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8. Die Schimmelpilze richtig bekämpfen.

8.1. Allgemeine Grundlagen

Das Leben beruht auf drei Grundvoraussetzungen, das flüssige Wasser, Energie und Nahrungssubstanz. Im Verlauf der Evolution haben sich solche Lebensformen durchgesetzt, die unter den jeweiligen klimatischen Bedingungen am zweckmäßigsten Überleben und zur Erhaltung ihrer Art beitragen. Hierfür haben die Nukleinsäuren als Funktionselemente überragende Bedeutung. Die DNA (Desoxyribonukleinsäuren) dient als Träger der genetischen Informationen in den Chromosomen des Zellkerns und in den äquivalenten Strukturen der Mitochondrien, Chloroplasten, der kernlosen Organismen und vieler Vieren sowie in Plasmiden [101]. Die (Transfer)- RNA (Ribonukleinsäure) stellen das Bindeglied zwischen der Übermittlung und Realisierung dieser genetischen Informationen in den meisten lebenden Zellbestandteilen den eigentlichen Funktionsträgern einer Zelle, den Eiweißen, dar. [102] Beim Studium des Archaebakteriums Nanoarchaeum equitans wurde ein bisher unbekannter Weg entdeckt, zentrale zelluläre Nachrichtenüberträger zu bilden, die den Aufbau von Zellen steuern.[102] Betrachtet man weiterhin, unter welchen extremen Bedingungen Leben existiert, wie zum Beispiel Bakteriums Thermus thermophilus, welche bei 60 bis 85 ºC wächst, die Proteine enthalten, die offenbar bei Hitze sehr gut arbeiten und damit besonders stabil sind. [103] Dagegen wachsen andere Kulturen im Eis. Es wird deutlich, unter welchem breiten Spektrum die oben genannten drei Grundvoraussetzungen vorhanden sein können, um eine Erhaltung beziehungsweise Bildung des Lebens zu ermöglichen.
Vereinfacht ausgedrückt heißt das, jedes Lebewesen ist bestrebt auch unter extremen Bedingungen zu überleben, um sich irgendwann fortzupflanzen, wenn seine spezifischen optimalen Lebensbedingungen wieder vorliegen. Einige haben sich sogar an die extremen Bedingungen angepasst. Es gibt so gut wie keinen Ort auf der Erde, wo nicht Leben existiert.

Eine erfolgreiche Bekämpfung der Mikroorganismen hat nur dann Erfolg, wenn die oben genannten Bedingungen berücksichtigt werden. Ziel muss es sein, mit minimalen beziehungsweise vertretbaren Aufwendungen einen hohen Nutzeffekt zu erzielen. Es ist Unsinnig die Wohnung in einen sterilen Raum verwandeln zu wollen. Weiterhin darf durch diese Maßnahmen die Wohnqualität nicht verringert werden und es darf keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch "chemische Keulen" auftreten. (Beachte: Austausch der Schimmelpilze durch Fungizide.)
Die meisten uns umgebenden Mikroorganismen stellen keine gesundheitliche Gefährdung dar. (Siehe hier auch unter Punkt 1. und 5.2.) Werden diese mit den vermeintlichen gesundheitsschädigenden abgetötet, so entstehen "Lebensraumnischen", wo sich stattdessen andere Kulturen ansiedeln können. [107] So kann das Vorhandensein bestimmter Mikroorganismen (harmlose) ein begrenzter Schutz darstellen. Auf neue Kulturen, die bisher nur eine untergeordnete Rolle spielten, jetzt aber sich ausbreiten können, ist unser Immunsystem nicht in jedem Fall ausreichend eingestellt. Eine Verschiebung des natürlichen Mikroklimas sollte daher immer mit Bedacht vorgenommen werden.

Eine diese Verschiebung ist die hermetische Abdichtung des Wohngebäudes und der veränderte Feuchtetransport in der Konstruktion nach außen.Wärmeverbundsysteme aus Styropor sind dicht und behindern den bisherigen Feuchtetransport durch den mineralischen Wandaufbau. Auch wenn dieser nicht sehr groß ist, kommt es über die Zeit zur Feuchteanreicherung mit einer Rückkopplung bis zur Innenwandoberfläche. Die Feuchte nimmt an diesen Wandabschnitten zu. Ein ungenügender Luftaustausch ist meist an den Schimmelstreifen über dem Fußboden an der Wandoberfläche im Schlafzimmer zu erkennen. Dies liegt nun nicht unbedingt an dem Nutzer. Das Raumvolumen ist zu klein und kann während der Nachtruhe nicht genügen Feuchte aufnehmen, welche am Morgen abgelüftet wird. Die Fenster sind einfach zu dicht. Noch kritischer wird es, wenn in der Wohnung Wäsche zum Trocknen aufgehängt wird.
Oft reichen bereits geringfügige Veränderungen aus, die in vielen Fällen durch die Bewohner selbst ohne großen Aufwand realisiert werden können.

Bevor eine erfolgreiche Bekämpfung erfolgt, müssen weiterhin noch eine Reihe von weiteren Fragen geklärt werden. Dabei gehört die Feuchtemessung zur Basisuntersuchung, insbesondere wenn nicht wie in dem Beispiel vom Badezimmer so klar ist, woher die Feuchtigkeit eigentlich kommt. Manchmal tritt diese auch nicht sichtbar von außen ein und macht sich jahrelang im Mauerwerk breit, ehe es zu sichtbaren Schäden kommt. Für den Menschen können die mit der Feuchtigkeit entstehenden Mikroorganismen aber schon "unangenehm" sein, wenn noch gar nichts zu sehen ist. Das sagt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Bei einem kleinen Befall, zum Beispiel nur oberflächlicher Befall nicht größer als ca. 0,4 m² (sind keine Bauwerksmängel), ist kein Risiko für gesunde Personen zu erwarten. Diese Schädigungen können im Allgemeinen ohne Beteiligung von Fachpersonal selbst beseitigt werden. [42]

Nach folgender Reihenfolge könnte vorgegangen werden:
(weiter im Schimmelbuch)

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