchteunempfindlich. Das heißt, es erfolgt keine Zerstörung dieser Baustoffe bei einer kurzzeitigen Feuchtebelastung statt. Anders sieht es bei der Altbausubstanz aus. Hier erfolgt eine Mischbauweise, aus mineralischen Baustoffen und einer tragenden Holzkonstruktion. Die Zwischenwände sind teilweise als Bundwände ausgeführt und die Decken bestehen aus Holzbalkendecken. Als diese Gebäude vor über 100 Jahren erbaut wurden, war im Gebäude kaum Wasser. In der Regel nur eine Steigleitung und ein Fallrohr in der Küche. Später wurden auch in den Außentoiletten Wasserleitungen verlegt, die bei kalten Wintertagen einfroren. In diesen AWC traten dann oft Wasserschäden auf und die Holzbalkendecke wurde durchnässt. Eine Bautrocknung, wie wir sie heute kennen, gab es damals nicht.

Im Rahmen der Modernisierung wurden und werden jedoch in der gesamten Wohnung Wasserleitungen für die Heizung und für das Bad verlegt. Es befinden sich jetzt dort Wasserleitungen, wo früher keine waren. Die Möglichkeit, dass jetzt Wasserschäden auftreten, hat sich spürbar vergrößert. Das Problem wird noch durch die verdeckte Verlegung dieser Leitungen vergrößert. In vielen Fällen sind geringe Leckstellen nur durch eine gezielte Leckageortung zu erkennen. Wird eine Heizungsleitung zum Beispiel offen oberhalb des Fußbodens an der Wand entlang verlegt, so können selbst durch den Mieter sehr schnell undichte Stellen erkannt werden. Liegt diese aber im Fußboden versteckt, so ist der Wasserschaden erst nach vielen Jahren erkennbar. Ebenso solche Problembereiche sind die verschlossenen Revisionskästen in den Bädern. Auch hier können tropfende Wasserleitungen nicht gesehen werden. Bei einer mineralischen Decke ist dies weniger schlimm, da diese Baustoffe gegenüber Feuchte in der Regel beständig sind. Aber wird eine Holzbalkendecke ständig befeuchtet, so bildet diese Feuchte eine Grundlage für das Wachstum von Holz zerstörende Pilze.

Nachfolgend wird ein Beispiel einer der vielen Leitungswasserschäden beschrieben. Im Bild wird die Unterseite einer Baddecke gezeigt. Die Deckenbalken sind durch die Weißfäule (Donkioporia expansa) vollständig zerstört. Die sich darüber befindliche Badewanne wurde nur noch durch die dünne Estrichplatte und den Fliesenbelag gehalten. Es bestand akute Einsturzgefahr. Ursache war der falsche Einbau des Abwasserleitungsrohrs entgegen der Flussrichtung. Über viele Jahre drang so unbemerkt immer etwas Wasser in die Holzbalkendecke.
Wasserleitungsschaden in einem Badfußboden

Gerade im modernisierten Altbaubereich sind Feuchteschäden sehr kritisch. Holzbalkendecken bestehen von unten gesehen aus dem Deckenputz, einer Sparschalung, Fehlboden, einer Brettschicht zur Aufnahme der Schüttung (Fehlbodenbrett), die Schlacke oder Lehmschüttung und der Dielung. Je nach länge haben die Deckenbalken einen Querschnitt von ca. 18 x 24 cm. Kondensatfeuchte wurde über den Fehlboden bis zum Balkenauflager geführt und konnte über die Fußbodenleiste in den Raum entweichen. Ein Teil dieser Feuchte wurde über die Dielenfugen an die Raumluft abgegeben. Ebenso konnte ein Teil dieser Feuchte über die Außenwand nach außen diffundieren. Nach einer Modernisierung sind die Fußbodenleisten entfernt und dicht verschlossen, auf der Dielung liegt eine Schrenzlage mit Ausgleichsschüttung und dichter Verlegeplatte und Fußbodenbelag. Nach unten befinden sich eine abgehängte Decke und außen ein Wärmeverbundsystem. Eingedrungene Feuchte in der Deckenkonstruktion kann nirgendwo hin. Da sowohl die Schlackeschüttung, als auch die Ausgleichsschüttung Wasser speichern können, sind solche Wasserschäden nur sehr schwer erkennbar. Werden diese dann festgestellt, dann hat sich der Echte Hausschwamm bereits über mehre Quadratmeter ausgebreitet. Oft sind dann mehrere Räume befallen. Die Deckensanierung betrifft dann mindestens zwei Wohnungen, die in dieser Zeit nicht bewohnt werden können. Der Sanierungsaufwand ist sehr aufwendig und kostenintensiv. Die Schadensregulierung übernimmt in der Regel die Gebäudeversicherung, wobei beim Auftreten des Echten Hausschwamms einige Versicherungsgesellschaften sich quer stellen.

Bei diesem Beispiel bildete sich bei der Erdgeschosswohnung an einer Innenwand des Korridors zum Bad Schimmel. Ebenso war immer eine unerklärlich hohe Luftfeuchte vorhanden. Bisher konnte dies niemand klären. Auf der Rückseite befindet sich das Bad ohne ein Anzeichen eine Feuchtequelle. An der Außenwand befindet sich der Revisionsschacht. Hier wurde eine tropfende Steigleitung für das warme Wasser gefunden. Das Wasser tropfte im Revisionsschacht auf den Rohfußboden und breitete sich zwischen der Rohdecke und den darüber befindlichen Fußbodenschichten mit den Bodenfliesen aus. In dieser Schicht gelangte dann das Wasser bis zur Innenwand.
Wasserleitungsschaden

Nachfolgende Ratschläge helfen, größere Schäden zu vermeiden:

  1. Treten Feuchteschäden auf oder besteht die Vermutung das Wasser in die Holzbalkendecke gelaufen ist, so ist möglichst schnell eine Fachfirma (Bautrocknung) einzubeziehen und der Feuchteschaden ist der Hausversicherung zu melden.
  2. Es sollten möglichst alle Wasserleitung und Abflussleitungen, so verlegt werden, dass eine Kontrolle möglich ist. Zur besseren Optik kann eine einfache Zierleiste aufgesetzt werden.
  3. Die Verlegung von Leitungen in einer Holzbalkendecke ist möglichst zu vermeiden.
  4. So wenig Leitungen verlegen, wie nötig.
  5. Holzbalkendecken in Räumen, wo höhere Feuchte auftritt, wie z. B. Bäder oder Küchen, sollten bei der Sanierung durch Konstruktionen aus mineralischen Baustoffen ausgetauscht werden.

 ©  Altbausanierung | BaulexikonBauideenDownloadE-Mail | 3/2006