Ingenieurbüro Arbeitsgestaltung und Baubiologie Peter Rauch
Schimmelpilze in Wohngebäuden   ISBN 3-00-012946-4   - Peter Rauch -    english  ryccku  French

5. Pilze als Erreger von Krankheiten bei Menschen und Tiere
5.1. Allgemein

Krankheiten, hervorgerufen durch Pilze, sind bei den Pflanzen gänzlich anders als bei den Menschen und höheren tierischen Organismus. Aber auch hierbei ergeben sich dennoch manche Übereinstimmungen, welcher durch die parasitäre heterotrophe Ernährungsweise hervorgerufen wird.

Je nach Art des Schadenbildes kann unterschieden werden:

      Mykose
      Mykotoxikose
      Mycetismus
      Allergose

Im feuchten (unter Umständen) mit Schimmelpilz befallenen Gebäude werden Sick-building-Symptomatiken wie Ausschläge, Juckreiz, Nasenbluten, Husten und Kopfschmerzen [2] ebenso werden Magen-Darm-Probleme und ZNS-Symptomatiken (Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsschwächen, Müdigkeit) geschildert.

Die gesundheitlichen Auswirkungen werden hier kurz zusammengefaßt und in den Nachfolgepunkten ausführlicher erläutert.

  • Allergene Wirkung
    Der Dosis-Wirkungszusammenhang ist in diesem Fall sehr komplex. Es hängt unter anderem von der individuellen Prädisposition (empfänglich für eine Krankheit) sowie vom allergenen Potential der Schimmelpilzsporen ab. Bei Sensibilisierungen richtet sich das auftreten allergischer Reaktionen nach dem Grad der Sensibilisierung, der Membranfunktion von Haut und Schleimhäuten und der Allergendosis pro Fläche. Ca. 5% der Bevölkerung der BRD sind sensibel gegen Schimmelpilze.
  • Toxische Wirkung
    Die Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen (zum Beispiel Mykotoxine), sowie die Zellwandbestandteile (Glukane) wirken toxisch. Als immuntoxische Wirkung ist auch die Freisetzung von Interleukinen und sonstigen Entzündungsmediatoren in Haut und Schleimhäuten bei Schimmelpilzeinwirkungen zu sehen. Ausgelöst durch Innenraumbelastungen ist allerdings kaum mit einer solchen Wirkung zu rechnen.
  • Infektiöse Wirkung
    Die infektiöse Wirkung spielt vor allem bei immungeschwächten Menschen eine Rolle. Ausgelöst durch Innenraumbelastungen ist allerdings kaum mit einer solchen Wirkung zu rechnen. [23]
  • Geruchsbelästigung
    Sie beeinflusst beträchtlich die Lebensqualität. Sie kann aber auch von Bakterien oder durch Baustoffe (Lösungsmittel) verursacht werden.

In der Anlage 6 werden die klinisch relevanten Schimmelpilze und die verursachten Erkrankungen zusammengefasst.

Auch wenn sich in den letzen Jahren typische Beschwerdebilder herauskristallisiert haben, sind die Kenntnisse über die genaue Pathogenese von Wirkungen der Schimmelpilze auf den Menschen zurzeit noch lückenhaft, so dass wissenschaftlich abgesicherte Aussagen hierzu nur sehr eingeschränkt möglich sind. Der Zusammenhang von Dosis und Wirkung zwischen Messungen von lebenden Pilzen in der Raumluft und gesundheitlichen Beschwerden ist nur sehr schwer nachzuweisen, da auch abgestorbene Schimmelpilze und von ihnen freigesetzte Stoffe Wirkungen haben. [24]

Es gibt aber auch eine Vielzahl von Schimmelpilzen, die bewusst genutzt werden. So führte die Entdeckung von dem schottischen Mikrobiologen Alexander Flemming 1928 zu den Antibiotika Penizillin, welches durch Penicillium notatum und Penicillium chrysogenum produziert wird. Bei der Lebensmittelproduktion wird das auffällige flavour mehrere Käse, wie Roquefort, dänisch blau, Camembert, und Brie durch den Reifeprozess in Anwesenheit von Schimmelpilze (Edelschimmel), wie der Gattung Penicillium, erzielt. Zu nennen sind auch die Hefepilze die zur Alkoholerzeugung genutzt werden, zum Beispiel die Weinhefe (Saccharomyces ellipsoideus) und die Bierhefe (Saccharomyces cerevisiae). Weinhefe führt die im Most enthaltene Glucose in Alkohol über, während die Bierhefe auf die Vergärung der Maltose spezialisiert ist. [25], [26] Auch im Sauerteig oder Brotteig verwandeln zugesetzt Hefepilze den Zucker in Alkohol, der während des Backprozesses verdampft und die Kohlensäurebläschen den Teig auflockern. MutterkornAn der Umwandlung frischer Milch in gegorene Milch, vor allem in der Form von Joghurt, sind maßgeblich Hefepilze beteiligt. Der Pilz, unter den Namen Mutterkorn bekannt, ist ein Parasit auf Getreide, speziell auf Roggen, der eine sehr schwere Erkrankung (Kriebelkrankheit auch Ergotismus) hervorruft. Die krampferzeugende Wirkung beruht in erster Linie dem Alkaloid Ergotoxin. Es findet Anwendung in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Das Mutterkorn gehört zu den ältesten Heilpflanzen, dass bereits chinesischen Ärzte der Frühzeit kannten. [26]

 

Bild 5.1.1.: Mutterkorn, ein Parasit auf Getreide [27]

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Inhalt
1. Einführung
2. Schimmelpilze
2.1. Charakteristik
2.2. Lebensgrundlage
2.3. Vorkommen in der Luft
2.4. Innenluft
3. Ursachen (Entstehung)
4. Schimmelpilze Innenräume
5. Krankheiten bei Menschen
5.1. Vorkommen Haut
5.2. Mykosen
5.3. Mykogene Allergien
5.4. Mykotoxikosen
5.5. Mycetismus
5.6. Allergose
6. Als Materialzerstörer
6.1. Im Ökosystem
6.2. Materialzer-störung
6.3. Holz, Moderfäule
6.4. Papier
6.5. Textilien
6.6. Wolle
6.7. Leder
6.8. Kunststoffe
6.9. Farben
6.10. Glas
6.11. Baustoffe (Kalk)
6.12. Org. Baustoffe
6.13. Metall
7. Bekämpfung
8. Ursachen
- Checkliste (kurz)
- Bsp. Toxine
  Literatur
Bildergalerie Schimmel

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