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6.8. Schimmelpilze zerstören auch Kunststoffe, Naturgummi und Synthesegummi

Es sind nur wenige Schimmelpilzarten in der Lage diese Substanzen abzubauen. Meist ist diese Fähigkeit an den Zusatz von Weichmachern, Emulgatoren usw. in den Produkten in Verbindung mit Feuchtigkeit möglich. Von den Weichmachern sind mehrwertige Alkohole, Ester von Ricinolein-, Klaurin-, Stearin- und Ölsäure sowie Derivate von Adipin- und Sebacinsäure besonders geeignete Pilzsubstrate. Das Schimmelwachstum führt dann zu einer Verminderung der Reiß-, Zug- und Biegefestigkeit, der Elastizität und unter Umständen auch der Isolierwirkung der Kunststoffe. In Feuchträumen können vollsynthetische Fußbodenbeläge (Polyamid, Polyester) durch Schimmelpilz befallen werden.

Die bei Abbau der Polyurethane mitwirkenden Enzyme sind Proteasen, Urease und Esterasen. Dabei werden folgende Schritte angenommen: Abbau verbleibender freier Isocynatgruppen, Spaltung von Amidgruppen, Aufbrechen der Urethangruppen und Spaltung der Ringe der Isocyanatsäure-Einheiten. Ebenso tritt ein verstärkter Schimmelbefall bei Dichtstoffen (Polysulfid-, Silikon- und Polyurethan-Polymere) auf. Gerade bei Dehnfugen in Schwimmbädern zeigen schon nach wenigen Monaten dunkle Flecken, die auf eingewachsene Pilzmycelien zurückzuführen sind. Schimmelpilze an den Fugen aus Silikon im BadVoraussetzung für das Pilzwachstum auf Kunststoffen als Dichtungsmasse ist eine Verwertbarkeit der Polymere oder beigefügter Hilfsstoffe, wie etwa Weichmacher, als Kohlenstoffquelle. Im allgemeinen sind Silikon-Dichtstoffe gegen Pilze und Bakterien in hohem Maße widerstandsfähig. Im Bild 6.8.2. wurden alle Wände und die Decken mit einer Kunststoffpaneele verkleidet. Das Bad befindet sich im Gebäudeinneren. Höhere Feuchte liegt nur während der Zeit der Nutzung vor. Sonst ist die Tür zur Wohnung offen, sodass die übrige Zeit eine Luftfeuchte von etwas 50% vorliegt. Bereits nach 5 Monaten waren die Silikonfugen durch verschiedene Schimmelpilzarten befallen. Der Fehler liegt in der fehlenden soptionsoffenen Fläche. Ebenso währe hier eine Silikonfuge nicht erforderlich gewesen, da ja die Ecken Eckschienen ausgekleidet wurden.

Bild 6.8.1.: Silikonfuge in einer Dusche. Hier kann man deutlich den Bewuchs durch Schimmelpilze erkennen.

Bild 6.8.2.: Diese Silikonfuge in einem Bad ist gerade 5 Monate alt und ist zum großen Teil verschimmelt.

Schimmel auf Silikunfuge

... Kunststoffputze und Putzmörtel enthalten bis zu 3% Polyvinylacetat, wodurch die Verarbeitung erleichtert und die Festigkeit und Elastizität des Materials verbessert werden sollen. Auf solchen Putzen wachsen Cladosporium herbarum und Stemphylium sp. Polyvinylacetat selbst wird durch den Pilz nicht angegriffen. Im alkalischen Putz wird das Polymer jedoch zu Polyvinylalkohol und Acetat hydrolysiert; die letztere Verbindung dient den Pilzen dann als C-Quelle.
Auch Bakterien sind an der Zerstörung von Naturgummi beteiligt, wahrscheinlich Mykobakterien und Streptomyceten [19], auch wenn er mit Giftstoffen versetzt wird.

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